{"id":2202,"date":"2023-03-03T00:01:00","date_gmt":"2023-03-02T23:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2202"},"modified":"2023-03-02T22:47:18","modified_gmt":"2023-03-02T21:47:18","slug":"mit-spass-und-leidenschaft-auf-dem-eis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2202","title":{"rendered":"Mit Spa\u00df und Leidenschaft auf dem Eis"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von der Profi-Torh\u00fcterin zur Sportpsychologin<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Theresa Hornich, die 32j\u00e4hrige ehemalige professionelle Eishockeyspielerin und Torh\u00fcterin, auch Theri genannt, spielte vier Jahre lang, von 2015 bis 2019, als erste Frau in einem \u00f6sterreichischen professionellen Eishockeyteam der M\u00e4nner, in Kitzb\u00fchel. Mit f\u00fcnf Jahren war sie auf Anhieb von dieser Sportart fasziniert, als sie mit ihren Eltern die Spiele beim Eisl\u00f6wen-Verein am Wiener Heumarkt besuchte. Dort begann ihre sportliche Karriere als Eis\u00adhockeyspielerin, seither hat sie in allen Nachwuchsteams wie auch gegen m\u00e4nnliche Altersgenossen gespielt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Eishockeysport ist zwar eine teure Sportart, die auf Niveau der \u00f6sterreichischen Bundesliga rund 600 Euro Mitgliedsbeitrag exklusive der eigenen Sportausr\u00fcstung kostet, aber gl\u00fccklicherweise konnte Theri mit der finanziellen Unterst\u00fctzung ihrer Eltern rechnen. Sp\u00e4ter als Studentin hat sie diese teure Sportart auch mit verschiedenen Geringf\u00fcgigkeitsjobs weiter finanziert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Eishockeyspielerin bei einem Frauenteam sah Theri in \u00d6sterreich aber keinen hauptberuflichen Einstieg, deshalb bewarb sie sich bei den Eishockeyvereinen der M\u00e4nner und erhielt aus Kitzb\u00fchel eine Spielzusage \u2013 wenn sie dort auch den Nachwuchs trainiere, sagt Theri.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gro\u00dfes Gefallen fand sie an der Position der Torh\u00fcterin \u2013 es sei schon von Vorteil, gro\u00dfe Torh\u00fcter*innen im Team zu haben, sagt Theri mit ihrer K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe von 1,70 Meter. Aber nat\u00fcrlich spielen andere Aspekte auch eine wesentliche Rolle: Spielverst\u00e4ndnis, Schnelligkeit, Explosivit\u00e4t, gute Rumpfstabilit\u00e4t und die richtige Mentalit\u00e4t geh\u00f6ren dazu. Die sportliche Spielleistung beim Eis\u00adhockey sei f\u00fcr sie relevant, sagt Theri. Bei ihren zahlreichen Erfolgen und Auszeichnungen im nationalen wie internationalen Eishockeysport sieht sie ihre H\u00f6hepunkte in drei Ereignissen: Im Jahr 2003 als erst 12j\u00e4hrige Eishockey-Torh\u00fcterin mit einer Auswahl des \u00f6sterreichischen M\u00e4nnernationalteams in Quebec in \u00adKanada bei der inoffiziellen WM vor tausenden Fans zu spielen, im Jahr 2017 bei der olympischen Qualifikation in Japan dabei zu sein und zu erleben, welchen hohen Stellenwert der Eishockeysport der Frauen in Japan hat, und drittens, erfolgreich mit ihrem \u00f6sterreichischen Frauen-Nationalteam bei der Weltmeisterinnenschaft im Jahr 2017 in Graz den zweiten Platz zu belegen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMit Spa\u00df und Leidenschaft f\u00e4llt es auch leichter zielstrebig dabei zu sein\u201c, sagt sie. Selbstverst\u00e4ndlich war es anfangs noch neu und andersartig f\u00fcr viele, dass Theri in ihrem Kitzb\u00fchel Verein als einzige Frau mitspielte, aber die Situation wurde durch die vielen Importspieler aus den USA, Kanada und Skandinavien, wo der Eishockeysport f\u00fcr Frauen schon besser entwickelt ist, erleichtert. So ist zum Beispiel eine faire Aufteilung der Eiszeiten, jene Zeiten, zu denen die Eishockeyspieler*innen die Eisfl\u00e4chen benutzen, zwischen den weiblichen und m\u00e4nnlichen Eishockeyspieler*innen wichtig. W\u00e4hrend Theri bei den Eishockeyvereinen der Frauen in Wien nur h\u00f6chstens zwei Mal pro Woche sp\u00e4t abends ihre Eiszeit benutzen durfte, erh\u00f6hte sich die Nutzungszahl der Eiszeiten in Kitzb\u00fchel beim M\u00e4nner-Eishockeyverein um das Vielfache. Ein wesentlicher Unterschied beim Eishockeysport zwischen M\u00e4nner- und Frauenteams ist neben dem professionellen Spielangebot f\u00fcr M\u00e4nner seitens des Eishockeyverbands auch der erlaubte K\u00f6rperkontakt, sogenannte Body-Checks, wodurch die m\u00e4nnlichen Spieler teilweise schneller und mit mehr H\u00e4rte, mehr Brutalit\u00e4t auf dem Spielfeld auftreten. Allerdings zeigen die weiblichen Eishockeyspielerinnen ohne diesen K\u00f6rperkontakt sch\u00f6nere Spielz\u00fcge auf, weil mehr Feinheit und Taktik im Spiel seien, sagt Theri, die beide Strategien beeindruckt haben. Als Trainerin des \u00d6EHV, \u00d6sterreichischen Eishockeyverbands, ist sie seit 2013 im Nachwuchs- und Hobbybereich aktiv, mit dem Fokus die Position des oder der Torh\u00fcter*in zu st\u00e4rken. So k\u00f6nnen andere Trainingsstrukturen entscheidend zur Geschlechtergleichstellung im Eishockeysport beitragen, unabh\u00e4ngig von den anatomischen kleinen Unterschieden: \u201eWer mehr trainiert, entwickelt sich schneller weiter\u201c.