{"id":1552,"date":"2021-09-03T00:24:40","date_gmt":"2021-09-03T00:24:40","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1552"},"modified":"2021-09-02T19:31:21","modified_gmt":"2021-09-02T19:31:21","slug":"transgender-das-dritte-geschlecht-in-der-wiener-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1552","title":{"rendered":"Transgender \u2013 das dritte Geschlecht in der Wiener Politik"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Journalistisches Portr\u00e4t \u00fcber Dominique Mras<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> \u201e&#8230;Transmann verpr\u00fcgelt: Ich lag zwei Tage lang im Spital\u2026\u201c so ist eine Schlagzeile Anfang August 2021 in einer \u00f6sterreichischen Boulevardzeitung zu lesen. Es passierte in der europ\u00e4ischen Regenbogenhauptstadt Wien als eine Gruppe von Jugendlichen den 18-j\u00e4hrigen transidenten Mann k\u00f6rperlich brutal attackierte und wegen seines Aussehens mobbte. \u201eBereits in den fr\u00fchen 1980er Jahren begann die Bewegung der Homosexuellen in Wien f\u00fcr die gleichen Rechte zu k\u00e4mpfen. Aber erst rund vierzig Jahre sp\u00e4ter seien transidente Personen im Alltag erkannt\u201c, sagt die 32-j\u00e4hrige transidente Bezirkspolitikerin Dominique Mras. Deshalb gebe es in der Politik noch viel zu tun, f\u00fcr ein diskriminierungsfreies Leben, weil f\u00fcr Mras werden transidente Menschen noch st\u00e4rker diskriminiert als Schwule, Lesben und bisexuelle Personen, sagt sie. <\/p>\n\n\n\n<p>Dominique Mras sieht sich selbst als bin\u00e4re transidente Frau, m\u00f6chte mit den Pronomen \u201esie\u201c und \u201eihr\u201c angesprochen werden. Doch das dritte Geschlecht als alternativen Geschlechtseintrag einzuf\u00fchren ist ein wesentlicher Schritt im Kampf um selbstbestimmt in dem Geschlecht zu leben, das Menschen in ihrem Alltag real verk\u00f6rpern und empfinden. Nicht alle transgender Personen k\u00f6nnen oder wollen sich im bin\u00e4ren Spektrum verorten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dominique Mras wurde bei der Geburt das m\u00e4nnliche Geschlecht zugewiesen, aber sie f\u00fchlte sich in der eigenen Haut nicht wohl. Umgeben von Depressionen in den jungen Jahren merkte sie mit der Zeit, dass sie eine Frau ist. Sie entschloss sich ihr k\u00f6rperliches Geschlecht dem selbst gelebten weiblichen Geschlecht anzugleichen und als transidente Frau weiterzuleben. Seit sie sich im Jahr 2018 geoutet und \u00f6ffentlich dazu bekannt hat, geht es ihr physisch und psychisch viel besser.<\/p>\n\n\n\n<p>LGBTIQ*-Politik hei\u00dft f\u00fcr Mras Gleichstellungspolitik und Antidiskriminierungsarbeit, wovon in der Gesellschaft alle profitieren: mit den gleichen Rechten und Pflichten geboren zu sein! Ihr politisches Engagement sei feministisch und sozialdemokratisch, was den gemeinsamen Kampf gegen kapitalistische patriarchale Strukturen bedeutet. Die Gesellschaft m\u00fcsse sich in diese Richtung weiterentwickeln, damit alle Geschlechter gleichberechtigt demokratisch mitbestimmen k\u00f6nnen, sagt sie. Transidente Frauen suchen genau das gleiche wie cis Frauen in Frauenr\u00e4umen, n\u00e4mlich Schutz vor m\u00e4nnlicher Gewalt. Ihnen den Zugang zu diesen Schutzr\u00e4umen zu verwehren und \u00c4ngste zu sch\u00fcren, transidente Frauen w\u00e4ren sogenannte verkleidete M\u00e4nner, schiebe sie nur st\u00e4rker ins Abseits einer vulnerablen Personengruppe, sagt Mras. Sie sehe es daher als Fehler, transidente Frauen von feministischen Organisationen bewusst auszuschlie\u00dfen. Es sei die Aufgabe der Politik f\u00fcr ein respektvolles Miteinander zu sorgen und \u00c4ngste abzubauen, sagt die 32-j\u00e4hrige Bezirkspolitikerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit mehr als zehn Jahren ist Mras in der Kulturszene, in einem Theater am Alsergrund, aktiv. Derzeit arbeitet sie hauptberuflich als parlamentarische Mitarbeiterin f\u00fcr den Nationalratsabgeordneten Mario Lindner im SP\u00d6-Parlamentsklub. Im Jahr 2019 hat sie zum ersten Mal als LGBTIQ*-Politikerin der SoHo bei der \u00f6sterreichischen Nationalratswahl kandidiert. Seit der letzten Bezirksvertretungswahl im Oktober 2020 in Wien ist sie Mandatarin im Bezirksparlament in Wien-Alsergrund, wo sie im Umweltausschuss und in der Kulturkommission mitentscheidet. Ihr Antrag f\u00fcr den ersten Trans-Pride-Schutzweg im neunten Bezirk wurde einstimmig beschlossen und in der N\u00e4he des Allgemeinen Krankenhauses, AKH-Wien, wo es auch die einzige Transgender-Ambulanz in Wien gibt, umgesetzt. Jedoch ist dieser Schutzweg vor allem als politisches Zeichen wahrzunehmen, um Vielfalt und