{"id":10160,"date":"2026-09-04T00:09:00","date_gmt":"2026-09-03T22:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10160"},"modified":"2026-09-02T19:25:09","modified_gmt":"2026-09-02T17:25:09","slug":"warum-praevention-mehr-ist-als-ein-konzept-auf-papier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10160","title":{"rendered":"Warum Pr\u00e4vention mehr ist als ein Konzept auf Papier"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gewaltschutz in der HOSI Wien<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Ein Pr\u00e4ventionskonzept ist nicht einfach ein St\u00fcck Papier, das sich ein Verein verordnet. Es ist ein lebendiges Dokument: Es gibt in schwierigen Situationen Orientierung, zeigt Handlungsm\u00f6glichkeiten auf und wirkt gleichzeitig pr\u00e4ventiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider ist Gewalt in unserer Gesellschaft allgegenw\u00e4rtig. Entsprechend unserem Leitbild wollen wir in unseren R\u00e4umlichkeiten und bei unseren Veranstaltungen bestm\u00f6glich daf\u00fcr sorgen, dass niemand Gewalt oder Diskriminierung erf\u00e4hrt. Garantieren k\u00f6nnen wir einen vollst\u00e4ndig gewalt- und diskriminierungsfreien Raum leider nicht. Pr\u00e4ventionsarbeit kann aber dazu beitragen, die H\u00fcrden f\u00fcr T\u00e4ter*innen zu erh\u00f6hen und Grenzverletzungen schneller sichtbar und ansprechbar zu machen. Und sie hilft uns dabei, in Krisensituationen nicht den Kopf zu verlieren, sondern schnell und im besten Sinne aller Betroffenen handeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ziele unserer Pr\u00e4ventionsarbeit sind im Pr\u00e4ventionskonzept klar definiert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wir st\u00e4rken queere Menschen im Allgemeinen und Jugendliche im Besonderen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir beziehen aktiv Position gegen (sexualisierte) Gewalt und Diskriminierung.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir beugen Risiken vor und \u00fcbernehmen angesichts der gesellschaftlichen Faktenlage Verantwortung.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir sichern den Schutzraum, den wir schaffen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir sind uns als Verein \u00fcber unsere Handlungsoptionen bei Verdachtsf\u00e4llen und in Krisen im Klaren.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir leben einen verantwortungsbewussten Umgang mit N\u00e4he und Distanz. Insbesondere die ehrenamtlich aktiven Mitglieder \u00fcbernehmen Verantwortung als Vorbilder f\u00fcr positive zwischenmenschliche Beziehungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir professionalisieren unsere Arbeit und sichern diese ab.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir solidarisieren uns mit Betroffenen von Gewalt und Diskriminierung und schaffen Strukturen, die es erm\u00f6glichen, Vorf\u00e4lle anzusprechen. Mit unserem Konzept sichern wir die Schutzr\u00e4ume, die wir bieten, weiter ab und beziehen klar Stellung gegen Gewalt und Diskriminierung. Dieser Anspruch gilt sowohl gegen\u00fcber den ehrenamtlich Engagierten und den Angestellten der HOSI als auch gegen\u00fcber allen G\u00e4st*innen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie unser Konzept entstanden ist<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gewaltschutzkonzept der HOSI Wien besteht aus drei Teilen: einem&nbsp;Pr\u00e4ventionskonzept, einem Verhaltenskodex und einem Interventionsplan. Im September 2023 wurde es von der Generalversammlung einstimmig verabschiedet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Ich habe zun\u00e4chst eine Ausbildung zur Fachkraft f\u00fcr Pr\u00e4vention und Intervention absolviert. Anschlie\u00dfend haben sich