LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

DVD

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Angels in America

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Angels in America. USA 2004, 337 Min., engl. OF mit engl. UT. Regie: Mike Nichols.

Eine der wichtigsten Produktionen der letzten Jahre ist die Verfilmung des epischen Doppeldramas Angels in America. Die Fernsehfassung des amerikanischen Senders HBO mit Stars wie Al Pacino, Meryl Streep und Emma Thompson gewann fünf Golden Globes. Tony Kushners Drama spielt in der widersprüchlichen Reagan-Zeit. Schwule sehen sich nicht nur mit AIDS konfrontiert, sondern erleben auch den Versuch der Konservativen, ihre Rechte einzuschränken. Die Verlogenheit der amerikanischen Konservativen wird in Angels in America von Roy Cohn verkörpert, der in den fünfziger Jahren entscheidend zur Verurteilung der Rosenbergs beitrug. In den Achtzigern ist Cohn, der versteckt schwul lebende Anwalt, nicht bereit, seine AIDS-Erkrankung zu akzeptieren. Cohns Schützling Joe kämpft seinerseits mit seiner mormonischen Herkunft und seiner Homosexualität, die er nur unzureichend durch die Ehe mit der valiumsüchtigen Harper verdrängen kann. Parallel dazu wird die Geschichte des schwulen Paares Louis und Prior erzählt – auch Prior ist an AIDS erkrankt, doch Louis kann Anblick und Umgang seines erkrankten Freundes nicht ertragen und verlässt ihn. Angels in America zeigt damit nicht nur den gesellschaftlichen Umgang mit HIV und AIDS, sondern auch den individuell zwischenmenschlichen. Durch die Begegnung fast aller Personen miteinander – sei es in der Realität, sei es im Drogenrausch oder in Todesphantasien – werden diese beiden Perspektiven zueinander in Beziehung gesetzt. Durch die filmischen Möglichkeiten verstärkt die HBO-Produktion noch Vorgaben des Stücks, die ebenfalls die Verschränkung der Perspektiven unterstreichen. Etliche Rollen sind mehrfach durch die gleichen Schauspieler besetzt. Zunächst durch Maske und Kameraführung als Mehrfachbesetzung nicht wahrnehmbar, enthüllt sich diese filmische Umsetzung erst im Laufe der über 6-stündigen TV-Produktion.

Kushners Stück, eine der ersten Auseinandersetzungen mit HIV und AIDS, gewann seinerzeit den Pulitzer-Preis. Durch die hochkarätige Besetzung und aufwändige Verfilmung wird aus dem damals brisant aktuellen Stück heute ein zeitloses Drama über Schwulsein, gesellschaftliche Akzeptanz und ihre Bedrohung.

Mambo Italiano

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Mambo Italiano. CDN 2003, 89 Min., engl. OF/dt. SF. Regie: Émile Gaudreault.

Der schwule Komödienerfolg des Sommers kam aus Kanada. Maria und Gino emigrierten in den 50er Jahren aus Italien und haben sich vom Schock ihrer neuen Heimat Montreal noch immer nicht erholt. Da werden die Grundfesten von Little Italy erneut erschüttert: Ihr Sohn Angelo will von zu Hause ausziehen, obwohl er erst Ende zwanzig und noch nicht einmal verheiratet ist. Einziger Trost: Nino, Angelos bester Freund aus der Schulzeit und Polizist, will mit ihm zusammenziehen. Was die Eltern nicht wissen: Angelo und Nino sind ein schwules Paar. In einer gewitterartigen Coming-out-Szene schenkt Angelo seinen Eltern reinen Wein ein, und das Drama nimmt seinen Lauf (Italian style, natürlich!) – „tutta la famiglia“ zieht in den Krieg.

Gleichzeitig ein abstrus lustiger und streckenweise beklemmend authentischer Film, denn nicht nur die Eltern sind mit Angelos Coming-out überfordert, auch Macho-Cop Nino ist zu feige für ein offen schwules Leben. Für Angelo bricht nicht nur die Welt seiner Kindheit, sondern auch die seiner Liebe zusammen. Doch zum Glück gibt es Peter von der schwulen Selbsthilfegruppe.

Das „L“-Wort

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The L-Word. Season # 1, USA 2004, 4-DVD-Box, engl. OF. Regie: diverse.

Diese erste „lesbische“ Fernsehserie des erprobten Produzenten Showtime – er hat auch die US-Version der Serie Queer As Folk produziert – verfolgt im schicken Los Angeles das Leben einer Gruppe von Lesben, ihrer FreundInnen, Familien und NachbarInnen. Bette und Tina sind seit sieben Jahren zusammen und wollen jetzt ein gemeinsames Kind. Derweil trifft Nachbar Tim letzte Vorbereitungen dafür, dass seine Freundin Jenny bei ihm einzieht. Diese muss bald einsehen, dass ihre provinzielle Herkunft ihr nicht ganz die richtige Vorbereitung für ihre neuen lesbischen Nachbarinnen mit auf den Weg gegeben hat. Und dann gibt es auch noch Bettes Schwester Kit, die ihre Alkoholsucht mit ihrer Karriere als Musikerin in Einklang bringen will, und Dana, die sich wegen ihrer Profi-Tenniskarriere nicht getraut, als Lesbe herauszukommen. Alle schütten sich ihr Herz im Coffee-Shop The Planet aus, und Marina, die gut aussehende Betreiberin, weiß durchaus ihre Vorteile daraus zu ziehen, denn einzig ihr gelang es in der ersten Staffel, Jenny ins Bett zu ziehen. Ein großartiges Bild lesbischen Alltags zum Mitlachen und Mitweinen.

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