{"id":1484,"date":"2021-09-03T00:10:57","date_gmt":"2021-09-03T00:10:57","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1484"},"modified":"2021-09-02T19:32:56","modified_gmt":"2021-09-02T19:32:56","slug":"was-sprache-bedeuten-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=1484","title":{"rendered":"Was Sprache bedeuten kann"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Existiert etwas, ohne benannt zu werden?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">\u201cFrau M\u00fcller, ach entschuldigen Sie bitte, ich meine nat\u00fcrlich Frau Ansbach!\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So einfach und schnell adaptieren Leute \u00fcblicherweise den (Nach-)Namen der Person, die durch Heirat ihren bisherigen Nachnamen abgelegt hat. Bei trans*Personen hingegen scheint die Art, wie ich jemanden anspreche, emotional besonders aufgeladen. Das ist zum einen klar, weil man sich oft n\u00e4her steht als im vorangegangenen Beispiel, das vielleicht eher in einem professionellen Kontext stattgefunden haben k\u00f6nnte, zum anderen ist speziell der Vorname nat\u00fcrlich individueller. Doch wie individuell k\u00f6nnen Namen wie Mohammed oder Maria sein, wenn sie uns doch st\u00e4ndig begegnen? Klar haben wir alle \u201eunsere\u201d Maria, die wir mit den Eigenschaften der nahestehenden Person f\u00fcllen, die wir ganz pers\u00f6nlich kennen und lieben, oder so gar nicht ausstehen k\u00f6nnen. Sei es die ungeliebte Klassenkameradin, oder die Lieblingscousine. Wir haben unsere Erwartungen, sobald wir Namen h\u00f6ren, ein besonders verrufenes Beispiel w\u00e4re Kevin. Genau so entstehen Vorurteile dar\u00fcber, wie jemand mit einem bestimmten Namen wohl sein muss. Das l\u00f6st Erwartungen aus die, wie wir bestimmt schon alle erlebt haben, genauso gut falsch sein k\u00f6nnen. All diese Punkte spielen bei werdenden Eltern, im Namensfindungsprozess f\u00fcr \u201eihr Neugeborenes\u201d, eine Rolle. Nun kann neben dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht auch der bei der Geburt zugewiesene Name eine psychische Belastung f\u00fcr bin\u00e4re und nicht-bin\u00e4re trans*Personen sein. Deshalb stehen sie oft vor einem \u00e4hnlichen Problem wie ihre Eltern: welche Erwartungen m\u00f6chte ich mit meinem Namen ausl\u00f6sen? Zu den bereits genannten Herausforderungen kommt au\u00dferdem die Angst dazu im gelebten Geschlecht von au\u00dfen nicht anerkannt zu werden. Welche rechtlichen Gegebenheiten muss ich beachten? Kann ich einen weiblich konnotierten Namen annehmen, wenn in meinem Pass \u201em\u00e4nnlich\u201d als Geschlecht eingetragen wurde? Sind nicht eindeutig m\u00e4nnlich oder weiblich konnotierte Namen \u00fcberhaupt m\u00f6glich? Gl\u00fccklicherweise sehen immer mehr L\u00e4nder von dem Zwang ab, bei der Geburt das Geschlecht und einen weiblich\/m\u00e4nnlich konnotierten Vornamen eintragen zu m\u00fcssen. Leider gelten diese Regelungen oft nur f\u00fcr intergeschlechtliche Babies, das muss sich \u00e4ndern!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In jedem Fall ist die Wahl eines neuen Namen, der mit der eigenen Lebensrealit\u00e4t so gut als m\u00f6glich zusammen passt, alles andere als leicht. Deshalb m\u00f6chte ich an dieser Stelle um ein wenig Nachsicht und Respekt bitten. Es mag peinlich sein, sich einen neuen Namen nicht merken zu k\u00f6nnen, aber bitte entschuldigt euch nicht zwei Minuten lang f\u00fcr das Nennen des alten, sogenannten \u201edead name\u201d (also toter Name), falls es mal passiert. Macht f\u00fcr uns, die einen neuen Namen gew\u00e4hlt haben, die ohnehin schon unangenehme Situation nicht noch unangenehmer. Wir sind uns der Schwierigkeit der Umgew\u00f6hnung sehr bewusst, deshalb warten wir ja aus Angst davor sehr lange bis wir ihn \u00e4ndern!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie spreche ich \u00fcber eine Person, deren Pronomen ich entweder nicht kenne, oder die keine oder geschlechtsneutrale Pronomen verwendet? Speziell geschlechtsneutrale Pronomen werden \u00fcberwiegend von nicht-bin\u00e4ren Personen verwendet. Eines gleich vorweg: auch wenn nicht-bin\u00e4re Personen bezaubernd sein k\u00f6nnen, mit und \u00fcber sie zu sprechen ohne sie zu verletzen, ist keine Zauberei. Wir sind dankbar f\u00fcr jeden ernstgemeinten und respektvollen Versuch uns sprachlich einzubinden. F\u00fcr dich mag es einen kleinen Aufwand bedeuten sich mal damit auseinander zu setzen, eine Person zu fragen wie sie angesprochen werden m\u00f6chte, oder sich zu bem\u00fchen ihre Wunschformen einzuhalten. F\u00fcr uns kann es jedoch die Welt bedeuten. Klar ist es als nicht betroffene Person schwer nachzuf\u00fchlen, wie viel Auswirkung es auf uns