{"id":1547,"date":"2021-09-03T00:23:23","date_gmt":"2021-09-03T00:23:23","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1547"},"modified":"2021-09-02T19:31:25","modified_gmt":"2021-09-02T19:31:25","slug":"worldpride-2021-kopenhagen-und-malmoe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1547","title":{"rendered":"WorldPride 2021 Kopenhagen und Malm\u00f6"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Homophobie muss unpopul\u00e4r werden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Regnerische Tage mit heftigem Wind zu Beginn taten der Freude \u00fcber die Begegnungen keinen Abbruch: Die ganze Stadt Kopenhagen erstrahlte in Regenbogenfahnen und -farben an allen Ecken und Enden, am Rathausplatz gab es im WorldPride Village eine gro\u00dfe B\u00fchne und viele verschiedene kulinarische Spezialit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Copenhagen 2021 mit den EuroGames, der gr\u00f6\u00dften je stattgefundenen LGBTI-Menschenrechtskonferenz und der WorldPride Parade am Schluss war DAS Ereignis der queeren Community heuer. Erfreulich war, dass Aktivist*innen aus Afrika, Lateinamerika und Asien, viele von ihnen durch etwa 250 Stipendien unterst\u00fctzt und teils wegen wechselnder Covid-Landesbewertungen sehr kurzfristig, nach D\u00e4nemark kommen konnten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein unglaublich vielf\u00e4ltiges Programm<\/h3>\n\n\n\n<p>Es begann am Donnerstag, 12. August, mit zahlreichen Veranstaltungen im WorldPride House und im WorldPride Park im schwedischen Malm\u00f6 \u2013 denn Copenhagen 2021 hatte sich ein grenz\u00fcbergreifendes Festival vorgenommen, und als Symbol daf\u00fcr erstrahlte die Br\u00fccke \u00fcber den \u00d6resund\u00ad des n\u00e4chtens in den Regenbogenfarben. In Malm\u00f6 fand nicht nur der Eiskunstlauf-Wettbewerb statt. Der H\u00f6hepunkt war zweifellos der gro\u00dfe Gipfel zu Fl\u00fcchtlingen, Grenzen und Immigration im Rahmen eines der zehn Themen des Menschenrechtsforums, \u201eGrenzen, Dekolonisierung und Rassismus\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Freitag wurde das Fluid Festival in Kopenhagen er\u00f6ffnet: ein Raum, um Frauen, genderqueere und nicht-bin\u00e4re Identit\u00e4ten zu feiern. Der Name dieses Festivals zeigt eine den Zeichen der Zeit geschuldete Entwicklung: Urspr\u00fcnglich sollte es \u201eFrauen und Frauen\u201c hei\u00dfen, dann wurde \u201enicht-maskulin\u201c \u00fcberlegt, und letztlich wurde \u201eFluid Festival\u201c draus \u2013 ein gro\u00dfartiges, durchaus politisches, Festival mit zahlreichen Lesungen und Konzerten, mit internationalen Teilnehmer*innen, vielen Lesben, indigenen, Trans- und anderen Frauen. Es war schlie\u00dflich ein von alten und jungen Feminist*innen und vielen anderen gerne besuchter Ort.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"640\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.48.00.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1549\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.48.00.jpeg 960w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.48.00-300x200.jpeg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.48.00-150x100.jpeg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.48.00-768x512.