{"id":2277,"date":"2023-03-03T00:19:00","date_gmt":"2023-03-02T23:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2277"},"modified":"2023-03-02T22:45:21","modified_gmt":"2023-03-02T21:45:21","slug":"poryes-trotz-fallstricken-und-ausbeutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2277","title":{"rendered":"PorYES &#8211; trotz Fallstricken und Ausbeutung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Wenn heutzutage in feministischen Kreisen \u00fcber Pornographie gesprochen wird, geht es um Fragen von Zug\u00e4ngen zu queer-feministischer Pornographie, die unter m\u00f6glichst ethischen Bedingungen (Einverst\u00e4ndnis der Darstellenden, Respekt vor sexueller Gesundheit, gute Bezahlung, etc.) entstanden ist. Feministische Debatten der 80er, vor allem gepr\u00e4gt durch die \u201cPorNO\u201d-Kampagne des EMMA-Magazins (1987\/88), besch\u00e4ftigten sich ebenfalls mit ausbeuterischen Bedingungen, vor allem aber waren sie davon gepr\u00e4gt, dass Pornos (im Mainstream bis heute) f\u00fcr und von (hetero cis) M\u00e4nner produziert werden. Die Debatte in den 80ern kritisierte aber nicht nur diesen male gaze (m\u00e4nnlichen Blick), sondern war teils von radikalen Ansichten gepr\u00e4gt: Die Wissenschaftlerin Andrea Dworkin, die auch mit Alice Schwarzer zusammenarbeitete, sah in jeglicher Pornographie Gewalt gegen Frauen und sogar die Ursache f\u00fcr Vergewaltigung von Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Bilder machtvoll sind, zeigt sich bei Pornographie von zwei Seiten: Zum einen k\u00f6nnen sie ein verzerrtes Bild von Sexualit\u00e4t zeigen, deren Effekt insbesondere auf Jugendliche vielfach untersucht wurde. Zum anderen verk\u00f6rpern Bilder oft, wer diese in Auftrag gibt, erstellt und vorrangig konsumiert. Der male gaze scheint in Mainstream-Pornographie, die die Lust und Perspektive von M\u00e4nnern in den Fokus stellt, bis heute unverkennbar. In den 80er Jahren d\u00fcrfte dies aufgrund anderer gesellschaftlicher Gegebenheiten, noch st\u00e4rkeren sexuellen Tabus und fehlender finanzieller Ressourcen f\u00fcr Pornographie von Frauen noch deutlicher der Fall gewesen sein. Die Sexualisierung der Frau durch den male gaze war insgesamt ein bestimmendes Thema f\u00fcr den Feminismus der 2. Welle und beispielsweise auch im Kampf gegen sexistische Werbung ein pr\u00e4sentes Thema.<\/p>\n\n\n\n<p>Relevante Fragestellungen zu Pornographie haben sich weiterentwickelt, aber w\u00e4hrend einige Themen, wie die Frage nach fairen Arbeitsverh\u00e4ltnissen, geblieben sind, hat sich die Frage danach, f\u00fcr wessen Blick produziert wird, diversifiziert: Insbesondere in der queer-feministischen Szene spielt die Frage nach der Repr\u00e4sentation verschiedenster K\u00f6rperformen und Paar- oder Gruppenkonstellationen und wer die Inhalte bestimmen darf, eine gro\u00dfe Rolle. Gleichzeitig haben sich die technischen Voraussetzungen stark ver\u00e4ndert, und fast jede*r kann heute mit dem Smartphone Filme erstellen und beispielsweise auf den Community-Portalen einschl\u00e4giger Webseiten hochladen. Kombiniert mit Deep Fakes (eine sehr realistische Fotomontage, die teils nicht von echten Bildern unterschieden werden k\u00f6nnen) er\u00f6ffnet das leider auch viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Missbrauch, wie beispielsweise die Ver\u00f6ffentlichung von Rachepornos, einer Form von Cybergewalt, bei der Bild- und Filmmaterial, beispielsweise nach einer Trennung, aus Rache online gestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Frage nach Produzent*innen und Regie r\u00fcckt n\u00e4mlich auch die Frage nach der Kontrolle \u00fcber das Bildmaterial in den Fokus. Die ethischsten Pornos sind demnach die, bei denen die Darstellenden ein Mitspracherecht \u00fcber das Endprodukt haben, alle freiwillig und gut entlohnt mitmachen, und der Film nicht f\u00fcr einen patriarchal gepr\u00e4gten Blick produziert (oder dieser zumindest reflektiert) wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Pornographie heute aus vielen Perspektiven erstellt und konsumiert wird, w\u00e4re ihre Bezeichnung als \u201eLiebesarbeit\u201c an M\u00e4nnern durch Feminist*innen sicher nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Den ethischen Konsum muss jede*r f\u00fcr sich selbst reflektieren, aber f\u00fcr die queere (und weibliche) Lust ist die heutige Diversit\u00e4t von Pornographie sicher eine positive Entwicklung und ein potenzieller feministischer Lustgewinn.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Leseempfehlung zu feministischen K\u00e4mpfen der 80er Jahre: \u00adBrigitte Geiger &amp; Hanna Hacker (1989). Donauwalzer Damenwahl. Frauenbewegte Zusammenh\u00e4nge in \u00d6sterreich. Promedia Verlagsgesellschaft m.b.H., Wien.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn heutzutage in feministischen Kreisen \u00fcber Pornographie gesprochen wird, geht es um Fragen von Zug\u00e4ngen zu queer-feministischer Pornographie, die unter m\u00f6glichst ethischen Bedingungen (Einverst\u00e4ndnis der Darstellenden, Respekt vor sexueller Gesundheit, gute Bezahlung, etc.) entstanden ist. 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