{"id":2235,"date":"2023-03-03T00:10:00","date_gmt":"2023-03-02T23:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2235"},"modified":"2023-03-02T22:46:06","modified_gmt":"2023-03-02T21:46:06","slug":"porn-film-festival-vienna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2235","title":{"rendered":"Porn Film Festival Vienna"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"619\" height=\"147\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P_Logo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2236\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P_Logo.jpg 619w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P_Logo-300x71.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/P_Logo-150x36.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 619px) 100vw, 619px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Heuer findet die sechste Ausgabe des Queer Pornfilmfestival Wien statt. Mo Blau unterhielt sich dazu mit Jasmin Hagendorfer, Kreativleitung, und Yavuz Kurtulmus, Festivalleiter und Gr\u00fcnder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Was seht ihr als Aufgabe des Filmfestivals?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>YK: Ich glaube, die eigene Sexualit\u00e4t zu erkundigen. Wir schauen alle Pornos, ich kenne niemanden der*die noch keinen Porno angeschaut hat. Es ist nichts Schlimmes, man darf sich Pornos anschauen, man muss sich nicht daf\u00fcr sch\u00e4men. Dar\u00fcber wollen wir reden und aufkl\u00e4ren, und ich glaube, das schaffen wir auch sehr gut.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: F\u00fcr mich war Pornographie immer ein Schl\u00fcssel, um \u00fcber sehr viel Verschiedenes reden zu k\u00f6nnen \u2013 \u00fcber K\u00f6rper, Sexualit\u00e4t, sexuelle Identit\u00e4t, Politik und das alles durch eine pornographische Linse betrachtet. Das war der Grund, warum mich das immer so interessiert hat. Und eben, wie Yavuz sagte, wir sehen uns auch als Aufkl\u00e4rungsmechanismus und bieten eine Plattform f\u00fcr alles, was jenseits der sehr konservativen Mainstreamindustrie ist. Wir wollen hervorholen, was es noch gibt, alle Spektren, Sparten mal abdecken, um die Leute damit vertraut zu machen, was es noch f\u00fcr andere Blicke gibt, was man nochmal anderes erleben oder sehen kann und in welche Welten man eigentlich noch eintauchen kann. Denn das kann ich jetzt schon sagen: Es gibt wahnsinnig viel.<\/p>\n\n\n\n<p>YK: Man muss lernen, bewusster zu konsumieren. Das ist auch unsere Aufgabe, sichtbarer zu machen, wie viel es da drau\u00dfen noch gibt als das Mainstream, das wir online kennen und auf das wir leicht zugreifen. Es gibt viel mehr, das auch der Realit\u00e4t entspricht. Denn was wir in Mainstreampornos sehen, ist nicht immer die Realit\u00e4t. Viele Menschen wachsen mit dem auf und haben dann extremen Stress bei ihrem ersten Sex. Dass die Realit\u00e4t ganz anders ist, lernen sie dann sp\u00e4ter und das verursacht bei vielen Leuten auch Traumas. Es ist ganz wichtig daf\u00fcr Bewusstsein zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: Ich h\u00e4tte noch anzuschlie\u00dfen, dass es bei uns sehr wichtig ist, dass man Diversit\u00e4t auf allen Ebenen sieht, z. B. \u00e4ltere Menschen, disabled bodies. Es gibt so viel, was ausgegrenzt wird und nicht sichtbar ist, obwohl es eigentlich die Realit\u00e4t und das Leben vieler Menschen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Habt ihr bei der Gr\u00fcndung und Durchf\u00fchrung des Festivals offene T\u00fcren eingerannt, oder habt ihr Widerst\u00e4nde erlebt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>YK: Beides. Einerseits sind wir das einzige Pornfestival europaweit, das durch Stadt und Bund finanziert wird, darauf sind wir ganz stolz. Andererseits gibt es viele Kinos, die uns nicht wollen, die uns nicht listen, die gar nicht k\u00f6nnen und Pornos nicht zeigen d\u00fcrfen. Es gibt auch immer wieder Probleme bei Sponsoren oder Partner, wo es hei\u00dft, toll, dass ihr das macht, aber wir k\u00f6nnen leider nicht dabei sein.