{"id":4391,"date":"2024-03-08T00:12:00","date_gmt":"2024-03-07T23:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4391"},"modified":"2024-05-23T22:44:28","modified_gmt":"2024-05-23T20:44:28","slug":"happy-ever-after","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4391","title":{"rendered":"Happy ever after"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Heirat, Haus, Kinder \u2013 der traditionelle Lebenstraum ist bis heute in den K\u00f6pfen der Menschen tief verankert. F\u00fcr viele cis-hetero Menschen ist dieser Lebensweg auch der einzig \u2018richtige\u2018, den es zu bestreben und erf\u00fcllen gilt. Auf langj\u00e4hrige Partnerschaften ohne Eheschlie\u00dfung, auf Menschen ohne Drang nach Eigenheim, und vor allem auf Menschen ohne Kinderwunsch wird herabgesehen, ihre Entscheidungen hinterfragt und missbilligt. Das Sich-Abgrenzen von bzw. Ablehnen der hetero-normativen Lebensgestaltung mit traditionellen Vor- und Rollenbildern ist allerdings schon seit vielen Jahrzehnten ein wichtiger Aspekt der queeren und feministischen Lebenskultur. Eine Partnerschaft soll meist keine Aufteilung in familienern\u00e4hrende*n Erwerbst\u00e4tige*n und haust\u00e4tiges Elternteil sein, und auch keine unausgewogenen Macht- bzw. Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse (z.B. finanziell) beinhalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die heutige Gesellschaft ist zwar in vielen Teilen der Welt schon so weit kulturell emanzipiert, dass die individuelle Lebensgestaltung abseits der Tradition h\u00f6chstens den Verlust sozialer (heteronormativer) Anerkennung mit sich zieht. Trotzdem ist der Kampf f\u00fcr die Akzeptanz von nicht-heteronormativer Lebensgestaltung und postmodernen Familien (z.B. Patchwork) noch lange nicht geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Work, b*tch!<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Emanzipation und der lange Kampf der queeren Community haben viel dazu beigetragen, dass heutzutage auch noch andere Menschen au\u00dfer alten, wei\u00dfen, cis-hetero M\u00e4nnern verantwortungsvolle Positionen \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Ist ein \u201a9-5 CEO-Job\u2018 aber \u00fcberhaupt erstrebenswert f\u00fcr queere Menschen? Oft ist n\u00e4mlich gesellschaftliches Bewusstsein (Social consciousness) mit zum Beispiel profitorientierten Unternehmenspositionen nur schwer zu vereinbaren. Au\u00dferdem zeigen Studien, dass queere Menschen eher zu sozialen und kreativen Berufen tendieren, was unter anderem daran liegt, dass in queerfreundlichen Berufen gearbeitet werden m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Generell beginnt die berufliche Orientierungsphase meist zwischen 15 und 25 Jahren. Diese Zeit ist f\u00fcr viele queere Menschen auch eine Selbstfindungsphase, wo die eigene Geschlechtsidentit\u00e4t oder Sexualit\u00e4t hinterfragt und neu eingeordnet werden. H\u00e4ufig werden in dieser Zeit auch erste Diskriminierungserfahrungen gemacht, was sich auf die weitere Lebensumfeldorientierung und Berufswahl auswirken kann. Kreative und soziale Berufsfelder sind tendenziell minderheitenfreundlicher \u2013 was sie somit attraktiv f\u00fcr queere Menschen macht. Wom\u00f6glich w\u00e4hlen queere Menschen auch \u00f6fters soziale Berufe, weil sie eben schon mit Themen wie Ausgrenzung und sozialen Schwierigkeiten bekannt sind und viel Verst\u00e4ndnis und Empathie daf\u00fcr haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer also im Beruf dem wei\u00dfen cis-hetero Mann m\u00f6glichst aus dem Weg gehen m\u00f6chte und Diversit\u00e4t am Arbeitsplatz sucht, wird sie eher im sozialen oder kreativen Bereich finden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kinderlos oder Kinderfrei<\/h3>\n\n\n\n<p>Familienorientierung ist kein universeller Traum, den sich jede*r zu erf\u00fcllen w\u00fcnscht. F\u00fcr vielen Menschen mit ausgepr\u00e4gtem Kinderwunsch oder sogar elterlichen Pflichtgef\u00fchlen scheint allerdings ein Leben ohne Nachwuchs etwas ganz und gar Unm\u00f6gliches zu sein. Dieses Unverst\u00e4ndnis \u00e4u\u00dfert sich oft in Missbilligung von Menschen ohne Kinderwunsch, da sie der \u00dcberzeugung sind, dass nur Kinder ein Leben erf\u00fcllen und \u201avervollst\u00e4ndigen\u2018. Dabei sind es oft doch genau diese Menschen, die \u00fcber ihre eigenen Kinder ungl\u00fccklich und vollkommen ausgelaugt sind. Diese Art von Menschen, die sich \u00fcber das Ende des friedlichen Single-Daseins, die Qual der Ehe und die Last durch Kinder beschweren. Treffen sie allerdings auf eine Person, welche sich andere Lebensw\u00fcnsche erf\u00fcllt und Kinder hintenanstellt, oder gar auf