{"id":10109,"date":"2026-05-29T00:23:00","date_gmt":"2026-05-28T22:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10109"},"modified":"2026-05-29T01:54:15","modified_gmt":"2026-05-28T23:54:15","slug":"30-jahre-haart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10109","title":{"rendered":"30 Jahre HAART"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">auch weiterhin ist alles m\u00f6glich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Als Dr. David Ho 1996 Daten zur HIV-Therapie pr\u00e4sentierte, hatte er vermutlich mit zwei Dingen nicht gerechnet: einerseits, dass er damit Teil einer Entwicklung der HIV-Medizin werden w\u00fcrde, die Millionen Menschen mit HIV ein \u00dcberleben erm\u00f6glichen sollte, und andererseits, dass er 30 Jahre sp\u00e4ter auf der renommiertesten HIV-Konferenz immer noch Daten zu innovativen Ans\u00e4tzen vorstellen w\u00fcrde. So gesehen gibt David Ho als Wissenschaftler dem 30-Jahre-Jubil\u00e4um und der Erfolgsgeschichte der HIV-Therapie ein Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem 1981 die ersten AIDS-F\u00e4lle beschrieben worden waren, konnte 1983 das HI-Virus als verursachendes Pathogen identifiziert werden. 1984 kam ein HIV-Antik\u00f6rpertest auf den Markt und 1987 wurde das erste HIV-Medikament verf\u00fcgbar. Doch weder diese erste Substanz (AZT) noch die zun\u00e4chst nachfolgenden Medikamente brachten den erhofften Erfolg. Es handelte sich bei diesen anf\u00e4nglichen Wirkstoffen um NRTIs, sogenannte \u201enukleosidische Reverse Transkriptase Inhibitoren\u201c. Allerdings zeichnete sich bereits ab, dass die Anwendung von zwei NRTIs zusammen weitaus bessere Ergebnisse f\u00fcr die Menschen mit HIV brachte. Und der finale Weg zum Erfolg wurde dann etwas sp\u00e4ter geebnet, indem neue Medikamente entwickelt wurden, die eine ganz andere Funktionsweise hatten. Es folgten ein sogenannter PI, ein \u201eProtease Inhibitor\u201c, und ein NNRTI, ein \u201enicht-nukleosidischer Reverse Transkriptase Inhibitor\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit diesen neuen Wirkstoffklassen gelang der Durchbruch: Als bahnbrechende Meilensteine in der HIV-Therapie gelten die CROI (Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections) und die Welt-AIDS-Konferenz im Jahr 1996. Hier zeigten Studien erstmals den Erfolg einer Kombinationstherapie aus unterschiedlichen Medikamentenklassen. Mit der damit erreichbaren deutlich besseren Wirksamkeit wurde auch ein neuer Name f\u00fcr die Therapie eingef\u00fchrt: HAART f\u00fcr \u201ehochaktive antiretrovirale Therapie\u201c. Das Bild von Dr. David Ho, der damals auf diesen Konferenzen die Daten pr\u00e4sentiert hatte, ging um die Welt. Zurecht erhielt er vom Time Magazin den Titel \u201eForscher des Jahres\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seitdem hat die HIV-Therapie eine gro\u00dfartige Entwicklung durchlaufen. Die Medikamente wurden mit der Zeit wirksamer und f\u00fchren kaum noch zu Resistenzen. Gleichzeitig konnten Nebenwirkungen massiv verringert werden. Dank eines weiteren Meilensteins aus dem Jahr 2006 ist heute die Therapie verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach anzuwenden: Es konnten komplette HIV-Therapien in einer einzigen Tablette pro Tag zusammengefasst werden. Im Vergleich zu fr\u00fcher, als oftmals 10-15 Tabletten an mehreren Einnahmezeitpunkten pro Tag notwendig waren, ist das eine echte Erleichterung f\u00fcr das Alltagsleben der Menschen mit HIV. Erst vor Kurzem wurde in diesem Bereich eine weitere Innovation erm\u00f6glicht: Seit 2023 steht auch eine HIV-Therapie in Form von 2 Injektionen alle zwei Monate zur Verf\u00fcgung. Und wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, wird es in absehbarer Zeit wieder eine spannende Neuerung geben. Aktuellen Studien zufolge d\u00fcrfte die Zulassung einer neuen Therapie als 1 Tablette, die nur 1-mal pro Woche eingenommen werden muss, sehr wahrscheinlich sein. Erm\u00f6glicht werden solche Erfolge durch die konstante Erforschung und Weiterentwicklung bestehender und neuer HIV-Medikamente.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht ver\u00e4ndert hat sich hingegen seit 1996 das Grundkonzept des Erfolgs: Auch heute bestehen Therapien aus der Kombination von mindestens einem NRTI mit einem Medikament aus einer anderen Substanzklasse. Aktuell werden dabei vor allem Integrase-Inhibitoren (INI) verwendet. Diese Medikamente haben mit ihren Eigenschaften ebenfalls neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt, unter anderem, da sie innerhalb k\u00fcrzester Zeit die Viruslast unter die Nachweisgrenze dr\u00fccken. Da durch solche Weiterentwicklungen jedoch die Wirksamkeit der Therapie \u00fcber die Zeit gesteigert wurde, verwendet man die Bezeichnung HAART nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab allerdings nicht nur Ver\u00e4nderungen bei den Medikamenten selbst. Mehrere Studien gelten als bahnbrechend, wenn es um \u00fcbergeordnete Eigenschaften der Therapie geht. Seit 2006 ist nachgewiesen, dass Therapiepausen ung\u00fcnstige Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Und seit einer Studie von 2015 ist etabliert, dass eine HIV-Therapie so fr\u00fch wie m\u00f6glich gestartet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beides hat auch Einfluss auf die Epidemiologie. Denn \u00fcber die letzten 30 Jahre wurde gezeigt, dass die \u00dcbertragungswahrscheinlichkeit direkt proportional mit der Menge der HI-Viren ist. Oder einfach formuliert: \u201eWeniger Virus bedeutet weniger Infektionsrisiko.\u201c Dank umfassender Studien konnte zu diesem allgemeinen Zusammenhang ein Sonderfall formuliert werden: Liegt die Viruslast dank effektiver Therapie unter der Nachweisgrenze, kommt es auf sexuellem Weg zu keiner \u00dcbertragung. Der Slogan \u201eU=U\u201c f\u00fcr \u201eundetectable equals untransmittable\u201c ist definitiv als einer der H\u00f6hepunkte in der Geschichte der HIV-Therapie zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr viele Menschen, die schon lange im HIV-Bereich leben und arbeiten, sind es unfassbar sch\u00f6ne und motivierende Momente, solche Entwicklungen miterleben zu d\u00fcrfen. Eventuell kann man sich vorstellen, wie es David Ho damit geht, ma\u00dfgeblich am Start des Erfolgs der HIV-Therapie beteiligt gewesen zu sein. Dass er trotz der erreichten Erfolge immer noch in der Forschung aktiv ist und versucht, neue Wege in der Medizin zu beschreiten, spricht f\u00fcr seinen Zugang zum Thema.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner aktuellen Forschung befasst sich David Ho z.&nbsp;B. mit Biologika zur Reduktion des HIV-Reservoirs. Biologika sind Wirkstoffe, die auf unterschiedliche Art und Weise das Immunsystem beeinflussen. Es werden kreative Ans\u00e4tze erforscht, ob man mit solchen Immunmodulatoren diejenigen Zellen des menschlichen K\u00f6rpers erreichen kann, in denen HIV versteckt liegt. Denn die HIV-Therapie verhindert zwar hocheffektiv die Vermehrung der Viren in menschlichen Zellen, aber entfernen kann sie HIV nicht. HIV integriert sich in die menschliche Erbinformation und wird nach Absetzen der HIV-Therapie wieder aktiv. K\u00f6nnte man alle diese Zellen, die HIV beinhalten, finden und eliminieren, w\u00e4re eine Heilung denkbar. Die Forschungsm\u00f6glichkeiten sind also keinesfalls ausgesch\u00f6pft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch solche Entwicklungsschritte der Therapie hat sich die HIV-Infektion innerhalb weniger Jahre von einer t\u00f6dlichen in eine gut behandelbare chronische Krankheit gewandelt. Aber nat\u00fcrlich darf trotzdem keine Entwarnung gegeben werden. Selbst wenn die Lebenserwartung und Lebensqualit\u00e4t von Menschen mit HIV kontinuierlich steigt, so ist es dennoch eine lebenslange Therapie, die eventuell langfristig gesehen auch zu gesundheitlichen Problemen f\u00fchren kann. Und eine tats\u00e4chliche Heilung oder eine prophylaktische Impfung sind auch nach Jahrzehnten der Forschung leider nicht in Sicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wer wei\u00df \u2013 eventuell gibt es irgendwann in der Lambda einen Beitrag zu einem solchen Jubil\u00e4um. Dr. David Ho hatte damals die Zukunft sicher auch nicht in dieser Form erwartet. Solange es Motivation und Engagement auf den unterschiedlichen Ebenen gibt, ist alles m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>auch weiterhin ist alles m\u00f6glich Als Dr. David Ho 1996 Daten zur HIV-Therapie pr\u00e4sentierte, hatte er vermutlich mit zwei Dingen nicht gerechnet: einerseits, dass er damit Teil einer Entwicklung der HIV-Medizin werden w\u00fcrde, die Millionen Menschen mit HIV ein \u00dcberleben erm\u00f6glichen sollte, und andererseits, dass er 30 Jahre sp\u00e4ter auf der renommiertesten HIV-Konferenz immer noch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":10110,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,19],"tags":[127],"class_list":["post-10109","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-community-politik","category-gesundheit","tag-lambda-203"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10109","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10109"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10109\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10111,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10109\/revisions\/10111"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10110"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10109"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10109"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}