{"id":2335,"date":"2023-06-02T02:05:00","date_gmt":"2023-06-02T00:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2335"},"modified":"2023-06-14T20:17:17","modified_gmt":"2023-06-14T18:17:17","slug":"pionierin-derlesbischen-liebesromane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2335","title":{"rendered":"Pionierin der lesbischen Liebesromane"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Carolin Schairer<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\u201eDer Kick f\u00fcr mein Buch ist, wie zwei Frauen unter besonderen Voraussetzungen zueinander finden und ihre Liebesgeschichte unter gemeinsamer Herausforderung verbunden ist\u201c, sagt Carolin Schairer, \u201eDas ist der rote Faden, der stets durch meine Romane zieht und dabei meine Schreiblust aufrecht h\u00e4lt, wie im realen Leben, nur phantasievoller und stets mit einem gl\u00fccklichen Ende.\u201c Schairer ist erfolgreiche, aber nicht risikofreudige Bestsellerautorin. So hat die Diplom-Journalistin und Autorin das Schreiben ihrer Romane zu ihrem leidenschaftlichsten Hobby gemacht. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Kind ist Carolin Schairer mit ihrer j\u00fcngeren Schwester in einem Dorf in Niederbayern mit drei Generationen auf ihrem l\u00e4ndlichen Hof mit Hunden, Katzen und Pferden aufgewachsen. Mit ihrer Schwester und ihrem siebenj\u00e4hrigen Neffen, die heute noch auf dem Hof leben, versteht sie sich gut. \u201eIch habe immer schon gerne geschrieben\u201c, sagt Schairer, die von ihrer Gro\u00dfmutter bereits mit f\u00fcnf Jahren lesen und schreiben gelernt hat. Im zweiten Schuljahr habe sie ihren ersten Roman geschrieben, bereits ihre Klassenkamerad*innen waren begeistert von ihrem literarischen Erstlingswerk, sagt Schairer. Beruflich wollte sie damals Lehrerin werden, was ihre Eltern ihr ausgeredet haben. So begann sie mit dem Journalismusstudium und tr\u00e4umte davon, als Redakteurin beim Nachrichtenmagazin Spiegel zu arbeiten. Dieser Traum zerplatzte, nachdem sie sich in die dort arbeitende, aber heterosexuell liebende, Volont\u00e4rin ungl\u00fccklich verliebt hatte. Die erhoffte seelische Unterst\u00fctzung von Seiten ihrer Familie, insbesonders von ihrer Mutter, in ihrem Coming Out blieb zun\u00e4chst aus. Inzwischen \u2013 Jahre sp\u00e4ter \u2013 gibt es wieder ein gutes Verh\u00e4ltnis zwischen Mutter und Tochter. Auch ihre Frau sei in ihrer Ursprungsfamilie gut aufgenommen worden, und sogar die beiden Schwiegerm\u00fctter pflegen untereinander engen Kontakt, sagt Schairer. Mit Anfang Zwanzig zog Schairer f\u00fcr ein Auslandsstipendium in die Niederlande, sp\u00e4ter nach Wien, aber ihr Studium hat sie an der Universit\u00e4t in Deutschland erfolgreich abgeschlossen. Aufgrund von rechtlichen Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten ihrer damaligen PR-Firma, bei der sie erwerbst\u00e4tig besch\u00e4ftigt war, hat ihr Ende 2004 die Finanzmarktaufsicht ein Werbeverbot auferlegt. Daraufhin hat sie als Autorin ihr Schreiben erneut aufgenommen und ihr erstes Buch mit dem Titel \u201eDie Spitzenkandidatin\u201c im Jahr 2005 beim Verlag von Ulrike Helmer eingereicht. Im Vergleich zu ihren sp\u00e4ter publizierten Romanen sei \u201eDie Spitzenkandidatin\u201c, das sich auf Deutschland bezog, noch ein bisschen schwerm\u00fctig zu lesen, f\u00fcr viele Leserinnen sei das Ende dieses Romans entt\u00e4uschend gewesen, weil es zu keiner lesbischen Liebesbeziehung mit der Bundeskanzlerin gekommen sei, sagt Schairer. Seit ihrem Liebesroman \u201eEllen\u201c hat sie nur mehr Romane mit einem gl\u00fccklichen Ende f\u00fcr die Hauptprotagonistinnen geschrieben. Seit 2008 erscheinen kontinuierlich