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">#YouAreIncluded<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieses Motto galt f\u00fcr alle Ereignisse, von der LGBTIQ+-Menschenrechtskonferenz, \u00fcber die Sports Leader Conference, bis hin zur gro\u00dfen Parlamentarier*innen-Versammlung und schlie\u00dflich der WorldPride Parade: \u00fcberall h\u00e4ngte, leuchtete, war dieses Motto zu lesen, und es machte klar, was viele immer wieder wiederholten: Angesichts des drohenden Backlashes, der R\u00fcckschritte, die wir in vielen L\u00e4ndern erleben \u2013 egal ob arm oder reich, im Norden oder S\u00fcden der Welt, in demokratischen wie autorit\u00e4ren L\u00e4ndern \u2013 bis hin zum schlimmsten au\u00dfen- und geopolitischen Ereignis dieses Sommers, der Macht\u00fcbernahme der Taliban in Afghanistan \u2013 angesichts all dieser Ereignisse sind wir in der LGBTQI-Community gefordert, unsere Vielfalt anzuerkennen und nicht die einzelnen Identit\u00e4ten gegeneinander auszuspielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Sports Leader Konferenz, die ich als Moderatorin er\u00f6ffnen durfte, sprach u.a. der britisch-jamaikanischen Schwimmer Michael Gunning, der 2018 sein Coming-out hatte, bei zwei Weltmeisterschaften mitschwamm und sechs jamaikanische Rekorde h\u00e4lt. Auf die Frage, wie er seine Aussage meinte, dass er nach seinem Coming-out ein besserer Athlet war, antwortete er: \u201eIch musste nicht mehr jemand sein, der ich nicht war, und konnte mich einfach aufs Schnell-Schwimmen konzentrieren! Und die Leute um mich herum hatten keine Angst mehr davor, mir Fragen zu stellen.\u201c Sichtbarkeit \u2013 und das Engagement gegen sexistische Kleidungsvorschriften f\u00fcr Frauen sowie die \u201eintelligente Einbeziehung\u201c von Transpersonen waren drei der wichtigsten Themen bei dieser Konferenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Er\u00f6ffnung der Menschenrechtskonferenz brachte eine Premiere f\u00fcr WorldPride: Erstmals war ein Mitglied einer k\u00f6niglichen Familie Schirmherrin, und hielt noch dazu an beiden Konferenzorten, UN City und Veranstaltungshalle Okneshallen, zwei beeindruckende Reden: Der aus Australien stammenden Kronprinzessin Mary von D\u00e4nemark war bei ihren Vortr\u00e4gen anzumerken, dass ihr diese Auftritte wichtig waren, dass sie voll und ganz hinter den Forderungen nach gleichen Rechten steht. Sie brachte ihre Unterst\u00fctzung mit dem s\u00fcdafrikanischen Sprichwort zum Ausdruck: \u201eWeder Liebe noch Regen suchen sich das Gras, auf das sie fallen, aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.51.45-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1550\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.51.45-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.51.45-225x300.jpeg 225w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.51.45-113x150.jpeg 113w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.51.45-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.51.45-1200x1600.jpeg 1200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/WhatsApp-Image-2021-08-22-at-19.51.45.jpeg 1512w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Und es gab noch viele weitere beeindruckenden Ereignissen in diesen zehn Tagen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLesbians Free Everyone\u201d ist eine gro\u00dfartige Doku \u00fcber die erste deklarierte Lesbe, die 1995 das Plenum einer UNO-Konferenz adressierte, der Weltfrauenkonferenz in Beijing. Die damalige Aktivistin und heutige Regisseurin Beverly Ditsie brachte im Covid-Jahr 2020 viele der damaligen Aktivistinnen online zu Gespr\u00e4chen zusammen. Es wurde ein bewegender Film \u00fcber die \u00c4ngste vor, den Hass gegen und das gegenseitige Empowerment lesbischer Frauen damals und heute. In der anschlie\u00dfenden Fragestunde rief sie uns alle auf, mehr zu tun, um \u201eHomophobie unpopul\u00e4r zu machen\u201c, also den Verbreiter*innen von Hass und Hetze den emotionalen Boden abzugraben. Mit den beiden Vorsitzenden der LGBTI-Intergroup im Europaparlament haben ich \u00fcbrigens schon vereinbart, dass wir \u2013 ev. schon 2022 \u2013 eine Europatour mit Beverly Ditsie und ihrem Film organisieren wollen!