die Menschen, die bei uns Verantwortung tragen, unter meiner Anleitung fast zwei Jahre lang mit Fragen des Gewaltschutzes auseinandergesetzt. In gemeinsamen Workshops haben wir intensiv dar\u00fcber reflektiert, was unsere Verantwortung als Verein bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu geh\u00f6rte auch, dass wir erstmals ausf\u00fchrlich und konkret \u00fcber Standards gesprochen haben, die wir in unserer Arbeit mit queeren Menschen einhalten wollen. Solche gemeinsamen Standards sind ein wichtiges Werkzeug in der Pr\u00e4vention: Je genauer festgelegt ist, wie sich Teammitglieder in bestimmten Situationen verhalten sollen, desto leichter l\u00e4sst sich auch konkretes Fehlverhalten ansprechen, ohne dass es ein pers\u00f6nlicher Angriff ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Standards geben Sicherheit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Beispiel daf\u00fcr sind unsere Standards f\u00fcr Beratungsgespr\u00e4che. Wir bieten Beratungen auf Peer-to-Peer-Basis an, also auf Augenh\u00f6he zwischen Menschen, die als queere Menschen schon viele Erfahrungen gesammelt haben, und anderen, die eher am Anfang ihres Findungsprozesses als queere Menschen stehen. Das bedeutet, dass allen Beteiligten bewusst ist, dass es sich nicht um eine professionelle Beratung handelt. H\u00e4ufig finden diese Gespr\u00e4che informell w\u00e4hrend der Gruppenabende statt, wenn beispielsweise konkrete Fragen zu queeren Rechten oder Coming-out-Erfahrungen in einer lockeren Tischrunde geteilt werden. F\u00fcr vertrauliche Beratungsgespr\u00e4che steht der \u201eSalon Helga\u201c zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach M\u00f6glichkeit soll ein Sechs-Augen-Setting angestrebt werden, also ein Gespr\u00e4ch mit zwei Teammitgliedern. Wenn dies nicht gew\u00fcnscht wird, k\u00f6nnen auch Vier-Augen-Gespr\u00e4che vereinbart werden, vorausgesetzt, sowohl die beratende als auch die Beratung suchende Person f\u00fchlen sich damit wohl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beratungsgespr\u00e4che werden entweder an einem Tisch oder in der Beratungsecke (Sesselecke) gef\u00fchrt. Dabei wird auf ausreichende Beleuchtung geachtet. Das gew\u00e4hlte Setting tr\u00e4gt zu einer professionellen Distanz bei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Sorge, die Menschen h\u00e4ufig \u00e4u\u00dfern, wenn ein Pr\u00e4ventionskonzept erarbeitet wird, ist, dass dadurch alle unter einen Generalverdacht gestellt w\u00fcrden. Tats\u00e4chlich ist das Gegenteil der Fall: Der entscheidende Unterschied, den gemeinsam vereinbarte professionelle Standards machen, besteht darin, dass f\u00fcr alle Beteiligten klar ist, was erwartet wird. Auf dieser gemeinsamen Grundlage k\u00f6nnen Konsequenzen bei Fehlverhalten gezogen werden. Niemand muss aufgrund einer lediglich gef\u00fchlten oder unterschiedlich interpretierten Regelverletzung angegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nicht jede Grenz\u00fcberschreitung ist gleich schwer \u2013 aber jede verdient Aufmerksamkeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob eine Handlung als verletzend oder grenz\u00fcberschreitend erlebt wird, h\u00e4ngt auch von den pers\u00f6nlichen Erfahrungen und der jeweiligen Situation ab. Deshalb steht die Wahrnehmung der betroffenen Person f\u00fcr uns im Mittelpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir unterscheiden zwischen&nbsp;Grenzverletzungen, \u00dcbergriffen und Straftaten: Eine Grenzverletzung kann unbeabsichtigt und einmalig passieren und sich beispielsweise in einem kl\u00e4renden Gespr\u00e4ch zwischen den Beteiligten ausr\u00e4umen lassen. Ein \u00dcbergriff geschieht dagegen bewusst und\/oder wiederholt und kann unterschiedlich schwer sein. Oftmals ist es f\u00fcr die betroffene Person nicht m\u00f6glich, die Situation allein mit der \u00fcbergriffigen Person zu kl\u00e4ren. Eine Straftat ist eine strafrechtlich relevante Handlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Diskriminierung gilt f\u00fcr uns eine besondere Klarheit:&nbsp;Diskriminierende \u00c4u\u00dferungen und Handlungen werden nicht geduldet.