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: Also das erste Jahr war eines der schwierigsten f\u00fcr uns. Es war sehr schwierig mit diesem Namen \u201ePornfilmfestival\u201c &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Das versteckt nicht, was es ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>JH: .. you know what you get. Es war nat\u00fcrlich schwierig, das dem Magistrat und so weiter zu erkl\u00e4ren. Viel Protest haben wir auch von rechtsgerichteten Parteien bekommen, die das sofort aufgegriffen haben, ich glaube da waren wir noch nicht mal in der wirklichen Produktion. Das war schwierig f\u00fcr uns, hat uns aber gezeigt, wie wichtig das Thema ist, wenn so viel Gegenwehr kommt. <\/p>\n\n\n\n<p>YK: Wie war das? Wir haben, glaube ich, das Datum ver\u00f6ffentlicht und am n\u00e4chsten Tag waren wir schon in allen Zeitungen \u2013 \u201eSteuergelder f\u00fcrs Pornfilmfestival\u201c, dann hat die FP\u00d6 gleich bei der Stadt Wien angerufen, beim Bund, und dann wollten sie eine parlamentarische Anfrage machen, ob wir wirklich Steuergelder bekommen. Es war die beste Werbung, die wir kriegen konnten. Wir haben auch nichts zu verstecken, die Finanzen sind immer offen, weil wir auch \u00f6ffentliche Gelder bekommen, daher: Wir stehen zu dem, was wir machen \u2013 Pornos.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: Es kam nicht nur von rechts au\u00dfen, wir haben auch ein paar Mal schon auch aus dem linken oder aus einem bestimmten Teil des feministischen Spektrums Widerstand bekommen. Das waren aber sehr viele Missverst\u00e4ndnisse \u2013 es wurde wirklich geglaubt, dass wir gar kein feministisches Festival seien. Aber das sind wir definitiv, das m\u00f6chten wir gleich mal festhalten. Wir sind sehr feministisch und queer feministisch orientiert, das ist absolut unsere Basis.<\/p>\n\n\n\n<p>YK: sehr wichtig, ja <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"365\" height=\"547\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_4347.jpg\" alt=\"(Foto: Mo Blau)\" class=\"wp-image-2237\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_4347.jpg 365w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_4347-200x300.jpg 200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_4347-100x150.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Mo Blau)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>MB: Habt ihr so viel Widerstand bekommen, weil es ein queer feministisches Festival ist, oder einfach nur, weil es grunds\u00e4tzlich mit Sexualit\u00e4t zu tun hat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>YK: Ich glaube, das ist grunds\u00e4tzlich. Sobald man \u201ePorn\u201c h\u00f6rt, kriegen alle Panikattacken, anstatt dass man schaut, was es ist. Es ist egal, dass wir queer sind, es wird immer wieder Widerstand geben, weil sich die Leute nicht mit dem Thema auseinandersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: Deswegen denken wir, das muss einfach besprochen werden. In jedem Magazin, in jedem Film kommt eine Sexszene vor, tausend nackte K\u00f6rper, vor allem Frauenk\u00f6rper, und das ist alles irgendwie OK \u2013 aber wirklich \u00fcber Sexualit\u00e4t zu reden, was das mit uns allen macht, warum das uns alle betrifft, das sehen wir schon als Punkt, den man machen sollte. Wir sind ja nicht nur ein reines Filmfest, sondern wir haben ein sehr breites Spektrum, mit Workshops, Vortr\u00e4gen, Diskussionen, von akademisch bis zu niederschwellig zug\u00e4nglich. Man muss sich bei uns nicht reinsetzen und einen Porno reinziehen. Das gibt\u2018s auch, und das macht auch wahnsinnig viel Spa\u00df, mit anderen Menschen im Kino, aber man kann sich dem auch von einer ganz anderen Seite n\u00e4hern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Glaubt ihr, dass da irgendwie die Scham eine Rolle spielt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>YK: Wenn man \u00fcber Porno redet, ist es sehr viel mit Scham, weil wir eben hinter geschlossenen T\u00fcren Pornos anschauen, und dann sehr schnell konsumieren, bevor uns jemand erwischt. Und sobald man den H\u00f6hepunkt hatte, f\u00fchlt man sich wieder schlecht. Das schlechte Gewissen ist ein Thema, dar\u00fcber reden wir nicht in der Gesellschaft. Wir stellen seit Jahren immer beim Festival die Fragen \u201eWas ist Porno?