{"id":1528,"date":"2021-09-03T00:20:27","date_gmt":"2021-09-03T00:20:27","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1528"},"modified":"2021-09-02T19:31:50","modified_gmt":"2021-09-02T19:31:50","slug":"lesben-sind-immer-und-ueberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1528","title":{"rendered":"Lesben sind immer und \u00fcberall"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Heutzutage ist kaum vorstellbar, dass Lesben* nicht von Anfang an in der Homosexuellen Initiative Wien organisiert waren, so selbstverst\u00e4ndlich agiert die HOSI-Lesben*gruppe, wenn es um einen eigenen Lesben*truck bei der Regenbogenparade geht, oder um ein eigenes Zelt, das Frauen*Lesben*Feminist*innenZelt, im Pride Village am Rathausplatz, und so selbstverst\u00e4ndlich ist es heute auch, dass eine Lesbe, Ann-Sophie Otte, den Verein HOSI Wien als Obfrau vertritt.  <\/p>\n\n\n\n<p>Begonnen hat die Geschichte der HOSI mit einer Kleinanzeige, die Wolfgang F\u00f6rster im Falter aufgab, in der er M\u00e4nner f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer M\u00e4nnergruppe suchte. 1979 konnte trotz des \u00a7&nbsp;221 StGB, dem Verbot f\u00fcr \u201eVerbindungen zur Beg\u00fcnstigung gleichgeschlechtlicher Unzucht\u201d (Vereinsverbot), die HOSI gegr\u00fcndet werden. Es erschienen die \u201eWarmen Bl\u00e4tter \u2013 Mitteilungen der Homosexuellen Initiative Wien\u201c als Vorl\u00e4ufer der LAMBDA-Nachrichten (heute Lambda). Doris Hauberger und Helga Pankratz haben die Entwicklung der HOSI mitverfolgt und schickten eine Karte an die LAMBDA-Nachrichten, worauf sie eingeladen wurden. Es wurde der Vorschlag gemacht, sie sollten eine Lesben*gruppe gr\u00fcnden und daraufhin haben sie u. a. im Falter und in den LAMBDA-Nachrichten inseriert. \u201eLESBENGRUPPE lesben in wien \u2013 gibt\u2019s die? die gibt\u2019s! [&#8230;] sowohl von der frauenbewegung als auch von organisierten schwulen m\u00e4nnern d\u00fcrfen wir berechtigt solidarit\u00e4t und unterst\u00fctzung erwarten. nicht erwarten d\u00fcrfen wir, da\u00df eine dieser gruppen etwas statt uns erledigt, sonst fallen wir genau an der stelle des rasters durch, wo wir uns zu einer laut vernehmbaren selbsthilfe- und aktionsgruppe zusammenfinden m\u00fcssen. [&#8230;] Treffen der Lesbengruppe ab 4. November mittwochs ab 19 h im HOSI-Zentrum.\u201d, so der Text aus den LAMBDA-Nachrichten 3\/4 1981. Teils kamen skurrile Antworten, z. B. von einer Lesbe, die Aktfotos schickte, bis hin zum Mann, der lesbischen Urin trinken wollte. Es wurden auch Flugbl\u00e4tter verteilt und zum ersten Treffen kamen ungef\u00e4hr sechs Frauen ins HOSI-Zentrum, damals noch in der Novaragasse; bis heute treffen sich Lesben* am Mittwoch ab 19 Uhr im Gugg in der Heum\u00fchlgasse 14 im 4. Bezirk. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"735\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-1024x735.jpg\" alt=\"Volkstheaterstudio 17.12.1981\" class=\"wp-image-1534\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-1024x735.jpg 1024w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-300x215.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-150x108.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-768x551.jpg 768w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-1536x1102.jpg 1536w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-2048x1469.jpg 2048w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-1200x861.jpg 1200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1-Volkstheaterstudio-17.12.1981-1980x1421.jpg 1980w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Erster \u00f6ffentlicher Auftritt der HOSI-Lesben*gruppe: Volkstheaterstudio 17.12.1981 Diskussion mit Darstellerinnen, Regisseur und  Publikum zu \u201eDie bitteren Tra\u0308nen der Petra von Kant\u201c von  R. W. Fassbinder \u00a9 HOSI-Lesben*archiv<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Dezember 1981 spielte das Volkstheaterstudio \u201eDie bitteren Tr\u00e4nen der Petra von Kant\u201c von R. W. Fassbinder, anschlie\u00dfend fand eine Diskussion von Publikum, Schauspielerinnen, Regisseur und Lesben aus der HOSI statt. Im Februar 1982 besuchten \u00fcber 150 Frauen das Lesbengschnas im HOSI-Zentrum. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">R\u00fcckblick von Barbara Fr\u00f6hlich<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn ich so zur\u00fcckblicke, war und ist die HOSI Wien Lesbengruppe doch tats\u00e4chlich ein Teil von beinahe der H\u00e4lfte meines bisherigen Lebens, beginnend mit meinem ersten Besuch im HOSI Zentrum in der Novaragasse 1991, \u00fcber die Zeit meiner T\u00e4tigkeit als Referentin der Lesbengruppe von 1994 bis 2017, bis zur Gegenwart.<\/p>\n\n\n\n<p>Vieles an T\u00e4tigkeiten und Aktionen der Lesbengruppe kenne auch ich nur vom H\u00f6rensagen bzw. aus Erz\u00e4hlungen ehemaliger Aktivistinnen wie Helga Pankratz, Helga Sch\u00f6pfleuthner oder Waltraud Riegler.<\/p>\n\n\n\n<p>So etwa aus der politischen Arbeit, wie das gesamt\u00f6sterreichische Lesbentreffen. Auch die Koordination des szeneinternen Blattes \u201e\u00d6sterreichischer Lesbenrundbrief\u201c geh\u00f6rte seit 1983 bis zu dessen Einstellung im Herbst 1989 zu den st\u00e4ndigen T\u00e4tigkeiten der Lesbengruppe \u2013 die HOSI Wien Lesben fungierten als Herausgeberinnen der 2., 6., 9. und 12. (und letzten) Ausgabe. Weiters nahmen Mitglieder der Lesbengruppe auch an den ILIS (International Lesbian Information Service) Konferenzen 1983 in Paris und Amsterdam teil und informierten im ILIS Newsletter regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Situation der Lesben in \u00d6sterreich. 1988 kam es zu einem Highlight der lesbischen Sichtbarkeit, als Waltraud Riegler den Versuch unternahm Spruchtafeln mit \u201eLesben sind immer und \u00fcberall\u201c in den Wiener Stra\u00dfenbahnen anzumieten. Die GEWISTA verweigerte mit dem Hinweis auf das damals noch geltende Werbeverbot f\u00fcr gleichgeschlechtliche Unzucht und f\u00fcr Unzucht mit Tieren (\u00a7220 StGB).<\/p>\n\n\n\n<p>Dass jedoch nicht nur politischer Aktivismus im Fokus der Lesbengruppe stand, sondern auch Lobby-Arbeit, zeigen die zahlreichen Politiker\/Innen* Besuche in Anwesenheit einer oder mehrerer Lesben der HOSI Wien. Um nur einige Highlights aufzuz\u00e4hlen: 1990 Gespr\u00e4ch mit der damaligen Frauensekret\u00e4rin Johanna Dohnal, 1992 Besuch beim damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky, 1998 Gespr\u00e4ch mit Caspar Einem, damaliger Bundesminister f\u00fcr Wissenschaft und Verkehr, und 2007 Besuch bei der damaligen Ministerin f\u00fcr Unterricht, Kunst und Kultur Claudia Schmied. <\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1993 war auch ich bereits Teil der aktiven Gruppe \u2013 Aktivistin sozusagen. Mein Einstieg war die Mitarbeit an den Vorbereitungen und Teilnahme an der ILGA (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association) Osteuropa Konferenz 1993 in Wien, sowie 1996 der Beitrag \u00fcber lesbische M\u00fctter in \u00d6sterreich f\u00fcr das Buch \u201eLesbian Motherhood\u201c. Ich habe auch gemeinsam mit Frauen der Lesbengruppe ab 1998 auf Radio Orange im Rahmen der Frauenschiene eine eigene monatliche Radiosendung produziert \u2013 von 1998 bis 2008, also beinahe ein Jahrzehnt!