{"id":1760,"date":"2022-03-04T00:09:00","date_gmt":"2022-03-03T23:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1760"},"modified":"2022-03-03T00:14:54","modified_gmt":"2022-03-02T23:14:54","slug":"fetisch-im-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1760","title":{"rendered":"Fetisch im Wandel"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Anf\u00e4nge<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Es begann 1985 mit einem Motor\u00adradausflug von ein paar Typen rauf zur Ruine Staatz. Man traf sich immer \u00f6fter und letztlich wurde der \u201eLeder- und Motorradfreunde Club\u201c gegr\u00fcndet, aus dem 1992 ein eingetragener Verein wurde: die Leather &amp; Motorbike Community Vienna, die LMC Vienna. Im Jahr darauf wurde die LMC Vienna Mitglied der ECMC, der European Confederation of Motorcycle Clubs, dem Dachverband aller Ledervereine in Europa. Seit Anfang der 90er organisiert die LMC Vienna auch \u201eWien in Schwarz\u201c, ein internationales Leder- und Fetischevent.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zuerst das \u201eLosch\u201c, dann das \u201eHARD ON\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Als Christian Schreiber als junger Mann zum Studium nach Wien kam, war da das \u201eLosch\u201c. Eigentlich ein privates Lokal eines damaligen Vorstandsmitglieds, war es sozusagen das erste Klublokal der LMC Vienna und hatte jene Stellung in der Szene, die heute das \u201eHARD ON\u201c hat. Kurze Zeit sp\u00e4ter spaltete sich die LMC. Ein Teil blieb im Losch, der andere Teil hat sich zusammengetan und das \u201eHARD ON\u201c neu aufgemacht. Und da diese neue LMC auch neue aktive Mitglieder brauchte, wurde Christian in den Vorstand gew\u00e4hlt und war 10 Jahre lang Pr\u00e4sident, bis vor drei Jahren. Wie es dazu kam? \u201eIch war irgendwie da\u201c, schmunzelt er. Das HARD ON Vienna ist das Non-Profit Vereinslokal der LMC Vienna, es ist als Begegnungsst\u00e4tte von fetisch-interessierten Schwulen f\u00fcr fetisch-interessierte schwule M\u00e4nner geplant und gebaut worden. Es wird ausschlie\u00dflich von ehrenamtlichen Mitgliedern in ihrer Freizeit betrieben. So haben sie zu Anfang mit nur 25 aktiven Leuten das HARD ON aufgebaut, selber Geld aufgestellt f\u00fcr Miete und andere Kosten, und vor allem eine langj\u00e4hrige Freundschaft entwickelt. Parallel dazu entwickelte sich auch der Verein stark weiter. Die LMC ist ein Club f\u00fcr schwule M\u00e4nner, als gesch\u00fctzter, privater Bereich. Deswegen wurde damals auch ein Motor\u00adradclub gegr\u00fcndet, weil \u201eschwul\u201c noch verp\u00f6nt war. Deswegen wird das HARD ON als Vereinslokal gef\u00fchrt, mit Zutritt nur f\u00fcr Mitglieder \u2013 jeder, der ins HARD ON m\u00f6chte, muss sich registrieren und Mitglied sein. So wuchs die LMC Vienna auf inzwischen gut 4500-5000 Mitgliedern. Davon arbeiten ungef\u00e4hr 100 aktiv im Verein \u2013 es braucht viele Leute, das Lokal und den Verein zu f\u00fchren. \u00dcbrigens gibt es die Motorradgruppe immer noch, mit regelm\u00e4\u00dfigen gemeinsamen Touren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Leder, Rubber, Puppy<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Szene entwickelt sich st\u00e4ndig weiter. Zuerst war da nat\u00fcrlich Leder, dann kam Rubber und Sportswear dazu, und in den letzten Jahren gibt es immer mehr Puppys. Puppys sieht Christian auch als Einstieg f\u00fcr viele junge Menschen. Dieses Verspielte, man hat eine Maske, hinter der man sich auch ein wenig verstecken kann. So kann man sich frei bewegen, ohne sich auch gleich zeigen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Fetisch grenzt sich die Szene auch ein wenig von anderen Teilen der LGBTIQ-Community ab. Man habe halt seine eigene Community und Lokale. Doch tritt die Szene st\u00e4rker in die \u00d6ffentlichkeit und will sichtbarer werden. So gibt es im HARD ON regelm\u00e4\u00dfig Veranstaltungen wie freie Tests durch die Aids Hilfe Wien und den Koninginnedag, einem Spa\u00df in Oranje bei dem jede*r ohne Registrierung willkommen ist. Und f\u00fcr die ganze Szene wurden die Mr. Leather und Mr. Fetish Initiativen in \u00d6sterreich gestartet. Damit will die Szene mehr nach au\u00dfen treten und zeigen, \u201edass es uns gibt\u201c. Christian beschreibt das als eine zus\u00e4tzliche Pride-Aktivit\u00e4t. Die schwule Fetischszene hat Pride nat\u00fcrlich immer schon mitgemacht und die LMC Vienna sieht sie auch als eine ihrer Fixpunkte. Jetzt kommt dazu, dass es eine Figur gibt, mit der man direkt reden kann. Ein Mr. ist ansprechbar und angreifbar, zu ihm kann man sagen \u201eich interessiere mich daf\u00fcr, ich m\u00f6chte etwas in der Richtung machen\u201c. Die gew\u00e4hlten Mr. Leder und Mr. Fetish m\u00fcssen auch \u00f6ffentlich vertreten, wof\u00fcr sie stehen und was sie in ihrem Amtsjahr erreichen oder weitertreiben wollen in der Community. \u201eDas ist ganz wichtig und hat f\u00fcr die Fetischszene viel gebracht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das R.O.P.P.