{"id":1498,"date":"2021-09-03T00:14:53","date_gmt":"2021-09-03T00:14:53","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1498"},"modified":"2021-09-02T19:32:41","modified_gmt":"2021-09-02T19:32:41","slug":"neues-denken-neue-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1498","title":{"rendered":"Neues Denken, neue Sprache"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber die Sprachentwicklung in der HOSI Wien<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">F\u00fcr die HOSI Wien war Sprache immer wichtig. Klar, schlie\u00dflich sind wir gesellschaftspolitisch t\u00e4tig \u2013 wie sollte man da ohne klare Worte auskommen? Klarheit verlangten Ende der 80er zuerst einmal die Frauen der HOSI Wien: 1989 beschloss die Generalversammlung, die Vereinsstatuten mit Binnen-I zu schreiben, \u201esoda\u00df sich die HOSI durch die Satzungen als von M\u00e4nnern und Frauen getragener Verein pr\u00e4sentiert\u201c, wie es im Bericht der LAMBDA-Nachrichten 2\/1989 hei\u00dft. Zun\u00e4chst wurde das zwar tats\u00e4chlich nur in den Statuten so gehandhabt (in derselben Ausgabe der LN finden sich zahlreiche ungegenderte Artikel), doch es war richtungsweisend, und mit der Zeit setzte es sich nach und nach in allen Publikationen der HOSI durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was 1989 richtungsweisend ist, kann schon einige Jahre danach \u00fcberholt sein. Mit dem zunehmenden Bewusstsein f\u00fcr Menschen, die sich nicht bin\u00e4r als \u201eMann\u201c oder \u201eFrau\u201c sehen, begann, zun\u00e4chst au\u00dferhalb der HOSI Wien, die Diskussion \u00fcber weiterentwickelte Schreibweisen jenseits des Binnen-I. Die bekanntesten Varianten daf\u00fcr sind das Asterisk bzw. der Unterstrich, also z.B. Wiener*innen oder eben Wiener_innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Diskussion besch\u00e4ftigte den Vereinsvorstand 2014 und 2015 in mehreren, oft langwierigen und hitzig gef\u00fchrten Sitzungen, bei denen das F\u00fcr und Wider abgewogen wurde. (Etwa: Lenkt das nicht die Sichtbarkeit zu sehr weg von Frauen? Oder: Wie l\u00e4sst sich das \u00fcberhaupt grammatikalisch konsequent umsetzen?) Einige der unterschiedlichen Positionen dazu sind in den LAMBDA-Nachrichten von damals nachzulesen, eine Mehrheit f\u00fcr eine Abkehr vom Binnen-I gab es aber (noch) nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Positionen verh\u00e4rteten sich, als eine Arbeitsgruppe der HOSI, die queerconnexion, in ihrer Brosch\u00fcre mit Asterisk gendern wollte, jedoch manche im Vorstand argumentierten, dass die Generalversammlung 1989 die bin\u00e4re Schreibweise (also de facto das Binnen-I) verbindlich f\u00fcr die gesamte HOSI festgelegt h\u00e4tte (vgl. LN 1\/2016). In Folge beantragte die queerconnexion bei der Generalversammlung 2016, dass zumindest sie selbst so schreiben k\u00f6nne, wie sie wolle. Das fand damals nicht die n\u00f6tige Mehrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch damit war nichts endg\u00fcltig entschieden, denn immer mehr, v.a. j\u00fcngere Mitglieder, wollten eine inklusivere Sprache. Mit den Vorbereitungen f\u00fcr die Euro\u00adPride Vienna 2019, wurde die Frage erneut akut. Einerseits die \u00dcberlegung, dass die EuroPride auch die anderen Vereine unserer Community ansprechen sollte, bei denen sich der Asterisk inzwischen zunehmend durchgesetzt hatte, andererseits die (vermeintliche) Entscheidung der Generalversammlung, \u00fcber die sich auch der Vorstand nicht hinwegsetzen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das Problem zu l\u00f6sen, wurde die genaue Beschlussfassung von 1989 recherchiert, und dank unseres Archivs konnte gekl\u00e4rt werden, dass es so war, wie zu Beginn des Artikels ausgef\u00fchrt: Blo\u00df die Statuten wurden in ihrer Schreibweise ge\u00e4ndert, von anderen Texten war keine Rede. Die Anpassung anderer Texte daran war zwar sinnvoll, aber keineswegs zwingend. So hatten wir die Freiheit, endlich auch all jene Menschen in unseren Texten anzusprechen und zu meinen, f\u00fcr die eine rein bin\u00e4re Vorstellung von Geschlecht schlicht nicht zutrifft, was die Generalversammlung 2018 entsprechend begr\u00fc\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr darauf sollte das Thema dann auf absehbare Zeit gel\u00f6st werden: Die Mitglieder beschlossen auf der Generalversammlung 2019, dass die HOSI Wien in allen offiziellen Texten mit Asterisk gendert, jedoch einzelne Arbeitsgruppen f\u00fcr sich auch andere Schreibweisen verwenden d\u00fcrfen (wie man immer wieder hier in der Lambda lesen kann), solange gegendert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>30 Jahre nach dem ersten Bekenntnis des Vereins zu inklusiver Sprache war das besonders symbolisch. Denn Sprache ver\u00e4ndert sich kontinuierlich, nicht zuletzt deshalb, weil sich \u00e4ndert, was wir mit ihr sagen wollen. Solange wir dazulernen, solange ver\u00e4ndert sich unsere Sprache. Und daf\u00fcr kann es manchmal sinnvoller sein, mehrere Varianten zuzulassen, als auf der vermeintlich einzig wahren L\u00f6sung zu bestehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Sprachentwicklung in der HOSI Wien F\u00fcr die HOSI Wien war Sprache immer wichtig. Klar, schlie\u00dflich sind wir gesellschaftspolitisch t\u00e4tig \u2013 wie sollte man da ohne klare Worte auskommen? 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