{"id":4238,"date":"2023-12-01T00:08:00","date_gmt":"2023-11-30T23:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4238"},"modified":"2023-12-01T08:13:43","modified_gmt":"2023-12-01T07:13:43","slug":"das-lgbtiq-netzwerk-der-wiener-linien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4238","title":{"rendered":"Das LGBTIQ+ Netzwerk der Wiener Linien"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Lambda: Liebe Petra, zur Einleitung: Wie hei\u00dft euer Netzwerk eigentlich offiziell? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Wir haben einen ganz einfachen Namen: das LGBTIQ+ Netzwerk der Wiener Linien.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Wie kam es zur Gr\u00fcndung eures Netzwerks? Und wie bist Du dazu gekommen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Zwei Kolleg*innen haben sich damals 2016 nach einem Fall von homophobem Mobbing dazu entschlossen was zu tun. Aus ihrem bisher losen Treffen wurde das Netzwerk gegr\u00fcndet. Das waren dann direkt f\u00fcnf Kolleg*innen. Sie wollten etwas f\u00fcr die Community unternehmen, uns auch pr\u00e4senter und sichtbarer machen innerhalb der Wiener Linien. Und uns auch aufstellen, ein Zeichen setzen. So haben sie als pers\u00f6nliche Initiative das Netzwerk gegr\u00fcndet. Und wir wurden nicht nur toleriert, sondern die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung war von Anfang an mit an Bord und hat aktiv unterst\u00fctzt. Zum Beispiel bei der Teilnahme an der Pride.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selbst bin seit 2019 bei den Wiener Linien, da hat es das Netzwerk schon gegeben. Ich wurde gefragt, ob ich mich aktiv einbringen m\u00f6chte \u2013 haupts\u00e4chlich, weil die zwei Kolleg*innen, die das Netzwerk gegr\u00fcndet haben, zeitlich sehr eingespannt sind und sie auch nicht in Wien wohnen. Deswegen habe ich gesagt, ja, ich f\u00fchre das fort.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Wie gro\u00df ist euer Team? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Also ein richtiges Core Team gibt es nicht im LGBTIQ+ Netzwerk. Im Netz der Vielfalt, zu dem das LGBTIQ+ Netzwerk geh\u00f6rt, haben wir \u00fcber 120 Interessierte. Das Kernteam umfasst 15 Personen, die sich um die Inhalte und Veranstaltungen k\u00fcmmern. Wir haben das OK von der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, unsere w\u00f6chentlichen Treffen, die Organisationen von Veranstaltungen und Beratungst\u00e4tigkeiten in der Arbeitszeit machen zu d\u00fcrfen. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerinnen stehen sehr hinter uns. Da ist volle Akzeptanz da. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Wir sehen euch ja regelm\u00e4\u00dfig bei eurem Stammtisch im Gugg. Aber was sind denn grunds\u00e4tzlich eure Aufgaben, jenseits vom im Gugg sitzen und cool sein? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Das ist schon ganz sch\u00f6n etwas (lacht). Also, wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir eine Anlaufstelle f\u00fcr Informationen rund um sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentit\u00e4ten f\u00fcr alle Personen sind, also f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, f\u00fcr Kolleg*innen. Wir m\u00f6chten Erfahrungsaustausch erm\u00f6glichen, gemeinsame Aktivit\u00e4ten starten und durchf\u00fchren. Unser Ziel ist es auch, pr\u00e4senter zu sein, auch in der Unternehmenskommunikation, um Vorurteile abzubauen und gegen Benachteiligungen, so sie stattfinden, anzutreten. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Ihr habt ja dann einen sehr gro\u00dfen Wirkungsbereich \u2013 bekommt ihr Unterst\u00fctzung? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Ja, wir erfahren eine sehr gute Unterst\u00fctzung. Wenn sich ein*e Kolleg*in an uns wendet bei Problemen oder wenn Vorurteile auftreten, dann haben wir die M\u00f6glichkeit, auf Mentor*innen innerhalb der Wiener Linien oder auch auf externe Fachleute zur\u00fcckzugreifen. Unsere Diversity Managerin ist auch eine sehr gro\u00dfe Unterst\u00fctzung, sie ist sowas wie Dreh- und Angelpunkt des Ganzen. Sie hat immer ein offenes Ohr f\u00fcr uns und sie teilt Kontakte und Ressourcen, um diese oder jene Expert*in noch zus\u00e4tzlich ins Boot zu holen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Wie ist es bei den Kolleg*innen? Gibt es auch Gegenwind? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Also zu mir pers\u00f6nlich hat noch nie jemand etwas gesagt. In meiner Abteilung sind alle sehr offen und auch sehr neugierig \u2013 was ja Gott sei Dank so ist, nicht? Da ist die Akzeptanz schon voll da. Ich bin mir sicher, dass es aber auch Personen gibt, die kritisch dar\u00fcber denken. Das haben wir zum Beispiel bei der Einf\u00fchrung der Anrede &#8222;divers&#8220; gemerkt.   <\/p>\n\n\n\n<p>Wir setzen daher verschiedene Aktionen und bieten umfassende Informationen, um den diversen Vorurteilen den Wind aus den Segeln zu nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Die Wiener Linien machen ja zur Pride-Zeit relativ viel. Wie wird denn die Pride intern bei euch gefeiert? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Tats\u00e4chlich gibt es rund um die Pride im Mitarbeiter*innen-internen-Intranet sehr viele Informationen und Artikel, auch Interviews mit Zahlen und Fakten. Es gibt auch den Aufruf, dass man bei uns auf dem Wagen in der Regenbogenparade mitfahren kann. Da ist auch erfreulicherweise immer jemand von der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung mit dabei; dieses Commitment von oben ist gegeben, wor\u00fcber wir auch wirklich stolz und froh sind. Wir versuchen Aktivit\u00e4ten aber nicht nur um den Pride-Monat herum zu machen. Wir haben erst vor kurzem eine Kommunikationsaktion in Form von Postkarten gestartet. Also ganz bewusst lange nach der Pride, damit man das Thema das ganze Jahr \u00fcber pr\u00e4sent h\u00e4lt. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Was sagen die Leute? Hast du das Gef\u00fchl, dass es etwas bringt? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Es gibt ein sehr gutes Feedback. Ich kann dir ein Beispiel nennen von unserer letzten Aktion. Auf unseren letzten Artikel zu einem LGBTIQ+ Thema, der jetzt im Oktober ver\u00f6ffentlicht wurde, haben wir eine durchschnittliche Bewertung von 4,9 Sternen bekommen, von 5 maximal m\u00f6glichen. Und es haben wirklich viele Personen Sternchen vergeben, auch im Vergleich zu anderen Artikeln. Das hat uns wirklich pers\u00f6nlich sehr gefreut. Wir haben auch ganz viele positive Kommentare dazu bekommen, wie toll die Aktion ist, und wie wichtig sie ist. Also die Awareness, die steigt im Unternehmen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: F\u00fchlen sich die LGBTIQ-Kolleg*innen aufgefangen bei euch in der Firma? Oder gibt es noch Entwicklungspotential? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Na, nat\u00fcrlich gibt es \u00fcberall Entwicklungspotential. Ich bin auch nicht der Mensch, der sich irgendwann denkt, jetzt ist es genug. (lacht)  <\/p>\n\n\n\n<p>Aber es kommt viel positives Feedback. Die Kolleg*innen freuen sich zum Beispiel, dass wir den regelm\u00e4\u00dfigen Stammtisch haben mit einem Fixtermin, das hat es lange nicht gegeben. Wir versuchen auch noch zus\u00e4tzliche Aktivit\u00e4ten zu starten, wie Stadtf\u00fchrungen oder gemeinsames Punschtrinken. Das kommt sehr gut an, weil es einfach ein sehr zwangloser Umgang ist. Die Kolleg*innen sind sehr froh, dass es sowas gibt, dass man sich so bem\u00fcht. Auch wenn wir noch immer ein bisserl in den Kinderschuhen stecken. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda<\/em>: Und spielen bei euch auch \u00dcberlegungen, wie es queeren Fahrg\u00e4st*innen geht, eine Rolle? <\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Also im Netzwerk selber haben unsere Mitarbeiter*innen, unsere Kolleg*innen, Vorrang. F\u00fcr nach au\u00dfen hin, das machen die Unternehmenskommunikation und das Eventmanagement. Ich glaube, da sind wir gut aufgestellt, die lassen sich da immer allerhand sehr gute Dinge einfallen. Unsere Kolleg*innen mit Kund*innenkontakt werden nat\u00fcrlich geschult auf den Umgang mit Fahrg\u00e4sten.  <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Gibt es bei euch intern Diversity Trainings, gerade in Bezug auf LGBTIQ-Fragen? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Ja, gibt es, da bem\u00fchen wir uns. Zum Beispiel war es unseren Ausbildner*innen in der Lehrwerkst\u00e4tte ein Anliegen, dass wir einen Leitfaden zusammenstellen und einen Vortrag machen, worauf zu achten ist im Hinblick auf Pronomen, auf Anreden, und so weiter, auch bez\u00fcglich transgender Personen. Daf\u00fcr haben wir uns auch externe Expert*innen ins Boot geholt. Wir sind gerade dabei, das aufzubauen und ich bin sehr stolz darauf, dass es voran geht. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Was ist denn dein pers\u00f6nlicher Wunsch f\u00fcr euer Netzwerk? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Petra Deimbacher-Bauer<\/em>: Also mittelfristig, dass wir noch mehr Kolleg*innen erreichen und sich noch mehr Personen aktiv beteiligen. Als ich bei den Wiener Linien angefangen habe, war ich sehr froh, dass es ein LGBTIQ+ Netzwerk gibt. Es war beruhigend zu sehen, dass es Kolleg*innen gibt, an die man sich bei Fragen oder Problemen wenden kann. Ich freue mich, dass ich dieses Netzwerk nun selber ma\u00dfgeblich mitgestalten darf. Und es ist mein pers\u00f6nliches Ziel, mehr Personen davon zu \u00fcberzeugen, dass aktiv gestalten etwas Gutes ist!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrten Peter Funk und Sven Mostb\u00f6ck  <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lambda: Liebe Petra, zur Einleitung: Wie hei\u00dft euer Netzwerk eigentlich offiziell? Petra Deimbacher-Bauer: Wir haben einen ganz einfachen Namen: das LGBTIQ+ Netzwerk der Wiener Linien. Lambda: Wie kam es zur Gr\u00fcndung eures Netzwerks? Und wie bist Du dazu gekommen? 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