{"id":2288,"date":"2023-03-03T00:22:00","date_gmt":"2023-03-02T23:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2288"},"modified":"2023-03-02T22:45:03","modified_gmt":"2023-03-02T21:45:03","slug":"5-jahre-hosi-wien-reform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2288","title":{"rendered":"5 Jahre HOSI-Wien-Reform"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Versuch einer Bilanz<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Fast w\u00e4re es uns durchgerutscht: Unser eigenes kleines Jubil\u00e4um von jener Reform, die im Fr\u00fchjahr 2018 begann. Nach au\u00dfen vor allem durch die Abl\u00f6se von Christian H\u00f6gl als Obmann durch mich sichtbar, wurde doch die meiste Arbeit unerm\u00fcdlich von zahlreichen Mitgliedern hinter den Kulissen geleistet. F\u00fcnf Jahre sind ein guter Zeitraum, um zur\u00fcckzublicken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es dazu kam, kann hier nur kurz dargestellt werden. Die HOSI Wien ist die \u00e4lteste und gr\u00f6\u00dfte LGBTIQ-Interessenvertretung in \u00d6sterreich. Damit kommen viele St\u00e4rken wie Schlagkraft, Organisationsf\u00e4higkeit und Best\u00e4ndigkeit im Kurs, aber auch Schw\u00e4chen, etwa eine gewisse Ver\u00e4nderungsresistenz und Selbstbezogenheit. Das passiert unabh\u00e4ngig von den handelnden Personen, aber 22 Jahre mit dem gleichen Obmann halfen dabei auch nicht. Doch mit neuen und jungen Mitgliedern kam der Wunsch nach Ver\u00e4nderung, etwa nach mehr Transinklusivit\u00e4t oder Einsatz f\u00fcr intergeschlechtliche Menschen, oft an der Frage der bestm\u00f6glichen Art zu gendern festgemacht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie es begann<\/h3>\n\n\n\n<p>Anfang 2018 gab es schlie\u00dflich ein Team aus mehreren Vorstandsmitgliedern, das bereit war, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Im Vorstand sollte es Kontinuit\u00e4t geben und der Obmannwechsel in Absprache erfolgen (mein Vorg\u00e4nger hatte schon Monate davor im Vorstand \u00fcber seinen Wunsch nach Abl\u00f6se gesprochen). F\u00fcr einen kurzen Moment schien alles harmonisch. Doch dann kam die Frage nach der richtigen Art zu gendern wieder auf, mit zum Teil grunds\u00e4tzlich unterschiedlichen Sichtweisen. Bei diesen Diskussionen entwickelte sich eine Eigendynamik, an deren Ende kein vern\u00fcnftiger Kompromiss mehr m\u00f6glich war. Also wurde die Entscheidung allen Mitgliedern bei der Generalversammlung 2018 vorgelegt: Einerseits durch die Wahl des Vorstands, andererseits durch mehrere Antr\u00e4ge. Sie war eine der am besten besuchten und emotionalsten Generalversammlungen der j\u00fcngeren Vereinsgeschichte, und am Ende schaffte sie Klarheit: Die Mitglieder sprachen mir mit 82 Prozent ihr Vertrauen aus und wollten eine grunds\u00e4tzliche Erneuerung der HOSI Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier bewiesen die Mitglieder Mut. So eine Kurs\u00e4nderung macht man nicht mal so eben \u00fcber ein Wochenende, und es bestand die reale Gefahr, schneller bew\u00e4hrte Konzepte und Mitglieder zu verlieren, als man Neues aufbauen kann. Es traten auch prompt einzelne langgediente Protagonisten nach der Abstimmung aus und es wurde f\u00fcr mehrere unserer Projekte der Untergang vorausgesagt, vom Gugg, das einen neuen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer brauchte, \u00fcber einen drohenden Imageschaden in der \u00f6sterreichischen und internationalen