{"id":4265,"date":"2023-12-01T00:14:00","date_gmt":"2023-11-30T23:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4265"},"modified":"2023-12-01T08:13:09","modified_gmt":"2023-12-01T07:13:09","slug":"queeres-ehrenamt-und-seine-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4265","title":{"rendered":"Queeres Ehrenamt und seine Grenzen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Was zu selten gesagt wird: Danke an alle Ehrenamtlichen, die unsere Community am Laufen halten, von gelegentlichen Hilfen bei Gro\u00dfevents wie der Regenbogenparade bis zu regelm\u00e4\u00dfigem Engagement in Gruppenbetreuung und Gremienarbeit. Die Arbeit dieser Heerschaar an Freiwilligen ist wortw\u00f6rtlich unbezahlbar. Ehrenamt ist gro\u00dfartig und die Grundlage f\u00fcr alles, was unsere Community bis heute aufgebaut und erreicht hat. Gleichzeitig reicht sie nicht aus, denn es gibt Bereiche wie Gro\u00dfveranstaltungen, Jugendarbeit, Verwaltung und Beratung, die oft ein erh\u00f6htes Ma\u00df an Professionalisierung erfordern, die nur durch Berufsausbildungen und bezahlte Hauptamtlichkeit erreicht werden kann. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich hat es viele Vorteile, wenn in Organisationen viel Ehrenamt stattfindet: Es macht sie unabh\u00e4ngiger als Organisationen, deren R\u00e4umlichkeiten und hauptamtliche Jobs direkt von politischen F\u00f6rdergebern abh\u00e4ngen. Eine solche Unabh\u00e4ngigkeit ist vor allem f\u00fcr Interessensvertretungen wie die HOSI Wien unabdingbar. Weiters gibt uns die breite Beteiligung von Ehrenamtlichen (\u00fcber alle Arbeitskreise hinweg weit \u00fcber hundert Aktivist*innen) mehr Legitimit\u00e4t bei unserer Lobby-T\u00e4tigkeit. Auch leisten wir bessere Arbeit, wenn vielstimmiges konstruktives Feedback gegeben wird; damit wird die soziale Echokammer, in der wir uns bewegen, gr\u00f6\u00dfer. So erm\u00f6glicht breite ehrenamtliche Beteiligung demokratische Teilhabe, die ich bei Organisationen mit einem hohen Grad an Hauptamtlichkeit (zum Beispiel Parteien) oft vermisse. Wo starke Hauptamtlichkeit einer kleinen oder rasch wechselnden ehrenamtlichen Struktur entgegensteht, kommt es unweigerlich zu Macht- und Informationsasymmetrien. Und letztlich l\u00e4sst sich die unglaubliche Anzahl der (ehrenamtlichen) Mitarbeiter*innen, die f\u00fcr die Regenbogenparade notwendig sind, niemals durch Hauptamtliche ersetzen, das w\u00e4re unfinanzierbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4rker, demokratischer, legitimer und unabh\u00e4ngiger. Ehrenamt kann also alles? Nein und das muss es auch nicht.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits gibt es Bereiche, in denen Angestellte bestehendes Ehrenamt entlasten und so Ressourcen freisetzen k\u00f6nnen. Unser ausgezeichnetes B\u00fcroteam ist unverzichtbare Voraussetzung f\u00fcr die Arbeit in der HOSI. Sekretariat und Buchhaltung halten Aktivist*innen wie mir den R\u00fccken frei. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits gibt es spezialisierte Skills wie Eventmanagement, P\u00e4dagogik, Geschichtsforschung, und vor allem Sozialarbeit, die von nicht-ausgebildeten Ehrenamtlichen kaum ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, wie auch im \u201eJugendstil\u201c dieser Ausgabe thematisiert wird. Und auch die Organisation von Gro\u00dfevents mit hunderttausenden Teilnehmern und gro\u00dfen Risiken, wie die Vienna Pride, ben\u00f6tigt professionelle hauptamtliche Unterst\u00fctzung und Koordination der hunderten Ehrenamtlichen. Und da gibt es gute Entwicklungen: Die COURAGE ist ein breit aufgestellter psychosozialer Dienst, QWIEN \u00fcbernimmt Aufarbeitung und Archivierung queerer Geschichte. Trotzdem klaffen breite L\u00fccken, gerade im Vergleich mit anderen L\u00e4ndern Westeuropas. In Wien sperrt zwar (hoffentlich bald) das \u00f6sterreichweit erste queere Jugendzentrum mit hauptamtlichen Sozialarbeiter*innen auf, aber halt auch nur in Wien. Die meisten \u00d6sterreicher*innen leben nicht in der N\u00e4he einer solchen Einrichtung. Von einer niederschwelligen Anlaufstelle f\u00fcr alle, wie sie beispielsweise die Schwulenberatung Berlin, die rubicon e.V. in K\u00f6ln oder die Weissenburg e.V. in Stuttgart nur \u00fcber hauptamtliche Strukturen anbieten k\u00f6nnen, ist weit und breit nichts zu sehen. Ebenso haben wir bei der Versorgung von \u00e4lteren queeren Menschen gro\u00dfen Nachholbedarf. Gerade als marginalisierte Gruppe sind queere Menschen besonders angewiesen auf gut finanzierte Strukturen und es kann nicht angehen, dass hier notwendige staatliche Aufgaben durch die Ausbeutung von Ehrenamtlichen erbracht werden. Wir m\u00fcssen diese queer spezifischen L\u00fccken rasch schlie\u00dfen. Bis es so weit ist, werden wir Ehrenamtlichen mit Herzblut die Unzul\u00e4nglichkeiten von Politik und Verwaltung so gut es geht ausgleichen. Das machen wir und unsere Vorg\u00e4nger*innen eh schon immer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was zu selten gesagt wird: Danke an alle Ehrenamtlichen, die unsere Community am Laufen halten, von gelegentlichen Hilfen bei Gro\u00dfevents wie der Regenbogenparade bis zu regelm\u00e4\u00dfigem Engagement in Gruppenbetreuung und Gremienarbeit. Die Arbeit dieser Heerschaar an Freiwilligen ist wortw\u00f6rtlich unbezahlbar. 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