{"id":10033,"date":"2026-05-29T00:11:00","date_gmt":"2026-05-28T22:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10033"},"modified":"2026-05-29T01:10:15","modified_gmt":"2026-05-28T23:10:15","slug":"partys-und-aktivismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=10033","title":{"rendered":"Partys und Aktivismus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Zur Feier der Regenbogenparade treffen wir den Namensgeber Mario Soldo. Im Interview erz\u00e4hlt er, wie aus einem Gastarbeiterkind eine Drag Queen wurde und wie sich Partys und Aktivismus erg\u00e4nzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wann und wie hast du angefangen, die LGBTIQ+ Community zu unterst\u00fctzen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da muss ich gleich sagen, der Teil TIQ+, das bin nicht ich. Als ich als Kind draufgekommen bin, als jugoslawisches Gastarbeiterkind, noch dazu mit zwei Br\u00fcdern, heterosexuellen Eltern, war das f\u00fcr uns nicht vorstellbar, ein \u201epeder\u201c (kroat. f\u00fcr schwul) zu sein. Auch im Franz\u00f6sischen sagst du abwertend: \u201eil est p\u00e9d\u00e9!\u201c, und das hat mich wahnsinnig ge\u00e4rgert. Wenn du als Junge mit 12, 13 Jahren draufkommst: Moment einmal, beim Durchschauen eines Versandhauskatalogs der Mama habe ich mich gesch\u00e4mt, dass mich M\u00e4nner in Unterw\u00e4sche mehr angezogen haben als Frauen. Weil das nicht m\u00f6glich war, das ging gar nicht. Ich habe mich so weit entwickelt, dass ich es einfach mal probieren wollte. Und ich glaube, LGB \u2013 wir drei haben viel mehr erreicht als alle anderen. Deswegen kann ich mich mit dem Ausdruck LGBTIQ+ nicht wirklich identifizieren, denn ich bin einfach nur gay. Auch ich hatte mit 23 Jahren eine Freundin, meine Eltern haben sich gefreut und gedacht, ich w\u00e4re doch nicht schwul, aber nach zwei Jahren haben wir uns getrennt, und f\u00fcr mich war das Thema abgeschlossen. Ich wusste, nein, sexuell zieht mich ein Mann mehr an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1984 habe ich mit meinem Outing als Drag Queen angefangen, damals war ich 21 Jahre alt. Ich hatte die gro\u00dfe Chance im U4, das war damals die In-Disco, die U-Modemesse zu moderieren. Mein damaliger Chef Ossi Schellmann wollte, dass ich die Moderation \u00fcbernehme, und das war ein durchschlagender Erfolg, ich habe erkannt, dass ich durch das Make-up, die Kleidung und die Per\u00fccke wie ein Schamane mein Wesen ver\u00e4ndere. Mit meinen verschiedenen Auftritten wurde ich zu einem Sprachrohr f\u00fcr viele. Ich war nie politisch aktiv, habe meine Worte allerdings bedacht gew\u00e4hlt und meine Stimme eingesetzt und viele Leute erreicht. Es gibt einerseits den relativ konservativen schwulen Mann Mario Soldo als Unternehmer, und es gibt die glamour\u00f6se Dame Galaxis, die vom Wesen anders ist, also eine Kunstfigur. Und ich kann sagen, dass ich die erste Wiener Drag Queen war. Und ich habe immer das Wort ergriffen, wenn es darum ging, dass wir die gleichen Rechte haben k\u00f6nnen, und das ist uns auch gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wie erinnerst du dich an die erste Regenbogenparade am 29.06.1996?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Franz Thell war der Erfinder des Wiener Szenelokals Motto, damit ist er \u00fcbersiedelt ins Hundertwasserhaus, und dort gab es eine Sitzung im Herbst 1995. Da sa\u00dfen an diesem langen Tisch 20 bis 30 schwule M\u00e4nner, damals gab es wenige Lesben in der HOSI, wir beschlossen nun vereinsm\u00e4\u00dfig mit der HOSI als Vorsitz, die Organisation eines CSD. Ich habe gesagt, Christopher Street Day ist so lang und die Geschichte dahinter kennen viele auch nicht, und so haben wir einen Namen gesucht. Mein Vorschlag war der Name Regenbogenparade, und das wurde angenommen. Das war mein Engagement und ich hatte dann die gro\u00dfe Freude und Ehre, bei der ersten Regenbogenparade die Abschlussrede zu halten. Damals war ich aber nicht in der HOSI aktiv, sondern genoss durch meine Clubbings und Fernsehauftritte als Drag Queen eine gewisse Prominenz. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"630\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Mario-Soldo-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10034\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Mario-Soldo-2.jpg 630w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Mario-Soldo-2-236x300.jpg 236w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Mario-Soldo-2-118x150.jpg 118w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Mario Soldo (Foto credits: Mario Soldo)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wie hast du dich auf die erste Parade vorbereitet? Gab es auch Angst?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe \u00fcberhaupt keine Angst gehabt, weil ich die Jahre davor immer in Berlin auf der Love Parade war, und im Jahr 1993 hatte Gery Keszler mit dem Life Ball begonnen. Und das waren meine Inspirationen, insofern war ich einfach froh dar\u00fcber, dass es auch in Wien eine Parade gab. Am Anfang waren die gestandenen Lesben, Schwulen und Drag Queens auf der Stra\u00dfe, mittlerweile gehen Leute mit, weil sie Bock haben, sich an dem einen Tag zu verkleiden bzw. zu entkleiden \u2013 und das ist auch nicht ganz meins. Andererseits gab es immer Demonstranten, die die Parade als etwas Verruchtes ansahen. Heutzutage ist mir die Regenbogenparade pers\u00f6nlich teilweise zu sexualisiert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wie hat sich die Regenbogenparade deiner Meinung nach im Lauf der Zeit ge\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie ist, finde ich, kommerzieller geworden. Bis in die 2010er Jahre haben viele ihre Meinung ge\u00e4ndert im Sinne von: \u201eAch die sind schwul, toll! Die haben auch Rechte jetzt, oh ja, die sind eh so wie wir! Dann werden wir sie unterst\u00fctzen\u201c und viele Firmen sind aufgesprungen. Irgendwann mal sprangen die Sponsor:innen aufgrund kritischer Stimmen wieder ab. Ich freue mich jedenfalls, dass so viele Menschen in \u00d6sterreich die gleichen Rechte haben und dies erk\u00e4mpft wurde, auch durch das Sichtbarmachen auf der Stra\u00dfe. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ist die Parade noch eine politische Veranstaltung?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Spa\u00dffaktor ist nie so wichtig wie das Recht f\u00fcr alle. Ich glaube, dass wir die Rechte l\u00e4ngst haben, und nun ist es ein Zeigen der Solidarit\u00e4t, auch seitens der Stadt Wien, dass sie f\u00fcr uns queere Personen einsteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was ist dein pers\u00f6nliches Pride-Highlight in Wien?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geht\u2019s auf der Parade mit, denn danach zerstreut sich das in hunderte Lokale, es gibt \u00fcberall Pride Partys etc. Ich finde das Tanzen auf der Stra\u00dfe ganz toll, ich finde die Busse und die Soundanlagen ganz gro\u00dfartig. Ich kann nur sagen: Feiert mit und seid an diesem Tag Teil unseres Lebens, dass wir f\u00fcr euch auf der Stra\u00dfe zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Interview von Amela D\u017eanko<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Historikerin und Aktivistin<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anmerkung der Redaktion<\/strong><br>Die beiden Interviews gef\u00fchrt von Amela D\u017eanko in dieser Ausgabe Lambda #203 stellen bewusst die Erinnerungen und Einsch\u00e4tzungen der InterviewpartnerInnen aus pers\u00f6nlicher Sicht ins Zentrum. Dabei werden in den Interviews auch Aussagen getroffen, die entweder historisch widerspr\u00fcchlich, eindeutig widerlegbar sind (beispielsweise waren auch trans Personen an der ersten Parade beteiligt), oder sie enthalten Meinungen, die m\u00f6glicherweise nicht vom Verein HOSI Wien mitgetragen werden. Diese unterschiedlichen Perspektiven m\u00f6chten wir dennoch sichtbar machen.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Feier der Regenbogenparade treffen wir den Namensgeber Mario Soldo. Im Interview erz\u00e4hlt er, wie aus einem Gastarbeiterkind eine Drag Queen wurde und wie sich Partys und Aktivismus erg\u00e4nzen k\u00f6nnen. Wann und wie hast du angefangen, die LGBTIQ+ Community zu unterst\u00fctzen? Da muss ich gleich sagen, der Teil TIQ+, das bin nicht ich. 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