{"id":445,"date":"2021-03-12T00:47:04","date_gmt":"2021-03-12T00:47:04","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.lambdanachrichten.at\/?p=445"},"modified":"2021-05-09T12:36:54","modified_gmt":"2021-05-09T12:36:54","slug":"inter-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=445","title":{"rendered":"\u201eInter\u201c-was?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum ein \u201eI\u201c alleine nicht genug ist!<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Community bedeutet ganz viel f\u00fcr alle Menschen, die in irgendeiner Weise stigmatisiert und marginalisiert werden. Sie bedeutet mehr als wahrgenommen zu werden &#8211; in ihr f\u00fchlen wir uns \u201eendlich\u201c verstanden, akzeptiert und unterst\u00fctzt. Die LGBTIQA*-Community ist gro\u00df und vereint viele Farben und das ist gut so. Die Inter*-Bewegung hat unter anderem den vorangegangenen K\u00e4mpfen von LGBTQA*-Aktivist*innen einiges zu verdanken. Was uns im Positiven als \u00fcbergreifende Community vereint, vereint uns auch im Negativen: Wir sind diejenigen, die angeblich nicht zur gesellschaftlichen Norm rund um(s) Geschlecht geh\u00f6ren. Sei es wegen unserer K\u00f6rper, unserer Identit\u00e4ten, unserer Verhaltensweisen, unserer diversen Begehren&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201eI\u201c, das f\u00fcr \u201eIntergeschlechtliche\u201c (engl. intersex) steht, wird nun schon seit vielen Jahren in der Sprache inkludiert. Das ist definitiv wichtig und erreicht erste Aufmerksamkeit. Aber wie sieht es denn dar\u00fcber hinaus aus? Hei\u00dft das, zu wissen, was Intergeschlechtlichkeit ist? Dass intergeschlechtliche Menschen wirklich eingebunden sind, ihre Themen in der Diskussion vorkommen? Dass es in Lokalen, auf Veranstaltungen Bewusstsein f\u00fcr inter*-sensiblen Umgang gibt? Fragen, die mir oft begegnen sind: \u201eWie sollen Intergeschlechtliche nun angesprochen werden?\u201c \u201eBraucht es jetzt ein eigenes Klo?\u201c \u201eWozu gibt es jetzt 6 Geschlechtseintr\u00e4ge?\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wisst ihr, dass sich Inter*-Aktivismus f\u00fcr die k\u00f6rperliche Selbstbestimmung einsetzt?<\/h3>\n\n\n\n<p>Alle Fragen sind wichtig. Und ich beantworte sie auch gerne. Aber zugegebenerma\u00dfen, das Tabuisieren des letzten Jahrhunderts war leider sehr erfolgreich. Seit durch die Experimente von Dr. John Money, in Kombination mit den technischen M\u00f6glichkeiten der Medizin, die Geschlechtsmerkmale von Kindern in weibliche oder m\u00e4nnliche Normvorstellungen \u201eangepasst\u201c werden konnten, ist die Unsichtbarmachung von vielf\u00e4ltigen K\u00f6rpern eine traurige und gewaltvolle Routine. Seit \u00fcber 20 Jahren berichten erwachsene inter* Menschen, wie sie diese irreversiblen operativen und\/oder hormonellen Eingriffe in ihre K\u00f6rper erleben bzw. erlebt haben. Ich schreibe erleben, weil posttraumatische Belastungen Realit\u00e4t sind \u2013 psychisch, aber auch k\u00f6rperlich. Viele sagen: ich war nicht krank, ich wurde erst krank gemacht. Und das ist das Schreckliche, diese medizinischen Eingriffe sind meist gesundheitlich nicht notwendig. Sie dienen Vorstellungen davon, wie Kinder in dieser Gesellschaft aufwachsen sollen und was ihrem \u201eWohle\u201c dient. Oft wird ein Schutz vor H\u00e4nseleien vorgeschoben oder davon ausgegangen, dass wir in unseren \u201eabweichenden\u201c K\u00f6rpern nicht gl\u00fccklich werden k\u00f6nnten. Auch die Annahme dar\u00fcber, wie ein sp\u00e4teres Sexualleben stattfinden wird, n\u00e4mlich heterosexuell-penetrativ, gen\u00fcgt, um Genitalien zu modifizieren. Und ja, das passiert heute immer noch. Heute wird es den Kindern gegen\u00fcber nur nicht mehr komplett verschwiegen. Und ja, es ist nicht leicht f\u00fcr Eltern, wenn sie mit Informationen \u00fcberfordert, mit Entscheidungen konfrontiert werden und damit alleine sind, mit Entscheidungen, die nicht mal die ihren sein d\u00fcrfen \u2013 sondern die ihrer Kinder, wenn sie viel sp\u00e4ter entscheidungsf\u00e4hig dazu sind. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Soli-Demonstration-2016-in-Wien-c-VIMOe-1024x683.jpg\" alt=\"Inter-Soli-Demonstration 2016 Wien (Foto: VIM\u00d6)\" class=\"wp-image-447\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Soli-Demonstration-2016-in-Wien-c-VIMOe-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Soli-Demonstration-2016-in-Wien-c-VIMOe-300x200.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Soli-Demonstration-2016-in-Wien-c-VIMOe-150x100.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Soli-Demonstration-2016-in-Wien-c-VIMOe-768x512.jpg 768w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Soli-Demonstration-2016-in-Wien-c-VIMOe-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Soli-Demonstration-2016-in-Wien-c-VIMOe.jpg 1296w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Inter-Soli-Demonstration 2016 Wien (Foto: VIM\u00d6)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Oft steht das \u201eI\u201c eher f\u00fcr \u201einvisible\u201c, besser w\u00e4re \u201einvincible\u201c!<\/h3>\n\n\n\n<p>Eltern m\u00fcssen gest\u00e4rkt werden, ihre Kinder gest\u00e4rkt aufwachsen zu lassen. Ein intergeschlechtliches Kind ist genauso wunderbar, wie jedes andere! Daher schmerzt es oft, wenn ich in der LGBTQA*-Community auf Ignoranz sto\u00dfe, da es die Community ist, die auch Pathologisierung, Folter und Unterdr\u00fcckung \u00fcberwinden musste und immer noch muss. Das zeigt sich mitunter, wenn Witze \u00fcber Genitalien oder andere Geschlechtsmerkmale gemacht werden. Oder Geschlechtsidentit\u00e4ten nicht respektiert werden. Wenn Leute immer noch glauben, dass alle Frauen XX und alle M\u00e4nner XY-Chromosomen haben. Wenn Dating innerhalb der Community mehr mit Angst und Stress behaftet ist, statt mit Lust und Offenheit &#8211; oder umgekehrt, wenn wir \u201enur\u201c eine Neugierde oder einen Fetisch befriedigen, aber f\u00fcr Beziehungen nicht interessant sind. \u201eInter-was?\u201c h\u00f6re ich auch an Orten, wo das \u201eI\u201c mit drauf steht. <\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig hat sich die letzten Jahre sehr viel getan, die Inter*-Community und VIM\u00d6 haben so viel Unterst\u00fctzung erhalten. Sei es, dass sich Politiker*innen aus der LGBTIQA*-Community f\u00fcr unsere Forderungen stark machen, Spenden und F\u00f6rderungen unsere Arbeit erm\u00f6glichen, die zahlreiche Organisierung unserer Vortr\u00e4ge und Aufkl\u00e4rungsarbeit oder die verb\u00fcndeten F\u00fcrsprecher*innen unserer Menschenrechtsanliegen, die in ihren Bereichen wichtige Impulse setzen \u2013 weil sie erkannt haben, wie dringend der Handlungsbedarf und aktive Solidarit\u00e4t sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ich bin inter* UND Ally. <\/h3>\n\n\n\n<p>Ich habe keine medizinischen Eingriffe in meinen K\u00f6rper, in mein Geschlecht erfahren m\u00fcssen. Ich wurde allerdings sozial und medizinisch massiv unter Druck gesetzt, meine Geschlechtsmerkmale anzupassen und zu verstecken &#8211; gerade als junge Person ist das so hart und isolierend, ja, zerst\u00f6rerisch. Und wof\u00fcr? F\u00fcr eine geschlechtliche Zwangsordnung, von der ich was genau habe? Schein-Akzeptanz? Ich hatte einerseits Gl\u00fcck, weil ich meine Variation gut verstecken konnte und mich erst Anfang 20 ins Krankenhaus zu den Untersuchungen meiner \u201eSymptome\u201c begeben habe. \u201eDas ist nicht normal.\u201c \u201eSeit wann haben Sie das?\u201c \u201eSie k\u00f6nnen Krebs haben!\u201c\u2026 zu diesen Aussagen die verst\u00f6rten und angewiderten Blicke der Mediziner*innen. Ich hatte davor schon erfahren, was es bedeutet, jeden Tag f\u00fcr mein Aussehen verachtet, diskriminiert, attackiert zu werden. Aber ich wusste, der Fehler liegt nicht bei mir. Mein Widerstand war bereits erwacht und ich sah nicht ein, warum ich als weniger wert, falsch oder krank gelten sollte. