{"id":1854,"date":"2022-03-04T00:27:00","date_gmt":"2022-03-03T23:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1854"},"modified":"2022-03-03T00:13:17","modified_gmt":"2022-03-02T23:13:17","slug":"fetisch-und-pride-gehoeren-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1854","title":{"rendered":"Fetisch und Pride geh\u00f6ren zusammen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Fetisch also. Ein Themenschwerpunkt, von dem man glauben k\u00f6nnte, es ginge bei ihm blo\u00df darum, dass er plakativ ist \u2013 \u201esex sells\u201c. Doch es ist auch ein Thema, bei dem wir innerhalb unserer Community immer wieder neu darum ringen, wer wir eigentlich sind und wie wir gesehen werden wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn rund um die Vienna Pride sprechen mich verl\u00e4sslich immer wieder Menschen darauf an, ob es denn n\u00f6tig w\u00e4re, dass die Regenbogenparade so schrill sei. Bei n\u00e4herer Nachfrage sind dann meist zu leicht bekleidete Teilnehmer*innen und vor allem Fetisch-Beitr\u00e4ge gemeint. Interessanterweise sind das die Fragenden meistens keine Heteros, sondern selbst LGBTIQ-Personen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wir sind nicht die Gouvernante der Community<\/h3>\n\n\n\n<p>Nun gut, stellen wir uns diesem Thema. Zu leicht Bekleidete sind schnell abgehakt: Es gibt Gesetze, die Nackt\u00adheit in der \u00d6ffentlichkeit verbieten, also kann die HOSI Wien als Organisatorin diese nicht zulassen. Wobei das dann ohnehin die Polizei kl\u00e4rt, eben von Gesetz wegen. Und umgekehrt: Wenn es der Polizei recht ist, sehen wir unsere Aufgabe nicht darin, die Gouvernante unserer Teilnehmer*innen zu sein \u2013 und Haut allein ist noch kein Sex.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit wir beim Thema Fetisch sind. Es gibt es immer wieder Diskussionen, ob Fetisch-Gruppen \u00fcberhaupt an der Parade teilnehmen sollen. Da wird vor allem kritisiert, dass es uns schlecht repr\u00e4sentiere, wenn wir den Medien solche Bilder liefern. Hier muss aber die Gegenfrage gestellt werden: Wer entscheidet denn, wer dieses schlecht repr\u00e4sentierte Wir ist? Wer nimmt sich damit das Recht heraus, zu sagen, ob jemand zur Community geh\u00f6rt oder nicht? Und wenn wir das hier so handhaben: Welche Gruppe ist als n\u00e4chstes unerw\u00fcnscht? Drag Queens? Nicht gut genug gestylte und dem Mainstream-Sch\u00f6nheitsideal entsprechende Menschen? Soweit kommt\u2019s noch, dass wir anfangen, Menschen ausgerechnet bei der Pride zu besch\u00e4men und sie von einer Demonstration f\u00fcr Gleichberechtigung, Vielfalt und Offenheit auszuschlie\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wer Sex sehen will, wird das auch \u2013 egal, wie sittsam die Pride ist<\/h3>\n\n\n\n<p>Aber, h\u00f6re ich schon den Einwand, das k\u00f6nne man doch gar nicht vergleichen. Weil Fetisch ja mit Sex zu tun habe und das andere nicht. Abgesehen davon, dass eben der nicht auf der Parade praktiziert wird: Ziemliche viele He\u00adteros sehen da keinen wesentlichen Unterschied. F\u00fcr manche ist es schon eine \u201eSexualisierung von Kindern\u201c, wenn man in der Schule \u00fcber Regenbogen-Familien spricht. Wir sind, mit dieser Tatsache m\u00fcssen wir leben, eben eine Minderheit, auf die immer wieder verschiedenste Vorstellungen projiziert werden. Die werden wir nicht los, indem wir uns besonders brav pr\u00e4sentieren. Das hat uns vor Stonewall nicht genutzt, als fast alle aus Angst vor Strafverfolgung im Geheimen leben mussten, und das wird auch jetzt nicht funktionieren. Die Vorstellungen der Mehrheitsgesellschaft kann man nur grunds\u00e4tzlich herausfordern, eben wie die fr\u00fchen Prides: Erst die Konfrontation mit dem, was bisher tabu war, reduziert das Tabu an sich. Au\u00dferdem w\u00e4re es eine historische Ungerechtigkeit gegen\u00fcber der Fetisch-Community, wie im Jugendstil in dieser Ausgabe genauer nachzulesen ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Daran \u00e4ndern auch die immer wieder als Argument vorgebrachten Kinder nichts: Man ist ja nicht gezwungen, mit ihnen neben einer menschengezogenen Kutsche herzugehen. Wer 50 Meter weitergeht, wird dort, weil die Regenbogenparade eben bunt und vielf\u00e4ltig ist, schon von v\u00f6llig anderen Menschen umgeben sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Regenbogenparade ist f\u00fcr alle da<\/h3>\n\n\n\n<p>Letztlich ist f\u00fcr uns bei der HOSI Wien ein Grundsatz entscheidend: Wir organisieren die Regenbogenparade f\u00fcr die gesamte Community. Alle, die unsere Anliegen unterst\u00fctzen, d\u00fcrfen sich dort so pr\u00e4sentieren, wie es ihnen selbst wichtig ist (nur, wie gesagt, bitte nicht nackt). Das gilt f\u00fcr die Fetisch-Community genauso wie f\u00fcr alle anderen. Und wer zeigen m\u00f6chte, dass LGBTIQ-Personen auch ganz unauff\u00e4llig sein k\u00f6nnen, kann gerne einen entsprechenden Beitrag anmelden. Alle sind willkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fetisch also. Ein Themenschwerpunkt, von dem man glauben k\u00f6nnte, es ginge bei ihm blo\u00df darum, dass er plakativ ist \u2013 \u201esex sells\u201c. Doch es ist auch ein Thema, bei dem wir innerhalb unserer Community immer wieder neu darum ringen, wer wir eigentlich sind und wie wir gesehen werden wollen. 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