{"id":1977,"date":"2022-09-02T00:04:00","date_gmt":"2022-09-01T22:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1977"},"modified":"2022-09-02T08:28:08","modified_gmt":"2022-09-02T06:28:08","slug":"zehn-jahre-romantik-von-und-fuer-lesben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1977","title":{"rendered":"Zehn Jahre Romantik von und f\u00fcr Lesben"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ylva feiert Geburtstag<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lesbische Liebesgeschichten sind Dreh- und Angelpunkt der Arbeit von Astrid Ohletz, 53, und ihrem Team beim Ylva Verlag, der in einem Vorort von Frankfurt am Main sitzt. In diesem Jahr feiert das Verlagshaus zehnj\u00e4hriges Bestehen.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Die Gr\u00fcndung eines lesbischen Verlages wurde Astrid zumindest nicht in die Wiege gelegt, entstammt sie doch einem Arbeiterhaushalt in Duisburg, in dem ihr Lesbischsein keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit war. Mit 16 trat sie einer christlich-fundamentalistischen Gruppierung bei, weil alles so sch\u00f6n klar geregelt war und die Feindbilder feststanden, wie sie es r\u00fcckblickend einsch\u00e4tzt, obwohl sie gleichzeitig auch betont, dass ihre jugendliche Hinwendung zum christlichen Fundamentalismus nicht ihrer Erziehung anzulasten ist: \u201eMeine Eltern, die fr\u00fcher immer fanden, dass ich lieber zu Hause bleiben soll, schickten mich sogar in die Disco, als sie sahen, wie ich mich mehr und mehr von der Gruppierung beeinflussen lie\u00df.\u201c So oder so, Astrid wurde in der Gemeinschaft einer \u201eGehirnw\u00e4sche\u201c unterzogen: \u201eLesbisch oder schwul waren ja einige von uns, aber das durften wir nicht leben.\u201c Unter anderem mit D\u00e4monenaustreibung versuchte man alles, was nicht dem heterosexuellen Keuschheitsideal entsprang, von den Mitgliedern fernzuhalten. Die Selbstverleugnung f\u00fchrte bei einigen zur Verzweiflungstat: \u201eEiner meiner besten Freunde aus der Gruppe beging sp\u00e4ter Suizid.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Alter von 25 merkt Astrid, dass sie so nicht weitermachen kann, tritt aus der Gemeinschaft aus, obwohl sie noch einige Jahre versucht, von au\u00dfen Kontakt zu halten: \u201eIch arbeitete als Gemeindesekret\u00e4rin, konnte aber mit den Strukturen nicht mehr leben und zog mich so weit zur\u00fcck, dass ich inzwischen sogar aus der Kirche ausgetreten bin.\u201c Sie holte ihr Abitur am Abendgymnasium nach, wo sie Daniela H\u00fcge kennenlernte, die sp\u00e4ter ihre Ehefrau wurde, und arbeitete zehn Jahre lang als Assistentin in einer internationalen Wirtschaftskanzlei. Bereits mit 18 hatte sie Isabel Millers historischen Roman \u201ePatience and \u00adSarah\u201c (1971, Wiederauflage von \u201eA Place for Us\u201c von 1969) gelesen \u2013 \u201emein erstes Lesbenbuch\u201c, erinnert sich Astrid heute. Durch Besch\u00e4ftigung mit Fan Fiction kam sie einige Jahre sp\u00e4ter auf die Idee, selbst lesbische Liebesgeschichten, die m\u00f6glichst gl\u00fccklich enden, herausbringen zu wollen, vor allem auf Englisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Anfang 40 beschloss sie, den Neuanfang zu wagen, trotz gut bezahlten Jobs in der Anwaltskanzlei und obwohl viele sie f\u00fcr verr\u00fcckt hielten: \u201eMir wurde dringend abgeraten; mit Liebesromanen, und noch dazu lesbischen, k\u00f6nne man kein Geld verdienen, hie\u00df es damals.\u201c Trotz alledem: In Kriftel bei Frankfurt siedelte sich die Verlegerin mit ihrer Ehefrau Daniela an, leitete zuerst von zu Hause aus den Verlag, nahm ihre Partnerin, die urspr\u00fcnglich Zootierpflegerin gelernt hatte und inzwischen einen Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaften hat, als Qualit\u00e4tsmanagerin mit ins Verlagsboot: \u201eMeine Frau ist die Genauigkeit in Person, liebt die Arbeit mit Zahlen, l\u00e4sst kein Wischiwaschi durchgehen\u201c. B\u00fcror\u00e4ume in der N\u00e4he der Wohnung waren schnell gefunden, ebenso weitere Mitstreiter*innen, die Astrids Traum vom Happy End in der Lesbenliteratur teilen \u2013 unter