{"id":10048,"date":"2026-05-29T00:14:00","date_gmt":"2026-05-28T22:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10048"},"modified":"2026-05-29T01:09:54","modified_gmt":"2026-05-28T23:09:54","slug":"zwischen-tiktok-und-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10048","title":{"rendered":"Zwischen TikTok und Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie soziale Medien Community und Aktivismus ver\u00e4ndern<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Seit der ersten Regenbogenparade vor 30 Jahren hat sich die queere Community und ihr Aktivismus stark ver\u00e4ndert. Viele junge Queers finden ihren ersten Anschluss heute nicht mehr auf der Stra\u00dfe oder in queeren Lokalen, sondern auf TikTok oder Instagram. \u00dcber Coming-out-Storytimes, Dating-Geschichten und queeren Memes entsteht ein Gef\u00fchl von Zugeh\u00f6rigkeit oft zuerst am Bildschirm. W\u00e4hrend sich queere Spaces immer mehr ins Digitale verschieben, stellt sich die Frage, ob Social Media ausreicht, um echte Community aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade f\u00fcr junge Queers kann Social Media einen wichtigen Raum bieten, in dem man* sich gesehen und geh\u00f6rt f\u00fchlt. Wer im eigenen Umfeld niemanden kennt, der \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht hat, findet online oft zum ersten Mal Menschen, die dieselbe Sprache sprechen, dieselben Interessen haben, dieselben Unsicherheiten und Probleme teilen und dar\u00fcber erz\u00e4hlen. Manche haben ihr erstes Coming-out im Internet \u2013 ich hab damals auch auf Reddit zum ersten Mal \u00fcber meine eigene Queerness geschrieben. So entsteht das Gef\u00fchl: Ich bin nicht allein. Gleichzeitig verschwimmen bei queeren Creator*innen oft die Grenzen zwischen wirksamem Aktivismus, der reale Ver\u00e4nderungen anstrebt und performativem Aktionismus, der Queerness nur f\u00fcr Content, \u00c4sthetik und Selbstzweck nutzt. Die Gefahr ist dann, dass Community nur in der Kommentarspalte stattfindet. Au\u00dferdem kann Social Media Einsamkeit f\u00f6rdern und das Gef\u00fchl verst\u00e4rken, nichts gegen Queerfeindlichkeit und Missst\u00e4nde tun zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist auch ein Grund, warum Pride-Paraden und physische queere R\u00e4ume trotzdem weiterhin wichtig bleiben. Denn egal wie vernetzt und verbunden wir online auch wirken, echte Gemeinschaft entsteht selten rein \u00fcber den Bildschirm. Sie entsteht dort, wo Menschen sich real begegnen. Auf der Stra\u00dfe. In Jugendzentren. In Clubs, Caf\u00e9s oder Lokalen. Hier wird Solidarit\u00e4t richtig sp\u00fcrbar und man* sieht, dass Gleichgesinnte auch bei sich in der N\u00e4he leben. Nur sterben diese Spaces immer weiter aus (besonders jene ohne Konsumzwang) und werden immer unattraktiver f\u00fcr junge Queers. Dazu tr\u00e4gt auch bei, dass Social Media ver\u00e4ndert hat, wie Aktivismus funktioniert und organisiert wird. Es gibt unz\u00e4hlige WhatsApp-Gruppen, Discord-Server, Subreddits, in denen sich lokale Communities vernetzen und organisieren, statt sich in Vereinen zu engagieren und diese im Sinne der Jugend weiterzuentwickeln. Dabei ist es auch wichtig, auf Demos pr\u00e4sent zu sein und gemeinsam f\u00fcr Ver\u00e4nderung zu streiten. Auch hier tut es gut, zu sehen, wie viele es von uns gibt. Aber abgesehen von Prides ist es teils schwierig, junge Menschen f\u00fcr Demos zu mobilisieren. F\u00fcr queere Vereine und Organisationen bedeutet das, dass sie auch kritisch reflektieren m\u00fcssen, wie sie Gen Z, Gen Alpha und k\u00fcnftige Generationen ansprechen und einbinden k\u00f6nnen und physischen mit digitalem Aktivismus verflechten k\u00f6nnen. So k\u00f6nnte man* pr\u00e4senter auf sozialen Plattformen sein und gezielt j\u00fcngere Menschen ansprechen. Denn wenn Vereine diese Br\u00fccke nicht hinbekommen, gehen ihnen viele Aktivistis verloren. Aber auch wir junge Menschen sollten uns fragen, ob wir nicht wieder mehr in reale Spaces gehen wollen und miteinander etwas bewegen wollen. Seitdem ich mich engagiere merke ich, wie wertvoll und bereichernd politische Arbeit sein kann und dass dadurch auch Freundschaften entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Social Media Content kann also zeigen, dass wir existieren. Aber echte Community entsteht dort, wo Menschen sich tats\u00e4chlich begegnen. Und vielleicht ist es die Aufgabe meiner Generation, wieder mehr in der realen Welt zusammenzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sehen uns auf der Stra\u00dfe!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Text von Daniel Scheibner<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>QYVIE<br>Queer Youth Vienna<br>HOSI Wien<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie soziale Medien Community und Aktivismus ver\u00e4ndern Seit der ersten Regenbogenparade vor 30 Jahren hat sich die queere Community und ihr Aktivismus stark ver\u00e4ndert. Viele junge Queers finden ihren ersten Anschluss heute nicht mehr auf der Stra\u00dfe oder in queeren Lokalen, sondern auf TikTok oder Instagram. \u00dcber Coming-out-Storytimes, Dating-Geschichten und queeren Memes entsteht ein Gef\u00fchl [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":64,"featured_media":10054,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15,20],"tags":[128,127,79],"class_list":["post-10048","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jugendstil","category-schwerpunkt","tag-30-jahre-regenbogenparade","tag-lambda-203","tag-pride"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/64"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10048"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10048\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10059,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10048\/revisions\/10059"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10054"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}