{"id":1827,"date":"2022-03-04T00:21:00","date_gmt":"2022-03-03T23:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1827"},"modified":"2022-03-03T00:13:58","modified_gmt":"2022-03-02T23:13:58","slug":"dichotome-problematik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1827","title":{"rendered":"Dichotome Problematik"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum queere Frauen weder schwule noch hetero Dynamiken reproduzieren m\u00fcssen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Dass das menschliche Gehirn gern in Schubladen denkt und mit bin\u00e4ren Kategorien am einfachsten arbeitet, d\u00fcrfte allgemein bekannt sein. Eine wiederbelebte, aus einer Mottenkiste hervorgekramte, dichotome Kategorie kursiert in letzter Zeit \u00f6fters in lesbischen Kreisen und bedarf einer Problematisierung: Die Kategorien von sogenannten Tops und Bottoms, Begrifflichkeiten, die oft von schwulen M\u00e4nnern genutzt werden um zu beschreiben, wer beim Analsex den penetrierenden (\u201etop\u201c) und wer den empfangenden (\u201ebottom\u201c) Part \u00fcbernimmt. Von jungen, lesbischen Frauen werden die Begriffe neuerdings \u00fcbernommen, und zwar nicht, wie eigentlich naheliegend, ausschlie\u00dflich im Bezug auf penetrativen Sex (Wer tr\u00e4gt einen etwaigen Strap-On?), sondern insgesamt auf dominantes bzw. passives Verhalten im Bett . Eine G\u00e4stin des Lesben*abends kommentierte diese Entwicklung damit, dass das doch stark an die Frage \u201eWer ist eigentlich bei euch der Mann in der Beziehung?\u201c, die lesbische Paare immer noch oft genug zu h\u00f6ren bekommen, erinnere. <\/p>\n\n\n\n<p>Und das Schlimmste ist nicht, dass dieser alte Hut immer noch in der Garderobe der Vorurteile h\u00e4ngt, sondern dass ihn junge Lesben selbst wieder hervorholen! Wirklich schade dabei ist, dass so nicht nur Strukturen aus Hetero-Beziehungen bzw. die Aufteilung ihres Sexlebens \u00fcbernommen wird, sondern dass diese Aufteilung in Tops und Bottoms, dominant und passiv, mit einer Abwertung der \u201eBottoms\u201c einhergeht. Dieses Ph\u00e4nomen ist auch in der schwulen Community zu beobachten, wo es teilweise toxische Z\u00fcge annimmt und M\u00e4nner aufgrund ihrer Pr\u00e4ferenz abgewertet werden. Eine Herabsetzung von passiven Sexpartner*innen geht dabei oft mit einer Feminisierung derselben einher, es werden ihnen also weibliche Eigenschaften zugeschrieben, die auf dem sexistischen Bild von vermeintlich schwachen Frauen beruhen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-724x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1828\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-724x1024.png 724w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-212x300.png 212w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-106x150.png 106w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-768x1086.png 768w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-1086x1536.png 1086w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-1448x2048.png 1448w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-1200x1697.png 1200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ch_1-1980x2800.png 1980w\" sizes=\"auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><figcaption>Grafik: cai levi<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die bin\u00e4re Aufteilung hat unter lesbischen Frauen eine lange Tradition: Die Vorg\u00e4nger*innen von Tops und Bottoms wurden als Butch und Femme bezeichnet bzw. nannten sie sich teils selbst so. Tats\u00e4chlich ging es aber bei Butches und Femmes weniger um eine Rollenverteilung beim Sex, sondern vielmehr um \u00c4u\u00dferlichkeiten. Indem eine Frau eher m\u00e4nnlich aussah und m\u00e4nnlich konnotierte Verhaltensweisen und Eigenschaften ausstellte, w\u00e4hrend die andere betont weiblich war, r\u00fcckten beide zusammen als Paar n\u00e4her an das heteronormative Ideal einer bin\u00e4ren Beziehung. W\u00e4hrend eine solche Paar-Performance in den 1950er oder 60er Jahren noch zu mehr Akzeptanz f\u00fchrte, weil sie die Anpassungsbereitschaft der beteiligten Lesben zeigte, scheint sie doch heute mehr als \u00fcberfl\u00fcssig und einschr\u00e4nkend. Denn lesbischer Sex hat eine eigene Dynamik, die sich auch dadurch ergibt, dass Penetration (im Bezug auf Penisse und Dildos) kein selbstverst\u00e4nd\u00adlicher Teil eines jeden Sex-Erlebnisses ist. Sich in fixe Kategorien als top und bottom einzuordnen nimmt dieser Dynamik so einiges an Flexibilit\u00e4t und man kann nur hoffen, dass auch die jungen Lesben, die sich im Bin\u00e4r-System gut betreut f\u00fchlen, auch bald erkennen, dass ein Ausbruch sehr befriedigend ist \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum queere Frauen weder schwule noch hetero Dynamiken reproduzieren m\u00fcssen Dass das menschliche Gehirn gern in Schubladen denkt und mit bin\u00e4ren Kategorien am einfachsten arbeitet, d\u00fcrfte allgemein bekannt sein. 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