{"id":2047,"date":"2022-09-02T00:18:00","date_gmt":"2022-09-01T22:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2047"},"modified":"2022-09-02T08:26:59","modified_gmt":"2022-09-02T06:26:59","slug":"queere-vorbilder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2047","title":{"rendered":"Queere Vorbilder"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Empowerment, Leichtigkeit, Lebensfreunde und Solidarit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von Drags k\u00f6nnen wir viel lernen.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Ich mag die queere Vielfalt. Dragqueens, Dragkings und die Welt der Travestie sind ganz wichtige Bestandteile des queeren Universums. Sie k\u00f6nnen f\u00fcr andere Menschen ein Vorbild sein. In \u00d6sterreich gibt es tolle Initiativen wie den Tuntathlon und die Kinderbuchlesung mit Candy Licious bei der j\u00fcngsten Pride. Ich m\u00f6chte in diesem Beitrag die Vorbildwirkung von Queens und Kings anhand des Vereins \u201eTravestie f\u00fcr Deutschland\u201c zeigen. Damit will ich die \u00f6sterreichischen Ini\u00adtiativen keineswegs schm\u00e4lern. Ich bin \u00fcberzeugt, dass sich queere Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern gegenseitig bereichern k\u00f6nnen. Ich habe viel \u00fcber Queens und Kings aus dem Buch \u201eSchminken mit Tschechow. Die Politik von Drag\u201c gelernt. Geschrieben hat es Baffolo Meus (Pronomen: \u201eder da\u201c), ein Initiator von \u201eTravestie f\u00fcr Deutschland\u201c (TfD). Dieser Verein sorgt auch international f\u00fcr Schlagzeilen. Bei Wahlk\u00e4mpfen beispielsweise tritt TfD als fiktive Partei auf. Mit witzigen Fotomontagen und Fake-Wahlplakaten machen die K\u00fcnstler*innen und Aktivist*innen unter anderem gegen rechtsradikale Parteien wie die AfD mobil. \u201eWenn einer von euch die AfD w\u00e4hlt, schmink ich euch kaputt\u201c, lautet ein Slogan. Auf einem anderen Plakat steht: \u201eMehr Fummel f\u00fcr Transen statt Nadelstreifanz\u00fcge f\u00fcr Nazis.\u201c \u00dcber diese Aktionen wurde weltweit berichtet \u2013 unter anderem in der BBC und in der \u201eNew York Times\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Werden die Aktivist*innen von \u201eTravestie f\u00fcr Deutschland\u201c in sozialen Medien beschimpft und mit Hassnachrichten \u00fcbers\u00e4t, reagieren sie mit Witz und Charme. Flippte etwa ein Internet-Troll aus und postete wilde Beleidigungen, schrieb eine Dragqueen zur\u00fcck: \u201eAch mein K\u00e4tzchen, was bist du denn so aggro, komm doch mal runter, dann reden wir dar\u00fcber.\u201c Damit k\u00f6nnen die Internet-Trolle schwer umgehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Geschlechtercodes infrage stellen<\/h3>\n\n\n\n<p>Abgesehen vom Mut und vom Humor bewundere ich bei Dragqueens und Kings die Leichtigkeit, den Zusammenhalt, die Lust am Leben, die Solidarit\u00e4t untereinander, mit der queeren Community und mit benachteiligten Menschen. Queens und Kings f\u00fchlen sich frei. Sie lieben es, Konventionen und Gender-Grenzen zu sprengen. Sie \u00fcbertreiben, provozieren und stellen Geschlechtercodes infrage. Sie zeigen uns damit neue M\u00f6glichkeiten und Spielr\u00e4ume auf. Sie erweitern unser Denken und Handeln auf eine lustvolle Weise. Manchmal