{"id":1911,"date":"2022-06-03T00:11:00","date_gmt":"2022-06-02T22:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1911"},"modified":"2022-05-25T23:14:12","modified_gmt":"2022-05-25T21:14:12","slug":"sexuelle-vielfalt-und-deren-akzeptanz-sind-nichts-neues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1911","title":{"rendered":"Sexuelle Vielfalt und deren Akzeptanz sind nichts Neues"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Blick in die Vergangenheit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Es wird besser  \u2013 eine Parole, die man nicht nur im Namen einer LGBTQIA* Hilfsorganisation wiederfindet, sondern auch ein Statement, dass die letzten Jahrzehnte, was die Gleichberechtigung f\u00fcr die queere Community in \u00d6sterreich angeht, gut zusammenfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Entkriminalisierung zur Ehe f\u00fcr Alle wurden gro\u00dfe Schritte geschafft. Ebenso ist die Tatsache, dass das Blutspendeverbot f\u00fcr homo- &amp; bisexuelle M\u00e4nner aufgehoben werden soll, ein Zeichen, dass wir uns auf eine offenere Gesellschaft zubewegen. Vieles davon w\u00e4re utopisch f\u00fcr unsere Community in den 1950er und 60ern gewesen. Jedoch ist es ebenso wichtig, dass wir mit einem tiefen Blick in die Vergangenheit im Kopf behalten, dass sexuelle Vielfalt und deren Akzeptanz nichts Neues sind. Vielmehr, sie wurden unterdr\u00fcckt und uns genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>So h\u00f6rt man heutzutage oft, dass Transsexualit\u00e4t und das nicht-bin\u00e4re Dasein etwas Neues sind. Hierbei werden Geschlechtsidentit\u00e4ten als Trends oder Modeerscheinungen abgestempelt und auf eine tempor\u00e4re soziale Entwicklung reduziert. Derartige Argumentationen wiederholen sich st\u00e4ndig in Diskussionen, Comedy-Sketches oder auch Reportagen. Wenn es eine Modeerscheinung w\u00e4re, dann w\u00e4re es eine der l\u00e4ngsten und weitreichendsten in der Menschheitsgeschichte. Nicht-bin\u00e4re Personen haben in verschiedenen Kulturen quer durch die ganze Welt \u00fcber tausende von Jahren hinweg existiert und wurden oft sogar verehrt. Ein Beispiel daf\u00fcr sind die Geistlichen der G\u00f6ttin Inanna. Inanna, auch bekannt unter anderen Namen wie Ishtar, Rhea, Kybele, war w\u00e4hrend der Zeit des Reichs von Akkad in Mesopotamien ca. 2350-2150 v.Chr. und mehr als 2000 Jahre lang danach eine G\u00f6ttin der Liebe, Sch\u00f6nheit, Sex, Gewalt und Gerechtigkeit. Ihre Geistlichen, die Gala, waren ein hochgeachteter Teil der Gesellschaft. Es hei\u00dft sogar, dass man Gl\u00fcck habe, wenn man es schaffen w\u00fcrde, jemals mit einer Gala Sex zu haben. Die meisten Gala waren das, was wir heute als transgender bezeichnen w\u00fcrden. \u00dcber die Zeit hinweg blieben diese Geistlichen ein weit respektierter Teil verschiedener Gesellschaften, wie dem R\u00f6mischen Reich. Dort waren sie als Gallai unter der G\u00f6ttin Kybele bekannt. Jedoch gab es auch Konflikte, da sich viele fr\u00fche Christen gegen diese Geistlichen stellten. Ein historisches Beispiel daf\u00fcr entspricht in heutigen Standards etwa einem Hassposting, in dem sich der r\u00f6mische Bischof St. Augustin dar\u00fcber aufregt, dass eine Gallai in aller \u00d6ffentlichkeit einkaufen geht. Letztendlich gerieten dennoch die Geistlichen von Kybele, bzw. Inanna, nach dem Fall Roms weitgehend in Vergessenheit. Unter anderem aufgrund von Verfolgungen von Menschen, die nicht dem christlichen Glauben folgten. Geschichten wie diese sind kein Einzelfall, sondern eher die Norm, wenn wir uns verschiedene Kulturen auf der Welt anschauen. In zahlreichen Regionen Asiens und Afrikas findet man Aufzeichnungen davon, wie nicht-bin\u00e4re Menschen als ein vollkommen selbstverst\u00e4ndlicher Teil der Gesellschaft angesehen worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich verhielt es sich hierbei auch mit gleichgeschlechtlichem