{"id":2250,"date":"2023-03-03T00:13:00","date_gmt":"2023-03-02T23:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2250"},"modified":"2023-03-02T22:45:50","modified_gmt":"2023-03-02T21:45:50","slug":"pornosucht-als-tabuthema","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2250","title":{"rendered":"Pornosucht als Tabuthema"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Sexualit\u00e4t kann wundersch\u00f6n sein und gl\u00fccklich machen. Dann gibt es auch eine Sexualit\u00e4t, die ein problematisches Ausma\u00df erreichen kann &#8211; wie etwa die Sex- oder Pornosucht. Dabei l\u00e4sst sich nicht immer klar sagen, ab wann eine Sucht vorliegt. Der \u00dcbergang zur Abh\u00e4ngigkeit passiert meist schleichend. Irgendwann k\u00f6nnen Betroffene ihr Verlangen nicht mehr kontrollieren. Die Gedanken an Sex oder der Pornokonsum nehmen viel Zeit ein. Gleichzeitig wird das Verlangen nach sexueller Stimulation und Befriedigung nicht mehr als lustvoll, sondern als innerer Zwang erlebt. Die Betroffenen wollen aufh\u00f6ren, doch sie schaffen es nicht. Dies wirkt sich negativ auf das Privatleben und den Beruf aus. Hinzu kommt, dass Betroffene st\u00e4ndig neue und intensivere Reize brauchen. Sie verlangen \u00e4hnlich wie bei einer Substanzsucht (wie bei Alkohol und Drogen) nach einer h\u00f6heren Dosis. Dies kann zu einem exzessiveren Sexverhalten f\u00fchren. Nicht wenige Betroffene nehmen Drogen, um den Sex intensiver zu erleben. Doch die Entspannung danach h\u00e4lt nicht lange an. M\u00e4nner sind wesentlich h\u00e4ufiger von einer solchen Suchterkrankung betroffen als Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer Sex- und Pornosucht spielt die Masturbation eine wichtige Rolle &#8211; manche Menschen masturbieren jeden Tag f\u00fcnfmal. Dies f\u00fchrt zu einer k\u00f6rperlichen Ersch\u00f6pfung. Besonders viel Zeit nimmt auch der Konsum von Pornos in Anspruch. Die Betroffenen sind st\u00e4ndig auf der Jagd nach neuem Material. Negative Konsequenzen wie die Entdeckung durch Partner*innen oder der Verlust des Arbeitsplatzes werden ignoriert. Eine Sex- und Pornosucht kann von Au\u00dfenstehenden kaum erkannt werden. Es gibt Betroffene, die nach au\u00dfen hin h\u00f6flich und angepasst sind. Im Inneren sind sie jedoch einsam. Sie lassen niemanden an sich heran und erz\u00e4hlen nicht, wie es ihnen wirklich geht. Sie sch\u00e4men sich daf\u00fcr, dass sie ihr Verhalten nicht in den Griff bekommen. Mit jedem gescheiterten Versuch, aus der Sucht auszusteigen, verachten sie sich noch mehr und ziehen sich weiter zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Suchtverhalten wird oft bagatellisiert<\/h3>\n\n\n\n<p>Menschen mit einer Suchterkrankung k\u00f6nnen in ihrer Abwehrhaltung besonders stur sein. Werden sie entdeckt, besch\u00f6nigen sie oft die Situation mit Ausreden wie &#8211; \u201ees ist alles nicht so schlimm\u201c &#8211; \u201edas war ein einmaliger Ausrutscher\u201c &#8211; \u201eich habe das wirklich im Griff\u201c &#8211; \u201eich schaffe es alleine\u201c. Auch wird viel gelogen, was das Suchtverhalten betrifft. Familie, Verwandte und Freund*innen sind verzweifelt. Erst wenn die Betroffenen in ihrer Sucht einmal besonders heftig abgest\u00fcrzt sind und wenn sich alles nicht mehr leugnen l\u00e4sst, besteht die Chance auf Einsicht. Meist m\u00fcssen auch dann die Verwandten oder die Partner*innen alle \u00dcberredungsk\u00fcnste aufwenden, damit eine Beratungsstelle aufgesucht oder eine Psychotherapie begonnen wird. Manchmal ist eine \u00dcberweisung in eine Suchtklinik oder in eine \u00e4hnliche Einrichtung sinnvoll. Wird die Sucht lange ausgelebt, dauern auch die Therapien lange mit entsprechenden R\u00fcckfallquoten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Suchtverhalten sind vielf\u00e4ltig und komplex. Die Psychotherapie beginnt zun\u00e4chst mit der Motivationsphase. Denn die Therapie ist nur dann erfolgreich, wenn die Betroffenen motiviert sind und mitmachen wollen. Anschlie\u00dfend arbeiten Therapeut*innen und Klient*innen gemeinsam an einem Entzugsprogramm. Hier geht es darum, Momente zu identifizieren, die den Drang zur Sucht ausl\u00f6sen &#8211; wie zum Beispiel Stress in der Arbeit oder Langweile. Danach werden Alternativen zum Suchtverhalten entwickelt. Auch Methoden wie Gedankenstopps k\u00f6nnen eingesetzt werden. Ein wichtiges Element in der Psychotherapie ist die Selbstf\u00fcrsorge. Denn Menschen mit einer Suchterkrankungen gehen im Regelfall nicht gut mit sich selbst um. Neben dem Entzug sollen in der Therapie auch die hinter der Sucht liegenden Probleme aufgearbeitet werden. H\u00e4ufig wird die Sucht dazu verwendet, um unangenehme Gef\u00fchle zu bet\u00e4uben. