{"id":1934,"date":"2022-06-03T00:18:00","date_gmt":"2022-06-02T22:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1934"},"modified":"2022-05-25T23:13:38","modified_gmt":"2022-05-25T21:13:38","slug":"wir-habens-euch-doch-gesagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1934","title":{"rendered":"Wir haben\u2019s euch doch gesagt"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Putins \u00dcberfall auf die Ukraine folgt v\u00f6llig logisch seinem Kampf gegen Freiheit und Demokratie in Russland<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Ich wollte es mir ja eigentlich verkneifen, aber es ist eine der wenigen Genugtuungen, wenn unsere Anliegen \u00fcber Jahre hinweg von Politker*innen aller Parteien ignoriert werden, deshalb muss es jetzt raus: Wir haben\u2019s euch doch gesagt. Die LGBTIQ-Bewegung hat schon fr\u00fch gewusst, dass der russische Diktator Wladimir Putin ein brutales Regime errichtet und immer neue Feindbilder brauchen wird. Als Russland n\u00e4mlich 2013, also schon vor neun Jahren, ein Gesetz erlassen hat, das \u201eWerbung f\u00fcr nicht traditionelle sexuelle Beziehungen\u201c \u2013 also: freie Meinungs\u00e4u\u00dferung und Aufkl\u00e4rungsarbeit f\u00fcr LGBTIQ-Menschen \u2013 in der gesamten Russischen F\u00f6deration verboten hat, haben wir in halb Europa dagegen demonstriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Putin 2014 dann nach \u00d6sterreich gekommen ist, hat sich das offizielle \u00d6sterreich bei ihm angebiedert, w\u00e4hrend unsere Community weiter demonstriert hat. Im Demo-Aufruf der HOSI Wien hie\u00df es damals: \u201ePutin ist kein lupenreiner Demokrat, sondern ein lupenreiner Diktator und Kriegstreiber, der in Russland eine unertr\u00e4gliche Menschenrechtspolitik verfolgt, die Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit und insbesondere die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgenderpersonen mit F\u00fc\u00dfen tritt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles war kein Geheimwissen und die HOSI Wien bei weitem nicht die einzige Organisation, die gegen die Situation in Russland demonstriert hat. Wir taten das als eine von 17 Organisationen des Netzwerks \u201eTo Russia With Love\u201c, das damals von Gerd Picher und der Aids Hilfe Wien koordiniert wurde. F\u00fcr uns war klar: Die LGBTIQ-Community in Russland wird von Putins Regime zum S\u00fcndenbock gemacht, um von seiner katastrophalen Politik f\u00fcr die Mehrheit der Russ*innen ablenken zu k\u00f6nnen. W\u00e4hrend er systematisch alle Reste von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat in Russland zerst\u00f6rte, pl\u00fcnderten Oligarchen (hier kein Gendern n\u00f6tig) mit guten Verbindungen zum Kreml das Land in einem so gewaltigen Ausma\u00df, dass die Wirtschaft selbst in Jahren hoher \u00d6l- und Gaspreise nie modernisiert werden konnte. \u201eWer aber S\u00fcndenbockpolitik macht und Hass s\u00e4t, bel\u00e4sst es nicht bei Worten. Letztlich gibt es nur Respekt vor den Mitmenschen oder Hass und Gewalt\u201c, kommentierte es unsere Obfrau Ann-Sophie Otte gegen\u00fcber den Medien.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Hass und diese Gewalt erfahren nun die Ukrainer*innen. Mehrere Millionen mussten fl\u00fcchten, \u00fcber eine Million Ukrainer*innen wurde von der russischen Armee in Lager verschleppt, zigtausende Frauen vergewaltigt und die Gro\u00dfstadt Mariupol derart zusammengeschossen, dass man es bei einem Schwarz-Wei\u00df-Foto f\u00fcr Zerst\u00f6rungen des Zweiten Weltkriegs halten k\u00f6nnte. Und was sagt Patriarch Kyrill I., das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche? Der Krieg w\u00fcrde die Menschen in der Ukraine vor Pride-Paraden \u201esch\u00fctzen\u201c, diese w\u00e4ren ein \u201eVersto\u00df gegen die Gesetze Gottes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese \u00c4u\u00dferungen sind ebenso widerw\u00e4rtig wie wenig \u00fcberraschend. Schon in der Vergangenheit haben Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche ein Verbot von Regenbogenparaden gefordert, also letztlich ein Ende der Versammlungsfreiheit f\u00fcr LGBTIQ-Menschen. 2012 hat die HOSI Wien deshalb gefordert, ihr die staatliche Anerkennung zu entziehen \u2013 denn w\u00e4hrend es ihr frei\u00adsteht, Homosexualit\u00e4t als S\u00fcnde zu betrachten, so gibt es doch keinen Grund f\u00fcr die staatlichen Privilegien, die mit der staatlichen Anerkennung einhergehen, wenn die russisch-orthodoxe Kirche LGBTIQ-Personen nicht einmal die allgemein anerkannten Menschenrechte zugestehen will. Die Politik ist dem nicht nachgekommen. Jetzt plant die EU-Kommission immerhin, Patriarch Kyrill&nbsp;I. auf die Sanktionsliste der EU zu setzen. Sp\u00e4t, aber immerhin. <\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht lernen die westlichen Staatenlenker*innen aus diesem entsetzlichen Krieg wenigstens, dass faschistische Diktaturen keine Partner sein k\u00f6nnen. Vielleicht nehmen sogar manche Politiker*innen Notiz davon, dass die Menschenrechte von Minderheiten ein ganz gutes Fr\u00fchwarnsystem daf\u00fcr sind. Die Zeit des Dr\u00fcberschwindelns ist vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Putins \u00dcberfall auf die Ukraine folgt v\u00f6llig logisch seinem Kampf gegen Freiheit und Demokratie in Russland Ich wollte es mir ja eigentlich verkneifen, aber es ist eine der wenigen Genugtuungen, wenn unsere Anliegen \u00fcber Jahre hinweg von Politker*innen aller Parteien ignoriert werden, deshalb muss es jetzt raus: Wir haben\u2019s euch doch gesagt. 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