{"id":428,"date":"2021-03-12T00:49:46","date_gmt":"2021-03-12T00:49:46","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.lambdanachrichten.at\/?p=428"},"modified":"2021-05-09T13:31:37","modified_gmt":"2021-05-09T13:31:37","slug":"die%e2%80%a9-verinnerlichte%e2%80%a9-homophobie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=428","title":{"rendered":"Die verinnerlichte Homophobie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Auf den ersten Blick mag es fragw\u00fcrdig klingen: Diskriminierung in einer Community, die selbst zu einem hohen Ma\u00dfe in der nicht allzu weit entfernten Vergangenheit gesellschaftlich benachteiligt wurde und auch heutzutage noch in gewissen Weisen diskriminiert wird? Auch wenn wir \u00fcber die letzten Jahrzehnte hinweg astronomische Schritte zur Gleichberechtigung von Menschen des LGBTIQ*-Spektrums geschafft haben, so w\u00e4chst auch noch jetzt die j\u00fcngste Generation mit Diskriminierungserfahrungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seien es Bio-Eintr\u00e4ge wie \u201e- no blacks &#8211; no asians\u201c auf Grindr, oder dass viele junge M\u00e4nner in der Szene das Gef\u00fchl haben, sie m\u00fcssten sich von Jungs distanzieren, die mit Selbstbewusstsein nicht den typisch-maskulinen Verhaltensmustern und Idealen entsprechen. \u201eSo ein Schwuler bin ich ja dann auch wieder nicht.\u201c, oder \u00c4hnliches, kann dabei schon einmal der Wortlaut sein. Ebenso h\u00e4ufig ist die Diskriminierung gegen HIV-positive Personen in der Community, auch wenn Bem\u00fchungen zur Aufkl\u00e4rungsarbeit in verschiedenen Szenen sehr pr\u00e4sent sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum sehen wir in der Community diese facettenreiche Vielzahl an Diskriminierungsf\u00e4llen, oftmals einfach hingenommen oder unter den Teppich gekehrt?<\/p>\n\n\n\n<p>Diskriminierung innerhalb der Community ist nichts Neues. Seien es die meist schwulen T\u00fcrsteher von Gay Bars wie dem Stonewall Inn in den 60ern, die daf\u00fcr sorgten, dass nicht-bin\u00e4re Personen und People of Color oftmals drau\u00dfen bleiben mussten. Oder die moralische Panik zu allem Nicht-heteronormativen w\u00e4hrend der AIDS-Krise in den 80ern, deren soziale Effekte man heutzutage noch sp\u00fcrt. Besonders nicht-bin\u00e4re und trans* Personen hatten es au\u00dferhalb und innerhalb der Community nie leicht. Aktivistin f\u00fcr Homosexuelle- &amp; Transgender-Rechte und eine der bekanntesten Pers\u00f6nlichkeiten des Stonewall Aufstands, Sylvia Rivera, beschrieb die pers\u00f6nlich erfahrene Situation als Trans-Frau mit den Worten: \u201eIch bin der Stereotyp der Homosexuellen Community f\u00fcr alle heterosexuellen Personen. Sie wollen, dass ihre Kinder nicht jemandem wie mir ausgesetzt sind. Sogar meine eigene Community, die Gay Community, m\u00f6chte sich nicht mit Leuten wie mir herumtreiben. Du wirst von deinen eigenen Leuten geschlagen, und das schmerzt. Wir sind der letzte Abfall des Lebens.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen, wie bei vielen anderen sozial-benachteiligten Randgruppen, eine eigene Form von aggressiver Verhaltenskontrolle innerhalb der Community. Oftmals spaltet sich dabei die Gruppe in zwei oder mehrere Fraktionen, die auf verschiedene Art und Weise mit der gesellschaftlichen Mehrheit interagieren. W\u00e4hrend beispielsweise die Einen versuchen sich stets diplomatisch zu verhalten und ihr Bestes tun, um der sozialen Norm zu entsprechen, stehen Andere mit Stolz zu ihrer Identit\u00e4t und versuchen diese nicht zu verstecken. Ein effektives Beispiel daf\u00fcr ist die Perspektive zu Pride Paraden und deren Teilnehmer*innen. Es gibt genug Personen in unserer Community, denen Regenbogenparaden zu offen im Umgang mit Sexualit\u00e4t sind. Und auf der anderen Seite hat man Paraden-Teilnehmer*innen, die mit wehender Fahne lautstark zu sich selbst und ihrer Liebe stehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"406\" height=\"608\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557397.jpg\" alt=\"\u00a9 Anna Shvets\" class=\"wp-image-430\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557397.jpg 406w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557397-200x300.jpg 200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557397-100x150.