Community bis zum Ende der Lambda war alles dabei. Nun, die \u2013 erneuerte \u2013 Lambda haltet ihr gerade in H\u00e4nden, vom Gugg k\u00f6nnen sich alle an den Gruppen- und am offenen Dienstagabend selbst ein Bild machen, und unser Image in der \u00f6sterreichischen Community ist heute so, dass wir das n\u00e4chste Vernetzungstreffen der \u00f6sterreichischen LGBTIQ-Organisationen ausrichten. Und international? Da wurde nach der EuroPride Vienna 2019 unsere \u00adKatharina Kacerovsky-Strobl in den Vorstand des europ\u00e4ischen Pride-Dachverbandes EPOA gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erneuerung braucht viele kleine und gro\u00dfe Schritte<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach der Sicherung des Bestehenden haben wir umsichtig, Schritt f\u00fcr Schritt die Reform umgesetzt. Zun\u00e4chst eine neue Gender-Leitlinie, von den Mitgliedern bei der Generalversammlung 2019 angenommen, um einerseits unsere Schreibweise zu modernisieren und andererseits unseren Arbeitsgruppen mehr Gestaltungsraum zu erm\u00f6glichen. Dann eine Statutenreform, um den Anforderungen von immer mehr Aufgaben und Wachstum gerecht zu werden. Worauf ich pers\u00f6nlich stolz bin, ist die Beschr\u00e4nkung der Amtszeiten der Obleute auf maximal zehn Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben weiters die HOSI Wien konsequent f\u00fcr trans- und inter\u00adgeschlechtliche Menschen ge\u00f6ffnet. Auf Forderung der bei uns aktiven trans und intergeschlechtlichen Mitglieder haben wir die Frage der Geschlechtsidentit\u00e4t in den Vereinszweck aufgenommen. In der Praxis gehen wir dabei behutsam vor und stimmen uns selbstverst\u00e4ndlich mit Organisationen der trans und inter\u00adgeschlechtlichen Community ab. Wir freuen uns dabei besonders, dass es bei uns den vermeintlichen Konflikt zwischen cisgender und trans Frauen schlicht nicht gibt, sondern, ganz im Gegenteil, die LesBiFem-Gruppe bei der Generalversammlung 2022 eine eigene Resolution zu transinklusivem Feminismus eingebracht hat. Die LesBiFem-Gruppe, fr\u00fcher Lesbengruppe, feierte \u00fcbrigens 2021 ihr 40-Jahre-Jubil\u00e4um und ist heute so stark besucht und aktiv wie seit vielen Jahren nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich zu unserer erfolgreichen Jugendarbeit setzten wir uns bei der Stadt Wien f\u00fcr ein eigenes queeres Jugendzentrum ein, das sich inzwischen im Aufbau befindet. Apropos Stadt Wien: Einer der f\u00fcr mich sch\u00f6nsten Momente meiner Obmannschaft war, als der damalige Regenbogenstadtrat J\u00fcrgen Czernohorszky (SP\u00d6) bekanntgab, endlich das lange versprochene Mahnmal f\u00fcr die Opfer der NS-Homosexuellenverfolgung umzusetzen. Noch steht es nicht, aber es zeigt, dass sich konsequenter, professioneller Einsatz als Interessenvertretung auszahlt. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herausforderungen gestern und heute<\/h3>\n\n\n\n<p>Es gab aber noch gr\u00f6\u00dfere Herausforderungen: Die \u00d6VP-FP\u00d6-\u00adRegierung, das Mega-Projekt der EuroPride Vienna 2019 und schlie\u00dflich die Pandemie, die uns finanziell, organisatorisch und in unseren Leistungen f\u00fcr die Community vor gewaltige Herausforderungen stellte. Wir haben diese Zeit gemeistert: Die HOSI Wien ist seither medial pr\u00e4sent wie nie und konnte regelm\u00e4\u00dfig erfolgreich Themen setzen, z. B. letzten Sommer zum Umgang mit Mpox (Affenpocken) durch das