{"id":1801,"date":"2022-03-04T00:14:00","date_gmt":"2022-03-03T23:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1801"},"modified":"2022-03-03T00:14:32","modified_gmt":"2022-03-02T23:14:32","slug":"warum-ist-fetisch-tabu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1801","title":{"rendered":"Warum ist Fetisch Tabu?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Ob bei Regenbogenparaden oder auch ganz privat zuhause, es scheint so, als ob wir noch eine etwas unklare Beziehung zu unseren Fetischen haben. Besonders die Debatte um den Platz von Fetischdarstellung bei Prides wurde letztes Jahr zur CSD-Parade in Bremen wieder sehr hitzig \u2013 und zwar aufgrund eines Abschnittes in der Eventbeschreibung, der als ein de facto Fetisch-Verbot verstanden werden konnte. Aber auch ganz im Pers\u00f6nlichen innerhalb der Community ist es nicht allzu selten der Fall, dass Personen beim Erw\u00e4hnen ihrer eigenen Vorlieben herablassend behandelt werden. Wobei von der breiteren Gesellschaft weitaus pr\u00fcdere Reaktion zu dieser Thematik nicht unbedingt \u00fcberraschend sind. Woher stammt eigentlich diese aversive Wahrnehmung von Fetischen und warum ist dieses Thema in unserer Gesellschaft derartig tabuisiert?<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann man Fetische als gewisse Eigenschaften, Reize und Verhaltensmuster, die eine erh\u00f6hte Erregung ausl\u00f6sen, betrachten. Das kann sich beispielsweise in einem erh\u00f6hten sexuellen Interesse f\u00fcr bestimmte K\u00f6rperteile oder in der Empfindung einer gewissen Art von Schmerz widerspiegeln. Da sich um die genaue Definition von Fetischen die Geister noch stets scheiden, verwenden wir hier f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis einmal eine eher breite Interpretation. <\/p>\n\n\n\n<p>Fetische k\u00f6nnen sich ebenso biologisch oder durch kulturelle Eindr\u00fccke aus unserem Umfeld entwickeln. Biologisch ist es zum Beispiel eine aktuell weit angenommene These, dass Fu\u00dffetische existieren, weil der Teil in unserem Gehirn, der f\u00fcr sexuelle Erregung zust\u00e4ndig ist, sich direkt neben dem Teil f\u00fcr die Wahrnehmung von F\u00fc\u00dfen befindet und es nicht ungew\u00f6hnlich ist, dass w\u00e4hrend der Entwicklung unseres Gehirns Verbindungen zwischen beiden Bereichen entstehen. Ebenso k\u00f6nnen wir Fetische durch Erfahrungen erlernen. Seien es Erlebnisse, die wir direkt oder indirekt erleben. Ob man auf gewisse Dinge online st\u00f6\u00dft, oder etwas mit jemanden ausprobiert, wir lernen worauf wir stehen, indem wir Dingen in irgendeiner Form ausgesetzt sind. Wenn das alles ja so nat\u00fcrlich ist, warum sind Fetische doch ein Tabuthema?<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr die eine Person \u201enormal\u201c ist, ist f\u00fcr die andere Person too much. Das ist ein Gedanke, den man in Debatten dazu oft h\u00f6rt. Jedoch ist unser Verst\u00e4ndnis von \u201enormal\u201c auch in diesem Fall, genau wie bei der ausgeleierten Frage, ob Homosexualit\u00e4t \u201enormal\u201c ist, von unserem kulturellen Umfeld erschaffen. In dem Fall hat das Kulturelle hier weniger mit Lederhosen und Dirndln zu tun, sondern eher damit, wie wir Sexualit\u00e4t und sexuelle Aktivit\u00e4ten im Allgemeinen betrachten. Da unsere Wahrnehmung von alledem historisch enorm vom Christentum beeinflusst worden ist, welches durch dessen verschiedene Kirchen alles, was nicht heteronormativ ist und nicht aus\u00adschlie\u00df\u00adlich der Erzeugung von Kindern diente, jahrhundertelang psychisch und gewaltt\u00e4tig unterdr\u00fcckt hat, sp\u00fcren wir auch noch heute in den Grundfesten unserer \u00f6sterreichischen Gesellschaft die Folgen davon. Mit einem Blick auf Zivilisationen, die keinerlei bis wenig derartige Einfl\u00fcsse haben, sieht man oftmals, dass sexuelle Vielfalt in der Form der non-bin\u00e4ren Geschlechtswahrnehmung und auf wen oder was man steht, die Norm ist. W\u00e4hrenddessen wird man bei uns in Werbungen dank der Idee \u201eSex sells!