{"id":4403,"date":"2024-03-08T00:16:00","date_gmt":"2024-03-07T23:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4403"},"modified":"2024-03-03T21:32:06","modified_gmt":"2024-03-03T20:32:06","slug":"alt-werden-mit-hiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4403","title":{"rendered":"Alt werden mit HIV"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie geht das am besten?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Dank der Entwicklung in der HIV-Therapie redet man heutzutage bei HIV von einer chronischen gut behandelbaren Infektion. Aber was bedeutet das jetzt konkret? Werden Menschen mit HIV auf die gleiche Art und Weise genauso alt die Gesamtbev\u00f6lkerung? Anhand einiger Punkte soll hier ein Einblick in das Thema aus biomedizinischer Sicht gegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Statistische Lebenserwartung steigt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tats\u00e4chlich zeigen seit Jahren unterschiedlichste internationale Studien mit gro\u00dfen Datens\u00e4tzen den Anstieg der statistischen Lebenserwartung von Menschen mit HIV. Nat\u00fcrlich muss man dabei bedenken, dass solche Statistiken einerseits auf mathematischen Modellen basieren und andererseits nicht immer auf die einzelnen Menschen umzulegen sind. Auch hier gelten die klassischen Vor- und Nachteile einer Statistik: Sie zeichnen ein gutes Bild, aber haben mitunter mit der individuellen Lebensrealit\u00e4t wenig zu tun. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschaulicher ist es daher, sich die ganz reale Entwicklung in den gro\u00dfen HIV-Schwerpunktspit\u00e4lern \u00d6sterreichs anzusehen. Das Durchschnittsalter der hier in Betreuung stehenden Menschen mit HIV ist seit 2002 von 39,2 auf fast 50,7 Jahre angestiegen. Von den aktuell ca. 5000 in Betreuung stehenden Personen sind 51,7% \u00fcber 50 Jahre alt. 23,3% haben das 60. Lebensjahr und mit 3,1% haben \u00fcber 150 Menschen bereits das 75. Lebensjahr \u00fcberschritten. Ein gro\u00dfartiger Erfolg der HIV-Therapie. Allerdings muss man klar sagen \u2013 nur alt werden reicht meist nicht aus. Um auch mit guter Gesundheit und mit hoher Lebensqualit\u00e4t \u00e4lter zu werden, braucht es etwas mehr. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Alterserkrankungen treten fr\u00fcher auf<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit steigendem Lebensalter nehmen bei allem Menschen diverse Gesundheitsproblematiken zu. Vor allem Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen geh\u00f6ren zu den klassischen altersbedingten Aspekten. Es ist bereits l\u00e4nger bekannt, dass sich die Situation in Zusammenhang mit HIV etwas anders darstellt. Denn solche altersbedingten Gesundheitsprobleme treten bei Menschen mit HIV im Vergleich zur Gesamtbev\u00f6lkerung h\u00e4ufiger und teils in fr\u00fcherem Lebensalter auf. Deutlich sieht man den Effekt, wenn man die Anzahl der Erkrankungen vergleicht. So zeigte eine Studie aus den Niederlanden in der Altersgruppe von 50\u201355 Jahren: In der Gruppe ohne HIV hatten etwa 15% zwei Erkrankungen oder mehr. In der Gruppe mit HIV waren es mehr als doppelt so viel. Weitere Studien best\u00e4tigten dies. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Menschen mit HIV bedeutet dieser Effekt schlichtweg, dass schon in j\u00fcngeren Jahren auf potenzielle altersassoziierte Gesundheitsprobleme zu achten ist. Eine dementsprechende Gesundheitsf\u00f6rderung kann also schon fr\u00fcher sinnvoll sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Medikamente nehmen im Alter zu<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Begriff Polypharmazie ist meistens die Einnahme von 5 Medikamenten und mehr pro Tag gemeint. Es liegt auf der Hand, dass mit h\u00f6herem Lebensalter und daher mit steigender Anzahl an Erkrankungen das Thema Polypharmazie f\u00fcr viele Menschen eine Rolle spielt. Bei Menschen mit HIV kann dies eben h\u00e4ufiger, bzw. oft bereits in fr\u00fcherem Alter der Fall sein. Hier zeigt wieder eine internationale Studie, dass Polypharmazie keine Theorie ist. Von \u00fcber 2100 Menschen mit HIV nahmen 82% der Teilnehmer*innen zumindest eine zus\u00e4tzliche Tablette neben der HIV-Therapie ein. Und bei 42% lag eine Polypharmazie vor. Die Summe der t\u00e4glichen Medikation kann also mit der Zeit un\u00fcbersichtlich werden. Es empfiehlt sich unbedingt, die behandelnden HIV-\u00c4rzt*innen \u00fcber alles zu informieren, was eingenommen wird. Seien es Blutdruckmittel, Cholesterinsenker, Magenschoner oder auch Vitaminpr\u00e4parate und Nahrungserg\u00e4nzungsmittel. Denn auch wenn mit den modernen HIV-Therapien seltener Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Substanzen auftreten, gilt es bei manchen Kombinationen aufzupassen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gesundheitsf\u00f6rderung