ihre Romane und im Jahr 2014 wurde mit \u201eTodesursache ungekl\u00e4rt\u201c ihr erster Kriminalroman im Ulrike Helmer Verlag publiziert. In der Regel schaffe sie beide berufliche Aktivit\u00e4ten, sie schreibe zwei bis drei Romane im Jahr, unterzeichnet f\u00fcr jeden Roman einen neuen befristeten Vertrag beim Verlag und freue sich \u00fcber R\u00fcckmeldungen seitens ihrer Leserinnen, die infolge sich ermutigt f\u00fchlen sich zu outen, sagt Schairer. \u201eNat\u00fcrlich hat meine Haupterwerbsarbeit immer Vorrang\u201d, sagt sie, die als Bestsellerautorin innerhalb des kleinen lesbischen Buchmarktes bezeichnet wird. Im Jahr 2009 hat sie als Autorin mit \u201eEllen\u201c ihren Durchbruch gestartet und als Pionierin der lesbischen Liebesromane den Markt dieser literarischen Angebote im deutschsprachigen Raum erobert. Zehn Jahre nach \u201eEllen\u201c, im Jahr 2019, schrieb sie mit \u201eMeeresschwester\u201c einen psychologischen heterosexuellen Roman. Es sei ein Versuch gewesen, um sich mit ihrem Roman an ein gr\u00f6\u00dferes Publikum zu orientieren, sagt sie, aber viele ihrer Leserinnen seien davon nicht begeistert gewesen, weil in diesem Roman keine lesbischen Hauptprotagonistinnen ihr Happy End finden. Als \u201eRosamunde Pilcher f\u00fcr Lesben\u201c sei sie ebenfalls kritisiert worden, aber egal was das Publikum von Pilchers Romanen h\u00e4lt, Pilcher ist eine erfolgreiche Bestsellerautorin, was ein Kompliment f\u00fcr sie sei, sagt Schairer. Dennoch schreibe sie lieber Lesbenromane, die ihre Leserinnen ermutigen, sich zu outen. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Schairer ihre ersten lesbischen Liebesromane geschrieben hatte, gab es noch kaum andere auf dem Markt, sagt die Pionierin dieses Genres. Jedoch was die breite Palette an Kriminalromanen betrifft, da z\u00e4hlt sie Charlotte Link, eine der kommerziell erfolgreichsten deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwart, zu ihrem Vorbild, wie sie die Geschichten gut ineinander verflechtet schreibt, trotz des stets gleichen Ablaufs der Handlung. Sogar Schairers Verlegerin habe angefangen B\u00fccher von Charlotte Link zu lesen, um zu erfahren, wie Schairer stilistisch ihre Kriminalromane schreibt. In den Jahren 2014 bis 2018 hat Schairer ihre Kriminalromanserie mit der ermittelnden niederbayerischen Land\u00e4rztin Gesine Hofmann als Hauptprotagonistin ver\u00f6ffentlicht. \u201eIch habe die Gesine-Kriminalserie nicht mehr fortgesetzt, obwohl viele meiner Leserinnen sehns\u00fcchtig auf Fortsetzung von \u201aGesine\u2018 warten\u201c, sagt Schairer, jedoch im Jahr 2021 habe sie ihren neuen Kriminalroman \u201eMehr Schatten als Licht\u201c geschrieben. Als sogenannte Hobby-Autorin fokussiere sie ihr Schreiben auf die Liebesgeschichte von Frauen, weil das Schreiben eines Kriminalromans mehr Zeitaufwand in der Recherche bedeute. Inhaltlich lasse sie sich von unterschiedlichen Momenten inspirieren, wie beispielsweise bei ihren Spazierg\u00e4ngen, wo sie verschiedene Szenen in Gedanken durchspiele. Beim Anblick eines weiblichen Portr\u00e4tbildes \u00fcberlege sie, was diese Frau alles erlebt habe, sagt Schairer. W\u00e4hrend ihre lesefreudigen Freundinnen ihr erstes fertig geschriebenes Manuskript zum Probelesen bekommen, fotografiert ihre Lebensfrau lieber, mit der sie seit dem Jahr 2015 verpartnert ist, sagt Schairer. Seit ein paar Jahren lebt sie mit ihrer Frau in der Stadt Salzburg, wo sie eine leitende Funktion in einem internationalen Konzern im Au\u00dfendienst f\u00fcr den Raum Nord-West-\u00d6sterreich \u00fcbernommen hat. Das Schreiben gehe sie als Autorin diszipliniert an, fr\u00fch morgens und am Wochenende. Sie