LAMBDA-Nachrichten Nr. 102

Sport-News

Nachlese zu den EuroGames

Die IX. EuroGames in München vom 29. Juli bis 1. August 2004 hatten schon im Vorfeld erfreuliche Resonanz. Am 27. Juli fand im Wiener MUMOK die Podiumsdiskussion „Lesben und Schwule im Sport – Fair Play oder Foul?“ statt. Nach der Diskussion mit Ulrike Lunacek, Tanzschulbesitzer Wolfgang Stanek, Michael Fanizadeh von Fair Play – Fußball gegen Rassismus und Conny Schälike, einer Vertreterin der europäischen Schwulen- und Lesben-Sport-Föderation (EGLSF), erschienen lesenswerte Berichte auf http://derstandard.at//?id=1741737 sowie auf der Homepage von Fair Play (www.vidc.org/fairplay/news/fairplay.htm).

Gleich nach den Games veröffentlichte die Wiener Stadtzeitung Falter (Nr. 32) ein Foto, das für manche Lesben Kult sein könnte: die Schauspielerin Ulrike Folkerts und Ulrike Lunacek gemeinsam abgebildet als Teilnehmerinnen an den Schwimmbewerben der EuroGames. Und sogar Die Presse berichtete. Dass dort die TeilnehmerInnen an diesen lesbisch-schwulen Europameisterschaften als „Sportler“ unter Anführungszeichen bezeichnet wurden, gab dem langjährigen Erfolgsschwimmer Paul Molecz den Anstoß, seinen österreichischen Masters-Rekord in der Altersklasse 45, den er in München über 400 m Lagen erzielte, unverzüglich beim Österreichischen Schwimmverband registrieren zu lassen. „Dort scheint der Rekord jetzt unter ‚EuroGames – München‘ auf“, zeigt sich Paul zufrieden.

Am 21. September wurden im Wiener HOSI-Zentrum bei der schon traditionellen Welcome-Party die österreichischen Medaillen mit Sekt begossen: 32 insgesamt, nachzulesen auf: www.aufschlag.org.

Steil nach oben

Auch diesmal holte Martin aus Innsbruck eine Goldmedaille im Freeclimbing, womit der von Freunden von der HOSI Tirol bestens gecoachte A-Klasse-Gold-Kletterer der EuroGames 2000 eine super Titelverteidigung hinlegte und bewies, dass das Land der Berge eben auch starke schwule Kletterer hat. Im Tischtennis überraschte das Newcomer-As Amir aus Wien mit Gold in der Leistungsklasse A. Im A-Klasse-Doppel erreichten die Wiener Amir und Roland Silber.

Im Tanzen gab es Edelmetall für zwei Frauenpaare aus Wien. Jeweils Silber in den Klassen A und C. Eine Silberne in der A-Klasse ist eine kleine Sensation für Österreich. „Was vor drei Jahren noch B-Level war, ist jetzt C-Level“, berichtet die turniererfahrene Babsi vom silbernen C-Klasse-Paar: „Das Leistungsniveau der TänzerInnen steigt von Jahr zu Jahr. Es läuft nichts mehr ohne tolle Choreografie, wenn man/frau gewinnen will.“ – Ein Grund mehr, auf die Leistungen aller WienerInnen, die beim Tanzturnier in München antraten, stolz zu sein. Die Detailergebnisse und natürlich auch einen Nachbericht vom Blue Danube Cup-Tanzturnier, das am 18. September in Wien stattfand, gibt es auf der Homepage der Rainbow Dancers Austria: http://dancers.go.to.

