{"id":4460,"date":"2024-05-31T00:01:00","date_gmt":"2024-05-30T22:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4460"},"modified":"2024-05-31T13:31:17","modified_gmt":"2024-05-31T11:31:17","slug":"die-berlinale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4460","title":{"rendered":"Die Berlinale"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die federleicht durch die Filme schwebt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Mehr als ein Vierteljahr ist seit der Berlinale ins Land gegangen, trotzdem strahlt ihr Programm noch auf andere Festivals aus, vor allem der queerfeministische Part. So ist das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund|K\u00f6ln (IFFF), das wie immer im April stattfand, auch dieses Mal ein R\u00fcckblick auf die Berlinale bzw. eine Aus- und Bewertung feministischer und feministisch-lesbischer Teilhabe im Film. Und nicht nur, dass Regisseurin Jennifer Reeder bei der Berlinale in der Internationalen Kurzfilmjury mitentschied, sie war auch \u2013 zusammen mit Schauspielerin Thelma Buabeng und Filmemacherin Cristina Andreu Cueavas \u2013 in der Jury des Internationalen Deb\u00fct-Spielfilm-Wettbewerbs des IFFF. Zudem zeigte sie bei der diesj\u00e4hrigen IFFF-Ausgabe in K\u00f6ln ihren vierten Spielfilm \u201ePerpetrator\u201c; Wie gewohnt mit subversiven Horrorelementen aus verst\u00f6renden Teenager-Beziehungen, infantilen Erwachsenen und pseudokom\u00f6diantischen High-School-Szenen gespickt. Von der IFFF-Jury ausgezeichnet wurde der Deb\u00fct-Spielfilm \u201eEllbogen\u201c, der im Februar auch Teil des Generation-Programms der Berlinale gewesen war und mit dem das IFFF am 16. April er\u00f6ffnet wurde. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis nahm die Berliner Regisseurin Asli \u00d6zarslan entgegen. Die Buchverfilmung (Roman von Fatma Aydemir, 2017 im Hanser Verlag erschienen) erz\u00e4hlt die Geschichte einer fast 18-j\u00e4hrigen in Berlin, die beim Feiern mit ihren Freundinnen Entt\u00e4uschungen hinter sich lassen will, jedoch durch einen t\u00f6dlichen Zwischenfall in eine aussichtslose Situation ger\u00e4t, die ihre gesamten Pl\u00e4ne auf eine bessere Zukunft in Frage stellt. In der Jurybegr\u00fcndung hei\u00dft es: Die Botschaft des Films \u201espiegelt die Situation der Frauen von heute wider und fordert uns auf, daf\u00fcr zu sorgen, dass es den Frauen von morgen besser geht.\u201c Der Film soll im Herbst in die Kinos kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ber\u00fchmtesten queeren Auszeichnungen \u2013 zumindest im deutschsprachigen Raum \u2013 sind jedoch nach wie vor die Teddy Awards, die im Rahmen der Berlinale auch in diesem Jahr wieder vergeben wurden. Um es gleich vorwegzunehmen, \u201eSex\u201c von Dag Johan Haugerud aus Norwegen, Beitrag in der Programmschiene Panorama, um zwei Schornsteinfeger und ihre homoerotischen Tr\u00e4umereien \u2013 beide kehren \u00fcbrigens zu ihren heterosexuellen Familienverb\u00e4nden zur\u00fcck \u2013war zwar f\u00fcr den besten Spielfilm nominiert, ging jedoch bei den Teddys g\u00e4nzlich leer aus. Andererseits erhielt er andere Berlinale-Preise, so den Panorama-Preis der \u00f6kumenischen Jury, einen der Cicae Art Cinema Awards und den Label Europa Cinemas. <\/p>\n\n\n\n<p>Als bester Spielfilm kristallisierte sich bei den Teddys \u201eAll shall be well\u201c von Ray Yeung aus Hongkong\/China heraus. Darin geht es um eine innige Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, von der die eine unerwartet stirbt und ihre Partnerin in unsicheren Mietwohnverh\u00e4ltnissen zur\u00fcckl\u00e4sst. Nach \u00fcber drei\u00dfig Jahren gemeinsamen Lebens beginnt Angie notgedrungen ihren \u201esp\u00e4ten Emanzipationsprozess\u201c \u2013 und kann sich schlie\u00dflich durchsetzen. Der deutsche Beitrag \u201eTeaches of Peaches\u201c von Philipp Fussenegger und Judy Landkammer, der im April auch beim IFFF in K\u00f6ln gezeigt wurde, wurde mit dem Teddy f\u00fcr den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Portraitiert wird die international gefeierte K\u00fcnstlerin, die als Merrill Nisker in Kanada geboren