&nbsp;Daf\u00fcr muss nicht erst eine betroffene Person Einspruch erheben. Entscheidend ist auch die Wirkung auf die betroffene Gruppe und die Tatsache, dass Menschen aufgrund eines Merkmals abgewertet oder stereotypisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gewaltschutz beginnt deshalb mit Aufmerksamkeit:&nbsp;Grenzen wahrnehmen, Betroffenen zuh\u00f6ren, Diskriminierung widersprechen und Verantwortung \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pr\u00e4vention ist nie \u201ezu Ende\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit sich unsere ehrenamtlich Aktiven sowie neue ehrenamtliche Mitglieder regelm\u00e4\u00dfig mit Gewaltpr\u00e4vention besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen, ernennt der Vorstand der HOSI Wien nach jeder Generalversammlung zwei Pr\u00e4ventionsbeauftragte. Diese m\u00fcssen im Bereich Pr\u00e4vention ausgebildet sein. Sie sollten unterschiedlichen Geschlechts sein und nicht im gleichen Team arbeiten. Derzeit bekleiden Peter Funk und ich diese Funktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Pr\u00e4ventionsbeauftragte organisieren wir einmal im Jahr unsere Basisschulung zur Gewaltpr\u00e4vention in der HOSI. An dieser m\u00fcssen alle Ehrenamtlichen sowie Angestellten einmal teilnehmen. Nachdem wir seit der Verabschiedung des Gewaltschutzkonzepts bereits flei\u00dfig geschult haben, k\u00f6nnen wir nun auch vertiefende Workshops zu einzelnen Themenschwerpunkten entwickeln. So k\u00f6nnen alle am Thema Pr\u00e4vention dranbleiben und gleichzeitig Neues lernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Pr\u00e4vention ist ein Thema, das niemals endg\u00fcltig abgeschlossen ist. Durch neue Menschen und Teamzusammensetzungen, strukturelle Ver\u00e4nderungen im Verein und gesellschaftliche Entwicklungen ist es wichtig, immer wieder hinzuschauen:&nbsp;Haben wir alles im Blick? Und sind wir noch auf einer Wellenl\u00e4nge was unsere Standards betrifft?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Pr\u00e4ventionskonzept kann uns nicht auf jede gewaltvolle Situation vorbereiten. Aber es gibt uns das notwendige Handwerkszeug, um flexibel und sensibel zu reagieren. Und es bietet gerade dann Sicherheit, wenn in schwierigen Situationen der klare Verstand einmal aussetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Pr\u00e4ventionskonzept der HOSI Wien findet ihr hier zum Nachlesen: <em><a href=\"https:\/\/hosiwien.at\/assets\/files\/Praeventionskonzept_FINAL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/hosiwien.at\/assets\/files\/Praeventionskonzept_FINAL.pdf<\/a><\/em>. Alle Vereinsmitglieder sind herzlich eingeladen, an unserer Basisschulung teilzunehmen. Schreibt uns gerne unter <a href=\"mailto:gewaltschutz@hosiwien.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>gewaltschutz@hosiwien.at<\/em><\/a>!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewaltschutz in der HOSI Wien Ein Pr\u00e4ventionskonzept ist nicht einfach ein St\u00fcck Papier, das sich ein Verein verordnet. Es ist ein lebendiges Dokument: Es gibt in schwierigen Situationen Orientierung, zeigt Handlungsm\u00f6glichkeiten auf und wirkt gleichzeitig pr\u00e4ventiv. Leider ist Gewalt in unserer Gesellschaft allgegenw\u00e4rtig. 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