{"id":2427,"date":"2023-06-02T02:27:00","date_gmt":"2023-06-02T00:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2427"},"modified":"2023-06-02T08:18:52","modified_gmt":"2023-06-02T06:18:52","slug":"weil-schoene-worte-nicht-genug-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2427","title":{"rendered":"Weil sch\u00f6ne Worte nicht genug sind"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Sehr geehrte Leser*innen, <\/p>\n\n\n\n<p>In den fast 80 Jahren nach den Verbrechen der Nationalsozialisten haben die Menschen in \u00d6sterreich Gedenkrituale entwickelt. Die Befreiungsfeier in Mauthausen ist hier vermutlich der j\u00e4hrliche H\u00f6hepunkt. Hier beteiligen sich viele LGBTIQ-Organisationen am Gedenkzug. Eines dieser Rituale hat heuer eine empfindliche St\u00f6rung erfahren und das war gut so. Der Gedenktag des \u00f6sterreichischen Parlaments, erinnert seit 1997 j\u00e4hrlich am 05. Mai an die Opfer des Holocaust. Das Gedenken in die Hallen des Parlaments zu holen war und ist ein wichtiger symbolischer Akt. Wir, von der HOSI Wien, hatten das Privileg in diesem Jahr eingeladen zu sein. Die Stimmung war and\u00e4chtig, die musikalische Untermalung war elegant, die Begr\u00fc\u00dfungsreden ganz gut. Trotzdem hatte die ganze Veranstaltung einen bitteren Beigeschmack: Namentlich die Anwesenheit von Herbert Kickl, Norbert Hofer und anderer FP\u00d6-Politiker*innen. Es ist eine erschreckende Tatsache der politischen Situation in \u00d6sterreich, dass eine Partei breite Zustimmung erf\u00e4hrt deren Kern antisemitisch und queerfeindlich ist, deren Intelligenzija aus deutscht\u00fcmelnden Burschenschaften stammt und deren Funktion\u00e4r*innen h\u00e4ufiger wegen Wiederbet\u00e4tigung verurteilt wurden, als in diesem Magazin Platz ist. Als Demokrat*in in \u00d6sterreich ist dies eine stete Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Plan an diesem 5. Mai war eine unkritische, entkernte Erinnerungsveranstaltung auszurichten in denen auch die Gesinnungsgenoss*innen der T\u00e4ter*innen einen Platz haben sollten. Die Verantwortlichen hatten ihre Rechnung aber ohne den j\u00fcdischen Philosophen und Publizisten Michel Friedman gemacht. Er nutze die Gelegenheit vor der Versammlung zu sprechen, um Menschenfeindlichkeit der FP\u00d6 anzusprechen. Die die \u00d6VP trage zudem direkte Mitverantwortung daf\u00fcr, dass diese Partei und ihre Inhalte hoff\u00e4hig wurden. Durch wenige klare Worte hat sich der Charakter der Veranstaltung ge\u00e4ndert. Aus einem zur Routine verkommenen, beliebigen Ritual ist eine wirkliche Auseinandersetzung geworden. <\/p>\n\n\n\n<p>Die vorliegende Pride-Ausgabe der LAMBDA steht nicht nur im Dienst der Pride-Bewegung, sondern holt auch unsere gemeinsame Geschichte und unser kollektives Erinnern vor den Vorhang. In \u00d6sterreich bedeutet ein Blick zur\u00fcck f\u00fcr Minderheiten in der Regel einen Blick auf Leid, verlorene Weggef\u00e4hrt*innen und harte K\u00e4mpfe gegen Ignoranz und Menschenhass. Das gilt leider auch f\u00fcr uns, die LGBTIQ-Community. Gleichzeitig ist der Blick zur\u00fcck f\u00fcr uns auch ein Blick auf bewegte, spannende Zeiten, auf gro\u00dfe Siege, auf eine gesellschaftliche Ver\u00e4nderung zum Besseren, auf starke B\u00fcndnisse und auf gro\u00dfe Solidarit\u00e4t. Das erf\u00fcllt uns zurecht mit Stolz und ist umso mehr Grund nicht den Blick in die Vergangenheit zu scheuen. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Herrn Friedmann wird wohl kommendes Jahr eine erneute Einladung durch Nationalratspr\u00e4sident Wolfgang Sobotka ausbleiben, was sehr schade ist.  Vielleicht fasst dann jemand anderes den Mut die Doppelmoral anzusprechen. Wir sollten daraus lernen und d\u00fcrfen nicht akzeptieren, dass Erinnern zu einer Routine verkommt und am Ende eh alles wurscht ist. Es ist unsere Aufgabe aktiv die Stimme zu erheben, um Doppelmoral und Unmoral sichtbar zu machen! Denn beide Ph\u00e4nomene sehen wir gerade besonders deutlich vertreten durch \u00d6VP und FP\u00d6.<\/p>\n\n\n\n<p> Wir von der LAMBDA versuchen seit 1979 unseren Teil dazu beizutragen. Auch in dieser Ausgabe kommen viele Stimmen aus unserer Community zu Wort die den Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der LGBTIQ-Community werfen. Es freut mich dazu unter anderem den Lesbenrat und HOSI International begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen, die uns nun von nun an regelm\u00e4\u00dfig mit Betr\u00e4gen bereichern. Leider m\u00fcssen wir uns auch von zwei langj\u00e4hrigen Kolumnist*innen verabschieden: Ulrike Lunacek und ihr LunaCheck gehen in den wohlverdienten LAMBDA-Ruhestand. Vielen Dank f\u00fcr viele Jahre Weitblick und Leidenschaft f\u00fcr die Sache. Auch m\u00fcssen wir von Andrea Francesconi Abschied nehmen die uns \u00fcber viele Lambdas hinweg mit einem satirischen Einblick in die Community beschenkt hat. <\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Ausgabe wird es neben den ernsten Themen der Gedenk- und Erinnerungskultur einen \u00dcberblick \u00fcber die ViennaPride, aktuelle politische und soziale Berichterstattungen und vieles mehr geben. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir w\u00fcnschen viel Vergn\u00fcgen beim Lesen der LAMBDA.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Leser*innen, In den fast 80 Jahren nach den Verbrechen der Nationalsozialisten haben die Menschen in \u00d6sterreich Gedenkrituale entwickelt. Die Befreiungsfeier in Mauthausen ist hier vermutlich der j\u00e4hrliche H\u00f6hepunkt. Hier beteiligen sich viele LGBTIQ-Organisationen am Gedenkzug. Eines dieser Rituale hat heuer eine empfindliche St\u00f6rung erfahren und das war gut so. 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