LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Autonome Trutschn

Liesl liest Pisa

Tja, meine Lieben, eigentlich wollte ich ja nicht schon wieder über Politik schreiben, sondern über die diesjährige läppische Muffmode, aber trutsch ist es in diesem Land einfach nicht vergönnt, sich mit den schönen Seiten des Lebens auseinanderzusetzen, sondern wird immer wieder mit den hässlichen konfrontiert: diesmal etwa mit der lieben Liesl Gehrer. Gerade als Präsidentin Sabine und ich beim Mufftesten einem Rentierlauf im nördlichen Finnland beiwohnten, kam der entsetzte Hilferuf aus höchsten EU-Kreisen, die uns mitteilten, dass eben jene Pisa-Studie gemacht worden sei, man aber aufgrund der Ergebnisse nicht sicher sei, ob der Bericht im Ministerium gelesen werden könne, woraufhin ich mich von meinem Ren und Präsidentin Sabine sich von ihrem blonden Mäkivasi (die heißen dort so) schwang, weil: Wenn die Pflicht ruft, dann muss man sofort zurück.

Und gut war es, denn das Ergebnis ist ja wirklich phänomenal, aber nicht überraschend. Unsere Umfragen ergaben schon längst, dass es mit der Bildung in Österreich nicht weit her ist. So können etwa 67 % der ÖsterreicherInnen das Wort „Trutschn“ nicht aussprechen, 74 % können es nicht schreiben, und 82 % kennen die Namen der Präsidentinnen der Autonomen Trutschn nicht. Na, Frau Gehrer, und dann wundert es Sie noch, wenn Sie jetzt den Namen „Pisa-Liesl“ von den Grünen verliehen bekommen haben? Seien Sie froh, dass auch die Grünen nur eine österreichische Schule besucht haben, denn sonst würden sie „Pisa“ noch viel geschickter auf „Liesl“ reimen.

Fotomontage mit der Bildungsministerin vor dem schiefen Turm von Pisa
10 Jahre Vertrutschung haben das österreichische Bildungswesen in ziemliche Schieflage gebracht.


Was besonders bedrückt, sind die seltsamen Ausflüchte und Erklärungsmodelle, die danach in den Medien kolportiert wurden. Etwa: Die Kinder von AusländerInnen seien schuld. Dabei sollten wir über Kinder aus anderen Ländern froh sein, weil die laut Pisa-Studie ein höheres Niveau haben als wir ÖsterreicherInnen. Oder die Eltern seien schuld, die Gesellschaft, die moderne Zeit. Und wenn sich Herr Khol im Ö-Konvent durchgesetzt hätte und Gott in der Verfassung stünde, dann hätte Frau Gehrer wohl auch ihm die Schuld zugewiesen, obwohl er ja nicht zehn Jahre dem österreichischen Bildungsministerium vorgestanden ist. Und es wird ja sogar gemunkelt, dass Herr Strasser nur deshalb aus der Regierung geflüchtet ist, weil er der nächste gewesen wäre, auf den Frau Gehrer den Stein geworfen hätte.

Naja, mit so einer Paranoia würde ich das Besenkammerl im Ministerium ja nicht mehr verlassen, aber diesen Gefallen wird uns Frau Gehrer nicht machen. Doch auch rund herum meldeten sich ExpertInnen mit ausziselierten Analysen zu Wort. Was uns dabei besonders gefreut hat, ist, dass sich auch unsere einzige Mares Rossmann wieder einmal im Scheinwerferlicht sonnen durfte. Wissen Sie, was aus dieser Gastronomin und einem „der besten Köpfe“ der FPÖ (Sie erinnern sich, sie war unsere Tourismusstaatssekretärin) geworden ist? Bildungssprecherin der FPÖ! Und da ließ sie, die immerhin ja auch einmal in der Schule gewesen sein muss, ihre donnernde Stimme hinter dem Tresen erschallen und teilte mit, dass... ja, so irgendetwas mit Pisa und lesen und ganz schlecht und FPÖ schon immer und abschaffen. Gute Frau, die Rossmann.

Doch auch Herr Schüssel höchstpersönlich bewies wieder einmal, dass er sprechen kann, und brachte sozusagen weihnachtliches Licht ins Pisa-Dunkel: Man kaufe Bücher! Sollen wir das kommentieren? Ehrlich gesagt, nein. Wir sind schon wieder auf dem Weg zurück nach Finnland, wo die Leute ganz langsam zu sprechen beginnen, wenn man sagt, man sei aus Österreich. Und wenn Sie es geschafft haben, diese Kolumne ganz zu lesen, und wenn Sie weiters imstande sind, den Inhalt jetzt ihrem Verlobten oder ihrer Angetrauten zu erzählen, dann lehnen Sie sich beruhigt zurück. Denn keine der angedrohten Reformen wird Ihnen Ihr Wissen nehmen können.

Portraitfoto
Die PrÄsidentinnen