einfach wichtiger<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Thema \u201e\u00c4lter werden mit HIV\u201c ist es schlichtweg wichtig sich bewusst zu machen, dass umfassende Gesundheitsf\u00f6rderung und dies bereits in vergleichsweise j\u00fcngerem Alter entscheidend sein kann. Zumindest zwei Aspekte sind vermutlich besonders hervorzuheben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum einen f\u00fchrt die HIV-Infektion zu einer Entz\u00fcndungsreaktion, welche die Gesundheit auf unterschiedlichsten Ebenen ung\u00fcnstig beeinflussen kann. Je l\u00e4nger eine Infektion untherapiert bleibt, desto schwerwiegender k\u00f6nnen diese Auswirkungen sein. Obwohl eine HIV-Therapie derzeit diese sogenannte chronische Inflammation nicht komplett verhindern kann, so reduziert sie doch die Effekte auf ein Minimum. Die zentrale Gesundheitsma\u00dfnahme ist daher eine effektive und durchgehende HIV-Therapie. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite gro\u00dfe Punkt, der immer erw\u00e4hnt werden muss \u2013 auch wenn es \u00f6d sein mag \u2013 sind die Lifestyle-Faktoren. Es geht um eine ausgewogene Ern\u00e4hrung, um ausreichend Bewegung und darum, Rauchen und \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Alkohol- oder Substanzkonsum zu vermeiden. Diese Themen haben logischerweise bei allen Menschen enormen Einfluss auf die Gesundheit. Allerdings k\u00f6nnen sie im Zusammenhang mit HIV nochmals mehr Auswirkungen haben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Sache mit dem Rauchen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den Lifestylefaktoren, die sich nachhaltig auf die Gesundheit auswirken, steht bekannterma\u00dfen das Thema Rauchen mit ganz oben. Und man braucht nicht diskutieren \u2013 mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren ist \u00e4u\u00dferst schwierig und kann enorm viel Energie und Nerven \u00fcber einen sehr langen Zeitraum kosten. Da es sich aber aus gesundheitlicher Sicht so wahnsinnig lohnt, muss das Thema schlichtweg konstant angesprochen werden. Auch, bzw. vor allem in Zusammenhang mit HIV.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einerseits ist die Raucher*innen-Quote bei Menschen mit HIV enorm hoch. Gut sieht man dies wieder in der Statistik der gro\u00dfen HIV-Ambulanzen \u00d6sterreichs: Hier rauchen 47% aller Patient*innen mit HIV. Laut Statistik Austria sind es in der Gesamtbev\u00f6lkerung \u201enur\u201c 20,6% der \u00fcber 15-j\u00e4hrigen Personen. Dieser Unterschied in der Raucher*innen-Quote ist durchaus mit vielen anderen L\u00e4ndern vergleichbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits erh\u00f6ht Rauchen bei Menschen mit HIV das Risiko f\u00fcr gesundheitliche Komplikationen st\u00e4rker. Zwei d\u00e4nische Studien zeigten dies besonders deutlich auf. Es wurden Daten von Tausenden Menschen mit und ohne HIV in Bezug auf ihren Rauchstatus verglichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der ersten Studie wurden die \u201everlorenen Lebensjahre\u201c angegeben, um die Auswirkungen des Rauchens zu veranschaulichen. In der Gruppe ohne HIV lag die statistische Lebenserwartung der Raucher*innen hinter der Lebenserwartung der Nichtraucher*innen, konkret verloren sie durch das Rauchen 3,6 Lebensjahre. Bei den Gruppe mit HIV verloren die Raucher*innen im Vergleich zu den Nichtraucher*innen allerdings 12,3 Jahre Lebenszeit. Die zweite Studie bot ein vergleichbar klares Bild: In der Gruppe ohne HIV war 1 von 4 Herzinfarkten mit Rauchen assoziiert. Bei den Menschen mit HIV hingen 3 von 4 Herzinfarkten mit dem Rauchen zusammen. Der Faktor Rauchen wirkte sich auch hier also um ein Mehrfaches st\u00e4rker aus. Vor allem f\u00fcr Menschen mit HIV bringt ein Rauchstopp enorme Vorteile und es lohnt sich immer wieder Energie und Geduld zu investieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Fazit ist klar<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was zu Beginn der HIV-Epidemie undenkbar war, ist heute Realit\u00e4t: Dank Therapie ist ein langes Leben mit HIV m\u00f6glich. Um gleichzeitig aber auch eine langes Leben mit hoher Lebensqualit\u00e4t zu erreichen, sind alle verf\u00fcgbaren, bzw. umsetzbaren gesundheitsf\u00f6rdernden Ma\u00dfnahmen unbedingt zu empfehlen. Damit man unabh\u00e4ngig von Statistiken ganz individuell von den gro\u00dfartigen Erfolgen der HIV-Therapie auch bis ins hohe Alter profitieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie geht das am besten? Dank der Entwicklung in der HIV-Therapie redet man heutzutage bei HIV von einer chronischen gut behandelbaren Infektion. Aber was bedeutet das jetzt konkret? Werden Menschen mit HIV auf die gleiche Art und Weise genauso alt die Gesamtbev\u00f6lkerung? 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