ist unser Alltag grau und d\u00fcster. Queens und Kings lassen sich von der Tristesse nicht \u00fcberw\u00e4ltigen. Sie weisen uns mit ihrem Styling und Outfit darauf hin, wie bunt, sch\u00f6n und au\u00dfergew\u00f6hnlich die Welt sein kann. Wir k\u00f6nnen von Drags auch viel \u00fcber Selbstliebe und Empowerment lernen. Ihnen ist es nicht wichtig, wie andere Menschen \u00fcber sie denken, sondern sie nehmen ihre eigenen W\u00fcnsche und Verlangen ernst. Sie lassen sich auch nicht vorschreiben, wie sie aussehen sollen, sondern sie probieren neue Dinge aus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Viel Lebensfreude <\/h3>\n\n\n\n<p>Queens und Kings streifen Geschlechterrollen und Identit\u00e4ten ab. Sie lassen sich f\u00fcr die Verwandlung, f\u00fcr das Styling und das Outfit viel Zeit. Genau das sollten wir auch \u00f6fters machen: Mehr Zeit f\u00fcr uns selbst und f\u00fcr unsere Bed\u00fcrfnisse nehmen. Dies ist gerade jetzt wichtig. Denn egal, wohin wir blicken, st\u00e4ndig h\u00f6ren wir negative Nachrichten: Krieg, gefl\u00fcchtete Menschen, Inflation, hohe Gas- und Energiepreise, Corona und nicht zu vergessen die Klimakatastrophe. Viele Menschen blicken pessimistisch in die Zukunft. Doch die st\u00e4ndige Dauerbelastung durch negative Meldungen kann chronischen Stress verursachen und psychisch krank machen. Daher ist es sinnvoll, immer wieder den negativen Nachrichtenkonsum bewusst zu reduzieren und das Smartphone auszuschalten. Auch sonst kann es heilsam sein, dem Stress zu entfliehen, eine Auszeit zu nehmen und einfach nur Dinge tun, die Spa\u00df machen. Damit k\u00f6nnen wir neue Energie tanken und Kraft sch\u00f6pfen. Und genau das machen Queens und Kings. Sie strahlen dabei viel Lebensfreude und Lebenskraft aus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sich gegenseitig unterst\u00fctzen<\/h3>\n\n\n\n<p>Baffolo Meus schreibt im Buch \u201eSchminken mit Tschechow\u201c, dass \u201eeinige unseres lustigen Queer-V\u00f6lkchens stundenweise die Identit\u00e4ten abstreifen und in neuer Haut eine stromsto\u00dfartige, ansteckende Kraft entfesseln\u201c. Im Zuge der Verwandlung zu Queens und Kings werden \u201edie bei Geburt geerbten Konfessionen, ethnischen Wurzeln und sozialen Herk\u00fcnfte\u201c unsichtbar. F\u00fcr Baffolo Meus besteht die heilende Kraft der Travestie darin: \u201eAll das Kleinliche, Tr\u00fcgerische abstreifen, das uns hindert, gl\u00fccklich zu sein.\u201c Queens und Kings machen das nicht alleine, sondern ihnen ist Solidarit\u00e4t wichtig. Sie unterst\u00fctzen sich beim Styling gegenseitig. Die Verwandlung und die Auftritte werden zu einer Party, die mit Freund*innen gefeiert wird. In dieser \u201erauschhaften Ballnacht der Selbstvergessenheit\u201c, wie Baffolo Meus schreibt, werde ein Miteinander geschaffen, \u201ebei dem jede Ernsthaftigkeit zerbr\u00f6selt und jede rationale Auseinandersetzung verweigert wird, hier kommen nur wilde Herzen zu Wort.