{"id":2356,"date":"2023-06-02T02:10:00","date_gmt":"2023-06-02T00:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2356"},"modified":"2023-06-02T08:20:33","modified_gmt":"2023-06-02T06:20:33","slug":"auf-den-spuren-der-lgbtiq-community","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2356","title":{"rendered":"Auf den Spuren der LGBTIQ+ Community"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Der Monat der LGBT-Geschichte findet in Ungarn seit 11 Jahren jedes Jahr statt: bisher im Februar, aber ab diesem Jahr wird er im M\u00e4rz gefeiert. Aber worum geht es dabei? Wo hat er angefangen? Was bedeutet er f\u00fcr die Gemeinschaft und warum lohnt es sich eigentlich, jedes Jahr eine so komplexe Veranstaltungsreihe auf die Beine zu stellen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Monat der LGBT-Geschichte ist eine einmonatige Reihe von Veranstaltungen zum Gedenken an die Geschichte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und trans Personen, die in verschiedenen L\u00e4ndern der Welt zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfindet. In den Vereinigten Staaten und Kanada findet er im Oktober, im Monat des Internationalen Coming-out-Tags statt, in Europa gew\u00f6hnlich im Februar, in einigen L\u00e4ndern wie Brasilien jedoch im Sommer, im Rahmen der Pride-Veranstaltungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen mit unterschiedlichen sexuellen und romantischen Orientierungen waren in unserer Gesellschaft immer pr\u00e4sent, egal wie sehr die religi\u00f6sen und politischen St\u00fcrme und Richtungen der Geschichte versucht haben, sie zum Schweigen zu bringen und auszul\u00f6schen. Diese Leute haben das Schicksal der Menschheit gepr\u00e4gt und durch ihre Anwesenheit und ihre Aktivit\u00e4ten Werte geschaffen, auch wenn sie dabei ihr wahres Leben und ihre wahre Identit\u00e4t verdecken mussten. Diese Programmreihe soll diese Pr\u00e4senz aufzeigen und uns an diese Leute erinnern; spielt aber auch eine wichtige Rolle beim Aufbau der Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der LGBT History Month wurde erstmals im Oktober 1994 auf die Initiative des amerikanischen Geschichtslehrers Rodney Wilson organisiert, der an der Mehlwille High School in St. Louis County, Missouri, unterrichtete und sich als schwuler Mann dar\u00fcber \u00e4rgerte, dass die LGBTQ+-Personen und ihre Geschichte in den Lehrpl\u00e4nen und Schulb\u00fcchern mit keinem Wort erw\u00e4hnt wurden. Die Idee wurde sofort von Wilsons bester Freundin Johnda Boyce aufgegriffen, die damals an der Ohio State University Frauenstudien studierte. Die Idee, die Programmreihe im Oktober zu veranstalten, stammt auch vom Wilson: in diesem Monat befindet sich der International Comming Out Day, der an die LGBT-M\u00e4rsche von 1979 und 1987 in Washington, D.C. erinnert. Die Wahl ist deshalb nicht auf den Juli, den Monat der Pride- Veranstaltungen gefallen, weil dann Schulferien sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter ihrer Leitung wurde ein Organisationskomitee gegr\u00fcndet, das einen Aufruf an alle Organisationen, Gemeinden, Bildungs- und Interessengruppen richtete und um Unterst\u00fctzung bat. Dies f\u00fchrte dazu, dass sich viele Menschen an die Reihen der Unterst\u00fctzer anschlossen: Senatoren, Gouverneure, Abgeordnete, B\u00fcrgermeister, usw. gaben eine gemeinsame Mitteilung heraus, in den sie die Veranstaltung begr\u00fc\u00dften.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Organisationskomitee und sp\u00e4ter dann die Gerber\/Hart Bibliothek und Archiv f\u00fcr Schwulen und Lesben stellte Lehrplanvorschl\u00e4ge f\u00fcr den Monat der LGBT-Geschichte zusammen und verschickten sie f\u00fcr 5 Dollar an die interessierten High Schools, Colleges, Universit\u00e4ten und Kollektiven. Viele Bildungseinrichtungen im ganzen Land haben sich ihnen angeschlossen, obwohl einige durch den Widerstand mancher Eltern blockiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kampagne war erfolgreich: in 1995 wurde \u00fcber den zweiten Geschichtsmonat in der nationalen Zeitschrift Newsweek berichtet, und er stand sofort im Rampenlicht. Das mobilisierte auch die Gegner, wie Concerned Women for America, angef\u00fchrt von Beverly LaHaye, und das Eagle Forum, angef\u00fchrt von Phyllis Schlafly, die die Veranstaltung als eine Form der Indoktrination betrachteten. In Zeitungen wurden ganzseitige Anzeigen gegen die Veranstaltung ver\u00f6ffentlicht, um Eltern davon zu \u00fcberzeugen, den LGBT History Month zu verhindern. Die einzige vor\u00fcbergehende Folge davon war, dass die National Education Association den Vorschlag annahm, der verbietet alle Geschichtsmonate in ihren Erkl\u00e4rungen ausdr\u00fccklich zu erw\u00e4hnen (Neben dem Monat der LGBT-Geschichte gibt es auch den Monat der Afroamerikanischen Geschichte und den Monat der Geschichte der Frauen).