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 406px) 100vw, 406px\" \/><figcaption>\u00a9 Anna Shvets<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Stimme, die einem im Kopf sagt, dass das alles einem zu tuntig ist, oder, dass viele der Teilnehmer dort mit deren Verhalten zu schwul r\u00fcberkommen und dabei ein schlechtes \u00f6ffentliches Bild kreieren, hat nicht selten den Ursprung in verinnerlichter Homophobie. Das hei\u00dft jetzt nicht, dass man pl\u00f6tzlich dabei ist, die versteckte Heterosexualit\u00e4t wiederzuentdecken. Verinnerlichte Homophobie entsteht meist aus lang andauernden negativen Aussagen zu homosexuellen Verhalten aus dem direkten Umfeld. Dabei kann es sich um den Einfluss der Familie, Mitsch\u00fcler*innen, Arbeitskolleg*innen, Politiker*innen oder auch von fiktiven Charakteren im Fernsehen handeln. Auch wenn man es schafft sich mit oder ohne Coming-out von diesem Umfeld zu distanzieren, um ohne Sorge das eigene Leben leben zu k\u00f6nnen, so bleibt oft ein Funke der eingetrichterten Homophobie lange hei\u00df. Das Beste, was man als Antwort dazu machen kann, ist Selbstreflexion \u00fcber die eigenen Sichtweisen und Werte. Mit einem klaren Verst\u00e4ndnis, woher die pers\u00f6nliche Perspektive kommt, kann man leichter bewusst verinnerlichte Vorurteile gegen\u00fcber allen Formen von Mensch fallen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zeigt unter anderem auch die enorme Wichtigkeit von Repr\u00e4sentation in der medialen Welt auf. Die Pr\u00e4senz oder nicht-Pr\u00e4senz von LGBTIQ* Pers\u00f6nlichkeiten in den Medien, die wir konsumieren, tr\u00e4gt enorm zur Schaffung der pers\u00f6nlichen Sichtweise auf Sexualit\u00e4t bei. Dasselbe trifft ebenso bei der Repr\u00e4sentation von Menschen mit verschiedenen ethnischen Herk\u00fcnften in unserer multikulturellen Gesellschaft zu. Dabei kann der Effekt weit \u00fcber simple Akzeptanz hinausgehen. Unsere eigenen Sch\u00f6nheitsideale entstehen zu einem gro\u00dfen Teil durch den Einfluss unseres Umfeldes. Irgendwo kommt ja letzten Endes auch unser Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber, was wir an einer Person attraktiv finden, her. Darum ist es auch der Fall, dass Menschen, die von Haus aus in ihrem Leben international unterwegs sind und vermehrt mit Personen von allerhand Herk\u00fcnften zu tun haben, \u00f6fter eine Anziehung zu Leuten einer anderen Ethnizit\u00e4t sp\u00fcren, als Menschen, die meist kulturell unter sich bleiben (nach einer Studie von Tovee 2006). Aus diesem Grund hat man letztendlich nicht \u201eSchuld\u201c, wenn man eine gewisse Gruppe von Leuten attraktiver findet als eine andere. F\u00fcr jede Person ist es die eigene Wahl, ob sie sich mit dem Wissen, dass ihr Sch\u00f6nheitsideal formbar ist, aktiv dran setzen m\u00f6chte den eigenen Horizont zu erweitern, oder halt nicht. Beides ist ok. Es wird jedoch kritisch, wenn man beispielsweise ein virtuelles Aush\u00e4ngeschild aufh\u00e4ngt, das Personen aufgrund derer Herkunft exkludiert und dabei ein diskriminierendes Umfeld schafft. Es braucht oft nur eine Handvoll Stimmen, um den Anschein zu erwecken, dass Diskriminierung wieder salonf\u00e4hig ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"624\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557465.jpg\" alt=\"\u00a9 Anna Shvets\" class=\"wp-image-431\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557465.jpg 936w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557465-300x200.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557465-150x100.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/pexels-anna-shvets-4557465-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption>\u00a9 Anna Shvets<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Grunde m\u00f6chte ja keiner von uns wirklich das Gef\u00fchl haben unwillkommen und alleine zu sein. Wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, hat einiges mit uns selbst zu tun. Mehr als man meist glauben mag. Es schadet nie, einmal in sich selbst zu kehren, um den eigenen Charakter mit all den dazugeh\u00f6rigen Verhaltensmustern richtig zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders als eine Community, die Inakzeptanz und Hass von au\u00dferhalb \u00fcber Jahrhunderte hinweg ertragen musste und auch heute noch in gewissen Weisen darunter leidet, ergibt es Sinn zusammenzuhalten. Auch, wenn man gerade mal nicht auf den anderen steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick mag es fragw\u00fcrdig klingen: Diskriminierung in einer Community, die selbst zu einem hohen Ma\u00dfe in der nicht allzu weit entfernten Vergangenheit gesellschaftlich benachteiligt wurde und auch heutzutage noch in gewissen Weisen diskriminiert wird? 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