{"id":1675,"date":"2021-12-03T01:21:25","date_gmt":"2021-12-03T00:21:25","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1675"},"modified":"2021-12-03T01:22:06","modified_gmt":"2021-12-03T00:22:06","slug":"40-jahre-hiv-aids","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1675","title":{"rendered":"40 Jahre HIV\/AIDS"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">und Frauen sind immer noch zu wenig sichtbar<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Vor 40 Jahren, im Sommer 1981, erschien der erste Bericht von ungew\u00f6hnlichen Erkrankungsf\u00e4llen, deren Ursache damals nicht erkl\u00e4rt werden konnte. Diese Ver\u00f6ffentlichung stellte quasi den sichtbaren Beginn der HIV\/AIDS-Epidemie dar. Seitdem hat sich enorm viel ver\u00e4ndert und im medizinischen Bereich konnte ein Erfolg nach dem anderen gefeiert werden. Im Gegensatz dazu hinkt der gesellschaftliche Umgang mit HIV immer noch hinterher. Denn selbst nach vier Jahrzehnten wird die Epidemie vor allem durch Ungleichbehandlung, Ausgrenzung und Diskriminierung vorangetrieben. Und immer noch spielen unzureichendes Wissen und mitunter auch Fehleinsch\u00e4tzungen eine ausschlaggebende Rolle.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Regionale Statistik gibt Frauen weniger Gewichtung<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine solche immer wieder auftretende Fehleinsch\u00e4tzung ist, dass HIV vermeintlich nur homosexuelle M\u00e4nner oder intraven\u00f6se Gebraucher*innen intraven\u00f6ser Drogen betreffen w\u00fcrde. Diese Annahme kann schwerwiegende individuelle Nachteile mit sich bringen und stimmt nicht wirklich mit der Realit\u00e4t \u00fcberein, wie folgende Aspekte zeigen sollen:<\/p>\n\n\n\n<p>In Europa liegt das Verh\u00e4ltnis M\u00e4nner zu Frauen bei den HIV-Neudiagnosen bei etwa 3:1. Auch in den \u00f6sterreichischen Schwerpunktspit\u00e4lern zeigt sich dieses Verh\u00e4ltnis: ca. 25% der hier behandelten Patient*innen sind weiblich. Allein auf den Ambulanzen werden somit etwa 1.250 HIV-positive Frauen medizinisch betreut. Dennoch werden sie in der Gesellschaft kaum wahrgenommen. Diese Nicht-Sichtbarkeit und eine fehlende Lobby kann den pers\u00f6nlichen Umgang mit HIV deutlich erschweren und die Lebensqualit\u00e4t sp\u00fcrbar beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Frauen erhalten ihre HIV-Diagnose \u00f6fter sp\u00e4t<\/h3>\n\n\n\n<p>Nachdem Frauen weniger mit dem Thema HIV in Verbindung gebracht werden, kommt es tendenziell seltener zu einem HIV-Test. Daher haben Frauen somit ein h\u00f6heres Risiko, die HIV-Diagnose erst zu einem Zeitpunkt zu erhalten, an dem das Immunsystem bereits eingeschr\u00e4nkt ist. In Europa werden etwas mehr als die H\u00e4lfte aller sp\u00e4ten Diagnosen bei Frauen gestellt, obwohl sie nur ungef\u00e4hr ein Viertel der Neuinfektionen darstellen. Sie sind also wesentlich h\u00e4ufiger von sp\u00e4ten Diagnosen betroffen. Auch in \u00d6sterreich werden viele HIV-Infektionen erst sp\u00e4t diagnostiziert. Frauen haben dabei im Vergleich zu M\u00e4nnern, die Sex mit M\u00e4nnern haben, ein etwas mehr als doppelt so hohes Risiko f\u00fcr eine sp\u00e4te Diagnose. Einerseits sieht man hier also den Unterschied in Zuschreibung und Umgang mit HIV in einer Bev\u00f6lkerungsgruppe und dem daraus resultierenden Testangebot. Zum anderen haben Frauen damit auch ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr gesundheitliche Nachteile, die eine sp\u00e4te Diagnose mit sich bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Global gesehen stellt sich die Situation wieder ganz anders dar. 52% der weltweiten HIV-positiven Bev\u00f6lkerung sind weiblich. Junge Frauen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren haben das h\u00f6chste Risiko, wie die globalen Statistiken klar aufzeigen: jede Woche kommt es bei etwa 5.000 jungen Frauen in diesem Alter zu einer HIV-Infektion.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mehr als die H\u00e4lfte aller HIV-positiven Menschen weltweit sind Frauen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Ursache liegt auf der Hand: Weltweit werden Frauen nicht gleichwertig behandelt, haben weniger Zugang zu Bildung und Gesundheitsangeboten und weniger Optionen f\u00fcr ein eigenst\u00e4ndiges Leben und selbstbestimmte Sexualit\u00e4t, zus\u00e4tzlich sind viele physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt. Dies hat ganz klare Auswirkungen auf HIV-Neuinfektionen und die M\u00f6glichkeit umfassend medizinisch betreut zu werden und damit die Gesundheit der Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als kurzes Fazit muss man sagen &#8211; egal ob auf regionaler oder globaler Ebene: Wer sich ganz allgemein daf\u00fcr einsetzt, dass M\u00e4dchen und Frauen gleichberechtigt leben und eine sichtbare Rolle in der Gesellschaft einnehmen k\u00f6nnen, tr\u00e4gt automatisch ma\u00dfgeblich dazu bei, die Lebensqualit\u00e4t HIV-positiver Frauen zu verbessern und die HIV-Epidemie langfristig zu beenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und Frauen sind immer noch zu wenig sichtbar Vor 40 Jahren, im Sommer 1981, erschien der erste Bericht von ungew\u00f6hnlichen Erkrankungsf\u00e4llen, deren Ursache damals nicht erkl\u00e4rt werden konnte. Diese Ver\u00f6ffentlichung stellte quasi den sichtbaren Beginn der HIV\/AIDS-Epidemie dar. 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