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"727\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-1024x727.jpg\" alt=\"(Foto: Theresa Hornich)\" class=\"wp-image-2204\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-1024x727.jpg 1024w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-300x213.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-150x107.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-768x545.jpg 768w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-1536x1091.jpg 1536w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-2048x1454.jpg 2048w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-1200x852.jpg 1200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Theresa_Hornich-2-1980x1406.jpg 1980w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto: Theresa Hornich)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2019 musste Theri ihre professionelle Karriere im Eishockeysport beenden: Der Verband entschied offiziell, dass es zu gef\u00e4hrlich sei als Frau beim M\u00e4nnerteam mitzuspielen. Das war schon \u00fcberraschend zu h\u00f6ren, nachdem Theri in ihren vier aktiven Spieljahren in Kitzb\u00fchel so gut wie unfallfrei gespielt hat, abgesehen von einem gebrochenen Finger. Jedoch ihre Knieverletzung, ein Kreuzbandriss, hat sie sich beim Eishockeyspiel der Frauen in einem Sommercamp zugezogen. Es wird spannend, die neue Entwicklung des Eishockeysports der Frauen in Schweden zu beobachten, wo seit dieser Spielsaison 2022 \/ 2023 erstmals der K\u00f6rperkontakt auch beim Frauen-Eishockeyspiel erlaubt ist. \u201eWeibliche Eishockeyspielerinnen in \u00d6sterreich haben noch einen weiten Weg, was die Professionalisierung im Eishockeysport betrifft\u201c, sagt sie in Bezug auf geschlechtergerechte Infrastruktur und mediale Berichterstattung. Die h\u00f6chste Liga im Eishockeysport der M\u00e4nner wird zwar im \u00f6sterreichischen Puls 24 regelm\u00e4\u00dfig live \u00fcbertragen und von Theri als erste TV-Eishockeysportexpertin moderiert, aber mediale Live-Berichterstattung \u00fcber den Eishockeysport der Frauen fehlt noch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erfreulicherweise erlebt sie beim Eishockeysport der Frauen eine offene tolerante Atmosph\u00e4re im Umgang mit LGBTIQ-Menschen: \u201eEgal ob wer lesbisch, verheiratet oder sonst wie sexuell orientiert ist, es geht um die sportliche Leistung, Teamspirit und Erfolg im Eishockeysport. Niederlagen, R\u00fcckschl\u00e4ge sowie Erfolgsmomente stehen im Vordergrund, unabh\u00e4ngig der sexuellen Orientierung\u201c. Nur bei den Eishockeysportvereinen der M\u00e4nner sei es bis heute leider immer noch ein Tabuthema und es wird dar\u00fcber geschwiegen, wer homo- oder transsexuell ist, sagt sie. \u201eNach einer geschlechtsangleichenden Operation d\u00fcrfen allerdings trans Spieler*innen zwar nicht mehr professionell spielen, jedoch auf Hobbyniveau wird ihnen Eishockey spielen weiterhin erm\u00f6glicht.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor ein paar Jahren hat Theri ihre Ausbildung als klinische Psychologin und Sportwissenschafterin erfolgreich abgeschlossen. Als ausgebildete Sportpsychologin will sie besonders den durch Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde psychisch erkrankten Menschen helfen. Dazu versucht sie, praktisch umzusetzen, was sie als aktive Leistungssportlerin erlernt hat: Umgang mit Misserfolgen, Verletzungen, mentale St\u00e4rke f\u00fcr die Spielvorbereitung, wie auch Motivation und Teamf\u00e4higkeit. Im Jahr 2020 hat sie auch ihr erstes Buch \u201eWenn einem der R\u00fccken in den R\u00fccken f\u00e4llt\u201c \u00fcber Ursachen, Pr\u00e4ventionen und Rehabilitationen von R\u00fcckenschmerzen, publiziert. Seit diesem Jahr 2023 ist sie als Sportpsychologin in der Unternehmens- und Personalberatung, im Bereich Gesundheitsf\u00f6rderung am Arbeitsplatz, angestellt und als beruflich Selbst\u00e4ndige h\u00e4lt sie einmal pro Woche ihre Beratungsstunden ab. Ihren sportlichen Ausgleich erlebt sie im Sommer beim Segeln oder beim Surfen auf dem Neusiedlersee und h\u00e4lt sich mit Ausdauersportarten wie Tennis und Laufen fit. Das ist f\u00fcr sie inzwischen mehr ein Genuss, keinen strengen Trainingsplan zu befolgen, sondern phasenweise je nach Lust und Laune Sport zu machen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bleibt spannend, ob es Theri gelingt, bei Puls 24 die sportliche L\u00fccke bei der Geschlechtergleichstellung des \u00f6sterreichischen Eishockeysports in der Medienbranche zu schlie\u00dfen, damit wir in naher Zukunft auch regelm\u00e4\u00dfige Live-Berichte \u00fcber Eishockeysport der Frauen, von Theresa Hornich kommentiert, erleben k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Profi-Torh\u00fcterin zur Sportpsychologin Theresa Hornich, die 32j\u00e4hrige ehemalige professionelle Eishockeyspielerin und Torh\u00fcterin, auch Theri genannt, spielte vier Jahre lang, von 2015 bis 2019, als erste Frau in einem \u00f6sterreichischen professionellen Eishockeyteam der M\u00e4nner, in Kitzb\u00fchel. 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