wurde und mit ihren spektakul\u00e4ren Showprogrammen als Peaches zu Ber\u00fchmtheit kam. Der Beitrag verbindet exklusives Archivmaterial mit atemberaubenden Touraufnahmen und hinterl\u00e4sst den Eindruck energiegeladener kultureller Brillanz \u2013 so in etwa meine \u00dcbersetzung der Programmbeschreibung. Und wer Peaches einmal live auf der B\u00fchne erlebt hat, kann dieser Zusammenfassung ihrer Performance nur zustimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum besten Kurzfilm k\u00fcrte die Teddy-Jury den niederl\u00e4ndisch-polnischen 23-Minuten-Beitrag \u201eGrandmamauntsistercat\u201c von Zuza Banasinska. Hervorgeholt und zusammengesetzt werden darin Bruchst\u00fccke von Filmmaterial aus dem kommunistischen Polen. Unterschiedliche Perspektiven einer matriarchalischen Familie werden erz\u00e4hlt. Es geht um Widerstand, Ideologie, den Alltag \u2013 und wie sich ein Kind darin zurechtfindet. Den Teddy-Jury Award erhielt Levan Akin f\u00fcr den Er\u00f6ffnungsfilm des Panorama, n\u00e4mlich \u201eCrossing\u201c \u2013 eine schwedisch-d\u00e4nisch-franz\u00f6sisch-t\u00fcrkisch-georgische Coproduktion. Darin sucht eine Lehrerin ihre Nichte in Istanbul. Zusammen mit einer Anw\u00e4ltin f\u00fcr Trans-Rechte kommt sie ihrem Ziel n\u00e4her und damit auch den Gr\u00fcnden f\u00fcr den R\u00fcckzug der vor langer Zeit Verschwundenen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Special Teddy Award \u201ef\u00fcr herausragende Leistungen und nachhaltige Verdienste um den queeren Film\u201c erhielt Lothar Lambert, 1944 in Th\u00fcringen geboren und in Berlin aufgewachsen, f\u00fcr seine Arbeit als Regisseur von fast 40 Filme, die meist von Mitgliedern der Berliner LGBTIQ*-Szene handeln, die selbst ihre eigenen Geschichten erz\u00e4hlen. Viele seiner Filme liefen bei der Berlinale, zuletzt 2010 \u201eAlle meine Stehaufm\u00e4nnchen: Von Frauen, die sich was trauen\u201c, eine 82-Minuten-Doku, die Frauen aus Berlin portraitiert. Im Film dabei sind Irene Schweitzer, Inhaberin des Charlottenburger \u201eKaufhaus Schrill\u201c (heute: \u201eGallery Schrill\u201c, Bleibtreustr. 48), Fotografin Erika Rabau (verstorben 2016) und Malerin Evelyn Sommerhoff (www.evelyn-sommerhoff.de).<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den verliehenen B\u00e4ren des Wettbewerbs nur ganz kurz (weitere Infos unter berlinale.de): Der goldene B\u00e4r f\u00fcr den besten Film ging an die Doku \u201eDahomey\u201c von Mati Diop (Frankreich, Senegal, Benin): 26 Objekte sogenannter \u201eBeutekunst\u201c aus der Kolonialzeit kehren von Paris nach Benin zur\u00fcck. Der Film geht der Frage nach, ob es \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, den Raub kultureller Sch\u00e4tze wiedergutzumachen, und wie mit den Objekten umgegangen werden soll, die so lange fern ihrer Heimat waren, die besch\u00e4digt und entweiht wurden. Ein sch\u00f6ner und interessanter Beitrag, gerade wegen des umstrittenen Themas. Unbedingt erw\u00e4hnen m\u00f6chte ich auch den Silbernen B\u00e4r Gro\u00dfer Preis der Jury, der an Hong Sangsoo f\u00fcr \u201eYeohaengjaui pilyo\u201c (\u201eA traveler\u2019s needs\u201c) aus S\u00fcdkorea ging. Isabelle Huppert beeindruckt darin von der ersten Minute an. Sie sitzt in und spaziert durch idyllische G\u00e4rten, trinkt gern Makgeolli, ein alkoholisches koreanisches Getr\u00e4nk, und vermittelt koreanischen Frauen Franz\u00f6sisch mittels einer eigens erfundenen Lehrmethodik. Sind die Sch\u00fclerinnen auch irritiert, weil die Franz\u00f6sin, wie sie selbst zugibt, keinerlei Erfahrung im Fremdsprachenunterrichten hat, aber trotzdem viel Geld f\u00fcr die Unterrichtseinheiten verlangt, so gew\u00f6hnen sich doch alle zusehends aneinander. Ein harmonischer Film mit einer wunderbaren Huppert, die federgleich durchs Bild schwebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die federleicht durch die Filme schwebt Mehr als ein Vierteljahr ist seit der Berlinale ins Land gegangen, trotzdem strahlt ihr Programm noch auf andere Festivals aus, vor allem der queerfeministische Part. 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