<\/h3>\n\n\n\n<p>Das R.O.P.P (Republic of Patta Patta) ist ein weiterer Schritt der \u00d6ffnung nach au\u00dfen. Christian Schreiber beschreibt das Restaurant nicht als Fetischlokal. Er positioniert es als einen Ort, an dem alle willkommen sind und einander treffen k\u00f6nnen, \u00fcber die Fetischszene hinaus. \u201eDazu geh\u00f6rt auch unser Motto: Wir feiern Vielfalt und Lebensfreude.\u201c Hier trifft sich vielleicht einmal im Monat, einmal im Quartal eine Runde im Fetisch, die Puppys haben auch einen Stammtisch, aber es gibt auch einen schwulen Sparverein, Karaoke und die Drag Shows von Candy Licious. Das Publikum ist breit gemischt, hetero, LGBTIQ, Fetisch. Vor allem aber sind alle sichtbar, man sitzt am Fenster und wird drinnen und von au\u00dfen gesehen. \u201eDas ist auch die Philosophie: Nicht verstecken, wer will, kann sich zeigen, Spa\u00df haben und es sich dabei gut gehen lassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In die App und die weite Welt<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch in der Fetischszene ver\u00e4ndert sich das Freizeit- und Datingverhalten. Viel verlagert sich in die Apps, daf\u00fcr ist in den Lokalen weniger los. Das wirkt sich aus \u2013 die LMC Vienna ist einer der wenigen Lederklubs, die noch ihr eigenes Lokal haben. Es gibt in Wien noch andere Lokale wie das Eagles Vienna und das FF56; das Losch hat vor ein paar Jahren geschlossen. In \u00d6sterreich gibt es auch in den Bundesl\u00e4ndern ein paar LMC Untergruppen, in Graz und auch Salzburg, mit denen die LMC Vienna Synergien pflegt. Insgesamt ist die Szene aber gewachsen in den letzten Jahren. Doch die wahren Magneten sind die gro\u00dfen St\u00e4dte wie Berlin und London, wo viele Fetisch-Leute und Schwule bewusst f\u00fcr die Community hinziehen. \u201eWien ist wie immer im Vergleich gem\u00fctlicher\u201c, lacht Christian. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wien in Schwarz, Vienna Fetish Spring<\/h3>\n\n\n\n<p>So trifft sich die Szene vor allem auf den internationalen Events \u2013 Berlin, Paris, London, Madrid. Wien ist hier mit \u201eWien in Schwarz\u201c und dem \u201eVienna Fetish Spring\u201c mit dabei. Diese beiden Events werden immer gr\u00f6\u00dfer und sie sollen in Zukunft noch internationaler werden. Dieses Jahr wird zum Beispiel die ECMC w\u00e4hrend des Vienna Fetish Spring hier ihre Jahreshauptversammlung durchf\u00fchren. Der Fetish Spring ist auch eine der Gelegenheiten, bei denen sich die verschiedenen Fetischgruppen treffen. Au\u00dferdem gibt es in Wien nat\u00fcrlich auch hetero-Fetisch mit gro\u00dfen Veranstaltungen ein, zweimal im Jahr. Die Hetero-Szene ist nicht klein in Wien, aber vielleicht nicht ganz so organisiert wie die schwule Fetischszene, weil sie es nie sein mussten \u2013 sie konnten sich einfach treffen, w\u00e4hrend die Schwulen einen gesch\u00fctzten Raum gebraucht haben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wieso Fetisch?<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin \u00fcber den Leder- und Rubberfetisch zu dem ganzen gekommen. Ich definiere Fetisch schon als etwas zum Anziehen, etwas das eine Ausstrahlung hat. Ich finde einen Mann einfach sehr viel interessanter, wenn er Leder oder Rubber tr\u00e4gt. Kleider machen Leute.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vielen Dank an Christian Schreiber f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und Sepp of Vienna f\u00fcr zus\u00e4tzliche Informationen. Alle Fehler und Missverst\u00e4ndnisse sind einzig die Schuld des Autors, Sven Mostb\u00f6ck<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anf\u00e4nge Es begann 1985 mit einem Motor\u00adradausflug von ein paar Typen rauf zur Ruine Staatz. Man traf sich immer \u00f6fter und letztlich wurde der \u201eLeder- und Motorradfreunde Club\u201c gegr\u00fcndet, aus dem 1992 ein eingetragener Verein wurde: die Leather &amp; Motorbike Community Vienna, die LMC Vienna. 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