\u201c mit halbnackten Leuten und im Entertainment durch BDSM Fantasien in Musikvideos und Filmen bombardiert, obwohl das alles ja nicht etwas ist, \u00fcber das man bei uns \u201enormalerweise\u201c \u00f6ffentlich redet. Wir leben in einer Gesellschaft, die hypersexualisiert und zugleich pr\u00fcde ist. Man k\u00f6nne beinahe sagen, es w\u00e4re eine der schlimmsten Kombinationen \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>Inwiefern ein Fetisch \u201enormal oder abnormal\u201c ist, kommt stets auf unser soziales Umfeld an. Wobei es auch Fetische gibt, die in der Psychologie als St\u00f6rung bezeichnet werden. Jedoch ist es wichtig dabei im Kopf zu behalten, dass auch diese Definition von St\u00f6rung f\u00fcr verschiedene Neigungen sich stets weiterentwickelt und sich neuen Erkenntnissen und dem aktuellen sozialen Klima anpasst. Beispielsweise war vor nicht allzu langer Zeit auch Homosexualit\u00e4t als eine St\u00f6rung, die heilbar w\u00e4re, klassifiziert. So hat auch unser lieber Sigmund Freud sein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr verschiedene Fetische auf einer Schiene von Kindheitstraumen aufgebaut und als etwas Abnormales und Problematisches abgestempelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ansatz, der aktuell auch in der Psychologie und Medizin in Hinsicht auf Fetische stetig mehr an Pr\u00e4senz gewinnt, ist der Gedanke, dass etwas nicht eine St\u00f6rung ist, solange es nicht das allt\u00e4gliche Leben der jeweiligen (und vielleicht auch einer davon betroffenen) Person negativ beeinflusst. In dem Fall kann man klar sagen, dass, auch wenn ein Fetisch noch so ungew\u00f6hnlich ist, solange es das Leben der Person nicht st\u00f6rt, ist\u2019s keine St\u00f6rung. Jedoch hilft es nicht, wenn man aus diesen Dingen ein Schweigethema macht und daraus \u00c4ngste und Unsicherheiten entwickeln l\u00e4sst, welche dann tats\u00e4chlich psychische Probleme werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck n\u00e4her an eine Erkenntnis, die uns sagt, was Fetische exakt sind. Die Thematik dazu ist in gewisser Hinsicht bei uns ein soziales Tabu, wegen dem enormen negativen Ballast, welcher sich durch die Aktionen von christlichen Kirchen und ein weniger ausgereiftes Verst\u00e4ndnis der menschlichen Psychologie in allt\u00e4glichen Diskussionen am Leben h\u00e4lt. Sicherlich gibt es noch gen\u00fcgend weitere Faktoren, die dazu beitragen. Dennoch haben viele davon ihre tiefen Wurzeln genau in diesen zwei Hintergr\u00fcnden. Das Beste, was man machen kann, damit Fetische kein Tabu-Thema mehr sind, ist dar\u00fcber zu reden. Das hei\u00dft jetzt nicht, dass man gleich die Eltern nach deren Fetischen fragen sollte. I mean, you do you, boo. Aber man kann schon einmal die ersten Schritte machen, indem man ohne Vorurteile offen \u00fcber dieses Thema mit Freunden oder Sexualpartnern spricht. Fetische sind ein Teil der eigenen Sexualit\u00e4t. Sie sind genauso ein Teil von dir wie die Tatsache, auf wen du stehst. Da ist\u2019s auch nicht so ganz verr\u00fcckt, wenn man daf\u00fcr vielleicht eine Fahne schwenkt. #liebewieduwillst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob bei Regenbogenparaden oder auch ganz privat zuhause, es scheint so, als ob wir noch eine etwas unklare Beziehung zu unseren Fetischen haben. 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