{"id":2136,"date":"2022-12-02T00:10:00","date_gmt":"2022-12-01T23:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2136"},"modified":"2022-12-02T07:43:59","modified_gmt":"2022-12-02T06:43:59","slug":"pride-als-safe-space","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2136","title":{"rendered":"Pride als Safe Space?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">In j\u00fcngerer Zeit dringen immer h\u00e4ufiger tlw. extreme, transphobe Gewalttaten an das Licht der (zumindest LGBTIQ*-)\u00d6ffentlichkeit. Dass cis-mensch diese Problematik nicht als tragische \u201eEinzelf\u00e4lle\u201c relativieren bis abtun kann, sagt u.a. eine gro\u00df angelegte Umfrage des US-Bureau of Justice Statistics (2022) unweigerlich aus: \u00dcber 5&nbsp;% aller trans Personen widerfuhr Gewalt, zweieinhalbmal so oft wie cis Personen. Ebenso darf mensch nicht glauben, f\u00fcr LGBs w\u00fcrde eh alles so viel besser: Mit 4,5&nbsp;% werden sie ann\u00e4hernd so oft Opfer von Gewalt wie trans Personen, auch doppelt so oft wie Heterosexuelle. Darunter sind junge Erwachsene und bisexuelle Frauen jeweils nochmal doppelt so gef\u00e4hrdet wie der Rest, lesbische Frauen ein knappes Drittel mehr wie schwule M\u00e4nner. Laut anderer Statistiken erleben LGBTIQ* generell viermal so oft Gewalt und ein j\u00fcngerer Bericht der deutschen Bundesregierung best\u00e4tigt einen starken Anstieg queerfeindlicher Hassverbrechen im Jahr 2021 (im Themenfeld \u201eGeschlecht oder sexuelle Identit\u00e4t\u201c sogar um 66 Prozent). Es ist zu bef\u00fcrchten, dass die Dunkelziffern in all diesen Bereichen vermutlich weitaus h\u00f6her liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem seitens Politik und Gesellschaft hier nicht genug ver\u00e4ndert wird, bleibt Menschen mit queeren Identit\u00e4ten nichts anderes \u00fcbrig, als sich Schutzr\u00e4ume zu suchen. Dies ist auch die Hauptmotivation von Vereinen wie der HOSI Wien, ein queeres Zentrum zu betreiben und ein Mitgrund daf\u00fcr, die Vienna Pride, inkl. Regenbogenparade zu veranstalten. Doch wie sehr kann letztere einen Safe Space bieten? Sind wir bereits bei der Parade, sind wir mithilfe der Polizei und dadurch, dass wir eine queere Masse sind, gut gesch\u00fctzt \u2013 aber vielleicht findest du schon in der Formulierung dieser Aussage die \u201eaber\u201cs:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst m\u00fcssen wir \u00fcberhaupt mal dahin kommen: Und wenn wir dies \u201eauff\u00e4llig\u201c machen, begegnen uns sehr h\u00e4ufig abwertende Blicke und Aussagen. Auch der Mord an Malte C., der beim CSD in M\u00fcnster 2022 einfach nur so sein wollte, wie er ist, geschah nur wenige Meter von der eigentlichen Pride entfernt. Und aus globaler Perspektive sind wir im deutschsprachigen Raum noch vergleichsweise privilegiert, einerseits durch die gute Zusammenarbeit mit der Polizei, die schon in z. B. Warschau nicht so gut funktioniert, andererseits mit einer vergleichsweise geringen gewaltbereiten \u201eGegenbewegung\u201c, die in Belgrad, das weniger weit von Graz entfernt ist als Bregenz, sogar dazu f\u00fchrt, dass die Pride verboten wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun haben wir bislang eher von Gewalt von au\u00dfen gesprochen, jedoch nicht von jener innerhalb der \u201eCommunity\u201c. Nach der Regenbogenparade 2021 langten zahlreiche Vorw\u00fcrfe von sexuellen \u00dcbergriffen bei uns ein. Generell erreichen uns regelm\u00e4\u00dfig Berichte von sexuellen \u00dcbergriffen unter LGBTIQ*, vor allem unter\/zwischen schwulen M\u00e4nnern. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiters reicht allein die Abwesenheit physischer Gewalt nicht aus, einen (im Falle einer Pride tempor\u00e4ren) Ort als Safe Space zu deklarieren. Neben dem innerhalb der Community leider genauso h\u00e4ufig vorkommenden Problem Rassismus ist auch Transphobie immer prominenter: Nachdem sich der Queer-Aktivist*innenszene vermehrt trans und inter Personen anschlie\u00dfen, um f\u00fcr ihre Rechte zu k\u00e4mpfen und vor allem junge Aktivist*innen zumeist inklusiv sind, gibt es hierf\u00fcr eine Gegenbewegung, zu der auch schwul-lesbische Aktivist*innen wie Faika El-Nagashi geh\u00f6ren, weil sie nicht damit klar kommen, dass sie den Opferwettlauf mal nicht gewinnen und sogar im Standard-Interview Schreckgespenste vom potentiellen Hetero-Vergewaltiger in Frauenkleidern an die Wand malen, der extra seinen amtlichen Geschlechtseintrag \u00e4ndern l\u00e4sst, um in FLINTA*- ach nein&#8230; (Cis-)Frauen-Schutzr\u00e4ume einzudringen, wof\u00fcr es keine Belege gibt. Und Faika ist kein Einzelfall, sondern nur eine von vielen TERFs, die teilweise sogar (aus inhaltlicher Sicht) mit Gruppen wie den Identit\u00e4ren gegen das deutsche Selbstbestimmungsgesetz demonstrieren. Das erschreckende dabei ist erstens, dass hier allein eigene Interessen verfolgt werden, von denen manche sogar auf eben solchen Schreckgespenstern beruhen, und die Anliegen vulnerablerer Gruppen (in dem Fall trans, aber auch inter Personen) zur\u00fcckgestellt werden. Und zweitens, dass dies nicht von irgendjemand unqualifiziertem aus der Masse, die*der sich mit der Vielfalt der queeren Community gar nicht auseinander setzen konnte, sondern von qualifizierten (Cis-)\u201eFeministInnen\u201c kommt. Dementsprechend wirkt sich das auch auf die gesamte LGBTIQ*-Community aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so berichten auch oftmals trans Personen, dass sie vermeintliche, queere Schutzr\u00e4ume deswegen sogar meiden. Dann tritt das Problem vielleicht nicht ans Tageslicht, ist aber trotzdem da. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist die L\u00f6sung? Muss es wirklich eine separate trans Pride geben, deren Teilnehmenden sich nur per Taxi oder gar unter Polizeischutz von zuhause hin eskortieren lassen? Das klingt nicht nur schwer m\u00f6glich, es w\u00e4re auch eine Lose-Lose-Situation f\u00fcr die gesamte Bewegung. Vielmehr br\u00e4uchte es auch innerhalb von Prides Awareness-Teams, die nur mittels \u00f6ffentlicher Finanzierung \u00fcberhaupt bereitgestellt werden k\u00f6nnten. Diese m\u00fcssten als ultima ratio transphobe Personen von der Veranstaltung ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen, aber auch das ist schwer umsetzbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bleibt also nur, dass wenigstens innerhalb der Community alle zusammenhalten, um zumindest so viel Awareness zu schaffen, dass Transphobe eine kleine Minderheit werden, denen bei Beharren auf ihrem Hass in letzter Konsequenz das passiert, was sie f\u00fcr trans Personen fordern: Deren Ausschluss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In j\u00fcngerer Zeit dringen immer h\u00e4ufiger tlw. extreme, transphobe Gewalttaten an das Licht der (zumindest LGBTIQ*-)\u00d6ffentlichkeit. Dass cis-mensch diese Problematik nicht als tragische \u201eEinzelf\u00e4lle\u201c relativieren bis abtun kann, sagt u.a. eine gro\u00df angelegte Umfrage des US-Bureau of Justice Statistics (2022) unweigerlich aus: \u00dcber 5&nbsp;% aller trans Personen widerfuhr Gewalt, zweieinhalbmal so oft wie cis Personen. 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