LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Mode & Kosmetik

Homo Eroticus

Heutzutage greift auch die männliche Narziss-Generation zu Anti-Falten-Produkten, Peelings, Puderdosen, Masken und anderen Wundertuben aus der Welt der Kosmetik. Viele neue Marken vor allem aus Frankreich und den USA wenden sich an Männer, die jeden Tag mit Tränensäcken, Augenringen, Talgentfernung, müder Haut, Anti-Glanz, Rasierpickeln, verstopften Poren, Rötungen, Hautbrennen und ähnlichem Ungemach nach der Rasur zu kämpfen haben.

War Kosmetik früher eine spezifisch weibliche Domäne, benützen heute immer mehr Männer Reinigungsgel, Feuchtigkeitscremes, Selbstbräuner, Anti-Aging-Gel und -Serum, Gesichtsmasken bis hin zu Make-up-Produkten. Nach und nach wächst die Luxuskosmetik im Männersegment. Von cirka vier Prozent ist der Marktanteil heuer auf 13 % gestiegen. Laut Prognosen für Ende 2005 soll dieser euphorische Traumwerte um 25 % erreichen.
Die schwule Kundschaft ist bei den Männerkosmetik-Herstellern und den Modemachern klarerweise sehr geschätzt. Aber neben den trendigen Schwulen testen und vergleichen auch Metrosexuelle wie der fingernägellackierte David Beckham die neuen Produkte, und auch sie werden geradezu abhängig von den Herrenhautpflegemitteln für Gesicht und Körper. Kein Grund jedoch für diese neuen Apollos, sich als weniger „männlich“ zu fühlen.

Soeben hat auch der französische Modeschöpfer Jean Paul Gaultier eine kleine Linie mit Puderdose, Lippenstift usw. für den Mann lanciert. Nicht überraschend, hat Gaultier doch schon vor Jahren Röcke für Dandys entworfen. Apropos Mode: Immer schon in den Prêt-à-Porter-Schränken männlicher Luxusgeschöpfe präsent, hat Karl Lagerfeld für Chanels Frühling/Sommer-Kollektion 2005 Cachmere-Cardigans mit Logo, Lackturnschuhe, schwarze Jeans, Tweedjacken à la Coco und Hemden ohne Ärmel entworfen. Einmal mehr beweist sich: Snobismus hat keinen Preis. Genauso wenig wie die Ringe von Chrome Hearts und die Armbänder von Cartier und Tiffany: Immer mehr Männer tragen jetzt nicht nur „echten“, sondern „richtigen“ Schmuck ... womit sich aber wieder einmal bewahrheitet: Nicht alles, was glänzt, ist Gold!

Männliche Gaultier-Models posieren mit Schminkutensilien
Jean Paul Gaultier hat nun auch eine eigene Männer-Linie mit Puder, Lippenstift & Co herausgebracht.

Aber zurück zur Kosmetik: Lange Zeit haben die „männlichen“ Männer (allerdings nicht alle!) nur Shampoos, Deos und manchmal auch Aftershave und Seife benützt. Aufgrund des aktuellen Angebots mussten in der Tat auch die Badezimmerschränke viel größer werden. Und Efeu- und Birkenextrakt, Lykopen, Koffein, Silizium usw. usf. sind keine Fremdwörter mehr für Männer, die im Beauty-Bereich Bescheid wissen wollen. Wobei es den meisten Männern aber selbst an Grundwissen über ihren Körper mangelt – z. B., dass sich ihre Haut vor allem in der Hautdicke und Talgdrüsenproduktion von der Haut von Frauen unterscheidet. Von Natur aus ist die Männerhaut dicker, und ihre Alterung beginnt mit Hängebacken, Doppelkinn und dem Verlust an Elastizität und Festigkeit. Schlimm genug fürs Gesicht, aber nicht weniger schlimm für den Hintern, wenn man merkt, dass einem die anderen zuerst auf den Po schauen – und dieser nicht mehr straff und muskulös, sondern erschlafft ist!

Daher sollten Männer in Abwandlung des feministischen Slogans aus den 1970er Jahren endlich den Spruch beherzigen: „Mann – kenne deinen Körper!“

Jean-FranÇois Cerf