LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Aufgekocht

Spinattortilla

Seit nunmehr sechs Jahren verwöhne ich hier in unserem Tuntenhotel an der Costa Blanca (www.villadelossuenos.com) unsere Gäste mit manchmal mehr und manchmal weniger spanischen Köstlichkeiten. Zu Anfang war dies gar nicht so einfach, denn alleine das Einkaufen der Lebensmittel auf dem spanischen Markt hielt die eine oder andere Schwierigkeit bereit.

Ich erinnere mich noch genau an das erste Huhn, welches ich an einem üppigen Marktstand, der von einer noch üppigeren spanischen Bäuerin beherrscht wurde, erstehen wollte. Zu meiner Schande muss ich erwähnen, dass meine Spanischkenntnisse zu Anfang noch recht bescheiden waren, und so versuchte ich also an einem sonnigen Wintermorgen, bewaffnet mit einem charmanten Lächeln und einem Wörterbuch, mein Glück in den hiesigen Markthallen.

Ich prüfte mit gekonnt aufgesetztem Blick die Ware und setzte zur Bestellung eines der dargebotenen Hühner an – nur erinnerte ich mich nicht an das spanische Wort für Huhn, nach kurzem Überlegen jedoch fiel es mir wieder ein, und so bestellte ich locker flockig ein besonders fettes „polla“! Die Bauersfrau schaute mich zuerst schockiert an, um dann einen mittelgroßen Lachkrampf zu bekommen – ich hatte da wohl irgendetwas verwechselt! Hektisch kramte ich das Wörterbuch aus meinem Rucksack und wusste kurz darauf, warum sich die gute Frau mittlerweile schnaufend den Bauch hielt: Das Huhn nennt sich hierzulande „pollo“, mit dem von mir bestellten „polla“ wiederum bezeichnet man (im Straßenjargon) das männliche Geschlechtsteil – ich hatte also allen Ernstes einen besonders fetten „Schwanz“ bestellt!

Nachdem sich die Dame des Standes ein wenig beruhigt hatte und auch einige benachbarte Verkäufer dank ihrer Diskretion ihren Spaß mit mir hatten, sagte sie mit einem dreckigen Grinsen, dass sie mir damit wohl nicht aushelfen könne und ich mein Glück vielleicht lieber woanders versuchen solle!

Auch in der Kochpraxis gab es leichte Anlaufschwierigkeiten. So erinnere ich mich noch ganz gut daran, wie viele spanische Tortillas (Eierkuchen aus Kartoffeln und Eiern) in den ersten Monaten hier in Spanien durch meine Küchen geflogen sind – die verfluchten Dinger wollten sich in meiner luxuriös beschichteten Edelpfanne einfach nicht wenden lassen! Die Kunst ist – so fand ich schließlich heraus –, reichlich Olivenöl zu verwenden (die spanische Küche ist ja bekanntlich recht fetthaltig) – dann rutscht auch die dickste Tortilla!

Mittlerweile ist mir die spanische Küche nicht mehr fremd, und es erfüllt mich mit besonderem Stolz, von unseren spanischen Gästen (die unser Haus auch recht zahlreich beehren) zu hören, dass selbst die Paella in unserem Haus schmeckt wie bei Muttern.

Eine recht köstliche Angelegenheit ist die Spinattortilla, die man kalt oder warm eigentlich in allen Lebenslagen genießen kann: zum Frühstück, mittags, auf dem Brot, als Beilage oder als Snack für Zwischendurch – aber nicht vergessen: Am Olivenöl sollte man nicht sparen, damit aus der Tortilla keine Flugtortilla wird!

DAS REZEPT

Zutaten:
- 6 Eier (verquirlen und leicht mit Salz und Pfeffer würzen)
- 100-150 g TK-Blattspinat (aufgetaut)
- 1 kleine Zwiebel
- 3 Speckscheiben
- Salz
- Pfeffer
- eine Prise Muskatnuss
- 2 EL Olivenöl
- auf Wunsch Knoblauch

Zuerst die Zwiebel und den Speck in kleine Würfel schneiden, dann beides im Olivenöl in einer mittelgroßen (lieber zu kleinen als zu großen) Pfanne andünsten.

Als nächstes wird der Spinat für einige Minuten hinzugegeben und mitgedünstet. Der Pfanneninhalt wird mit ein wenig Salz, Pfeffer und Muskatnuss gewürzt und mit den verquirlten Eiern gleichmäßig übergossen.

Nun den Herd auf die kleinste Stufe drehen, die Pfanne abdecken und warten.
Nach etwa 15 Minuten sollte dann der große Moment gekommen sein, um die Tortilla zu wenden. Dies geht am besten mit Hilfe eines Tellers, auf den man die Tortilla gleiten lässt, um sie dann mit der Oberseite zuerst wieder in die Pfanne zu stürzen.

Nach weiteren 5–10 Minuten kann das kulinarische Kunstwerk dann der Pfanne entnommen und genossen werden.

Weitere Geschichten und Rezepte unter:
www.uwekocht.com.

Portraitfoto
UWE KRAUSER