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise \u00c4ngste, Einsamkeit, Scham, Depressionen, Entt\u00e4uschungen, Selbstunsicherheit. Statt sich damit auseinanderzusetzen, weichen Betroffene aus. Doch das kann auf Dauer nicht funktionieren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"547\" height=\"365\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_4554.jpg\" alt=\"(Foto: Mo Blau)\" class=\"wp-image-2252\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_4554.jpg 547w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_4554-300x200.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_4554-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 547px) 100vw, 547px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Mo Blau)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Flucht in eine Traumwelt <\/h3>\n\n\n\n<p>Jeder Mensch bringt andere Themen in die Therapie mit. Auch die Wahl des Suchtmittels ist verschieden. Manche nehmen ein Mittel, das leicht verf\u00fcgbar ist, wie etwa Alkohol. Bei anderen Personen ist der Gruppendruck ausschlaggebend. Nehmen Freund*innen auf einer Party Drogen, kann es f\u00fcr manche schwer sein, Nein zu sagen. Auch der Reiz des Verbotenen spielt eine Rolle. Anders als bei Alkohol und Drogen sind die Sex- und Pornosucht oft schambesetzt und ein Tabuthema. Pornos k\u00f6nnen Menschen helfen, aus dem vielleicht grauen Alltag in eine sexuelle Traumwelt zu fliehen. Doch je mehr und intensiver sich jemand den Traumwelten im Internet hingibt, umso deprimierender sieht dann der Alltag aus. Eine Person, die beispielsweise mit der eigenen Sexualit\u00e4t, der Partnerschaft oder dem eigenen K\u00f6rper unzufrieden ist, findet im Internet genau die Videos, die zu den Sehns\u00fcchten und Phantasien passen. Beim Cybersex k\u00f6nnen sich Menschen andere Identit\u00e4ten zulegen. Sie haben die M\u00f6glichkeit, sich beispielsweise j\u00fcnger und attraktiver zu machen. Bei Pornos k\u00f6nnen sich Zuseher*innen mit den Darsteller*innen identifizieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pornos erzeugen Gl\u00fccksgef\u00fchle<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Videos mit den gew\u00fcnschten Sexpartner*innen sind rund um die Uhr verf\u00fcgbar. M\u00f6chte jemand beispielsweise Stress abbauen, reicht ein Smartphone. Das Ansehen von Pornos kann Gl\u00fccksgef\u00fchle und eine genitale Erregung erzeugen. Nicht selten erfolgt dann die Masturbation, wobei die Lust nicht durch die Hand, sondern durch die im Kopf angeregten Phantasien hervorgerufen wird. Diese Phantasien und Sehns\u00fcchte k\u00f6nnen wiederum viel \u00fcber die Zuseher*innen aussagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um nicht missverstanden zu werden: Nat\u00fcrlich ist ein Eintauchen in Traumwelten nicht verwerflich. Problematisch ist es, wenn sich daraus ein Suchtverhalten entwickelt. Stehen hinter der Pornosucht beispielsweise Einsamkeit oder die Angst vor N\u00e4he, kann darauf in der Therapie Bezug genommen werden. Auch ein Trauma kann die Ursache einer Suchterkrankungen sein. Haben Menschen sexuelle, k\u00f6rperliche oder psychische Gewalt erlitten, hat dies schwere Auswirkungen auf das weitere Leben. Auch hier kann die Sucht vor\u00fcbergehend helfen, dem mit dem Trauma verbundenen Schmerz, der Wut, dem Hass und der Trauer zu entfliehen. In einer Psychotherapie besteht die M\u00f6glichkeit, die Erinnerungen an das Trauma behutsam zu bearbeiten. Wichtig dabei ist, dass sich Betroffene bei ihren Therapeut*innen gut aufgehoben f\u00fchlen. Psychotherapeut*innen haben viel Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Situation und wissen, wie schwierig der Weg aus der Krise ist. Bei einer Sex- und Pornosucht besteht das Ziel der Therapie nicht darin, dass Betroffene keinen Sex mehr haben, sondern das Ablegen des Suchtverhaltens soll dazu f\u00fchren, dass Sexualit\u00e4t lebendig, entspannt, frei und erf\u00fcllend erlebt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexualit\u00e4t kann wundersch\u00f6n sein und gl\u00fccklich machen. Dann gibt es auch eine Sexualit\u00e4t, die ein problematisches Ausma\u00df erreichen kann &#8211; wie etwa die Sex- oder Pornosucht. Dabei l\u00e4sst sich nicht immer klar sagen, ab wann eine Sucht vorliegt. Der \u00dcbergang zur Abh\u00e4ngigkeit passiert meist schleichend. Irgendwann k\u00f6nnen Betroffene ihr Verlangen nicht mehr kontrollieren. 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