versetze sich in ihre Protagonistinnen hinein, um zu erfahren, was diese bei Liebeskummer f\u00fchlen oder an etwas lange gr\u00fcbeln, sich Gedanken machen, die mit jenen der Autorin vergleichbar sein k\u00f6nnen, aber es seien keine autobiografischen Charaktere. Es falle ihr leichter, das Arbeitsumfeld eines Konzerns, wie bei \u201eEllen\u201c, zu beschreiben, als jenes einer KFZ-Mechanikerin, sagt Schairer: \u201eEin Teil meines pers\u00f6nlichen sozialen Umfelds spiegelt sich in den Liebesromanen wieder. Je nach unterschiedlicher Gewichtung sind die Arbeiten meiner beiden Jobs auf den Tag gut verteilt\u201c. Allerdings gute lesbische Liebesromane lesen, sich mit Freundinnen treffen sowie mit ihrer Frau zwei Wochen in den griechischen Tavernen bei gutem Wein im warmen S\u00fcden zu entspannen, das verlege sie auf ihre Urlaubszeit, sagt sie, die auch offen f\u00fcr Neues ist. So zum Beispiel freue sie sich, wenn auch eine Filmproduktionsfirma sich f\u00fcr eines ihrer B\u00fccher interessieren w\u00fcrde. \u201eEllen\u201c, \u201eK\u00fcsse mit Zukunft\u201c und \u201eMeeresschwester\u201c seien f\u00fcr sie als gute Drehbuchromane zu empfehlen, aber leider ist der finanzielle Aufwand noch zu gro\u00df, was an der geringen Zahl guter lesbischer Spielfilme im deutschsprachigen Raum wahrzunehmen ist. \u201eEs w\u00e4re jedenfalls ein neuer H\u00f6hepunkt in meinem Leben\u201c, sagt Schairer. \u201eMit einem L\u00e4cheln\u201c ist seit M\u00e4rz 2023 ihr j\u00fcngster lesbischer Liebesroman wieder bei den beiden Buchhandlungen L\u00f6wenherz und ChickLit k\u00e4uflich zu erwerben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Ulrike Helmer Verlag publiziert seit 35 Jahren Romane, Krimis, Biografien, Sachb\u00fccher, Wissenschaft zu Frauen- und Geschlechterthemen \u2013 mit viel Freude und Hingabe. Unabh\u00e4ngiges Verlegen ist heute so schwer wie noch nie, besonders f\u00fcr Verlage mit feministischen Anliegen. Allseits steigende Kosten, wie Papierpreise, Lager- und Energiekosten, treffen uns in hohem Ma\u00dfe, da nicht von allen Titeln, die wir publizieren, ein hoher Absatz zu erwarten ist\u201c, sagt Sina Hauer. Sie ist die Nachfolgerin der inzwischen pensionierten Ulrike Helmer in diesem Verlag, wo alle Titel einen wichtigen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Beitrag leisten f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige Literaturszene. \u201eMit Kreativit\u00e4t und guten Ideen halten wir den Kopf \u00fcber Wasser und freuen uns auf jeden neuen Titel im Programm, der Mut zu mehr Vielfalt und (Geschlechter-)Demokratie macht\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carolin Schairer \u201eDer Kick f\u00fcr mein Buch ist, wie zwei Frauen unter besonderen Voraussetzungen zueinander finden und ihre Liebesgeschichte unter gemeinsamer Herausforderung verbunden ist\u201c, sagt Carolin Schairer, \u201eDas ist der rote Faden, der stets durch meine Romane zieht und dabei meine Schreiblust aufrecht h\u00e4lt, wie im realen Leben, nur phantasievoller und stets mit einem gl\u00fccklichen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":2336,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[24,96],"class_list":["post-2335","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","tag-buecher","tag-lambda-191"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2335","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2335"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2335\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2449,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2335\/revisions\/2449"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}