{"id":1790,"date":"2022-03-04T00:13:00","date_gmt":"2022-03-03T23:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1790"},"modified":"2022-03-03T00:14:37","modified_gmt":"2022-03-02T23:14:37","slug":"exotische-erotische-abenteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1790","title":{"rendered":"Exotische = erotische Abenteuer?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn die Person zum Objekt der Begierde wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">\u201eIt\u2019s not gay, I\u2019m non-binary, bro!\u201c \u201eDas ist nicht schwul, Ich bin nicht-bin\u00e4r, Kumpel!\u201c \u2013 ist der Text zu einem Meme, in dem sich zwei muskul\u00f6se Menschen erotisch umschlungen ihren Gel\u00fcsten hingeben. Nun sind Witze, die erkl\u00e4rt werden m\u00fcssen, wie wir alle wissen, nur selten lustig. Trotzdem m\u00f6chte ich an dieser Stelle f\u00fcr den Kontext kurz erkl\u00e4ren was hier gemeint ist: Dieser Witz spielt mit der Angst vieler cis-M\u00e4nner und -Frauen, bei einem sexuellen Kontakt mit demselben Geschlecht als homosexuell \u201egebrandmarkt\u201c zu werden. Gleichzeitig impliziert er, dass nicht-bin\u00e4re Geschlechtsidentit\u00e4t durch blo\u00dfe Behauptung zustande kommt und wir sie uns je nach Laune \u00fcberst\u00fclpen k\u00f6nnen. Okay, ich gebe zu, das wurde jetzt wirklich schnell eher traurig als lustig. Aber vielleicht f\u00e4llt es mir auch schwer \u00fcber Transphobie zu lachen, weil ich selbst betroffen bin. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gehen wir jetzt mal von einer ganz anderen Situation aus: Menschen die explizit nach trans* Personen suchen. Das klingt doch super\u2026nach all den Malen die ich abgelehnt wurde, weil ich bestimmten eingeschr\u00e4nkten Idealen von cis-Personen nicht entsprechen konnte, sucht da jemand nach\u2026mir!? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warte mal! Was bedeutet das eigentlich? Ist das die positive Best\u00e4tigung, nach der ich so lange gesucht habe, nachdem in vielen Onlineprofilen und auch im echten Leben Leute eher ablehnend gegen\u00fcber trans-Personen sind? Wir sollten einen zweiten Blick drauf werfen. Denn auch hier gibt es zuerst schwer erkennbare Implikationen; wie stehen Aussage und Inhalt zueinander? Es macht einen Unterschied, wenn eine trans*Person nach einer trans*Person sucht, oder besser gesagt, aus welchen Gr\u00fcnden. Hier geht es darum jemanden zu finden, der die gleichen Dinge wie man selbst durchmacht, also versteht. Nicht selten zielen die Anmachspr\u00fcche von cis-Personen jedoch auf die trans*\u00adIdentit\u00e4t ab, also Dinge wie \u201edu bist doch nicht-bin\u00e4r, wie exotisch muss wohl der Sex mit dir sein?!\u201c, oder \u201eare you a chick with dick? I like that!\u201c (\u201ebist du ein M\u00e4del mit nem Schwanz? Das mag ich!\u201c). Hier geht es nicht darum einer Person Komplimente zu machen, dieses Individuum kennenzulernen oder einen K\u00f6rper in individueller Weise sexuell anziehend zu finden, es geht um das trans-Sein an sich. Einen Haken hinter \u201eich habe mit einer nicht-bin\u00e4ren Person geschlafen\u201c machen. Ein ganz pers\u00f6nliches Kabinett der Kuriosit\u00e4ten ansammeln. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es mag vielleicht manchmal so wirken, aber wir sind nicht kurios, nicht exotisch, keine Zootiere. Zumindest nicht mehr als andere Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen ehrliche Attraktion ist nichts einzuwenden, jedoch sollte ein Mensch nicht auf ein einziges Merkmal reduziert werden, das dann zum einzig begehrens\u00adwerten an einem degradiert wird. Besonders h\u00e4ufig tritt dieses Ph\u00e4nomen bei trans*Personen auf, die sich so pr\u00e4sentieren, dass es vom Gro\u00dfteil der Gesellschaft als weiblich gelesen wird. Der Mann jagt, das Weib wird gejagt. Es gibt sogar einen Begriff daf\u00fcr: \u201etrans chaser\u201c. Das k\u00f6nnen dann sowohl bin\u00e4re, wie auch nicht-bin\u00e4re trans*Personen sein. So differenziert sehen es die meisten trans chaser gar nicht. Sie fetischisieren das trans-Sein als solches, zu ihrer eigenen Befriedigung. Die Individuen dahinter verschwimmen, der Mensch wird zur Sache, fast wie ein Sexspielzeug und Gebrauchsgegenstand. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es kommt einem vor, als ob die K\u00e4mpfe des Feminismus, fr\u00fcher und auch noch heute, gar nicht so un\u00e4hnlich mit denen von uns nicht-bin\u00e4ren Personen sind: Wir wollen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft gesehen werden, unsere Anliegen sollen geh\u00f6rt werden und diese Anliegen sollen genauso viel Wert haben, wie die von anderen. Auch wir wollen frei \u00fcber unsere Beziehungen entscheiden k\u00f6nnen, nicht fremdbestimmt sein, nicht objektifiziert werden, nicht zum Fremden stilisiert werden. Zu dem kommt etwas, das in der Homosexuellenbewegung ganz \u00e4hnlich ist: wir wollen kein Geheimnis sein und keines sein m\u00fcssen. Wir sind nicht weniger wichtig, weil wir nicht bin\u00e4r sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur geteiltes Recht ist wahres Recht. Das gilt sowohl im Schlafzimmer, als auch in allen anderen Bereichen des Lebens. Wir m\u00f6gen selbst Fetische haben, jedoch nicht der Fetisch an sich sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Person zum Objekt der Begierde wird \u201eIt\u2019s not gay, I\u2019m non-binary, bro!\u201c \u201eDas ist nicht schwul, Ich bin nicht-bin\u00e4r, Kumpel!\u201c \u2013 ist der Text zu einem Meme, in dem sich zwei muskul\u00f6se Menschen erotisch umschlungen ihren Gel\u00fcsten hingeben. Nun sind Witze, die erkl\u00e4rt werden m\u00fcssen, wie wir alle wissen, nur selten lustig. 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