sie verzichten m\u00f6chte, wird die Stimmung sofort auf kinderliebender Familienmensch umgestellt. Etwas verpassen w\u00fcrde man. Nicht so egoistisch solle man sein. Die Meinung w\u00fcrde man mit dem Alter noch \u00e4ndern. <\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem weiblich gelesene Menschen trifft diese Art des Hinterfragens oft. Egal ob Verwandte, Freunde oder Kolleg*innen, jede erwachsene weiblich gelesene Person wurde schon einmal \u00fcber Ehe- und\/oder Kinderwunsch ungewollt ausgefragt. Die \u00fcbergriffigen Aussagen reichen von Kommentaren zu Egoismus und Karrieregeilheit bis hin zur \u201aablaufenden biologischen Uhr\u2018. Eine \u201aFrau\u2018 scheint nur vollkommen zu sein und in der Gesellschaft Wert zu haben, wenn sie mindestens ein Kind in die Welt gesetzt hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite gibt es auch queere Menschen mit sehnlichem Kinderwunsch. Erst seit Anfang der 1990-er Jahre k\u00f6nnen gleichgeschlechtliche Paare adoptieren und erst seit 2015 ist eine k\u00fcnstliche Befruchtung f\u00fcr queere Paare rechtlich zugelassen. Doch alleine die Aufhebung des Verbotes bedeutet nicht gleich einen ebenen Weg f\u00fcr queere Paare. Diskriminierung erfolgt in verschiedenen Formen \u2013 ein Beispiel aus Deutschland: Krankenkassen m\u00fcssen die Kosten einer k\u00fcnstlichen Befruchtung bei gleichgeschlechtlichen Ehepaaren nicht tragen, da keine Spendersamen eines Dritten verwendet werden d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder sind somit einerseits ein absolutes Privileg, andererseits definitiv kein Muss.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Forever alone<\/h3>\n\n\n\n<p>Keinen Kinderwunsch zu haben ist vor allem in der queeren Community keine Ungew\u00f6hnlichkeit. Im Gegensatz dazu steht der Wunsch nach Eheschlie\u00dfung und vor allem (langfristiger) Partnerschaft: Viele asexuelle und\/oder aromatische Personen f\u00fchlen sich dem Druck der sexualisierten Gesellschaft ausgesetzt, eine Partnerschaft oder Ehe als Lebensziel haben zu m\u00fcssen. Sie werden oft bemitleidet, infantilisiert, oder als asozial\/gef\u00fchlslos\/Roboter bezeichnet und vor einem einsamen Leben gewarnt, als w\u00e4re eine Partnerschaft die einzige menschliche Beziehung, die es g\u00e4be. Selbst f\u00fcr queere Menschen ist es manchmal schwer zu verstehen, wenn der Wunsch nach tiefgr\u00fcndigen Freundschaften (zu Mensch sowie Haustier) wichtiger ist, als eine Partnerschaft je sein k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutsamkeit von Freundschaft ist etwas, das jede*r f\u00fcr sich selbst entdecken muss. Gerade in Phasen des Lebens wie beispielsweise in der Pension, in der man nicht st\u00e4ndig von Menschen umgeben ist, ist es leicht, zu vereinsamen. Heutzutage entstehen immer mehr Vernetzungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr \u00e4ltere queere Menschen, damit auch f\u00fcr sie ein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl und Raum f\u00fcr Akzeptanz geschaffen wird. Zum Beispiel treffen sich seit 2019 in einem Pensionist*innenklub in Mariahilf regelm\u00e4\u00dfig queere Senior*innen. Neben einem regelm\u00e4\u00dfigen Diskussions-Stammtisch gibt es auch Tango-Tanzkurse f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare \u2013 was will Mensch mehr?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Am Ende des Regenbogens<\/h3>\n\n\n\n<p>Letztendlich ist es das eigene Recht jedes einzelnen Menschen, zu entscheiden, wohin die Reise geht. Es ist nat\u00fcrlich auch f\u00fcr queere Personen v\u00f6llig legitim, Eheschlie\u00dfung und Kinderwunsch anzustreben und zu erf\u00fcllen \u2013 es wurde ja schlie\u00dflich lange genug daf\u00fcr gek\u00e4mpft, dass auch queere Menschen heiraten und Kinder adoptieren d\u00fcrfen. Au\u00dfer diesem traditionellen Zukunftsbild gibt es aber noch unz\u00e4hlig andere M\u00f6glichkeiten der Lebensgestaltung, die bis in das hohe Alter Freude und Gl\u00fcck bringen k\u00f6nnen. Dabei gilt das Motto \u201aWer wagt gewinnt\u2018 \u2013 Mut zum Brechen von traditionellen Lebensformen und Verwirklichung individueller Lebensziele \u2013 als Formel zum eigenen erf\u00fcllten \u201aHappy Ever After\u2018.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><em>Text von Carina Kapeller<\/em><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heirat, Haus, Kinder \u2013 der traditionelle Lebenstraum ist bis heute in den K\u00f6pfen der Menschen tief verankert. F\u00fcr viele cis-hetero Menschen ist dieser Lebensweg auch der einzig \u2018richtige\u2018, den es zu bestreben und erf\u00fcllen gilt. 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