Fußballerinnenpremiere

Heuer nahm erstmals ein österreichisches Frauenfußballteam an den EuroGames teil. Fußball zählt zu den Pflichtsportarten, die im Programm sein müssen. Kein Wunder, herrscht beim Kicken doch der größte Andrang. Die meisten TeilnehmerInnen waren für das Fußballturnier gemeldet, und hier gab es auch den höchsten Frauenanteil, der bezogen auf die gesamten Spiele bei knapp vierzig Prozent lag. 32 Frauen- und 16 Männerteams aus zwölf Ländern waren hinter der Wuchtel her. Während es bei den Männern nur eine Leistungsklasse gab, konnten sich die Frauenteams – je nach eigener Einschätzung – als Anfängerinnen oder Fortgeschrittene registrieren lassen. Der Großteil der KickerInnen kam, wenig überraschend, aus Deutschland. Gut vertreten waren auch die Schweiz, die Niederlande und Großbritannien.

Die Aufschlag-Melange in Aktion bei den EuroGames

Die beiden Wiener Hobby-Frauenteams BALLerinas und Drama Queens taten sich extra für die EuroGames zusammen und liefen unter dem Namen Aufschlag-Melange ein. Wie beim gesamten Turnier waren auch innerhalb dieses Teams die Zugänge zum Fußballspielen sehr unterschiedlich: Während die BALLerinas inzwischen vereinsmäßig organisiert sind, legen die Drama Queens Wert auf eine offene und informelle Gruppe. So unterschiedlich die Zusammensetzung, so sehr stehen jedoch für alle Spielerinnen weniger Leistungssport und Professionalität im Vordergrund als vielmehr der Spaßfaktor und die Freude am Spiel. Die Motive für die Teilnahme in München waren mindestens genauso verschieden: Sie reichten von der Lust, einmal dabei zu sein, über das Interesse an neuen Kontakten bis zu der Aussicht, einmal ein richtiges Match auf einem „richtigen“ Spielfeld zu spielen.

Dabei sein ist alles

Beide Gruppen hatten bis dahin fast ausschließlich auf der Wiese gespielt, ohne Linien, Tore und Schiedsrichter/in. Einen echten Fußballplatz hatten die meisten allenfalls von der Tribüne aus gesehen, von Matchpraxis ganz zu schweigen. Erst während der Vorbereitung auf das Turnier in München wurde zweimal ein Platz angemietet, um vor dem Tag X zumindest eine Ahnung zu bekommen, wie ein organisiertes Spiel aussehen könnte – und wie groß ein „echtes“ Feld tatsächlich ist.

Als es dann soweit war, war alles offen – niemand konnte das Niveau des Aufschlag-Teams oder gar der anderen „Anfängerinnen“ einschätzen. Das Soccer-Turnier erstreckte sich über zwei Tage. Pro Tag und Frauschaft wurden drei Spiele zu je 30 Minuten gespielt: ohne Halbzeitpause, ohne Seitenwechsel. Das erste Spiel brachte dann gleich zwei Überraschungen: Die anderen Teams hatten kleine Geschenke mitgebracht, und Aufschlag-Melange hat sich – trotz anfänglicher Probleme mit Out-Einwürfen – gut geschlagen. Ambiente und Atmosphäre waren beeindruckend, es herrschte ausgelassene Stimmung.

Am Ende des ersten Tages hatte Aufschlag-Melange zwei Remis und eine Niederlage auf ihrem Konto. Das reichte in der Vierergruppe für den dritten Platz. Am nächsten Tag folgten die Rangspiele. Aufschlag-Melange trat um die Plätze 8-16 an. Die Spiele gestalteten sich um einiges schwieriger als am Vortag. Einerseits hatten sich die Wiener Spielerinnen offenbar als einzige am Abend zuvor die Partys nicht entgehen lassen wollen, denn auch das kulturelle Rahmenprogramm der EuroGames hatte einiges zu bieten, andererseits machte der Muskelkater die Beine schwer. Schlussendlich kämpfte das Frauenteam um den vorletzten Platz und schaffte mit einem Sieg nach einem dramatischen Elfmeterschießen doch noch den fulminanten 15. Rang.

