{"id":2001,"date":"2022-09-02T00:10:00","date_gmt":"2022-09-01T22:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2001"},"modified":"2022-09-02T08:27:39","modified_gmt":"2022-09-02T06:27:39","slug":"against-lookism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=2001","title":{"rendered":"Against Lookism"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Schon wieder ein Ismus? Haben wir da schon nicht genug davon \u2013 genug von Dingen, die mensch nicht mehr sagen darf? Nein, wie ich finde: Jede*r darf die eigenen Intoleranzen offenlegen und soll das sogar. So wird mensch damit konfrontiert und dabei unterst\u00fctzt, diese loszuwerden \u2013 Bereitschaft dazu nat\u00fcrlich vorausgesetzt. Und andernfalls wei\u00df das Gegen\u00fcber wenigstens, mit wem es es zu tun hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit sei nicht gesagt, dass alle, die nicht vollkommen frei von Ismen sind, Arschl\u00f6cher sind \u2013 denn dann w\u00e4ren wir alle Arschl\u00f6cher, selbst die sonnigste, offenste, linksliberalste Person. Und wie wir bereits in der diesbzgl. Schwerpunktausgabe 1\/21 er\u00f6rtert haben, erlebt die \u201eCommunity\u201c die meiste Diskriminierung dort, wo es am meisten weh tut: In den \u201eeigenen\u201c Reihen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber mal grunds\u00e4tzlich zur Abgrenzung von Lookism zu anderen Ismen: Im Gegensatz dazu, dass wir gleichgeschlechtlich lieben, k\u00f6nnen wir nat\u00fcrlich entscheiden, was wir (nicht) anziehen. Aber genauso k\u00f6nnten wir (oder viele von uns) uns verstellen, uns nicht outen und den*die \u201eMitbewohner*in\u201c im stillen K\u00e4mmerlein lieben. Das ist aber nicht nur nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df und unsolidarisch gegen\u00fcber anderen gleichgeschlechtlich Liebenden, die alleine an der Front Visibility zeigen, sondern f\u00fcr eine*n selber ein Leben in der eigenen Angst und Feigheit \u2013&nbsp;und wer nicht er*sie selbst ist und das wahre Ich vor anderen versteckt, verliert sich auch gegen\u00fcber sich selbst. Und das gilt genauso daf\u00fcr, wen du liebst, wie daf\u00fcr, welche Klamotten du magst.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es ab und an gewisse, oft auch sinnvolle Konventionen, bspw. wenn mensch Dienstkleidung tragen muss, damit er*sie sich von Kund*innen unterscheidet und diese nicht versehentlich gest\u00f6rt werden. Auch soll es mir recht sein, wenn es ab und an Dresscodes gibt, wie beim Regenbogenball \u2013&nbsp;wenngleich ich zustimmen w\u00fcrde, wenn jemand sagt, dies sei nicht unbedingt n\u00f6tig. Aber darum geht es bei Lookism nicht \u2013&nbsp;im Gegenteil wurden z. B. Schuluniformen in manchen L\u00e4ndern gerade deswegen eingef\u00fchrt, damit Kinder von finanzschw\u00e4cheren Eltern nicht benachteiligt oder gar von Mobbing betroffen sind, weil sie sich keine Jogger Marke adidas leisten k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Hingegen an \u00f6sterr. Schulen zeigt sich immer klarer, dass die Schere zwischen Arm und Wohlstandsverwahrlosung immer mehr auseinander geht. So haben mir viele erz\u00e4hlt, dass sie im Schulalter Nachteile daraus erfahren hatten, dass sie eben nicht wie andere mit dem 100-Euro-Schein, dem neuesten Spielzeug und den teuersten Markenklamotten angeben konnten und ihr \u201eTaschengeld\u201c eigentlich nur Essensgeld war. Und die meisten Schwulen, die im Jugendalter schon mal auf schwulen Online-Dating-Plattformen unterwegs waren, haben ohne irgendein Zutun viele Anschriften von M\u00f6chtegern-\u201eDaddys\u201c bekommen, die gerne bereit sind, beim \u201eTaschengeld\u201c einzuspringen \u2013&nbsp;allerdings nur gegen bei Minderj\u00e4hrigen zu Recht illegale, sexuelle Dienstleistungen. Und aufgrund des Drucks, den unsere Konsumgesellschaft ausl\u00f6st oder, weil sie einfach sich auch mal Markenklamotten, Platten oder einen Clubbesuch leisten wollen, gehen sie auf diese Angebote ein, zumeist mit f\u00fcr sie nicht im Vornherein bekannten, schwerwiegenden, psychischen Sch\u00e4den. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch in der sozialistischen DDR, war es auch in der \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Schwulenszene Idee bzw. Labelling, dass alle gleich viel wert sind, nur gibt es leider einige die qua Status und\/oder Einkommen gleicher als gleich sind (oder dies zumindest meinen und dementsprechend arrogant sind), was hinsichtlich dieser Thematik auch am Preis der Outfits erkennbar ist. Und somit ist Lookism, also zu sagen, \u201eKleider machen Leute\u201c, und Leute danach auch nur zu einem geringen Teil zu beurteilen, automatisch auch Shaming gegen Menschen, die unverschuldet weniger Einkommen haben \u00ad\u2013 oder welche*r Studierende kann was f\u00fcr sein Einkommen, das in der Regel zu allermeist von Eltern und\/oder Staat kommt?<\/p>\n\n\n\n<p>Hierbei geht es nicht nur um Anerkennung in einer vermeintlichen \u201eCommunity\u201c \u2013 die bekomme ich von meinem Partner, Familie und Freund*innen, weswegen mir herzlich egal ist, was irgendjemand in einem Club von mir denkt. Singles hingegen, die vielleicht auch noch neu in der Stadt sind, Anschluss suchen und nicht das private Gl\u00fcck haben, das ich habe, kann das oft nicht so egal sein, denn wenn eben \u201eKleider Leute machen\u201c, sind sie klar bei der Erf\u00fcllung ihrer emotionalen (oder in der Schwulenszene zumindest k\u00f6rperlichen) Bed\u00fcrfnisse benachteiligt. Und interessanterweise sind die T\u00e4ter*innen meist genau solche, die selbst seit l\u00e4ngerer Zeit k\u00f6rperlich und emotional unbefriedigt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und selbst wenn es nicht nur um den materiellen Wert des Outfits geht, wird in der Community wie so oft Diversit\u00e4t gepredigt, aber dann doch ein Einheitsbrei getrunken und wer aus der Reihe tanzt, wird diffamiert. Also eben da, wo jede*r er*sie selber sein k\u00f6nnen sollte, ohne Angst zu haben, verbale oder anderweitige Gewalt oder auch nur einen abwertenden Blick zu erfahren. Und oft sind die Tr\u00e4ger*innen bestimmter Kleidung Angeh\u00f6rige von Subkulturen \u2013 entweder allgemeiner, wie Skater\u00ad*innen und Punks, oder speziell \u201eSchwuler\u201c wie Drags und Puppies. Somit handelt es sich auch um die Light-Version von Xenophobie (feindlicher Haltung gegen\u00fcber Menschen aus anderen Kulturen).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Kommentar zeige ich nicht genauso abwertend mit dem Finger auf jene, die dies mit Leuten tun, deren Outfit ihnen nicht gef\u00e4llt \u2013 vielmehr m\u00f6chte ich Bewusstsein \u00fcber vielleicht unbewusste Diskriminierung schaffen, und was alles mitdiskriminiert wird. Und positiv formuliert m\u00f6chte ich darauf appellieren, anstatt der Kleidung darauf zu achten, was wirklich z\u00e4hlt: Nein, nicht die entkleidete Person (obwohl das nat\u00fcrlich auch okay ist), sondern Charakter, W\u00e4rme, Solidarit\u00e4t und Menschlichkeit, die es sogar in der Schwulenszene gibt und die sie (zumindest ein St\u00fcck weit) dazu machen, wof\u00fcr sie gemacht wurde: Ein Safe Space, in dem wir so sein k\u00f6nnen, wie wir sind und uns aufgehoben, anerkannt und verstanden f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anm.: Die Artikel ist beispielhaft aus der Perspektive der Schwulenszene geschrieben, weil f\u00fcr Queere, die Nicht-Cis-Endo-M\u00e4nner sind, zu wenig Angebot besteht und\/oder dieses mir als Autor nicht ausreichend bekannt ist, um Aussagen dar\u00fcber treffen zu k\u00f6nnen. Das meiste ist aber hoffentlich auch auf andere Settings und Looks \u00fcbertragbar. <\/em>\u2655<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon wieder ein Ismus? Haben wir da schon nicht genug davon \u2013 genug von Dingen, die mensch nicht mehr sagen darf? Nein, wie ich finde: Jede*r darf die eigenen Intoleranzen offenlegen und soll das sogar. So wird mensch damit konfrontiert und dabei unterst\u00fctzt, diese loszuwerden \u2013 Bereitschaft dazu nat\u00fcrlich vorausgesetzt. Und andernfalls wei\u00df das Gegen\u00fcber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":26,"featured_media":2002,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[91,90],"class_list":["post-2001","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-schwerpunkt","tag-drag","tag-lambda-188"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/26"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2001"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2001\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2003,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2001\/revisions\/2003"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2002"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2001"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}