Akzeptanz der Geschlechtergerechtigkeit \u00f6ffentlich sichtbarer zu machen. Schlie\u00dflich gibt es noch viele Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr LGBTIQ*-Menschen im Bereich der Gesundheit. Daher ist dieses Zeichen der \u00f6ffentlichen Sichtbarmachung nur ein erster Schritt. Gemeinsam mit dem Nationalratsabgeordneten Lindner entwickelt Mras ein Konzept mit gesundheitlichem Aspekt zu LGBTIQ*. Dabei arbeitet sie auch mit Aktivist*innen aus der LGBTIQ*-Szene und mit vier Parlamentsabgeordneten der anderen Fraktionen die Gr\u00fcnen und Neos kommunikativ gut zusammen. Doch progressive Mehrheiten im \u00f6sterreichischen Parlament zu finden, um zum Beispiel beim Personenstand die Geschlechtseintr\u00e4ge rechtlich abzusichern, ist eine Herausforderung und scheitert derzeit an der konservativen \u00d6VP-Mehrheit im Parlament.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von Mras politischer T\u00e4tigkeit als trans\u00adidente Bezirkspolitikerin sieht sie sich pers\u00f6nlich mehr als pansexuell, was f\u00fcr sie bedeutet, der Mensch und nicht das Geschlecht stehe im Vordergrund, sagt sie. Mras studierte Politikwissenschaften an der Universit\u00e4t. In ihrer Studienzeit und w\u00e4hrend ihres ehrenamtlichen Engagements in der SP\u00d6 habe sie ihr Coming-out, durch Psychotherapie unterst\u00fctzt, vorbereitet. Seit dem Jahr 2018 geoutet lebt Mras als Frau und ist seit der \u00c4nderung des Personenstands im Jahr 2019 rechtlich als Frau anerkannt. Die medizinischen Behandlungen, die f\u00fcr viele transidente Menschen notwendig sind, wie Hormontherapien, hat sie bereits abgeschlossen. Dennoch wird Mras als transidente Frau in ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld noch oft abgelehnt, aber in ihrem famili\u00e4ren Umfeld, wird sie \u2013 nach Anfangsschwierigkeiten mit ihrem Vater \u2013 unterst\u00fctzt, sagt sie. Schlie\u00dflich f\u00fchle sie sich nach ihrem Coming-out endlich besser. Sie kann nun ihre eigene Geschlechtsidentit\u00e4t offen zeigen und sie selbst sein, ohne sich zu verstecken. Sie lebt derzeit als Frau mit einem cis Mann in einer Beziehung. Abseits ihres beruflichen und politischen Wirkens schaut sie in ihrer Freizeit Science-Fiction-Filme an oder passt auf ihren sechs-j\u00e4hrigen Neffen, den Sohn ihres Bruders, regelm\u00e4\u00dfig auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit mehr als zehn Jahren lebt sie am Alsergrund, im neunten Wiener Gemeindebezirk. Dort ist sie auch als Sucht- und Drogenbeauftragte in der Bezirksvertretung aktiv. Ihr ist es wichtig, sowohl Menschen mit Migrationshintergrund, die aus ihrer Heimat fl\u00fcchten mussten, wie auch Sucht- und Drogenkranke mehr zu integrieren, statt an den Rand der Gesellschaft zu dr\u00e4ngen. Einer ihrer Beweggr\u00fcnde sich politisch zu engagieren waren die Widerst\u00e4nde gegen eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft sowie gegen die Suchtberatungsstelle in ihrem Bezirk, die sie fassungslos machten. Die j\u00e4hrliche Kultur Card Alsergrund, die regelm\u00e4\u00dfig den Bewohner*innen leistbares Kulturvergn\u00fcgen anbietet, und der erstmals ins Leben gerufene Alsergrunder Kultursommer mit \u00fcber 40 Veranstaltungen gro\u00dfteils bei freiem Eintritt z\u00e4hlen auch zu Mras bezirkspolitischen Aktivit\u00e4ten. Ihr ist dabei wichtig, Kulturprojekte aus dem \u00f6ffentlichen Bezirkskulturbudget transparent zu f\u00f6rdern sowie Geschlechtergerechtigkeit und niederschwelligen Zugang in den Kulturleitlinien des Bezirks zu ber\u00fccksichtigen. Besonders kleinere und nicht parteipolitische Kulturvereine unterst\u00fctzt sie. Als Bezirkspolitiker*in tauscht sie sich gerne mit den Menschen vor Ort aus und bietet jeden Dienstag Sprechstunden f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung im neunten Bezirk an. Auch ihre Vorbilder sind in den politischen Reihen zu finden: Die erste \u00f6sterreichische Frauenministerin Johanna Dohnal, der fr\u00fchere US-Pr\u00e4sident J.F. Kennedy sowie der Parteipolitiker und ehemaliger Wiener B\u00fcrgermeister Michael H\u00e4upl. Jedoch eine eigene parteipolitische Karriere als Politikerin in das \u00f6sterreichische Parlament habe sie derzeit noch nicht geplant, sagt die transidente Bezirkspolitikerin Dominique Mras.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalistisches Portr\u00e4t \u00fcber Dominique Mras \u201e&#8230;Transmann verpr\u00fcgelt: Ich lag zwei Tage lang im Spital\u2026\u201c so ist eine Schlagzeile Anfang August 2021 in einer \u00f6sterreichischen Boulevardzeitung zu lesen. 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