LAMBDA-Nachrichten Nr. 102

CDs

LN-Videothek

zusammengestellt von der Buchhandlung Löwenherz

Weil ich ein Mädchen bin

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...But I’m a Cheerleader. USA 1999, 90 Min., Regie: Jamie Babbitt

Dieser Film, der sich 2001 als einer der absoluten Höhepunkte des identities-Festivals in Wien entpuppte und dann auch in ganz Österreich in die Kinos kam, kommt zunächst als schrille Komödie daher. Doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken, wenn man bedenkt, dass es derartige Umerziehungslager für Schwule und Lesben in den USA tatsächlich gibt. Diesem Wahnsinn kann nur mit Humor begegnet werden.

Megan macht sich gegenüber ihren Schulfreundinnen und Eltern verdächtig: Sie lehnt es ab, Fleisch zu essen, hört gerne Melissa Etheridge und ist nicht gerade angetan davon, dass ihr Freund im Auto voll zur Sache geht. Die Alarmglocken schrillen: Aus ihr wird eine Lesbe werden. Da helfen auch keine Beteuerungen – wie zum Beispiel, dass Megan ja Cheerleader sei –, um die ins Auge gefassten, radikalen Maßnahmen ihrer Umgebung abzuwenden. Megan wird ins Umerziehungslager „True Directions“ gesteckt, in dem junge Schwule und Lesben durch ein Fünf-Stufen-Programm in lupenreine Heteros verwandelt werden sollen. Für Lesben stehen Kochen und Putzen auf dem Programm, für Schwule Holzhacken und Autos reparieren. Die Mädchen und Burschen tun dies – eher weniger begabt – unter den strengen Augen der Heimleiterin, die alles unternimmt, um den HeteroaspirantInnen die Freuden des Heterolebens einzutrichtern – dabei kräftig unterstützt von einem Ex-Schwulen als Vorbild (gespielt von einem kaum wiederzuerkennenden RuPaul). Was allerdings von der Heimleitung nicht richtig einkalkuliert wurde, ist ein Fehler im System: Die Mädchen werden mit Mädchen, die Burschen mit Burschen in Zimmern zusammengelegt – in dieser Treibhausatmosphäre können homoerotische Gefühle herrlich gedeihen, denn unter Gleichgesinnten kommen die Junglesben und Jungschwulen erst richtig auf den Geschmack. Außerdem stehlen sich die Internierten nachts aus dem Lagergelände und besuchen eine Disco, die Treffpunkt für Lesben und Schwule aus der ganzen Gegend ist. Neue Gefühle zum eigenen Geschlecht sind die Folge.

Und schließlich kommt es, wie es kommen muss: Die große Abschiedsfeier für die vermeintlich frisch gebackenen Heteros eskaliert in einem großen Showdown, in dem verlogenes Umerziehungsgetue und selbstbewusstes Coming-out fulminant aufeinanderprallen.

Wilde Himbeeren

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The Raspberry Reich. D 2004, 92 Min., Regie: Bruce LaBruce

Wie in seinen früheren Filmen Super 8 1/2, Hustler White und Skin Flick wagt Regisseur Bruce LaBruce in seinem neuesten Streifen The Raspberry Reich die Gratwanderung zwischen experimentellem Spielfilm und Porno, somit die Provokation. Die höchst skurrile, wilde Handlung spielt in Berlin: Eine Gruppe von revolutionären Anarchisten unter Führung der militanten Gudrun versucht die schwule Revolution. Zu diesem Zweck soll der Bankierssohn Patrick entführt werden. Die schrille Gudrun leitet ihre anarchistische Zelle – bestehend aus lauter gutaussehenden, geilen Extremisten – in den Kampf gegen heterosexistische, faschistische Unterdrückung und empfiehlt ihren Mitrevolutionären schwulen Sex, um die Hegemonie der Heteromonogamie zu durchbrechen. Die Extremisten gehen mit gutem Beispiel voran und experimentieren aufs heftigste miteinander. Die schlecht vorbereitete Entführungsaktion gerät jedoch vollkommen aus dem Ruder, nachdem sich ein Entführer in die Geisel verliebt hat. Bewusst schlechtes Laienschauspiel und erzählerische Gewagtheit prägen diesen Film. Ebenso Slogans und terroristischer Chic der Roten Armee Fraktion aus den 70er Jahren. Das Ganze wird von wirklich geilen Sexszenen wie ein roter Faden durchzogen.

Klub der Selbstmörder

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Was nützt die Liebe in Gedanken. D 2004, 89 Min., Regie: Achim von Borries.

Verfilmung des authentischen Falles der so genannten Steglitzer Schülertragödie von 1927. Drei Teenager gründen einen Selbstmörderclub. Sie wollen das Leben und die Liebe noch einmal in vollen Zügen genießen. Dabei spielt das Geschlecht der oder des Geliebten keine Rolle. Sexuelle Freizügigkeit steht für Günther, Paul und Günthers Schwester Hilde hoch im Kurs. Ebenso die Auflehnung gegen die Erwachsenen, von denen sie sich stets eingeengt fühlen. Während eines Fests mit Absinth und Musik gerät die Situation außer Kontrolle.

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