anderem Lektorin und Social-Media-Managerin Jenny Spanier, die f\u00fcr alles Junge und Neue zust\u00e4ndig ist und online \u00fcber B\u00fccher spricht, sowie Finanz- und Diversitymanagerin Daniela Zysk, die sich zudem um feministischen Aktivismus und Tierschutzaktionen, vor allem im internationalen Kontext, k\u00fcmmert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit den \u2013 teils preisgekr\u00f6nten \u2013 Autor*innen arbeiten die Verlegerinnen eng zusammen, begleiten sie vom Manuskript durchs Lektorat bis hin zum fertigen Buch und Marketing. Inzwischen werden auch deutsche \u00dcbersetzungen der englischen Ver\u00f6ffentlichungen sowie deutsche Romane herausgebracht. In den zehn Jahren des Verlagsbestehens wurden deutlich \u00fcber eine Millionen E-Books sowie mehr als 100.000 Taschenb\u00fccher verkauft, und im vergangenen Jahr verzeichnete Ylva zum ersten Mal einen Millionenumsatz. \u201eWir sind jetzt auch f\u00fcrs Finanzamt interessant geworden\u201c, fasst Astrid ihren Erfolg zusammen. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/0028916_winter-lee-das-geheimnis-der-roten-akten.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1979\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/0028916_winter-lee-das-geheimnis-der-roten-akten.jpeg 500w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/0028916_winter-lee-das-geheimnis-der-roten-akten-188x300.jpeg 188w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/0028916_winter-lee-das-geheimnis-der-roten-akten-94x150.jpeg 94w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Astrid Ohletz hat jede Menge Buchempfehlungen auf Lager. Selbst ist sie besonders begeistert vom Humor australischer Autor*innen, die bei Ylva gern verlegt werden, zum Beispiel Lee Winter und Jess Lea. Von Lee Winter gef\u00e4llt ihr besonders das im vergangenen Jahr erschienene \u201eDas Geheimnis der roten Akten\u201c, dessen englisches Original, \u201eThe Red Files\u201c, 2015 das Einstiegswerk der Autorin bei Ylva war. Ebenfalls Lee Winters Feder beziehungsweise Fantasie entsprungen ist \u201eRequiem for Immortals\u201c (2016), auf Deutsch \u201eRequiem mit t\u00f6dlicher Partitur\u201c (2017); \u201eein etwas anderer Liebesroman, eher ein Thriller\u201c, meint Astrid Ohletz zu diesem Werk der Starautorin. Von Jess Lea empfiehlt sie \u201eA Curious Woman\u201c, das 2019 bei Ylva verlegt wurde und demn\u00e4chst auf Deutsch erscheint. Ihr besonderer Geheimtipp aus diesem Jahr ist Quinn Ivins \u201eWas ich in dir sehe\u201c (\u201eWorthy of Love\u201c, 2021), ein Liebesroman mit philippinischer Protagonistin. Neuerscheinungen im Juli und August sind \u201eFrom Fan to Forever\u201c von Tiana Warner, \u201eChemistry\u201c von Rachael Sommers, \u201e\u201cUm uns nichts als das Meer\u201c von Wendy Hudson (\u201eThe Island Between Us\u201c, 2021), \u201eEine Franz\u00f6sin zum K\u00fcssen\u201c (\u201eFrench Kissing\u201c, Ladylit Publishing, 2014) von Harper Bliss sowie \u201eGl\u00fcck braucht kein Drehbuch\u201c (\u201eWrite Your Own Script\u201c, 2019) von A.L. Brooks. Deutsche Originalausgaben ver\u00f6ffentlicht Ylva neuerdings auch, so zum Beispiel \u201eK\u00fcsse im Schneesturm\u201c (2021) von Ina Steg, \u201eKnutschpogo: Verliebt bis in die Haarspitzen\u201c (2018) von Katrin Frank, \u201eNeustart \u2013 Route wird berechnet\u201c (2018) von Franziska Kirchhoff, \u201eGestern die Sehnsucht, heute der Himmel\u201c (2018) von Verena Martin. Verlegerin Astrid Ohletz schreibt zudem selbst, neben Kurzgeschichten auch Romane. Unter dem Pseudonym Emma Weimann brachte sie 2014 \u201eHeart\u2019s Surrender\u201c, heraus, f\u00fcr den sie 2015 den Lesbian Erotica Award erhielt. Ihr zweiter Roman ist in Arbeit und soll kommendes Jahr erscheinen. \u2655<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ylva feiert Geburtstag Lesbische Liebesgeschichten sind Dreh- und Angelpunkt der Arbeit von Astrid Ohletz, 53, und ihrem Team beim Ylva Verlag, der in einem Vorort von Frankfurt am Main sitzt. In diesem Jahr feiert das Verlagshaus zehnj\u00e4hriges Bestehen. 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