\u201c, \u201eWas ist Sex?\u201c und \u201eWas ist Scham?\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Wie seht ihr den queerspezifischen Fokus beim Pornfilmfestival?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>YK: Fast jedes Pornfilmfestival, das wir in Europa besucht haben, ist queer, also zu 60, 70% sind es queere Thematik und queerer Inhalt. Und das macht mich stolz, das macht mich gl\u00fccklich, dass so viel Queerness in all diesen Festivals eingebaut ist, vom Publikum, von den Filmen her, von den ganzen Workshops. Das ist auch eine ganz wichtige Aufgabe des Pornfestival, dass wir hier LGBTIQ Aufkl\u00e4rung beitragen. So viele Menschen, die aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen zu uns kommen um Pornos anzuschauen, lernen \u00fcber Queerness; viele Menschen haben vielleicht zum ersten Mal Trans-Porn geschaut, und waren manchmal \u00fcberfordert, und das ist auch OK. Aber sie kriegen die M\u00f6glichkeit, sich komplett mit neuen Themen auseinanderzusetzen und das finde ich sehr spannend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Wenn man so die Pornostatistiken anschaut, dann erkennt man: transidente Personen sind ein vielfach angefragtes Genre.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>YK: Es ist auch in den letzten Jahren in den Top 3 der Anfragen, also, vorletztes Jahr war\u2018s glaube ich #1. Egal mit wem ich rede, Leute sind interessiert in Trans-Porn. Nat\u00fcrlich muss man auch da hinterfragen warum, was steht dahinter, und es ist nicht nur, weil man jetzt Trans-Porn konsumiert, etwas Gutes.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: Gesellschaftspolitischer Diskurs frisst sich immer in das hinein. Porno ist nie nicht-politisch, Porno ist immer politisch. Und es gab ja schon ein anderes Beispiel: Das war ungef\u00e4hr 2017, da war Fem-Porn, also feminist porn, ein ganz gro\u00dfes Schlagwort auf Platz 1. Auf Platz 3 war dann wieder Cheerleader Porn, also das hebt sich auch alles wieder ein bisschen auf. Es hat trotzdem gezeigt, dass es ein reges Interesse gibt, dass Menschen den Diskurs miterleben, dass sich da in der Gesellschaft etwas \u00f6ffnet. Das hat PornHub dazu gebracht, eine eigene feministische Ecke aufzubauen. Die ist nat\u00fcrlich mit rosa Bl\u00fcmchen geschm\u00fcckt, und trotzdem wirst Du alles dort sehen, was Du sonst auch auf der Plattform siehst, das ist nur eine Versch\u00f6nerung nach au\u00dfen, aber letztendlich sind auch die Plattformen gezwungen, sich mit solchen Dingen dann auseinanderzusetzen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Es wird ja oft so dahingestellt, als ob fair produzierte und reflektierte Pornos, wie z. B. feministischer Porno, Randph\u00e4nomene seien von ein paar radikalen Queerfeminists. Wurde euch das schon einmal vorgeworfen: So was will doch gar niemand sehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>JH: Wenn Du \u00fcberlegst, dass 40% des Internetdatenverkehrs rein Porn bezogen sind, dann geht das wahrscheinlich schon ein bisschen unter, aber dennoch sind die Nachfragen da. Ich glaube, Menschen wollen sich ja auch wiedererkennen, auf verschiedenen Ebenen. Ich will mich auch im Porno wiedererkennen und nicht jemand komplett glatt geb\u00fcgelten 20-j\u00e4hrigen, das find ich nicht ..