LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Obertitel

Mo, die Antiheldin

Mo lebt in einer fiktiven amerikanischen Stadt in Monogamie mit der Universitätsdozentin Sydney und einem Kreis illustrer FreundInnen. Sie selbst arbeitet als Verkäuferin bei „Madwimmin“, einer Frauenbuchhandlung, deren Existenz von den großen Bookstores und Online-Anbietern bedroht wird.

Genauso bedroht fühlt sich Mo. In jeder Situation, egal ob sie versucht, jeden einzelnen Wassertropfen vor Verschwendung zu retten, oder als überzeugte Vegetarierin mit ansehen muss, wie sich ihre Arbeitskollegin Lois Cheeseburger und Pommes vom marktbeherrschenden Großkonzern MacDonald’s reinzieht. Lois sieht das Leben locker, ist meistens solo, aber doch nie allein. Sie tritt leidenschaftlich gerne als Drag King auf und hat es mit ihrer unkomplizierten Art sogar geschafft, dass Toys und Dildos bei „Madwimmin Books“ verkauft werden. Gemeinsam mit Ginger und Sparrow teilt sie sich einen Haushalt, in dem seit kurzem auch ein Mann anzutreffen ist. Stuart und Sparrow sind das einzige heterosexuelle Paar der Comics-Reihe. In deren schwarzen Kästchen ist Platz für jede Art von Beziehung. Toni und Clarice etwa feiern ihr 20-jähriges Beisammensein, indem sie ihrer Verbindung den staatlichen „Segen“ geben lassen, und zwar in Form der „Civil Union“, einer Art eingetragenen PartnerInnenschaft für gleichgeschlechtliche Paare, wie sie im Bundesstaat Vermont bereits möglich ist. Gemeinsam erziehen sie Raffi, den Toni mit Hilfe künstlicher Befruchtung geboren hat. Carlos ist Raffis bester Freund und Babysitter zugleich. Zusammen verteidigen sie die Ehre der Schwulen gegenüber Raffis Schulkollegen.

Faksimile des schwarzweiß gezeichneten Comic
Das Comic


Seifenoper im Querformat

Seit den 80er Jahren existiert nun diese wilde Truppe und unterhält uns mit Affären, Intrigen und Glücksgefühlen. Die Cartoonistin Alison Bechdel hat auf ansprechendes Niveau geachtet. Immer wieder fließt das tagespolitische Geschehen der USA in die Gespräche der Akteurinnen ein, beispielsweise die Wahlschlacht zwischen Bush und Al Gore. Frau sollte das Medium Comic keinesfalls unterschätzen, vor allem nicht, wenn frau den feministischen Inhalt bereits am Cover erkennen kann.

Bisher sind zehn Ausgaben erschienen, die aktuelle Dykes and Sundry Other Carbon-Based Life-Forms to Watch Out for wartet gerade auf ihre Übersetzung ins Deutsche. Bis dahin trösten vielleicht die Inhalte dieser spannenden Sites:

Official Site: www.dykestowatchoutfor.com

Comic Strips online, Diskussionen:
www.planetout.com/entertainment/comics

Bettina Nemeth