Sex und Liebe. Im antiken Rom war es grunds\u00e4tzlich die Norm bisexuell zu sein. Jedoch war es kein Problemthema wie oft genug in unserer Zeit, wenn man heterosexuell oder homosexuell war. Interessant ist auch, dass es bei der Geschlechtsidentit\u00e4t nicht so wichtig war, was man nun in der Hose hatte, sondern eher, ob man sich fortpflanzte. Wenn man dies nicht tat, sei es aus Eigenwillen, Homosexualit\u00e4t, Unfruchtbarkeit oder anderen Gr\u00fcnden, galt man weder als Mann noch als Frau. Eine etwas andere Perspektive als was wir gewohnt sind, obwohl man doch auch hier in Teilen \u00d6sterreichs mit so viel Stolz auf das r\u00f6mische Erbe herumpocht. Daraus l\u00e4sst sich schlie\u00dfen, dass die r\u00f6mische Gesellschaft in dieser Hinsicht eine Art von drittem Geschlecht hatte, \u00fcber konkrete Grunds\u00e4tze dazu scheiden sich bis heute noch die Geister. Abgesehen davon, war es von klein auf normal, dass man sich in jede Person, mit einem passenden sozialen Stand, verlieben oder sexuell angezogen f\u00fchlen konnte. \u00c4hnlich war es im antiken Griechenland und auch sehr viel sp\u00e4ter immer noch in weiten Teilen Afrikas und Asiens, bis Europas Kolonialm\u00e4chte mit Waffengewalt anklopften und eigene Gesetze verabschiedeten, welche die sexuelle Vielfalt und deren Freiheit sogar heute noch auf viele Weisen einschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen klaren Trend, den man hier erkennen kann, ist die Tatsache, dass die Menschen im Vergleich zu heute fr\u00fcher in einer regelrechten Pride Utopie gelebt haben, welche ihnen Schritt f\u00fcr Schritt genommen wurde. Religion und die Aktionen der Gl\u00e4ubigen, welche sich negativ auf das Leben anderer ausgewirkt haben, stehen hierbei als Ursprung dieser Entwicklung gro\u00df im Mittelpunkt. Ob durch aufdringliche Missionsarbeit oder mit Feuer und Flamme, der Glaube von bestimmten Menschen hat es in unz\u00e4hligen L\u00e4ndern geschafft, die Gesetze so aufzusetzen, dass die Exekutive aktiv oder passiv gegen nicht-heteronormative Menschen und deren Akte der Liebe vorging. Dabei war es wichtig, diese Personengruppen als sozialen Abfall und moralisch zweitrangig zu plakatieren. Eine Verherrlichung des heteronormativen Paares musste auch in das Gewebe der Gesellschaft eingen\u00e4ht werden, um solche Gesetze erst m\u00f6glich zu machen. Und derartige negative Erscheinungsbilder sind immer noch tief in unserem gesellschaftlichen Verst\u00e4ndnis verankert. In Europa allein gibt es noch immer zahlreiche Menschen, die ihre Sexualit\u00e4t und Geschlechtsidentit\u00e4t verstecken m\u00fcssen, aus Angst, dass sie ansonsten wom\u00f6glich versto\u00dfen werden. Wenn wir f\u00fcr LGBTQIA* Rechte und Freiheiten k\u00e4mpfen, ersch\u00fcttern wir nicht eine Gesellschaft, die schon seit Ewigkeiten heteronormativ ist und es immer war. Wir holen uns die Freiheit zur\u00fcck, die uns genommen wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Blick in die Vergangenheit Es wird besser \u2013 eine Parole, die man nicht nur im Namen einer LGBTQIA* Hilfsorganisation wiederfindet, sondern auch ein Statement, dass die letzten Jahrzehnte, was die Gleichberechtigung f\u00fcr die queere Community in \u00d6sterreich angeht, gut zusammenfasst. Von Entkriminalisierung zur Ehe f\u00fcr Alle wurden gro\u00dfe Schritte geschafft. Ebenso ist die Tatsache, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":1913,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[89,79],"class_list":["post-1911","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-schwerpunkt","tag-lambda-187","tag-pride"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1911"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1912,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions\/1912"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1913"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}