{"id":1641,"date":"2021-12-03T01:13:51","date_gmt":"2021-12-03T00:13:51","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1641"},"modified":"2021-12-03T01:22:41","modified_gmt":"2021-12-03T00:22:41","slug":"non-binary-femme-fatale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1641","title":{"rendered":"Non-binary Femme fatale"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Gefahr f\u00fcr Andere, oder f\u00fcr sich selbst?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Als Femme fatale zu gelten, bedeutet im heteronormativen, und demnach auch bin\u00e4ren, Sinne Unheil f\u00fcr den Mann, der sich auf sie einl\u00e4sst. Doch warum braucht die \u201everh\u00e4ngnisvolle Frau\u201c, wie Femme Fatale \u00fcbersetzt hei\u00dft, ihre eigene Bezeichnung? Um das zu verstehen, m\u00fcssen wir uns die heterosexuelle und zweigeschlechtliche Dynamik kurz ins Ged\u00e4chtnis rufen: \u00dcblicherweise gilt die Frau ja als \u201eschwaches Geschlecht\u201c und der Mann als \u201estarkes Geschlecht\u201c. Das ist nichts Neues, zum Gl\u00fcck aber etwas, das immer mehr aufweicht. Hat nun aber eine Frau besonders viel Macht \u00fcber das Geschlecht der M\u00e4nner, in dem sie besonders verf\u00fchrerisch und selbstbestimmt ist, gilt sie als b\u00f6se.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Erz\u00e4hlung kennen wir bereits aus der christlichen Sch\u00f6pfungsgeschichte, wo durch Evas selbstbestimmte Tat die Menschheit ins Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidungsgewalt des weiblichen Geschlechts bedeutet historisch gesehen also immer Bedrohung der normalerweise bei den M\u00e4nnern liegenden Macht. Das geht so weit, dass nicht nur im \u00fcbertragenen Sinne die M\u00e4nnlichkeit scheinbar entrissen wird, sondern sich absurde Vorstellungen wie die der Vagina Dentata, welche mit ihren Z\u00e4hnen beim Sex den Penis abbei\u00dft, bis in die heutige Popkultur durchgesetzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das h\u00f6chste Ziel ist also, die bestehende Ungleichheit von M\u00e4nnlichkeit und Weiblichkeit aufrecht zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hei\u00dft das jedoch konkret f\u00fcr nicht-bin\u00e4re Personen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wir haben diese patriarchale Denkweise durch Erziehung ganz fest in uns eingebrannt bekommen. Selbst wenn einige von uns Geschlecht nicht in bin\u00e4rer Weise nachempfinden k\u00f6nnen, haben wir die Codes, Verhaltensweisen und Machtverh\u00e4ltnisse sozusagen explizit auswendig gelernt. Je nachdem, welches Geschlecht uns f\u00e4lschlicherweise bei der Geburt von au\u00dfen zugewiesen wurde, durften wir als Kinder mit bestimmten Dingen spielen, uns bestimmte Kleidung anziehen lassen, und bestimmte Verhaltensweisen zeigen oder Berufe w\u00fcnschen. Leider sind weder bin\u00e4re, noch nicht-bin\u00e4re Kinder immer an genau diesen aufgezw\u00e4ngten Geschlechterrollen interessiert, weshalb es zu Unverst\u00e4ndnis, seelischen und k\u00f6rperlichen Verletzungen, oder massivem Streit kommen kann. Ich erinnere mich selbst an die erm\u00fcdenden K\u00e4mpfe, die ich mit meiner Familie dar\u00fcber f\u00fchren musste, wie \u201efeminin\u201c ich mich pr\u00e4sentieren darf. Interessanterweise hat ein gegenseitiges Unverst\u00e4ndnis f\u00fcreinander zu schwerwiegenden Missverst\u00e4ndnissen gef\u00fchrt. Lange habe ich die \u00dcberzeugungsversuche ignoriert, oder sogar als b\u00f6swillig abgetan. Deshalb war ich sehr verletzt durch die Ablehnung der Menschen die ich liebe, nur weil ich mein Inneres nach au\u00dfen tragen wollte. Es hat sich angef\u00fchlt, als ob ich f\u00fcr meine pers\u00f6nliche Wahrheit bestraft w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/03\/Salome-leon-herbo.jpg\" alt=\"Femme fatale in der Kunst: L\u00e9on Herbo, Salom\u00e9 (1889)\" width=\"446\" height=\"629\"\/><figcaption>Femme fatale in der Kunst: L\u00e9on Herbo, Salom\u00e9 (1889)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Blanke Angst in den Augen der mich Liebenden<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst sehr viel sp\u00e4ter, als ich mehr angelerntes Wissen \u00fcber eine mir absurd erscheinende zweigeschlechtliche Gesellschaft gesammelt hatte, erkannte ich die blanke Angst in den Augen meiner mich Liebenden. Angst davor, von au\u00dfen Ablehnung zu erfahren, weil ich nicht den g\u00e4ngigen Vorstellungen entspreche, Angst \u00fcber den Machtverlust, den ich erfahren k\u00f6nnte, wenn ich mich mehr dem ann\u00e4here, was als feminin gilt. Dabei war das nicht einmal meine Intention&#8230; Ich hatte Schwierigkeiten damit, zu verstehen warum ein Kleidungsst\u00fcck, oder eine Art zu gehen, sich darauf auswirken sollte, wie viel Respekt mir Fremde entgegenbringen. Mit ein wenig mehr Lebenserfahrung muss ich hingegen sagen, sie hatten recht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich nicht recht damit, mir einzureden, ich m\u00fcsse mich an ihre Vorstellung von Geschlechtsausdruck anpassen, sondern recht mit der auff\u00e4lligen \u00c4nderung des Verhaltens von Leuten mir gegen\u00fcber, je nachdem, wie sie mich an diesem Tag wahrnehmen. Es ist erschreckend wie viel weniger Respekt mir entgegen gebracht wird, wenn ich mich unabsichtlich in einer Weise zeige, die von au\u00dfen als feminin interpretiert wird. F\u00fcr mich macht es morgens vor dem Spiegel eigentlich keinen Unterschied, welche Kleidungsst\u00fccke ich anziehe, weil ich weder in mir selbst eine Zweigeschlechtlichkeit sp\u00fcre, noch sie bei Kleidung unbedingt sehe. Nat\u00fcrlich musste ich mir \u00fcber die Jahre m\u00fchsam aneignen, was von au\u00dfen als feminin oder maskulin gewertet wird. Das hilft mir nun jeden Morgen zu entscheiden, ob ich es heute ertrage, angestarrt, m\u00f6glicherweise sexuell bel\u00e4stigt, als inkompetent bezeichnet zu werden, oder auf der anderen Seite in der Masse unterzugehen, als kompetent und in einer m\u00f6glichen Flirtsituation als der aktive Teil gesehen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">zweigeschlechtliche Machtstrukturen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich werde in etwas hinein gedr\u00e4ngt, was meiner inneren Realit\u00e4t nicht entspricht: zweigeschlechtliche Machtstrukturen. Warum muss ich mir als nicht-bin\u00e4re Person Gedanken dar\u00fcber machen, ob ich in einem Geschlecht wahrgenommen werde, das strukturell bevorzugt oder benachteiligt wird und ob es verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sicherer f\u00fcr mich ist, in einem Umfeld das anzuziehen und die Interessen zu haben, die ich wirklich habe, oder ein Theater zu spielen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie f\u00fcr viele nicht-bin\u00e4re, sowie bin\u00e4re trans* Personen, bedeutet ein inklusiver queerfeministischer Kampf die einzige M\u00f6glichkeit, in Zukunft weniger Kraft f\u00fcr grundlegende Sicherheits\u00fcberlegungen aufwenden zu m\u00fcssen. Es darf nicht sein, dass ich mir jeden Morgen \u00fcberlegen muss, ob ich von meinem Privileg, als cis wahrgenommen werden zu k\u00f6nnen (cis-passing), heute Gebrauch machen will oder muss, weil ich mich ansonsten selbst gef\u00e4hrde. Denn diese Gef\u00e4hrdung ist ein direktes Symptom der Angst von M\u00e4nnern, ihre eigene VorHERRschaft abgeben zu m\u00fcssen. Der Kern des Feminismus ist jedoch nicht die Umverteilung von Gewalt, sondern eine w\u00fcrdevolle Zukunft f\u00fcr uns alle, das schlie\u00dft uns nicht-bin\u00e4re Menschen explizit ein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gefahr f\u00fcr Andere, oder f\u00fcr sich selbst? Als Femme fatale zu gelten, bedeutet im heteronormativen, und demnach auch bin\u00e4ren, Sinne Unheil f\u00fcr den Mann, der sich auf sie einl\u00e4sst. Doch warum braucht die \u201everh\u00e4ngnisvolle Frau\u201c, wie Femme Fatale \u00fcbersetzt hei\u00dft, ihre eigene Bezeichnung? 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