<\/p>\n\n\n\n<p>YK: kann auch sch\u00f6n sein<\/p>\n\n\n\n<p>JH: .. kann auch sch\u00f6n sein, aber ich glaube, es geht Menschen auch um Authentizit\u00e4t, darum, sich selbst ein bisserl wiederzuerkennen. Und drum glaube ich, die Anfragen zeigen auch das Bewusstsein dar\u00fcber, was schauen wir, wie schauen wir, warum schauen wir eigentlich. Ich glaube, das w\u00e4chst immer mehr, weil eben auch die Debatte gr\u00f6\u00dfer wird. Und je mehr Nachfrage dann da ist, desto mehr wird es den Markt ver\u00e4ndern. Aber nat\u00fcrlich steht da echt noch immer eine gro\u00dfe Masse an sehr konservativem Mainstreamporn. Das ist halt ein Wirtschaftszweig, der ist immens. Aber es tut sich auf jeden Fall etwas, es tut sich sehr viel sogar, sehr viel unterschiedliches, von sehr low level Produktionen bis hin&nbsp;zu Kunstpornos aus studentischen Umfeldern, zum Beispiel der Kunstunis hier, bis hin zu riesengro\u00dfen Namen, wie Erika Lust. Auch haben wir eine sehr sch\u00f6ne feministische Pornoproduktion hier in Wien, Arthouse Vienna.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"547\" height=\"365\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_3642.jpg\" alt=\"(Foto: Mo Blau)\" class=\"wp-image-2238\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_3642.jpg 547w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_3642-300x200.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG_3642-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 547px) 100vw, 547px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Mo Blau)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>MB: Man m\u00f6chte es ja fast nicht ansprechen, weil wir haben alle das gro\u00dfe C Wort irgendwie jetzt tausendmal geh\u00f6rt, aber Corona: habt ihr das Gef\u00fchl, dass sich die Pornobranche ver\u00e4ndert hat? Also, dass sehr viel zu Hause produzierter Porno entstanden ist, dass die Produktion von den gro\u00dfen Firmen weggegangen ist? Was w\u00fcrdet ihr sagen, wie sind momentan Machtverh\u00e4ltnisse, vielleicht auch Selbsterm\u00e4chtigungsm\u00f6glichkeiten von Darstellenden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>YK: Ich w\u00fcrde mich nicht trauen zu sagen, es hat die Industrie ver\u00e4ndert. Ich glaube, es hat nur Sachen in den Vorschein ger\u00fcckt, die eh passiert sind. Pl\u00f6tzlich haben wir uns alle mit uns selbst viel mehr besch\u00e4ftigt, aber auch dar\u00fcber geredet. Das finde ich auch sehr gut, dass wir in diesen zwei Jahren sehr viel Zeit hatten, uns mit uns selbst, mit unserer eigenen Sexualit\u00e4t auseinanderzusetzen. Also ich hatte zum ersten Mal Zeit, mich mal mit mir auseinanderzusetzen, meinen K\u00f6rper zu erkundigen, oder wieder mal Telefonsex oder Cam-Sex zu haben \u2013 das war wieder total in. Nat\u00fcrlich mussten Leute auch Geld verdienen, es war wichtig, dass man von zu Hause trotzdem arbeiten konnte, und da geh\u00f6ren halt all diese Plattformen dazu. Ich sehe auch, dass das jetzt ein Thema bei Festivals ist, diese online Sexwork.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: Ja, man hat eindeutig gesehen, dass sich Corona auch im Festival widergespiegelt hat. Wir haben einige Einreichungen bekommen, die das thematisiert haben: Wie funktioniert Sex in Zeiten von Corona und Pandemie? Da waren wirklich am\u00fcsante Sachen mit dabei. Aber man hat dann trotzdem gemerkt, dass sehr viel gebrodelt hat, dass sehr viel unrund ist, dass Dinge dunkler geworden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>YK: Einerseits war\u2018s sehr lustig, aber dann war\u2018s wieder deprimierend, diese Einsamkeit. Wenn man wissen will, wie es der Gesellschaft wirklich geht, braucht man einfach Pornos anschauen. Pornos spiegeln wirklich sehr viel der Menschen wider.