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Selbstbestimmung \u00fcber den eigenen K\u00f6rper ist keine Utopie, es ist ein Menschenrecht. <\/h3>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte euch anregen, euch mehr mit unserer Bewegung zu besch\u00e4ftigen, mit unseren Erfahrungen und K\u00e4mpfen. Es klingt kitschig, aber es ist wahr: gemeinsam sind wir st\u00e4rker! Aber dazu m\u00fcssen wir einander zuh\u00f6ren, uns kennenlernen und auch erkennen, was die Probleme sind und wie wir uns gegenseitig unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Denn wir brauchen einander. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-1024x768.jpg\" alt=\"Inter-Block beim CSD Salzburg 2020 - (c) VIM\u00d6\" class=\"wp-image-446\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-300x225.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-150x113.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-768x576.jpg 768w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Inter-Block-beim-CSD-Salzburg-2020-c-VIMOe-1980x1485.jpg 1980w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Inter-Block beim CSD Salzburg 2020 &#8211; (c) VIM\u00d6<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dazu passend m\u00f6chte ich meinen Beitrag mit der Rede meiner Kolleg*innen Magdalena Klein und Tobias Humer beim CSD Salzburg 2020 schlie\u00dfen \u2013 einer der wenigen Paraden, die letztes Jahr stattfinden konnten. Ein wichtiger Moment also f\u00fcr uns:\u201e<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Let\u2019s get loud!<\/h3>\n\n\n\n<p>Das diesj\u00e4hrige Motto des CSD Salzburg k\u00f6nnte auch das langj\u00e4hrige Motto der Inter*-Bewegung sein. Seit Ende der 90er machen intergeschlechtliche Menschen weltweit auf sich aufmerksam \u2013 einerseits, um die krasse Diskriminierung und die Menschenrechtsverletzungen aufzuzeigen, denen wir Tag f\u00fcr Tag begegnen \u2013 und andererseits einfach, um \u00fcberhaupt auf unsere Existenz hinzuweisen. Viele Menschen wissen noch immer nicht, wie vielf\u00e4ltig Geschlechtsmerkmale gestaltet sein k\u00f6nnen \u2013 und welche Ma\u00dfnahmen sich unsere Gesellschaft einfallen hat lassen, um diese Vielfalt zu verstecken.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich ist das Bewusstsein f\u00fcr die Existenz von intergeschlechtlichen Menschen in den letzten Jahren massiv gestiegen. Aber auch nach der vielbeachteten Einf\u00fchrung des dritten Geschlechtseintrags 2018 hat die Politik weiterhin viel zu tun: noch immer werden intergeschlechtliche Kinder und Jugendliche nicht-konsensuellen chirurgischen und hormonellen Behandlungen unterzogen, nur um sie den Normvorstellungen von m\u00e4nnlichen oder weiblichen K\u00f6rpern anzupassen \u2013 um nur einen von vielen Missst\u00e4nden zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der bunten queeren Community ist es noch keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass intergeschlechtliche Menschen sich verstanden und willkommen f\u00fchlen k\u00f6nnen \u2013 Exotisierung, Interphobie oder schlichtes Unwissen begegnen uns auch hier leider oft. Trotzdem sehen wir uns aber GANZ KLAR als \u201aTeil des Regenbogens\u2018 und m\u00f6chten auch Danke sagen f\u00fcr die grandiose Unterst\u00fctzung, die wir von Anfang an in dieser Community erfuhren! [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p>Let\u2019s stay loud together!!\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum ein \u201eI\u201c alleine nicht genug ist! Community bedeutet ganz viel f\u00fcr alle Menschen, die in irgendeiner Weise stigmatisiert und marginalisiert werden. Sie bedeutet mehr als wahrgenommen zu werden &#8211; in ihr f\u00fchlen wir uns \u201eendlich\u201c verstanden, akzeptiert und unterst\u00fctzt. Die LGBTIQA*-Community ist gro\u00df und vereint viele Farben und das ist gut so. 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