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die vier Stadien der R\u00fcckschritte<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Parlamentarier*innenkonferenz, die ich am Freitag, 20. August, moderierte, brachte mehr als 100 gew\u00e4hlte Abgeordnete aus allen Kontinenten physisch und virtuell im Folketing, dem d\u00e4nischen Parlament, zusammen &#8211; alle, egal welcher sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t, geeint in ihrem Engagement gegen Diskriminierung und Hass. Viele von ihnen sahen auch unsere hart erk\u00e4mpften demokratischen Strukturen in Gefahr. Der d\u00e4nische Gleichstellungsminister wiederholte die Aussage der EU-Kommissionspr\u00e4sidenten Ursula von der Leyen, die zum j\u00fcngsten homo-, lesbo- wie transphoben Gesetz der ungarischen Regierung festgestellt hatte: \u201eLGBTI ist keine Ideologie, sondern eine Identit\u00e4t\u201c. Religi\u00f6se Freiheiten d\u00fcrften nicht \u00fcber LGBTI-Rechten gehandelt und bewertet werden, dar\u00fcber waren sich ebenso alle einig. <\/p>\n\n\n\n<p>Besonders beeindruckend, aber auch bedr\u00fcckend, war die Video-Rede des ugandischen Abgeordneten Fox Odoi \u2013 er ist auch Vorsitzender des parlamentarischen Menschenrechtsausschusses. Er hielt vier Stadien der \u201esehr besorgniserregenden R\u00fcckschritte\u201c in seinem Land, aber nicht nur dort, fest: Zuerst kommt die Nicht-Anerkennung, dann die \u201eaktive Diskriminierung\u201c in der die LGBTI-Community \u00fcber Propaganda gezielt angegriffen und ihr Zugang etwa zu Gesundheit behindert wird. Das dritte Stadium ist die Kriminalisierung \u00fcber Gesetze, und das vierte dann die aktive Bel\u00e4stigung und Verfolgung. Doch es sei \u201enicht alles verloren\u201c, und es lohne sich zu k\u00e4mpfen. In dieselbe Richtung argumentierte Robert Biedron, der bekannte polnische Europaabgeordnete, fr\u00fcher Aktivist und auch offen schwuler und direkt gew\u00e4hlter B\u00fcrgermeister einer 100.000 Einwohner-Stadt: \u201eEin anderes Polen ist m\u00f6glich\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann war da auch noch Victor Madrigal-Borloz, der erste Unabh\u00e4ngige Experte der Vereinten Nationen zum Schutz vor Gewalt und Diskriminierung auf Basis von Sexueller Orientierung und Geschlechtsidentit\u00e4t. Sein \u201eJob\u201c wurde 2017 geschaffen, nachdem an die 1.300 Organisationen der Zivilgesellschaft weltweit dessen Einrichtung verlangten! Seine Berichte \u2013 wie der j\u00fcngste zu Gender Theory \u2013 sind nachzulesen auf https:\/\/www.ohchr.org\/EN\/Issues\/SexualOrientationGender\/Pages\/VictorMadrigalBorloz.aspx<\/p>\n\n\n\n<p>Abgeordnete aus Fidschi, Taiwan, Argentinien, der Dominikanischen Republik, Brasilien, Neuseeland, Nordmazedonien und vielen anderen L\u00e4ndern gaben ein beeindruckendes Bild dar\u00fcber, was auch in schwierigen Zeiten, mit viel Herzblut und strategischem Denken, zu erreichen war, gegen massive Widerst\u00e4nde. \u201eSichtbarkeit, Gesetze und Verb\u00fcndete\u201c waren wohl die meist gebrauchten Vokabel der Konferenz \u2013 und es wird an einer Fortsetzung im Rahmen von WorldPride 2023 in Sydney gearbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Homophobie muss unpopul\u00e4r werden Regnerische Tage mit heftigem Wind zu Beginn taten der Freude \u00fcber die Begegnungen keinen Abbruch: Die ganze Stadt Kopenhagen erstrahlte in Regenbogenfahnen und -farben an allen Ecken und Enden, am Rathausplatz gab es im WorldPride Village eine gro\u00dfe B\u00fchne und viele verschiedene kulinarische Spezialit\u00e4ten. 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