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Wir haben auch den Eindruck \u2013 und es zeigt sich auch in Zahlen, dass viel mehr Leute zu uns kommen, die sagen: ich bin trans, ich bin doch nicht straight, ich komm jetzt zu euch und rede mal dar\u00fcber. Aber auf der anderen Seite gibt es auch sehr viele Leute, die sich in die andere Richtung radikalisiert haben, die \u00fcbergriffig geworden sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>JH: Ich glaube, dass schon sehr viel Verrohung in dieser Zeit stattgefunden hat, vor allem wenn man ins Netz schaut, weil man sich einfach auch nicht begegnen konnte, sich nicht austauschen konnte; das f\u00e4ngt bei der eigenen Familie an bis hin zu den Lebenspartnern, Sexpartnern. Viele konnten das nutzen, um noch mehr Spaltung in der Gesellschaft zu verursachen. <\/p>\n\n\n\n<p>YK: Dazu kommt der Missbrauch von Fotos und Videos in dieser Pandemie Zeit. Wir waren alle zu Hause, manchmal war uns langweilig und wir haben Fotos hin und hergeschickt \u2026 da ist nat\u00fcrlich sehr viel Missbrauch passiert. Da besteht noch sehr viel Aufkl\u00e4rungsbedarf. Wir versuchen auch , dass wir im schulischen Bereich Aufkl\u00e4rung dazu machen k\u00f6nnen. Porno wird konsumiert, wir k\u00f6nnen es nicht verhindern, daher ist bewusstes Konsumieren wichtig. Die Jugend muss lernen, bewusster zu konsumieren. Ich brauch nur mein Handy aufmachen, TikTok und Instagram sind voll mit \u201ePorno\u201c unter Anf\u00fchrungszeichen; da brauche ich nicht mal auf YouPorn oder PornHub gehen. Daher m\u00fcssen wir die Jugend dringendst aufkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: Wir haben im letzten Sommer mit der Stadt Salzburg gemeinsam mit Schulen gearbeitet. Also das hat mir ein bisserl die Augen ge\u00f6ffnet ehrlich gesagt, damit habe ich nicht gerechnet: Die Fachstelle Selbstbewusst in Salzburg hat uns erz\u00e4hlt, dass Kinder den ersten Kontakt mit Pornographie im Alter von ungef\u00e4hr 5, 6 erfahren. Also es ist sehr viel fr\u00fcher, als wir eigentlich glauben. Das zeigt, dass es ein offenes Gespr\u00e4ch in der Gesellschaft braucht, um auch von vornherein Mechanismen reinzukriegen, dass nicht alles ungefiltert gesehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MB: Jetzt noch zum Abschluss: Was denkt ihr w\u00e4re eine negative Entwicklung, und dann gleich darauf, was w\u00fcrdet ihr euch w\u00fcnschen f\u00fcr die Zukunft? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>YK: Ich glaub das Positive w\u00e4re, wenn wir uns im Bildungsbereich noch mehr positionieren k\u00f6nnten. So wie\u2018s die Aids Hilfe Wien macht, ihr macht\u2018s ja auch Workshops in Schulen. Ich glaub, Jugendliche haben viel zu sagen und sie wissen auch, was abgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>JH: Wenn ich so \u00fcberlege w\u00e4re eigentlich das Schrecklichste, dass der Mainstream so \u00fcberhandnimmt, dass diese ganzen Alternativen \u2013 alternativer Porn, Fem-Porn, ethical Porn \u2013 wieder an den Rand gedr\u00e4ngt werden. Auch wegen der Bezahlsituationen und der Arbeitsbedingungen, die dort herrschen. Und da komme ich zum Positiven: F\u00fcr mich ist Pornographie immer M\u00f6glichkeitsraum, um etwas Neues zu erfahren, \u00fcber mich was zu lernen, \u00fcber andere was zu lernen, Dinge vielleicht nicht gleich im realen Leben auszuprobieren. Auch f\u00fcr viele Menschen in anderen L\u00e4ndern mit beschr\u00e4nkten Gesellschaftsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>YK: Ja, Porno als Safer Space, wo man sich austoben kann. Nat\u00fcrlich unter gewissen Spielregeln, Consent ist sehr wichtig. Aber ich glaub, die Fantasien ausleben, die eigenen Grenzen testen, wie weit kann ich gehen, was mag ich, was mag ich nicht, Vorurteile abbauen \u2026 Also wir haben jedes Jahr so viel Spa\u00df beim Pornfestival, es ist so bunt. Man muss sich das einmal anschauen, es ist wirklich fun fun fun mit Aufkl\u00e4rungstouch. Unser Festival ist feucht, fr\u00f6hlich, spritzig \u2013 das ist unser Motto.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heuer findet die sechste Ausgabe des Queer Pornfilmfestival Wien statt. Mo Blau unterhielt sich dazu mit Jasmin Hagendorfer, Kreativleitung, und Yavuz Kurtulmus, Festivalleiter und Gr\u00fcnder. MB: Was seht ihr als Aufgabe des Filmfestivals? YK: Ich glaube, die eigene Sexualit\u00e4t zu erkundigen. Wir schauen alle Pornos, ich kenne niemanden der*die noch keinen Porno angeschaut hat. 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