Gesundheitsministerium. Mit der EuroPride 2019 haben wir \u00fcber zwei Wochen Veranstaltungen mit insgesamt 800.000 Besucher*innen auf die Beine gestellt und Vienna Pride auf ein ganz neues Niveau gehoben, in dem die ganze Stadt einen Monat lang im Regenbogen erstrahlt. Dass dabei Bundes\u00adpr\u00e4sident, EU-Justizkommissarin und B\u00fcrgermeister sprachen, war ein auch international anerkanntes Signal. Und durch Corona haben uns unsere treuen Mitglieder und Ehrenamtlichen getragen \u2013 \u00fcbrigens haben wir heute deutlich mehr Mitglieder als vor f\u00fcnf Jahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Das ist besonders wichtig, weil es uns als Interessenvertretung stark und unabh\u00e4ngig macht. Letzteres muss man aber auch wollen und zeigen, darin haben wir unseren Auftritt gest\u00e4rkt und werden heute mehr als \u00fcberparteilich wahrgenommen. Von einer Jungen \u00d6VP, die wir aus guten Gr\u00fcnden nicht an der Regenbogenparade teilnehmen lassen, \u00fcber einen B\u00fcrgermeister, den wir kritisieren, wenn er homophobe serbische Politiker beschenkt, bis hin zur oft entt\u00e4uschenden gr\u00fcnen Regierungsbeteiligung: Wir messen alle an den gleichen Ma\u00dfst\u00e4ben.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele dieser Leistungen waren nicht mehr die meinen: Ich musste mich nach zweieinhalb Jahren im August 2020 aus gesundheit\u00adlichen Gr\u00fcnden als Obmann zur\u00fcckziehen. Ann-Sophie Otte b\u00fcrdete ich damit eine nur halb umgesetzte HOSI-Reform auf. Sie hat sich unter diesen Umst\u00e4nden so gut bew\u00e4hrt, wie ich es kaum zu hoffen gewagt hatte und wie es niemand von ihr h\u00e4tte verlangen k\u00f6nnen. Dass die HOSI Wien heute so stark aufgestellt ist, ist mindestens so sehr ihr Verdienst wie der meine. Aus tiefstem Herzen: Danke!<\/p>\n\n\n\n<p>Also k\u00f6nnen wir uns auf die Schulter klopfen und einen Sekt aufmachen? Nein, nat\u00fcrlich nicht. (O.k., Sekt geht immer.) Es gibt immer neue Herausforderungen anzugehen. Eine davon ist, dass wir nach wie vor ein \u00fcberwiegend wei\u00dfer Verein sind und kaum migrantische Stimmen haben. In einer Stadt mit derart viel Zuwanderung wie Wien ist es aber unsere Aufgabe, uns aktiver um unterschiedliche Communitys zu bem\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Ver\u00e4nderungen, die ich oben beschrieben habe, w\u00e4ren ohne den gewaltigen Einsatz unserer Mitglieder, des Vorstandes, des Organisationsteams von Regenbogenball und -parade, der Stonewall GmbH sowie der hunderten Ehrenamtlichen nicht m\u00f6glich gewesen. F\u00e4llt euch, liebe Leser*innen, etwas ein, das ihr gerne von der HOSI sehen oder h\u00f6ren w\u00fcrdet? Wollt ihr etwas \u00e4ndern? Meldet euch! Davon leben wir, wir sind schlie\u00dflich ein Mitgliederverein. Eure Ideen und euer Engagement sind immer willkommen. Schreibt doch einfach unserem fantastischen B\u00fcro unter <a href=\"mailto:office@hosiwien.at\">office@hosiwien.at<\/a>!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Versuch einer Bilanz Fast w\u00e4re es uns durchgerutscht: Unser eigenes kleines Jubil\u00e4um von jener Reform, die im Fr\u00fchjahr 2018 begann. Nach au\u00dfen vor allem durch die Abl\u00f6se von Christian H\u00f6gl als Obmann durch mich sichtbar, wurde doch die meiste Arbeit unerm\u00fcdlich von zahlreichen Mitgliedern hinter den Kulissen geleistet. 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