{"id":356,"date":"2021-03-12T00:58:17","date_gmt":"2021-03-12T00:58:17","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.lambdanachrichten.at\/?p=356"},"modified":"2021-05-09T12:33:51","modified_gmt":"2021-05-09T12:33:51","slug":"generationenkonflikte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=356","title":{"rendered":"Generationenkonflikt(e)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Der Jugendstil soll die Perspektive der QYVIE, also der jungen HOSI, zeigen. Im Heft \u00fcber Diskriminierung ist daher das Thema Alter naheliegend.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir sind zwei gegenl\u00e4ufige Ph\u00e4nomene aufgefallen: Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Unsere Community ist offensichtlich jugends\u00fcchtig, das zeigt sich in Werbung, Social Media, Kunst, Musik und eigentlich in allen Facetten queeren Lebens. Die einzigen relevanten Personen \u00dc50, die von schwulen M\u00e4nnern verehrt werden sind Cher und Madonna. Darstellungen und Perspektiven von Queers \u00dc40 kommen faktisch nicht vor. Auch die begr\u00fc\u00dfenswerte Entwicklung von immer mehr queere Charaktere in Filmen und Serien, macht davor nicht Halt: Alter ist unsichtbar und Jugend allgegenw\u00e4rtig. Gleichzeitig sind auch die Bilder, die von queerer Jugend gemalt werden, von Klischees gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller queerer Medienpr\u00e4senz fehlt es auch im Jahre 2021 noch an Vorbildern, an Menschen, die gelungene queere Lebensentw\u00fcrfe vorleben. Damit meine ich realistische Lebensentw\u00fcrfe: nicht Ellen DeGeneres, Elliot Page, Troye Sivan und andere Stars, sondern den schwulen Fu\u00dfballtrainer, der am Vereinsfest mit seinem Partner erscheint, die lesbischen M\u00fctter, die sich mit ihren Kindern abm\u00fchen, oder die nicht-bin\u00e4re Lehrperson, die gro\u00dfartigen Spanischunterricht gibt. Viele Gr\u00fcnde f\u00fchren dazu, dass ganze queere Generationen unsichtbar sind: rechtliche und gesellschaftliche Diskriminierung, Verdr\u00e4ngung und Vermeidung. Oft war das Nicht-Auffallen irgendwas zwischen Ziel und \u00dcberlebensstrategie. Viele gro\u00dfartige Menschen haben wir leider auch verloren, einige haben dem Druck geschlechtlicher und sexueller Normen nicht standgehalten und auch die AIDS-Krise hat tiefe, bis heute nicht verheilte Wunden geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet und seine queeren Plattformen wie Grindr und Co haben sicher viele Vorteile, man kann Menschen in seinem (sexuellen) Suchraster schneller finden als je zuvor. Doch die meisten User*innen solcher Plattformen legen diese Schablone auf alle Interaktionen an. Gleichzeitig ist die Kommunikation online wesentlich entfremdeter, anonymer und entsprechend brutaler. Auf ein freundliches \u201eHi\u201c wird nicht reagiert, andererseits finden sich Beleidigung oder Obsz\u00f6nit\u00e4t (ungefragte Dick-Pics z.B.). Was also passiert ist eine meistens nicht stattfindende und wenn dann einseitige Kommunikation, auch der Generationen. Im Endeffekt f\u00fchren diese Mechanismen zu Klischees, n\u00e4mlich jenem der oberfl\u00e4chlichen Jugend, die an keinem Austausch interessiert ist, und jenem der \u00fcbergriffigen, notgeilen Alten, die nur auf das Eine aus sind. Beides ist falsch.\u00a0Meine Erfahrungen in der HOSI, bei queeren Vernetzungstreffen oder auch bei Events, die von Queers \u00dc40 f\u00fcr Queers U30 organisiert werden, wie etwa das schwule Sommercamp, haben mir gezeigt, wie lehrreich und wundervoll Austausch zwischen den Generationen sein kann.\u00a0Ich kann sagen, dass ich die vermutlich wichtigsten Gespr\u00e4che, die meinen Aktivismus, mein Denken und mein Selbstverst\u00e4ndnis als schwuler Mann pr\u00e4gten, nicht mit Gleichaltrigen gef\u00fchrt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sind wir ja zum Gl\u00fcck nicht alle nur online unterwegs und es gibt sie ja auch, die potenziellen Vorbilder und Gespr\u00e4chspartner.\u00a0Doch wo k\u00f6nnen wir einander begegnen? Die nicht-queere Welt hat mit traditionellen Familienverb\u00e4nden, Vereinen, Kirchen etc. viele Orte der Begegnung. Wenn wir die queere Welt aber nur als Bars, Clubs und das Internet sehen, dann fehlen uns M\u00f6glichkeiten.\u00a0Zum Gl\u00fcck ist das aber nicht alles. Es gibt schon ein paar Orte, die solche Begegnungen erm\u00f6glichen, z.B. in Wien das Gugg, den Regenbogenball, die Parade, das Pride Village und die Villa. Au\u00dferdem steht es uns frei neue zu schaffen. Wir m\u00fcssen sie nur st\u00e4rker frequentieren und das respektvolle Gespr\u00e4ch suchen. Bei der HOSI Wien etwa sind fast alle Arbeitskreise generationen\u00fcbergreifend. Wenn das Gugg wieder aufsperrt ist f\u00fcr jede*n was dabei. Wenn jemand motiviert ist und Lust auf Austausch hat kann man in jedem Umfang teilnehmen und mitwirken. Auch jenseits der HOSI k\u00f6nnen wir, zum Beispiel im Rahmen der Pride, Begegnungen erm\u00f6glichen, f\u00fcr neue Ideen ist Platz genug. Ich glaube, dass wir als Community mehr zusammenwachsen m\u00fcssen und das passiert vor allem durch Begegnung, Respekt und ganz viel Liebe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Jugendstil soll die Perspektive der QYVIE, also der jungen HOSI, zeigen. 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