\u201c Baffolo Meus zitiert in diesem Zusammenhang den 1904 verstorbenen russischen Schriftsteller Anton Tschechow: \u201eEs gibt kein Gl\u00fcck ohne M\u00fc\u00dfiggang, und nur das Nutzlose bereitet Vergn\u00fcgen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sich selbst zu lieben &nbsp; &nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Dabei hatten es Dragqueens und Kings oft nicht leicht. \u201eIm fr\u00fchen Stadium ihrer Entwicklung unterscheiden sich k\u00fcnftige Exemplare der Travestie kaum von anderen Queers\u201c, schreibt Baffolo Meus. In seinem Buch schildert er, wie Queens und Kings im Kindheits- und Jugendalter Ausgrenzung und Homofeindlichkeit erlebt haben. Sie teilen damit das Schicksal von den meisten queeren Jugendlichen. \u201eNicht der Stolz der Familie sein, niemals das beliebteste Kind auf dem Schulhof, und dann und wann gibt es eine aufs Maul.\u201c Queere Jugendliche verbringen laut Baffolo Meus \u201eoft jahrelang in der Isolation, umgeben von Familien und Schulkamerad*innen, die von alledem selten etwas ahnen\u201c. Sie stellen sich selbst infrage und empfinden viel Scham, weil sie von der Heteronormativit\u00e4t abweichen. Doch letztendlich geht es f\u00fcr uns queere Personen darum, diese Scham abzulegen und uns selbst so zu lieben, wie wir sind. Nicht wir m\u00fcssen uns ver\u00e4ndern, sondern die anderen m\u00fcssen ihre Queer-, Frauen- und Fremdenfeindlichkeit absch\u00fctteln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Drags haben viel bewirkt <\/h3>\n\n\n\n<p>Gelingen die Befreiung und die Selbstliebe, \u00f6ffnen sich viele M\u00f6glichkeiten des Empowerments. Eine LGBTIQ*-Person sei viel \u201est\u00e4rker als jede nicht-queere Person, die niemals gezwungen war, dieses Selbstbewusstsein und diese Kraft auszubilden\u201c. Er selbst habe, so Baffolo Meus, als \u201eHahn im Tuntenstall\u201c gelernt, \u201ewie Gleichstellung eingefordert werden kann, ohne sich als Opfer stilisieren zu m\u00fcssen, dass dreiste Sichtbarkeit die beste Wehr gegen die etablierte Marginalisierung ist. Und wie Selbsterhebung wirksames Mittel gegen Trauma sein kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u201eTravestie f\u00fcr Deutschland\u201c (TfD) wird diese Sichtbarkeit und Selbsterhebung gelebt. Die Queens und Kings in der TfD haben viel bewirkt. Sie unterst\u00fctzten das Projekt \u201eFrauen Kultur &amp; Wohnen\u201c f\u00fcr ein selbstbestimmtes Wohnen von (frauenliebende) Frauen des Berliner Vereins \u201eRad und Tat\u201c und setzten sich f\u00fcr das Verbot der \u201eHomoheilung\u201c ein. Sie treffen Politiker*innen und machen in Kooperation mit dem Berliner Senat und Bezirks\u00e4mtern Antidiskriminierungsarbeit in Schulen. \u201eWenn der Berliner Senat das Thema LGBTIQ* in den Lehrplan schreibt und die praktische Umsetzung nicht gew\u00e4hrleistet, dann d\u00fcrfen sich die Menschen nicht beschweren, wenn die Tunten der TfD einen Verein gr\u00fcnden und mit Stechschritten in die Schulen schreiten\u201c, schreibt Baffolo Meus. \u201eHalbw\u00fcchsige \u00fcber queere Geschichte, Anti-Mobbing-Methoden und Diskriminierungsmuster aufzukl\u00e4ren und Akzeptanz gegen\u00fcber fremd Empfundenen zu lehren, \u00fcbernehmen ab sofort Drags.\u201c \u2655<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Empowerment, Leichtigkeit, Lebensfreunde und Solidarit\u00e4t Von Drags k\u00f6nnen wir viel lernen. Ich mag die queere Vielfalt. Dragqueens, Dragkings und die Welt der Travestie sind ganz wichtige Bestandteile des queeren Universums. 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