{"id":10221,"date":"2026-09-04T00:23:00","date_gmt":"2026-09-03T22:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10221"},"modified":"2026-09-02T21:02:13","modified_gmt":"2026-09-02T19:02:13","slug":"das-tanzende-liebespaar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10221","title":{"rendered":"Das tanzende Liebespaar"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Ende Juni wurde auf dem Gustav-Meyer-Platz in Brunsb\u00fcttel, direkt am Nord-Ostsee-Kanal, im Auftrag der Stadt eine Skulptur eingeweiht, die eine Erinnerung an das Liebespaar Marta Halusa und Margot Liu ist. Das Kunstwerk des Bildhauers Frank Speth aus Quickborn, das er zusammen mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern des Gymnasiums Brunsb\u00fcttel erarbeitete, zeigt zwei Tanzende in inniger Umarmung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dargestellten Frauen waren von den Nationalsozialisten verfolgt und zeitweise inhaftiert worden. Nach dem Krieg wanderte das Paar nach London aus und lebte dort bis in die 1990er Jahre zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marta Halusa wurde 1910 in Brunsb\u00fcttel in eine Arbeiterfamilie geboren, Margot Holzmann, sp\u00e4ter Liu, kam aus einer j\u00fcdischen Familie in Polen und war zwei Jahre j\u00fcnger als ihre sp\u00e4tere Geliebte. In den 1930ern hatten sich die T\u00e4nzerinnen kennengelernt, lebten zusammen in Berlin und kamen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Widerstandsaktivit\u00e4ten ins Visier der Nazis, denen sie sich trotz zeitweiliger Inhaftierung letztlich entziehen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Krieg lebten sie \u00fcber vierzig Jahre lang zusammen. Margot Liu starb 1993 im Alter von 80 Jahren, Marta Halusa 1999 mit 89 Jahren. Auf dem&nbsp;Edgwarebury-Friedhof&nbsp;in London befindet sich ihr gemeinsames Grab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber ihre Lebensl\u00e4ufe wei\u00df man, dass Marta Halusa sich bereits als 14-J\u00e4hrige als Haushaltsgehilfin \u00fcber Wasser h\u00e4lt, in den 1930ern zu ihren Schwestern nach Hamburg zieht und dort mit professionellem Tanz beginnt. Bei einem ihrer Auftritte lernt sie die T\u00e4nzerin Margot Holzmann kennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Margot Johanna Holzmanns Familie zieht von Schlesien nach Halle an der Saale um, als Margot noch ein Kind ist. Als die Mutter stirbt, kommt Margot als 13-J\u00e4hrige zusammen mit ihren j\u00fcngeren Schwestern in ein M\u00e4dchenwohnheim nahe Frankfurt\/Main. Als der Vater noch einmal heiratet, d\u00fcrfen die Kinder nach Halle zur\u00fcckkommen. Mit 16 Jahren schlie\u00dft Margot die Mittelschule ab und besucht zwei Jahre lang eine Ballettschule. Sie nimmt an Tanztourneen in Deutschland und Europa teil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach gemeinsamen Engagements gehen Margot und Marta zusammen nach Berlin, von wo aus sie mit Erstarken des Nationalsozialismus zunehmend im Ausland auftreten. Margot will auswandern, was ihr nicht gelingt. Durch die Heirat mit einem chinesischen Staatsb\u00fcrger erhofft sie sich Sicherheit vor der Deportation. Doch der Ehemann f\u00fchlt sich betrogen und denunziert seine j\u00fcdische Ehefrau 1942 bei der Berliner Kriminalpolizei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie wird der Prostitution und der \u201eUnzucht mit einer Arierin\u201c bezichtigt, die Ehe wird jedoch erst nach dem Krieg geschieden. Nach weiteren Denunzierungen und Inhaftierungen fl\u00fcchtet das Paar schlie\u00dflich in den Untergrund. Margot arbeitet seit 1943 in einem zahntechnischen Labor, wo sie mit den Inhabern zusammen Widerstandsflugbl\u00e4tter druckt, die Marta in Berlin verteilt. Anfang 1945 werden Margot und Marta wegen \u201estaatsfeindlicher Propaganda\u201c festgenommen. Nach Verlegung in ein anderes Gef\u00e4ngnis gelingt den beiden die Flucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Kriegsende werden Margot Liu und Marta Halusa als Opfer des Faschismus anerkannt, wandern 1949 nach England aus und leben zusammen in einem H\u00e4uschen mit Garten. Um sp\u00e4ter in einem gemeinsamen Grab beerdigt werden zu k\u00f6nnen, konvertiert die evangelisch geborene Marta Halusa Ende der 1980er Jahre zum j\u00fcdischen Glauben. 2014 wird bei einer Gedenkveranstaltung am Berliner Denkmal f\u00fcr die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen an Margot Liu und Marta Halusa erinnert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende Juni wurde auf dem Gustav-Meyer-Platz in Brunsb\u00fcttel, direkt am Nord-Ostsee-Kanal, im Auftrag der Stadt eine Skulptur eingeweiht, die eine Erinnerung an das Liebespaar Marta Halusa und Margot Liu ist. 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