{"id":1562,"date":"2021-09-03T00:27:40","date_gmt":"2021-09-03T00:27:40","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1562"},"modified":"2021-09-02T19:29:33","modified_gmt":"2021-09-02T19:29:33","slug":"1562","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1562","title":{"rendered":"@#*"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Vor kurzem stand auf LinkedIn ein Beitrag mit: \u201eDie mediale Aufmerksamkeit eines Problems verh\u00e4lt sich oftmals umgekehrt proportional zu seiner tats\u00e4chlichen Dringlichkeit. [\u2026] Dadurch neigen wir dazu, unsere Zeit mit Scheindebatten und Pseudoproblemen zu verschwenden.\u201c Zwei Kommentare brachten als Beispiel das Gendern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Standard eine Kolumne von Christoph Winder: Die deutsche Kanzlerkandidatin der Gr\u00fcnen Annalena Baerbock stelle ein Junktim mit einer \u201ef\u00fcr drei Viertel der Deutschen kontraintuitiven Vorstellung in den Raum, wonach Gendern f\u00fcr die Herstellung sozialer Gerechtigkeit absolut unabdingbar sei\u201c. Baerbock solle sich ein Beispiel an Sigrid Maurer nehmen, denn unter anderem habe diese \u201edie Gewohnheit abgelegt, Leute in den Social Media zu ma\u00dfregeln, wenn jene ihren Ideen von korrektem Gendern zuwiderhandeln.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt nochmal LinkedIn: Dort erhielt ich einen Kommentar, man k\u00f6nne ja sofort erkennen, was f\u00fcr einer ich w\u00e4re \u2013 ich benutze ja das *. <\/p>\n\n\n\n<p>Das war nicht als Kompliment gemeint. Aber eigentlich war es ja auch richtig \u2013 es stimmt, Personen, die * unterscheiden sich von jenen, die nicht *. Es begann mit dem Binnen-I. Die Sichtbarmachung der Frauen mit dem Binnen-I war eine wichtige Errungenschaft, endlich wurden Frauen nicht einfach nur \u201emitgemeint\u201c. Das allgemein g\u00fcltige, sogenannt \u201egenerische\u201c Maskulinum, das halt einfach so ist, denn so ist halt einfach die deutsche Sprache \u2013 das war nicht mehr genug. Inzwischen ist das Binnen-I nicht mehr gut genug. Wir brauchen mehr, denn es gibt so vieles in unserer Welt \u2013 m\u00e4nnlich, weiblich, transgender, nicht-bin\u00e4r und intergeschlechtlich (und wahrscheinlich habe ich da noch einiges vergessen).<\/p>\n\n\n\n<p>Also ist die L\u00f6sung doch ganz leicht: Wir setzen ein *, den Asterisk, und es ist gut. Aber auch da regt sich Widerstand, zum Teil sogar von jenen, die das Binnen-I unterst\u00fctzen. Bei den Argumenten steige ich aus, die sind mir zu hoch. Wie kann Gendern unwichtig sein, wenn es doch eindeutig so vielen Menschen sehr wichtig ist \u2013 sonst w\u00fcrden sie ja nicht auf dessen Umsetzung dr\u00e4ngen? Wie kann das Erweitern eines Wortes um ein * die Sichtbarkeit der cisgender, bin\u00e4ren Bev\u00f6lkerungsgruppen, also der \u201eM\u00e4nner\u201c und der \u201eFrauen\u201c, reduzieren? Wie kann etwas, das nur im geschriebenen Deutsch erkannt werden kann, einmal gut sein (Binnen-I) und einmal schlecht (*)? Beide k\u00f6nnen auch nur schwer lautmalerisch dargestellt, ausgesprochen werden. Da ist das * sogar leichter, da mache ich eine kleine Pause (den Glottisschlag), das merken die meisten Zuh\u00f6rer(Pause)innen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich fehlt mir das sprachliche Feingef\u00fchl. Es ist ja nicht leicht. Mensch muss sich umgew\u00f6hnen, neue Worte lernen, sich alte abgew\u00f6hnen und auch noch die Grammatik \u00e4ndern. Und das ist halt\u2026 ganz normal. Passiert st\u00e4ndig. Ich erlernte ja noch die alte Rechtschreibung, vor der Reform, und bin seitdem verwirrt. Und dann musste ich auch noch Internet lernen \u2013 ge-e-mailt, downgeloaded, gegoogelt \u2013 alles neu, alles selbstverst\u00e4ndlich. Und es sind ja nicht nur neue Worte, sondern auch neue Arten zu schreiben, #nummernzeichen @digital_natives.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprachpurist*innen gab es immer schon, und sie standen immer schon auf verlorenem Posten. Man denke an das ernstgemeinte \u201eMeuchelpuffer\u201c gegen die verp\u00f6nte franz\u00f6sische Pistole oder den satirisch gemeinten \u201eGesichtserker\u201c anstelle der Nase. Einfacher erkennt man es daran, dass schon das Deutsch von vor gerade hundert Jahren seltsam klingt, und jenes von vor mehreren hundert Jahren fast schon wie eine Fremdsprache wirkt. Doch die Proteste sind Teil des Prozesses: These, Antithese, Synthese, so ungef\u00e4hr. Vor allem streuen sie Salz in die offenen Wunden: Das sind f\u00fcr uns die ganzen noch fehlenden Worte, denn ein * kann nicht alles leisten. L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge gibt es fast schon zu viele; noch ist keiner allgemein akzeptiert, diese Lambda-Ausgabe kann nur eine kleine Zwischenbetrachtung sein. Der Prozess l\u00e4uft noch und wird sich noch ein, zwei Generationen hinziehen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass er am Schluss in einem neuen, angepassten Deutsch enden wird. Ich wei\u00df allerdings nicht, wie dieses aussehen wird. Ich werde mich sicherlich daran gew\u00f6hnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem stand auf LinkedIn ein Beitrag mit: \u201eDie mediale Aufmerksamkeit eines Problems verh\u00e4lt sich oftmals umgekehrt proportional zu seiner tats\u00e4chlichen Dringlichkeit. [\u2026] Dadurch neigen wir dazu, unsere Zeit mit Scheindebatten und Pseudoproblemen zu verschwenden.\u201c Zwei Kommentare brachten als Beispiel das Gendern. 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