{"id":10242,"date":"2026-09-04T00:27:00","date_gmt":"2026-09-03T22:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10242"},"modified":"2026-09-02T21:09:03","modified_gmt":"2026-09-02T19:09:03","slug":"bi-misogynie-sichtbar-machen-und-bekaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10242","title":{"rendered":"Bi-Misogynie sichtbar machen und bek\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der bi+ Blickpunkt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">September ist Bi+-Sichtbarkeitsmonat. (Bi+ steht f\u00fcr das Spektrum nicht-monosexueller Identit\u00e4ten, worunter z. B. Bi- und Pansexualit\u00e4t oder Biromantik fallen.) In einer Gesellschaft, die vielfach auf Basis bin\u00e4rer Erwartungshaltungen operiert (etwa m\u00e4nnlich\/weiblich, homo\/hetero), sind bi+ Orientierungen st\u00e4ndig von Unsichtbarmachung (bi erasure) bedroht. Dabei ist die Lebensrealit\u00e4t von bi+ Personen nicht blo\u00df eine Mischung aus homo und hetero oder etwa eine Art \u201eQueer light\u201c, sondern umfasst ganz spezifische Erfahrungen. Bi+ Frauen* (und von der Au\u00dfenwelt weiblich gelesene Personen) im Speziellen sp\u00fcren die Auswirkungen der \u00dcberschneidung von Misogynie und Bi-Feindlichkeit. Im Sinne der Sichtbarmachung wollen wir hier einen Blick auf Bi-Misogynie und Gewalt werfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist vielfach durch Studien belegt, dass bi+ Frauen* ein signifikant h\u00f6heres Risiko haben, von sexualisierter Gewalt betroffen zu sein; zugleich sind die negativen Nachwirkungen derartiger \u00dcbergriffe h\u00e4ufiger bzw. langanhaltender f\u00fcr sie. Johnson und Grove (2017) identifizierten als ma\u00dfgebende Risikofaktoren \u2013 neben dem (in dieser Gruppe statistisch h\u00f6heren) Substanzkonsum \u2013 die f\u00fcr bi+ Frauen typischen Erfahrungen der Hypersexualisierung und bi-feindliche Stereotype.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach wie vor existiert in zu vielen K\u00f6pfen (auch innerhalb der Community) das Bild von bi+ Frauen* als sowohl gierig, unzuverl\u00e4ssig und unehrlich als auch sexuell verf\u00fcgbar und willig. Hypersexualisierung bewirkt eine Entmenschlichung, die der Legitimierung oder Verharmlosung von Gewalt dient, und dabei auch den Betroffenen von Gewalt eine Mitverantwortung zuschiebt. Eine besondere Heftigkeit nehmen sexualisierende und exotisierende Zuschreibungen f\u00fcr bi+ Frauen* of Colour an, denn Rassismus und Bi-Misogynie \u00fcberschneiden und verst\u00e4rken sich gegenseitig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Bild von der uneingeschr\u00e4nkten sexuellen Verf\u00fcgbarkeit schwingt auch die bi-feindliche Unterstellung mit, dass bi+ Frauen* letztendlich nur ein Ziel haben k\u00f6nnen: das Begehren von cis M\u00e4nnern zu bedienen, um dadurch in der patriarchal gepr\u00e4gten Gesellschaft einen sicheren Status zu erlangen. Es scheint ein wenig paradox, derartige bi-feindliche Vorbehalte auch in queeren Kreisen zu h\u00f6ren, wird darin doch wiederum die heteronormative Logik reproduziert, wonach die Rolle von Frauen* nur durch cis M\u00e4nner als Bezugspunkt bestimmt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Vorwurf, bi+ Frauen* h\u00e4tten das Privileg des Straight Passing, k\u00f6nnten also nach Belieben als hetero auftreten und damit queerfeindlicher Diskriminierung entgehen. Diese verk\u00fcrzte Darstellung widerspricht empirisch belegter queer- bzw. explizit bi-feindlicher Diskriminierung und Gewalt. Dar\u00fcber hinaus wird verkannt, dass Betroffene tats\u00e4chlich Sichtbarkeit und Anerkennung in ihrer bi+ Identit\u00e4t haben wollen, was zugleich bedeutet, st\u00e4ndig gegen die mononormative Pr\u00e4gung unserer Gesellschaft ank\u00e4mpfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bi-feindliche Vorbehalte k\u00f6nnen in scheinbar unverf\u00e4nglichen Aussagen durchschimmern, aber auch in offenen Hassbotschaften ge\u00e4u\u00dfert werden. Wenn beispielsweise jemand erz\u00e4hlt, nur andere Lesben* zu daten, weil eine bi+ Frau* k\u00f6nne ja mit jedem*jeder etwas anfangen. Oder auch in dem \u00f6ffentlichen Backlash, den queere K\u00fcnstler*innen erfahren, wenn sie eine \u201ehetero\u201c Beziehung bekannt geben, selbst wenn sie sich bereits zuvor dem Bi+-Spektrum zugeordnet hatten. Am Ende ergibt sich ein Sammelsurium an Aussagen, die den Platz von bi+ Frauen* in der Community in Frage stellen, insbesondere, wenn sie sich in (scheinbar!) \u201ehetero\u201c Beziehungen befinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Community hat auch die wertvolle Funktion, als Schutz und Anlaufstelle f\u00fcr Betroffene queerfeindlicher Gewalt zu dienen. In diesem Sinne sollte auch das \u201eB\u201c Teil der LGBTIQ-Community sein k\u00f6nnen, ohne beweisen zu m\u00fcssen, \u201equeer genug\u201c zu sein. Bi+ Frauen* insbesondere sollten sich nicht erst von dem Generalverdacht freibeweisen m\u00fcssen, nach m\u00e4nnlicher Aufmerksamkeit und Anerkennung zu streben. Vielmehr sollte es uns allen ein Anliegen sein, auch gegen Bi-Misogynie laut und solidarisch einzustehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Beitrag von Martina Schwarz<br>LesBiFem-Team<br>HOSI Wien<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der bi+ Blickpunkt September ist Bi+-Sichtbarkeitsmonat. (Bi+ steht f\u00fcr das Spektrum nicht-monosexueller Identit\u00e4ten, worunter z. B. Bi- und Pansexualit\u00e4t oder Biromantik fallen.) In einer Gesellschaft, die vielfach auf Basis bin\u00e4rer Erwartungshaltungen operiert (etwa m\u00e4nnlich\/weiblich, homo\/hetero), sind bi+ Orientierungen st\u00e4ndig von Unsichtbarmachung (bi erasure) bedroht. 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