{"id":4246,"date":"2023-12-01T00:10:00","date_gmt":"2023-11-30T23:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4246"},"modified":"2023-12-01T08:13:33","modified_gmt":"2023-12-01T07:13:33","slug":"regenbogenkompetent-beraten-und-arbeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4246","title":{"rendered":"Regenbogenkompetent beraten und arbeiten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Der Beratung, sei sie etwa rechtlich, medizinisch oder psychosozial, kommt in der queeren Community durch den erh\u00f6hten Bedarf im Vergleich zur non-queeren Bev\u00f6lkerung eine wichtige Rolle zu. Viele queere Personen sind aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden auf professionelle Hilfe angewiesen, werden jedoch leider nicht immer kompetent und diskriminierungsfrei beraten. Dies trifft nicht nur auf allgemeine \u201enicht queere\u201c Anlaufstellen zu, sondern leider auch auf Beratungsstellen und Praxen, die explizit LGBTIQ* als Zielgruppe haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen, die im Rahmen ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit queere Personen beraten, sollten daher eine m\u00f6glichst hohe Regenbogenkompetenz haben \u2013 damit wird die F\u00e4higkeit gemeint, LGBTIQ* Personen professionell und diskriminierungsfrei zu beraten. Der Begriff geht auf Ulrike Schmauch zur\u00fcck: Die Sozial- und Sexualwissenschaftlerin leistete damit einen wertvollen Beitrag zu einer professionellen und methodenbasierten Beratung f\u00fcr queere Menschen. Eine regenbogenkompetente Fachkraft sollte nach Schmauch (2014) \u00fcber Sachkompetenz (ausreichendes Wissen \u00fcber Ressourcen, Lebenslagen und Diskriminierungserfahrungen), Methodenkompetenz (ad\u00e4quate Handlungsf\u00e4higkeit), Sozialkompetenz (Kommunikationsf\u00e4higkeit) und Selbstkompetenz (Reflexion eigener Vorurteile und Werte) in Bezug auf queere Lebensweisen verf\u00fcgen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist zu betonen, dass dies nicht nur heterosexuelle cis Berater*innen betrifft, sondern auch alle queere Berater*innen \u00fcber die eigene Rolle reflektieren sollten. Nur, weil eine beratende Person selbst queer ist, hei\u00dft das nicht automatisch, dass sie \u00fcber alle notwendigen Kompetenzen verf\u00fcgt. Die eigene queere Identit\u00e4t kann sogar zu einer tr\u00fcgerischen Pseudosicherheit verleiten, absolute*r Expert*in f\u00fcr queere Lebenswelten zu sein. So schreibt auch Verena Scharf (2022), Dozentin und Forscherin an der FH Campus Wien, in ihrem Beitrag zu queerer sozialer Arbeit in Wien:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eGewiss wird durch die eigene queere Biographie reichhaltiges (subjektives) Erfahrungswissen angeh\u00e4uft, zum Teil katapultieren diese Zuschreibungen Sozialarbeitende aber in die problematische Rolle der Stakeholder*in, Expert*in, \u201eToken\u201c f\u00fcr all jene Themen, die ansatzweise mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zu tun haben.\u201c\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Allerdings soll auch nicht bestritten werden, dass freilich die eigenen (queeren) Erfahrungen ebenso Teil einer hohen Regenbogenkompetenz sein k\u00f6nnen und vielen Berater*innen zweifelsohne bei der Arbeit mit ihren Kund*innen, Klient*innen oder Patient*innen helfen. So manche Berater*innen sind auch davon \u00fcberzeugt, dass ihre Klient*innen sich bei ihnen vor allem deswegen wohl f\u00fchlen, weil sie auch selbst queer sind. Gleichzeitig sollte jedoch heterosexuellen cis Personen auch nicht abgesprochen werden, queere Menschen kompetent beraten zu k\u00f6nnen. Genauso wie ein Suchtberater nicht Erfahrungen mit Drogen gemacht haben muss, um drogenabh\u00e4ngigen Menschen zu helfen, muss auch ein*e Berater*in f\u00fcr queere Themen nicht selbst Teil von LGBTIQ* sein, um diesen Personen die notwendige Unterst\u00fctzung anbieten zu k\u00f6nnen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Regenbogenkompetenz als allgemeines Konzept in der Arbeitswelt?&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dass das Konzept der Regenbogenkompetenz grunds\u00e4tzlich auch abseits des Beratungskontexts Anwendung finden k\u00f6nnte. Zweifelsohne fehlt es n\u00e4mlich in den meisten Bereichen der Arbeitswelt noch an ausreichender Awareness zu queeren Themen sowie an einem ad\u00e4quaten Umgang mit queeren Arbeitnehmer*innen und Kund*innen. Der Gedanke, dass jede*r Arbeitgeber*in \u00fcber ausreichend Sach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz verf\u00fcgen sollte, um mit den Betroffenen das Problem gut zu l\u00f6sen, mag wohl utopisch klingen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass das Konzept der Regenbogenkompetenz durchaus weitergedacht werden sollte. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte es in mehreren Bereichen der Arbeitswelt angewendet und forciert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beratung, sei sie etwa rechtlich, medizinisch oder psychosozial, kommt in der queeren Community durch den erh\u00f6hten Bedarf im Vergleich zur non-queeren Bev\u00f6lkerung eine wichtige Rolle zu. 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