<\/p>\n\n\n\n<p>Ins 21 Jahrhundert gehend hat die Lesbengruppe tatkr\u00e4ftig bei der Vorbereitung der 1. EL*C (European East Asian Lesbian Conference) Konferenz in Wien vom 6. bis 8. Oktober 2017 mitgewirkt. Die Verbindung zur EL*C ist bis heute geblieben \u2013 sie haben auch ihre Vereinsadresse bei uns in der Heum\u00fchlgasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Veranstaltungen im HOSI-Zentrum, Kulturelles wie Lesungen, Diskussionen, Film- und Theatervorf\u00fchrungen, Ausstellungen, Feste und Partys, sowie unsere Au\u00dfenaktivit\u00e4ten \u2013 Ausfl\u00fcge, Picknick, Theater- und Kinobesuche, Tanzabende, Sportveranstaltungen, wie Bowling und Frauenfu\u00dfball Turniere, sp\u00e4ter auch Tischfu\u00dfball Workshops und Turniere \u2013 verstehen sich als Teil der gesellschaftspolitischen Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich immer wieder betone und worauf ich auch w\u00e4hrend meiner Zeit als Referentin sehr stolz gewesen bin, war und ist die generationen\u00fcbergreifende Zusammensetzung der Besucherinnen* des Lesbenabends. Es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass junge Frauen mit \u00e4lteren eine gemeinsame Gespr\u00e4chsbasis finden und angeregt diskutierend einen Abend verbringen. <\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n f\u00fcr mich war auch immer, junge lesbische Besucherinnen sozusagen ein St\u00fcck ihres Weges zu begleiten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-1024x768.jpg\" alt=\"Frauen*Lesben*Feminist*innenZelt Europride 2019\" class=\"wp-image-1535\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-300x225.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-150x113.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-768x576.jpg 768w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/2-Pride-Village-Europride-2019-1980x1485.jpg 1980w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Barbara Fr\u00f6hlich, Mireille Ngosso, Faika El-Nagashi, Petra M. Springer, Ewa Ernst-Dziedzic und Silvia Casalino vor dem Frauen*Lesben*Feminist*innenZelt in der Pride Village am Rathausplatz, Europride 2019 \u00a9 HOSI-Lesben*archiv<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">40 Jahre HOSI-Lesben*gruppe<\/h3>\n\n\n\n<p>Zum Jubil\u00e4um sind ein Buch und eine Ausstellung im Gugg geplant, die am 23. Oktober er\u00f6ffnet wird (save the date!). Unter dem Motto SICHTBAR werden ausgew\u00e4hlte historische Fotografien aus dem HOSI-Lesben*archiv, fotografische Portr\u00e4ts mit einem Statement zur Sichtbarkeit von Lesben* von Petra Paul und eine Ausstellung zeitgen\u00f6ssischer Fotografinnen gezeigt, wobei es hier auch wiederum um lesbische Sichtbarkeit geht.&nbsp;Eine kleine Auswahl historischer Fotos wurde bereits zeitgen\u00f6ssischen Fotografinnen gegen\u00fcbergestellt, in der von mir kuratierten Ausstellung VISIBILITY im Frauen*Lesben*Feminist*innenZelt des Pride Village 2019. Das Buch SICHTBAR vereint historische Texte zur Lesben*geschichte und speziell der Geschichte der HOSI-Lesben*. Die im Gugg ausgestellten Fotos werden das Buch bildlich bereichern und es werden die ausstellenden K\u00fcnstler*innen vorgestellt. Des weiteren wird ein Film \u00fcber die Lesben*gruppe Einblicke in das jahrelange Engagement der Frauen* geben. Geplant sind auch eine Diskussionsrunde, Lesung, Fest, Filmabend und was uns sonst noch einf\u00e4llt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heutzutage ist kaum vorstellbar, dass Lesben* nicht von Anfang an in der Homosexuellen Initiative Wien organisiert waren, so selbstverst\u00e4ndlich agiert die HOSI-Lesben*gruppe, wenn es um einen eigenen Lesben*truck bei der Regenbogenparade geht, oder um ein eigenes Zelt, das Frauen*Lesben*Feminist*innenZelt, im Pride Village am Rathausplatz, und so selbstverst\u00e4ndlich ist es heute auch, dass eine Lesbe, Ann-Sophie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":1529,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[80,83],"class_list":["post-1528","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-community-politik","tag-lambda-184","tag-lesbengruppe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1528"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1528\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1536,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1528\/revisions\/1536"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1529"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}