Schwimmen im Team

Die Schwimmbewerbe der EuroGames fanden in der Olympia-Schwimmhalle statt. Verglichen mit Fußball ist hier die Verteilung der Geschlechter stets umgekehrt. Von den insgesamt 641 SchwimmerInnen waren nur 109 Frauen, was einen Frauenanteil von 17 % ausmacht. Nicht so im zwölfköpfigen Schwimmteam von Aufschlag Wien. Mit fünf Frauen und sieben Männern liegt hier die Frauenquote bei 42 %.

Gruppenfoto
Die siegreichen SchwimmerInnen.

In den Einzelbewerben konnte dieses Team insgesamt 18 Medaillen erringen. Lisa 3x Gold, 1x Silber; Ulrike 2x Gold, 1x Silber, 3x Bronze; Heike, deren erste Wettbewerbsteilnahme es überhaupt war, erreichte Gold über 100 m Brust. Paul holte drei Goldene und eine Silberne. Und Florian versilberte sein Euro­Games-Debut in der konkurrenzstarken Altersklasse 25 gleich zweimal: über 50m Rücken und 200m Brust.

In den Staffelbewerben holten die ÖsterreicherInnen weitere sechs Medaillen: 2 Gold, 3 Silber, 1 Bronze. Den größten Staffel-Erfolg sieht Paul im 1. Platz über 4 x 50 m Lagen mixed (Gabriele, Peter, Paul, Lisa) „Hier hat sich die hervorragende Homogenität unseres Teams bewiesen“, meint er, „sowohl was das ausgeglichene Verhältnis Frauen/Männer als auch unsere Stärke in allen Schwimmlagen betrifft.“

„In der Nationenwertung beim Schwimmen haben wir den ausgezeichneten 4. Platz belegt. Mit lediglich zwölf TeilnehmerInnen hatten wir sicher die höchste ‚Trefferquote‘ von allen“, zieht Paul numerische Bilanz. „Neben den sportlichen Erfolgen“, meint er weiter, „sind aber die österreichischen SchwimmerInnen bei diesen Wettkämpfen sicher durch ihren Teamgeist hervorgestochen.“ Die einheitlichen Badeanzüge – in rot, mit dem vom Teamkollegen Peter Novotny entworfenen Logo der Kraulquappen –, das gemeinsame Anfeuern der KollegInnen und die Staffel-Erfolge haben der starken internationalen Konkurrenz eindeutig Respekt für dieses Team aus Österreich abgerungen. Nicht zu vernachlässigen ist der Anteil, den Erwin von den Aufschlag-Läufern am Erfolg der Wiener Kraulquappen hatte: Während des gesamten Meetings verwöhnte er das Schwimmteam mit professioneller Massage.

Goldregen geht weiter

Am 18. September fand in Barcelona das Panteres-Schwimmturnier statt, an dem Peter von den Aufschlag-Kraulquappen teilnahm und dabei Gold über 50 und 100m Brust gewann.

Bei folgenden Schwimmturnieren werden demnächst Aufschlag-Leute mitschwimmen: 9.-10.10.: österreichische Masters in Telfs in Tirol; 29.-31.10.: Internationale ASKÖ-Bundesmeisterschaften 2004 in Linz; und 26.-28.11.: schwul-lesbisches FVV-Weihnachtsturnier in Frankfurt am Main. Das erste von den Kraulquappen veranstaltete Schwimmturnier in Wien wird als Valentine-Tournament vom 11.-13. 2. 2005 stattfinden. Die Vorbereitungen laufen bereits. Nähere Infos und Anmeldemöglichkeit auf: http://austrogames.gay.or.at.

Eurogames-Logo

1st World Outgames Montréal 2006

Während die Olympischen Spiele in Athen voll im Gange waren und sich die Lesben und Schwulen vor den TV-Geräten dem Ratespiel „Who’s gay at the Olympics?“ hingaben, trafen sich weiter