<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Jahr w\u00e4hlen die Organisatoren 31 noch lebende oder schon verstorbene LGBTQ-Ikonen aus, die an einem bestimmten Tag des Monats auf ihrer Website in irgendeiner Form (Video, Text, Biografie, Bilder und sonstiges Bildungsmaterial) gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"685\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders-1024x685.jpg\" alt=\"Er\u00f6ffnung mit Sue Sanders (links: Dolmetscherin Anna Sz\u00e9kely; Foto: Tak\u00e1cs M\u00e1ria)\" class=\"wp-image-2357\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders-300x201.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders-150x100.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders-768x513.jpg 768w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders-1536x1027.jpg 1536w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders-1200x802.jpg 1200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders-1980x1324.jpg 1980w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Eroeffnung-mit-Sue-Sanders.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Er\u00f6ffnung mit Sue Sanders (links: Dolmetscherin Anna Sz\u00e9kely; Foto: Tak\u00e1cs M\u00e1ria)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ungarn schloss sich 2013 der Veranstaltungsreihe an: Mitglieder der Labris Lesbian Association nahmen 2012 an einem Workshop in Ljubljana teil, wo LGBT Youth Scotland, der Koordinator der schottischen Veranstaltungen, acht weitere L\u00e4nder an der Organisation ihres eigenen allerersten Monates der LGBT-Geschichte beteiligte. Im Jahr 2012 wurde die Programreihe in der Slowakei, Rum\u00e4nien und Slowenien, und in 2013 in Tschechien, Irland, Litauen, in der Niederlande und Ungarn eingef\u00fchrt. Im Februar 2013 fing nach monatelangen Vorbereitungen die erste Veranstaltungsreihe mit fast 30 Veranstaltungen unter dem Motto \u201eBist du in unserer Geschichte?\u201c an.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem ist die Zahl der Programme auf \u00fcber 50 gestiegen, die nun nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in mehreren Provinzst\u00e4dten, wie Szeged und Debrecen, organisiert werden. Die Programme befassen sich mit Themen wie z.B.: Leben und Gesamtwerke bekannter Pers\u00f6nlichkeiten, die Geschichte von Organisationen und Gruppen, die Geschichte von LGBT-Ereignissen, Erscheinen von LGBTQ+-Themen aus sozialer, rechtlicher, literarischer, kultureller und filmhistorischer Sicht sowie das geistige Wohlbefinden der Gemeinschaft. Das alles wird pr\u00e4sentiert durch Ausstellungen, Diskussionsrunden, Stadtrundg\u00e4nge, Workshops, Pub-Quiz und Filmabende.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Er\u00f6ffnungszeremonie wird immer von jemandem er\u00f6ffnet, der in der LGBTQ+-Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielt. In 2023 wurde sie von Sue Sanders aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich er\u00f6ffnet, die an der Organisation des LGBT History Month im Jahr 2005 beteiligt war und seitdem ein aktives Mitglied der LGBTQ+-Gemeinschaft ist. Unter den mehr als 100 G\u00e4sten waren nicht nur LGBTQ+ Menschen, sondern auch Unterst\u00fctzer wie Leute von der niederl\u00e4ndischen, britischen, norwegischen und amerikanischen Botschaft oder der Vizeb\u00fcrgermeister von Budapest und viele andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Veranstaltungsreihe wird derzeit von drei Organisationen durchgef\u00fchrt: der Labris Lesbian Association, der Background Society und ab 2020 der Szimpozion Association. Dar\u00fcber hinaus helfen Mitglieder der Gemeinschaft freiwillig bei der Durchf\u00fchrung der Programme.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind gl\u00fccklich, in einer Zeit zu leben, in der sich die Welt in Richtung Akzeptanz und Toleranz gegen\u00fcber Vielfalt bewegt. Und der Monat der LGBT-Geschichte erinnert uns daran, dass die von unseren Vorg\u00e4ngern erworbenen Rechte und Erfolge nicht f\u00fcr immer gelten und dass der Kampf f\u00fcr Freiheit und Gleichheit niemals aufh\u00f6ren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, dass wir \u00d6sterreich irgendwann unter unseren Mitgliedern begr\u00fc\u00dfen d\u00fcrfen, denn ich bin sicher, dass es Geschichten gibt, die sich lohnen, erz\u00e4hlt und erinnert zu werden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Monat der LGBT-Geschichte findet in Ungarn seit 11 Jahren jedes Jahr statt: bisher im Februar, aber ab diesem Jahr wird er im M\u00e4rz gefeiert. Aber worum geht es dabei? Wo hat er angefangen? 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