haben kann, wenn wir nicht nur mitgesprochen, mitgemeint oder mitgedacht werden. Eigentlich kennen wir diese Debatten schon seit Ewigkeiten aus dem Feminismus, und mittlerweile gibt es dahingehend ja auch deutliche Bem\u00fchungen, die weibliche Form mit einzuschreiben oder direkt einen neutralen Begriff zu finden. Der Widerstand d\u00fcrfte nach den gef\u00fchlt endlosen Debatten verschwindend gering sein, einfach die neutralen Formen beizubehalten und auszubauen. In der Realit\u00e4t scheint es jedoch f\u00fcr einige unvorstellbar zu sein, in welcher \u201eabsurden Weise\u201d jetzt auch noch nicht-bin\u00e4re Menschen mitgesprochen werden m\u00f6chten. Dabei gibt es zahlreiche Situationen, in denen jede*r ganz nat\u00fcrlich Vemeidungsstrategien anwendet. Wenn wir nicht (mehr) genau wissen, welchem Geschlecht das Kind der Freundin, die man einige Jahre nicht gesehen hat, angeh\u00f6rt, fallen uns schnell mal M\u00f6glichkeiten ein etwas geschlechtsneutral auszudr\u00fccken. In dem Moment sp\u00fcrt man selbst den Bedarf f\u00fcr geschlechtsneutrale Redeweisen. Bei manchen Menschen ist das Bed\u00fcrfnis nicht das eigene, trotzdem sollte es ernst genommen werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der sogenannte Glottisschlag kann bei sonst geschriebenen Bezeichnungen wie \u201eLehrer*innen\u201c das Sternchen akustisch abbilden. Anders als bei der rein weiblichen Bezeichnung Lehrerinnen, macht man also einen kleinen gedanklichen Abschluss nach dem letzten r, statt \u201e&#8230;rinnen\u201d dann also Lehrer-innen. Bezeichnungen wie \u201eLehrende\u201d sind fast immer eine M\u00f6glichkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um nur ganz kurz noch auf geschlechtsneutrale Pronomen einzugehen: im Englischen ist es noch einfacher, dort gibt es they\/them, das verwenden einige Leute mittlerweile sogar in deutschen S\u00e4tzen: \u201eThey (manchmal auch in der eingedeutschen Schreibweise dey, ausgesprochen wie d\u00e4i) m\u00f6chte mit geschlechtsneutralen Pronomen angesprochen werden.\u201d \u201eIch m\u00f6chte them (eingedeutscht dem, ausgesprochen wie d\u00e4mm) noch zum Geburtstag gratulieren.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das im deutschsprachigen Raum momentan wohl verbreiteste Neopronomen ist allerding xier. Beispiel: Statt \u201eSie m\u00f6chte ihr Kind von der Schule abholen.\u201d dann \u201eXier m\u00f6chte xieser Kind von der Schule anholen.\u201d Wer mehr dazu erfahren m\u00f6chte, kann sich auf https:\/\/www.annaheger.de\/pronomen32\/ genauer ansehen, wie dieses und weitere Pronomen verwendet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All das soll Hilfen f\u00fcr eine Abbildung von Personen geben, deren Pronomen eben weder sie\/ihr, noch er\/seine sind. Ungef\u00e4hr 1,7% der Bev\u00f6lkerung sind beispielsweise auch intergeschlechtlich. Nun bezieht sich das zwar auf das biologische Geschlecht, also nicht das soziale, trotzdem stelle man sich mal vor, alleine diese Zahl an Menschen w\u00fcrde geschlechtsneutrale Pronomen verwenden, das w\u00e4ren immerhin circa 3 Millionen Personen die Deutsch als Erst- oder Zweitsprache verwenden. Nicht alle intergeschlechtlichen Menschen haben geschlechtsneutrale Pronomen und nicht alle nicht-bin\u00e4ren verwenden sie, aber es w\u00e4re eben nicht nur f\u00fcr eine Menge an Leuten, die weder Frau, noch Mann, sind eine gro\u00dfe Entlastung und Bereicherung unserer Sprache.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Realit\u00e4t wird bereits gelebt, also benennen wir sie doch bitte endlich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Existiert etwas, ohne benannt zu werden? \u201cFrau M\u00fcller, ach entschuldigen Sie bitte, ich meine nat\u00fcrlich Frau Ansbach!\u201d&nbsp; So einfach und schnell adaptieren Leute \u00fcblicherweise den (Nach-)Namen der Person, die durch Heirat ihren bisherigen Nachnamen abgelegt hat. Bei trans*Personen hingegen scheint die Art, wie ich jemanden anspreche, emotional besonders aufgeladen. Das ist zum einen klar, weil [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":1485,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,20],"tags":[82,80],"class_list":["post-1484","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-binaere-nachrichten","category-schwerpunkt","tag-gendergerechte-sprache","tag-lambda-184"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1484"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1484\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1486,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1484\/revisions\/1486"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1485"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}