{"id":1947,"date":"2022-06-03T00:22:00","date_gmt":"2022-06-02T22:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1947"},"modified":"2022-05-25T23:13:19","modified_gmt":"2022-05-25T21:13:19","slug":"keine-utopiegleich-an-wuerde-und-rechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1947","title":{"rendered":"Keine Utopie:gleich an W\u00fcrde und Rechten"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von den Utopien, mit denen wir in die heurige Pride-Saison starten, und wieso diese vielleicht schon bald realer sein k\u00f6nnten, als wir uns das jetzt noch vorstellen k\u00f6nnen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Utopien, um die es in dieser Ausgabe der Lambda geht, sind ein zweischneidiges Schwert. Sie k\u00f6nnen in Katastrophen mit Millionen von Toten enden, wie etwa die Vision einer klassenlosen Gesellschaft im ehemaligen kommunistischen Block. Sie k\u00f6nnen aber auch Menschen zum Tr\u00e4umen bringen und ihnen die Kraft geben, ihr Leben und die Welt um uns herum zu verbessern. Die LGBTIQ-Bewegung ist von einer solchen Utopie getragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Utopie ist in Artikel 1 der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte bereits zusammengefasst: \u201eAlle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren.\u201c Das haben die fr\u00fchen LGBTIQ-Aktivist*innen w\u00f6rtlich genommen. Gerade weil wir uns in unserem Mensch-Sein nicht von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden, stehen uns die gleichen Rechte wie allen anderen zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil wir gleich sind, hat es unsere politische Bewegung auch nicht bei der Entkriminalisierung bewenden lassen. Wir wollten immer schon mehr: \u201egleich an W\u00fcrde und Rechten\u201c sein. Deswegen haben wir die \u00d6ffnung der Ehe gefordert. Deswegen haben wir das Recht auf Familienplanung gefordert. Deswegen fordern wir heute den gleichen Schutz vor Diskriminierung auch aus Gr\u00fcnden der sexuellen Orientierung \u2013 wie es ihn ja schon aus Gr\u00fcnden der ethnischen Herkunft, des Geschlechts oder der Behinderung bereits gibt. Dabei wollen wir Gleichbehandlung, keine Extraw\u00fcrste. Der Schutz vor Diskriminierung ist ja nur n\u00f6tig, um nicht aktiv schlechter behandelt zu werden als alle anderen. <\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich l\u00e4uft es immer darauf hinaus: Es sollte egal sein, wen man liebt oder welche Geschlechtsidentit\u00e4t ein Mensch hat. Das ist die Utopie der LGBTIQ-Bewegung, das ist die Utopie von Pride und die Utopie der HOSI Wien: Eine Welt, in der es ebenso selbstverst\u00e4ndlich ist, lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, intergeschlechtlich oder queer zu sein, wie es selbstverst\u00e4ndlich ist, Linksh\u00e4nder*in zu sein. In der kein LGBTIQ-Jugendliche*r Angst haben muss, deswegen gemobbt oder gar von der Familie versto\u00dfen zu werden. Eine Welt, in der B\u00fcroangestellte genauso selbstverst\u00e4ndlich ein Foto vom*von der Partner*in am Arbeitsplatz haben k\u00f6nnen wie Heteros und eine Welt, in der nach dem Coming-out von einem transgender Menschen der f\u00fcr das Umfeld neue Vorname genauso schnell und selbstverst\u00e4ndlich \u00fcbernommen wird wie der neue Nachname so vieler Frauen (und seltener M\u00e4nner) nach einer Hochzeit. Eine Welt, in der die k\u00f6rperliche Unversehrtheit intergeschlechtlicher Kinder unter dem Schutz des Gesetzes steht, in der Genitalverst\u00fcmmelung an ihnen also genauso geahndet wird wie jene an M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das alles utopisch? Im Gegenteil. Es w\u00e4re naiv zu glauben, dass die Gesellschaft sich nicht ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. Oder nicht vielmehr von uns selbst laufend ver\u00e4ndert w\u00fcrde. Wie ja schon in den vergangenen etwas mehr als 50 Jahren seit den Stonewall Riots, die der Beginn der modernen LGBTIQ-Bewegung waren. Damals, also 1969, wurde Homosexualit\u00e4t in \u00d6sterreich, wie in den meisten anderen L\u00e4ndern, strafrechtlich verfolgt. Das bedeutete zerst\u00f6rte Existenzen f\u00fcr jene, die erwischt wurden \u2013 aber auch ein Leben in Angst, Scham, Selbstverleugnung und Erpressbarkeit f\u00fcr die anderen. Diejenigen, die den Mut hatten, die Gleichheit an W\u00fcrde und Rechten laut einzufordern, waren bei weitem die Minderheit. Und obwohl sie nicht einmal in unserer eigenen Community die Mehrheit waren, haben wir in nicht einmal einem Menschenalter Dinge erreicht, die damals unvorstellbar waren, von der v\u00f6lligen Abschaffung aller strafrechtlichen Verbote bis hin zur \u00d6ffnung der Ehe und dem Adoptionsrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Utopien k\u00f6nnen schnell auch zur neuen Realit\u00e4t werden, wenn man sich entschieden und konsequent daf\u00fcr einsetzt. Packen wir\u2019s an!<\/p>\n\n\n\n<p>Happy Pride!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den Utopien, mit denen wir in die heurige Pride-Saison starten, und wieso diese vielleicht schon bald realer sein k\u00f6nnten, als wir uns das jetzt noch vorstellen k\u00f6nnen Utopien, um die es in dieser Ausgabe der Lambda geht, sind ein zweischneidiges Schwert. 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